Yellowstone National Park - 26. bis 30. August 2008

Wir entern den ersten Nationalpark der Welt am Dienstagabend (26.08.) vom East Entrance. Hier kommt jetzt wieder unsere Nationalpark-Karte zum Einsatz. Es gibt Kartenmaterial und die Info, dass es in ca. zwei Stunden dunkel wird. Freie Zeltplätze gibt es anscheinend noch ausreichend. Wir suchen uns den Canyon Campground aus, weil dieser Duschen und eine Dumpstation hat. Kostenpunkt 20 $/Nacht. Auf dem Weg dorthin stecken wir zweimal im Stau, aber nicht weil so viele Autos unterwegs sind, sondern weil Bisonherden die Straße versperren. Einmal sind sogar Parkranger- und Krankenwagen im Einsatz und versuchen die Tiere mit quäkenden Sirenengeräuschen und kreisenden Fahrten von der Straße zu bewegen. Als wir dann kurz nach acht für 4 Nächte einchecken, bekommen wir einen schönen Stellplatz. Der Campground ist mitten im Wald und ziemlich groß. Wir haben sehr nette Nachbarn aus Hawaii, mit denen wir die erste Nacht am Lagerfeuer verbringen. Es ist richtig kalt. Wir befinden uns auf dem höchstgelegenen Campground (haben wir natürlich vorher nicht drüber nachgedacht), aber auch so sind die Temperaturen stark gesunken. Das setzt sich am nächsten Morgen fort und da wir beide schon eine Erkältung haben, überlegen wir wieder auszuchecken. Hinzu kommt, dass die Duschen zwar vorhanden, aber leider vorne am Check In sind, heißt ca. 1 Meile zu fahren und sie kosten auch noch 3,25 $ extra. Tipp für andere, inen preiswerten Campground wählen (die 14 $ Campgrounds sind völlig ausreichend, denn bei unserem wird im Endeffekt ja auch nur der Stellplatz geboten) und zum Duschen und Dumpen zu einem der teuren Campgrounds fahren.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, widmen wir uns kurz den Berichten der Webpage und kommen so erst gegen 13 Uhr los. Unseren Camper Jonny Rotten haben wir abgeschnallt und sind jetzt mit Dirty Harry pur unterwegs. Die Straßen des Yellowstone Parks sind zwei Kreise, die eine Acht bilden (Nord und Südloop) plus der Ein- bzw. Ausfahrtsstraßen, die von den Loops abgehen. Da es schon so spät ist, beschließen wir, nur einen Teil des Südloops zu fahren. Wie gesagt, ist es relativ frisch, aber es soll besser werden. Gleich südlich von unserem Campground gibt es die höchsten Wasserfälle des Parks. Zuerst fahren wir direkt an die Upper Falls (33 m hoch), dann über eine Brücke auf die andere Seite, um die Fälle noch einmal von dort zu sehen. Anschließend gehen wir den Uncle Toms Trail, der zu den Lower Falls führt. Bei der Höhe und unserer Erkältung bleibt uns fast die Luft weg. Wir kommen zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf den „Grand Canyon of the Yellowstone“ und dem Yellowstone River, der sich tief unten dahinschlängelt. Dieser Anblick ist wirklich überragend, da der Canyon in verschiedenen Gelb- und Weißtönen leuchtet. Wirklich, wie gemalt. Von hier kann man den 300 Stufen Abstieg zu den Lower Falls wagen. Olli lehnt dankend ab und vertreibt sich die Wartezeit mit einer netten Amerikanerin. Deren Mann will genau wie ich, nicht auf die Fotos vom Wasserfall verzichten. Hinab ist es natürlich recht einfach, obwohl man nicht durch das Gitter nach unten gucken sollte, dabei wird einem nämlich auch ohne Höhenangst schwindelig. Der Abstieg hat sich aber gelohnt. Dieser Wasserfall ist schöner, als der erste. 94 Meter fällt das Wasser hier in die Tiefe und verläuft dann weiter zwischen grünlich schimmernden Ufern. Jetzt aber wieder hoch. Wenn man ganz langsam geht und auf jeder Plattform vorgibt, ein Foto zu machen, ist es zu schaffen. Trotzdem lacht Olli über meinen roten Kopf, als ich bei ihm ankomme. Wir unterhalten uns noch nett mit den beiden Amis (aus Indiana) und machen uns dann auf den Rückweg zum Auto. Von hier kann man noch zum Artist Point fahren, von wo man die Lower Falls aus einer weiter entfernten Perspektive sehen kann, wieder eingebettet in den gelben Canyon.

