Alaska Highway - 6. bis 11. September 2008

Der berühmte Alaska Highway beginnt in Dawson Creek, einem kleinen 11.800 Einwohner zählendem Städtchen. Eigentlich wollten wir hier Samstag um die Mittagszeit auf den Zeltplatz, um mal wieder Wäsche zu waschen und einen Internetanschluss zu nutzen. Außerdem wollte Olli noch ein paar Teile am Auto schrauben. Da es allerdings den ganzen Morgen regnet, beschließen wir, nur eine Dumping Station zu suchen und weiterzufahren.

Der Alaska Highways, auch Alcan genannt, da er teilweise durch Alaska und teilweise durch Yukon und British Columbia in Kanada verläuft ist insgesamt 1.422 Meilen, also 2.288 km lang. 1996 wurde er zum „16. Wunder der Baudenkmäler“ ernannt. Gebaut wurde er 1942 im Zuge des 2. Weltkrieges, weswegen er zu Beginn auch „Alaska Militäry Highway“ genannt wurde. Die Absicherung des nördlichen amerikanischen Kontinents gegen Angriffe der Japaner – ausgelöst durch Pearl Harbour – sollte über den neuen Highway sichergestellt werden. Acht Monate lang schufteten hier 18.000 Männer und Frauen unter schwierigsten Bedingungen. Bei Temperaturen von plus 32 Grad bis minus 50 Grad Celsius, umschwärmt von Heerscharen von Moskitos und anderen fiesen kleinen Stechinsekten, wurde die Straße durch Flüsse und Moore, um Berge herum und darüber gebaut. Dazu kam noch der Kampf mit dem Permafrostboden und vieles mehr.

Die erste Hälfte der Strecke ist ziemlich unspektakulär. Ein viel (das ist relativ) befahrener Highway durch flaches Land. Die Straße bleibt die gesamte Zeit zweispurig. Um 15 Uhr legen wir irgendwo im Niemandsland eine Mittagspause ein und es gibt ein Ostwestfälisches Gericht: Grünkohl mit Würstchen und Kartoffeln. Weiter geht es über ein Hochplateau, links und rechts Tannen, Birken und Blumen. Fort Nelson ist die nächste Stadt in der wir halten, um zu tanken. Es ist die Zweite auf der Strecke, abgesehen von Fort St. John, was etwas abseits vom Alkan liegt, und wir sind bereits rund 500 km gefahren. Das Benzin kostet mittlerweile 1,49 $/l. Gepriesen sei der Wechselkurs. Hinter Fort Nelson wird die Straße wieder richtig einsam. Da die Straße genau an der nächsten Zeitzone entlanggeht, ist es noch relativ lange hell. Und was bewegt sich da schwarzes – ein Bär, unser zweiter Schwarzbär und diesmal gibt es auch ein Foto. Danach sehen wir gleich noch einen, der aber in den Büschen verschwindet, als wir vorbeifahren. Wir kommen jetzt in die nördlichen Rocky Mountains und auf einer Anhöhe mit einem wunderschönen Ausblick schlagen wir unser Nachtlager auf.

Wie der Name des Tages verspricht, scheint am Sonntag die Sonne und wir sind ziemlich früh wach. Zumindest Olli, denn ich werde erst zum Frühstück geweckt. Und dann das herrliche Panorama von unserem Wohnzimmer aus... Wir befinden uns hier im Muskwa Kechika Natural Preserve. Wieder weit und breit nur grüne Tannen und gelbgefärbte Birken, klare hellblaue Flüsse und ab und zu mal ein Reh. Dahinter sieht man die schneebedeckten Gipfel der Rockies. Alle Nase lang kommt ein Auto von vorne und auch von hinten. Plötzlich stehen Tiere an der Straße. Es sind Carribous, eine sehr schöne und vom Aussterben bedrohte Hirschart. Von diesen sehen wir noch einige, aber immer nur in kleinen Gruppen. Außerdem sehen wir Steinböcke und wieder Büffel. Diese sind allerdings viel größer als die im Yellowstone Park, aber sie spazieren genauso gemütlich auf der Straße entlang und verursachen einen kleinen Verkehrsstau.

Wir verlassen jetzt British Columbia und kommen in den Yukon, berühmt berüchtigt durch die Goldgräberzeit. Gegen 17 Uhr erreichen wir Watson Lake, die erste Stadt im Yukon. Die Stadt mit ca. 1.600 Einwohnern befindet sich auf einer Höhe von 690 m und zieht sich entlang der Hauptstraße. Hier gibt es den „Sign Post Forest“. 1942 hat der am Straßenbau beteiligte Carl Lindley das erste Schild aufgehängt. Er hatte Heimweh und das Schild mit dem Namen seiner Heimatstadt zeigte in die Richtung seiner Heimat. Seitdem sind hunderte anderer Schilder dazugekommen. Touristen befestigen Schilder, um für ihre Heimatorte zu werben. Wir mieten uns auf dem „Downtown RV-Park“ ein. Das ist eigentlich nur ein Schotterplatz mit Stromanschluss, kostet aber trotzdem 28 $. Da wir aber unbedingt waschen müssen, die warme Dusch im Preis enthalten, es einen Internetanschluss gibt, stimmen wir zu. Zwar nieselt es immer noch, aber wir können das Auto auch waschen und Olli schraubt trotz des schlechten Wetters die neuen Scheinwerfer ans Auto. Während sich die Wäsche hinter mir in der Trommel dreht, kann ich in dem warmen Raum Berichte schreiben.

Am Montag entscheiden wir sogar noch einen Tag dranzuhängen. Im Nachhinein stellen wir fest, wie gut uns diese Fahrpause getan hat. Olli kann noch den ganzen Tag am Auto und Camper rumbasteln, die neuen Scheinwerfer sind vorne schon dran, jetzt kommt noch ein extra Rücklicht hinzu, die Deutschlandfahne wird endlich aufgehängt und der laute Generator wird abgedämmt. Der Regen hat aufgehört, die Sonne scheint, aber es fegt ab und zu ein kalter Wind über den Platz. Ich schaffe es, 4 neue Berichte ins Netz zu stellen. Um 18 Uhr gehen wir zur „Northern Lights“ Show, ein Film über die Nordlichter, die man hier im Yukon sehen kann. Wie immer wurde uns die Show schon weit vor Watson Lake ans Herz gelegt, ganz so spektakulär war sie dann doch nicht. Allerdings erfährt man, wie die Nordlichter entstehen. Jetzt müsste man sie nur noch live erleben! Danach spazieren wir noch kurz durch den „Sign Post Forest“, dann ist Abendbrot und Schlafenszeit.

Am nächsten Tag waschen wir nach dem Frühstück die letzte Waschmaschine und telefonieren noch mit Deutschland. Es ist super, dass es Skype gibt! Mittags verlassen wir den RV-Park und gehen noch schnell einkaufen. Die Preise sind mittlerweile für alle Produkte stark angestiegen. Beim Kauf von Wasser, erleiden wir fast einen Herzinfarkt. 5 $ wollen die für eine 4-Liter-Flasche. Das geht nun wirklich nicht.

Wir überlegen schon die ganze Zeit, wie wir ein Schild in den „Sign Post Forest“ bekommen. Leider haben wir es verpasst, eins anfertigen zu lassen. Olli hat die Idee, das Material, das wir für den Camper bekommen haben, zu beschriften. Nachdem wir mit unserer künstlerischen Arbeit fertig sind, müssen wir leider feststellen, dass wir Boardmarker anstatt Permanent Marker benutzt haben, man kann die Buchstaben wieder wegwischen. Zum Glück gibt es im Visitor Center, gleich nebenan, Eddings und so ziehen wir das Geschriebene noch einmal nach. Dann geht’s mit Leiter, Schild und Schrauben raus, um einen geeigneten Platz zu suchen. Wir finden einen, gleich an der Hauptstrasse, so dass jeder, der ab jetzt durch Watson Lake fährt, „Germansontour“ lesen kann. Nach dem Beweisfoto fahren wir weiter den Alaska Highway Richtung Nordwesten. Das ca. 500 km entfernte Whitehorse ist die nächste Stadt. Auf einem Restarea, 80 km vor Whitehorse übernachten wir.