Nach den Wasserfällen schauen wir uns noch die ersten heißen Quellen an, die Sulphur Caldron und den Mud Volcano. Da der ganze Park auf vulkanischem Gebiet gelegen ist, kann man überall aus der Erde Rauch bzw. Gesire aufsteigen sehen. Jetzt wollen wir noch Feuerholz suchen, schließlich ist der ganze Park voll mit abgestorbenen Bäumen und mal ganz ehrlich, 7 $ für ne kleine Kiste Brennholz - die spinnen. Leider müssen wir wieder durch den Bisonstau. Das ist besonders toll, wenn man Turisten vor sich hat, die zum ersten Mal Bisons sehen… wir sind ja mittlerweile schon alte „Bisonhasen“... An einem Picknickplatz sammeln wir genug Holz für die nächsten 3 Nächte.

Am Donnerstag bestreiten wir den kompletten Nordloop. Es beginnt mit einem Abschnitt, der höchsten Berge des Parks, z. B. Mount Washburn mit einer Höhe von 10,243 Feet/3122 m. Links und rechts sieht man noch die Folgen des letzten Waldbrandes, weißgewaschene Baumskelette ragen in den Himmel. Obwohl ein grüner Wald sicherlich schöner anzusehen ist, hat so ein Waldbrand auch positive Effekte, die neuen Pflanzen haben nun umso bessere Wachstumsbedingungen und auch die Tiere siedeln sich relativ schnell wieder an. Die Zahl der Hirsche hat sich seit dem Brand verdoppelt. Die einzelnen toten weißen Bäume vor dem blauen Himmel haben etwas skurril Schönes an sich. Wir fahren an einem beeindruckenden Canyon entlang. Das ist der Grand Canyon des Yellowstone Parks. In seinem Tal schlängelt sich blau mit weißen Strudeln der Yellowstone River.

Nach 40 km sich windender Straßen erreichen wir das angekündigte Highlight dieser Strecke, die Mammoth Hot Springs Terraces. Hier befinden sich das Headquarters des Parks und auch die größten Gebäude, die eine kleine Stadt geformt haben. Es gibt eine Post, ein riesiges Hotel und ein Restaurant, natürlich ein Visitor Center, Tankstellen und Geschäfte. Außerdem lebt hier eine große Herde Rotwild (so heißt es zumindest in Deutschland), die gemütlich zwischen den Gebäuden grasen. Diese Rehe sind allerdings um vieles größer als deutsches Rotwild und scheu sind sie auch nicht. Zwischen der riesigen Herde Hirschkühe liegt ein Prachtexemplar an Hirsch. Mit seiner heraushängenden Zunge sieht er aus, als wenn er lacht. Nach einem Imbiss fahren wir den Berg hinauf. Man kann die terrassenförmigen Quellen entweder von unten zu Fuß oder von oben mit dem Auto erkunden. Diesmal haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und wussten das. Während sich also die meisten Leute von unten qualvoll den Berg hocharbeiten, fahren wir gemütlich ein paar Meter weiter zu der, von unten nicht einsehbarer Einfahrt für Autos. Trotz der Nachsaison ist der Parkplatz gut gefüllt. Von hier geht man über Holzwege zu den Quellen, die sich terrassenförmig über weißem Kalziumkarbonat nach unten ergießen. Die Chemikalien zaubern rote Rostflecke in die bizarre Landschaft. 500 Jahre alte Bäume ragen aus den heißen Gewässern in die Höhe. Etwas enttäuschend ist die Größe der Basins. Auf alten Fotos stehen Menschen neben den hüfthohen Becken. Heute sind die Terrassen nur noch ca. 50 cm hoch, wahrscheinlich im Laufe der Zeit durch das fließende Wasser immer mehr abgetragen.