Der Mittwoch erweist sich als kalt und nass. Das Thermometer zeigt nur 7 Grad. Wir fahren nach Whitehorse. Die Strecke dorthin ist eigentlich wunderschön, aber ohne Sonne... Hier gibt es viele große Seen und natürlich den berühmten Yukon River. Auf einem kleinen Schrottplatz an der Straße ersteht Olli für 40 $ ein komplettes Ersatzrad. Und damit beginnt der „Tyred Day“, wie ich ihn genannt habe. In Whitehorse (24.000 Einwohner) fahren wir zum Walmart Reifenservice, um herauszufinden, ob das Rad überhaupt an unseren Truck passt. Unser Auto ist aber zu groß für die Werkstatt. Allerdings lernen wir Ralf kennen, ein Deutscher, der seit einiger Zeit hier lebt und arbeitet. Wir versuchen es weiter bei Canadian Tyre, aber die sind ausgebucht. Weiter geht’s zu Yukon Tirecraft, die haben Zeit und ne große Einfahrt. Für 12,60 $ finden wir heraus, dass die Felge nicht passt und der Reifen kaputt ist. Dieser kann aber für kleines Geld repariert werden. Allerdings brauchen wir jetzt erstmal eine passende gebrauchte Felge da eine neue zu teuer ist. Also klappern wir 3 Schrottplätze ab. Bei Sale Salvage werden wir dann fündig. Dieser Schrottplatz ist noch ganz so, wie man sich das vorstellt – also nicht SAP gesteuert. Wir können sogar selber drauf und nach Felgen und Reifen suchen. An einem Ford F 250 Schrottauto unserer Baureihe findet Olli dann sogar zwei passende Räder. Das Auto wird von Ed, dem Schrottplatzbetreiber mit einem überdimensionalen Radlader angehoben, weil wir keinen Wagenheber finden. Nach 3 Stunden sind die Räder dann ab, geprüft und bezahlt (150 $). Abends kehren wir beim Vietnamesen ein und essen leckere Suppen. Zum Schlafen stellen wir uns später einfach vor die Garage bei WalMart.

Da wir direkt vor dem Reifenservice von WalMart übernachtet haben, können wir sogleich unsere Reifen zum Reparieren abgeben und nebenbei frühstücken. Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten im Walmart, fahren tanken und dumpen und dann nach Norden. Kurz hinter Whitehorse verlassen wir den Alaska Highway und biegen auf den Klondike Highway ab. Wir wollen zu den Takhini Hot Springs. Eigentlich ist es uns zu kalt, in einen offenen Pool zu gehen, aber hinter Whitehorse verschwinden die Wolken. Wir fahren also links eine Straße rein, die von gelben Bäumen gesäumt ist. Überall gibt es Einfahrten zu Cafés oder einer Ranch oder Reitstationen, am Ende befindet sich dann ein RV-Park und die Hot Springs mit Restaurant. Zwar ist der Eintritt etwas teuer (9$ pro Person), aber dafür sind wir auch fast alleine in den beiden Pools. Das mineralhaltige Wasser aus den Bergen ist zwischen 35 und 40 Grad warm und die Sonne scheint den ganzen Nachmittag auf unsere Köpfe. Nach dem Bad kommt der Hunger und wir köcheln uns im Camper ein Süppchen. Wir treffen noch 2 nette Leute aus British Columbia, die gerade den Dempster Highway gefahren sind – ohne kaputte Reifen. Am späten Nachmittag fahren wir weiter und übernachten dann auf dem Carmacks Rest Area.