Freitag, der 29. August steht ganz unter dem Stern des Ausruhens. Wir haben endlich mal die Gelegenheit unsere vielen Bilder der letzten Tage durchzuschauen und zu minimieren. Berichte für die Webpage werden geschrieben und es ist Zeit zum Lesen. Wir gönnen uns ein ausgiebiges Mittag und abends ein schönes Lagerfeuer – das letzte im Yellowstone Park – und verfeuern unser restliches gesammeltes Holz.

Samstags müssen wir dann gegen 10 Uhr auschecken und kommen deswegen sogar einmal früher weg. Original 10 min nach 10 Uhr fährt schon einer der Ranger vorbei und fragt nach unserer Abreise. Wir fahren heute durch den Bauch der Acht und dann südlich zum „Old Faithful“. Auf dem Weg dorthin gibt es wieder unzählige Punkte zum Anhalten und Fotografieren. Zuerst machen wir Stopp beim Monument Geyser Basin und anschließend bei den 26 m hohen Gibbon Falls. Dann fahren wir den Loop am Firehole River entlang, wo wir uns noch einen Wasserfall anschauen. Am Fountain Paint Pot ist es sehr voll. Es ist ein großes Gelände, über das man wieder auf Holzwegen entlang der Quellen und Geysire läuft. Hier könnte man glatt behaupten, wir sind auf dem Holzweg. Anschließend fahren wir den Firehole Lake Drive zu einem der größten Geysire, dem Great Fountain Geysir. Dieser bricht nur einmal am Tag aus, leider nicht als wir da sind (die Zeiten sind am Parkplatz angeschlagen), trotzdem finden wir diesen Ort wirklich sehr schön. Von dort fahren wir aber direkt zu dem berühmtesten Geysir des Parkes „Old Faithful“. Der verdankt seinen Namen der Tatsache, dass er pünktlich einmal die Stunde ausbricht. Wir kommen mal wieder völlig ahnungslos an, aber anhand der Menschenmassen, die sich schon Plätze auf den umherstehenden Bänken sichern, kann man davon ausgehen, dass Old Faithful nicht mehr lange auf sich warten lässt. Unser Banknachbar ist so nett und verrät uns, dass es in 20 min losgeht. Das gute ist, man kann den Geysirausbruch von allen Seiten des Gebietes sehen, so verteilen sich die Leute ein bisschen.

Old Faithful ist nicht ganz so zuverlässig auf seine alten Tage und bricht ca. 10 min verspätet aus. Dann aber richtig. Die Fontäne geht bestimmt 20 m in die Höhe. Das ganze Spektakel dauert ungefähr 4 min, dann ist wieder Schicht im Schacht und nur Rauch zu sehen. Wir steigen wieder ins Auto und fahren weiter zum südlichen Ausgang des Parks. Auf dem Weg dorthin passieren wir noch einige schöne Stellen, den riesigen Shoshone Lake, wir machen auch noch eine kleine Picknick-Pause an einem der vielen Creeks, überfahren zwei sehr hohe Pässe (8262 und 8391 feet hoch). Eigentlich wollen wir nach dem Park die Schotterpiste Richtung Jackson nehmen, doch davon wird uns dringlichst abgeraten. Man braucht für die 47 Meilen ca. 3 Stunden, so schlecht ist diese Straße. Also fahren wir südlich durch den Grand Teton National Park. Diese Strecke ist zwar länger, aber auch ein Naturspektakel. Man hat die ganze Strecke entlang einen wunderbaren Blick auf die Rocky Mountains und in den Abendstunden bleibt auch das Wildlife nicht aus.

Jackson ist ein hübscher Ort voller Menschen, wo man wohl so manche Nacht durchmachen kann. Die Häuser sind originell und es gibt alles, was das Touristenherz begehrt. Später erfahren wir von einer Frau aus dem Ort, dass sich einige Hollywoodgrößen einen Zweitwohnsitz in Jackson zugelegt haben. Grund soll der herrliche Ausblick auf die Berge, mit dem damit verbundenen Wintersportangebot sein. Wir fahren an diesem Abend noch bis Idaho Falls, um hier für den Generator und Camper einige Dinge zu regeln. Gegen 22 Uhr erreichen wir die Stadt und übernachten mal wieder bei WalMart.