Top of the World Highway - 15 bis 17. September 2008

Um 19 Uhr erreichen wir Dawson City, die letzte kleine Stadt vor der amerikanischen Grenze. Bekannt ist die Stadt durch den Goldrausch (hat hier nicht auch „Rauchende Colts“ gespielte?). Auf jeden Fall ist dieser Ort im Herzen des Klondike einen Besuch wert. Die Häuser sind außerordentlich hübsch, viele bunte und historisch restaurierte Gebäude, die das Flair der Goldgräberzeit erhalten. Der größte Industriezweig dieser Stadt ist übrigens immer noch das Goldgraben. Wenn man, wie wir, von Osten kommt, wundert man sich über die vielen Steinberge, die zwischen den Baggerseen liegen und aussehen wie riesige Würste.

Wir haben Glück, denn die Sonne strahlt die wunderschönen Hausfassaden gerade noch an, bevor sie hinter dem Berg verschwindet. Zuerst gehen wir ins Visitor Center, welches einem damaligen Laden nachempfunden wurde. Nebst einer sehr netten Beratung bekommen wir auch noch zwei Freikarten für die „Diamond Tooth Gerties Gambling Hall“, dem ersten offiziellen Casino Kanadas. Das Casino ist wie ein damaliger Saloon eingerichtet. Wenn man wie wir allerdings nicht dem Spiel verfallen ist, kann man dort gut essen, etwas trinken und sich die drei unterschiedlichen Shows eines jeden Abends anschauen. Sie wurden uns schon in Watson Lake empfohlen. Auf der großen Bühne singt eine Dame, wie damals zur Goldgräberzeit. Außerdem gibt es Tanzeinlagen von den vier Showgirls. Das Publikum wird auch mit in die Show einbezogen und obwohl Olli nicht wie einige andere Männer auf die Bühne muss, hat er für den Rest des Abends einen dicken Lippenstiftmund auf seiner hohen Stirn. Die Mädels tanzen richtig gut und schwingen die bunten Röcke zum Cancan. Man fühlt sich in die Zeit des Goldrausches zurückversetzt, wir sind begeistert. Als wir gegen Mitternacht aus dem Casino kommen, ist es sternenklar und – oh mein Gott – Nordlichter am Himmel. Kaum zu glauben, hier in der erleuchteten Stadt. Der grüne Lichtschleier zieht genau über Dawson City und unseren Camper. Das ist so super, eines der Dinge, die wir unbedingt hier oben hoch im Norden sehen wollten. Wegen der Übernachtung machen wir es uns heute ganz einfach und bleiben auf dem Parkplatz vor dem Saloon.

Der Dienstag beginnt wie immer mit einem gemütlichen Frühstück. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn es ist bewölkt und somit nicht schön für Sightseeing. Also erledigen wir erst einmal das Notwendige – Tanken, Luftdruck prüfen, Propan-Gas kaufen und auch Lebensmittel. Die Preise sind etwas moderater als in Inuvik. Ist ja auch verständlich, wenn man den Anfahrtsweg für die Versorgung von Inuvik bedenkt. Obwohl es immer noch bedeckt und auch relativ frisch ist, gehen wir erneut zu Fuß durch Dawson City, um die historischen Gebäude zu bestaunen. Die Stadt ist saisonbedingt leer und es macht Spaß an den schönen Häusern vorbei zu schlendern. Manche sind in kräftigen Farben gestrichen, andere bestechen wieder durch ihre Bauweise. Viele Läden wurden restauriert und auch ein ehemaliges Bordell ist zu sehen. Als uns der Hunger packt, kehren wir in „Klondike Kate’s Restaurant“ ein. Sehr angenehm, Weltmusik, leckeres Essen und eine absolut gemütliche Atmosphäre. Sogar Jack London hat schon einige Zeit in diesem Städtchen gelebt und selber nach Gold gegraben und anschließend viele Geschichten über die Goldgräberzeit schrieb. Ein anderer bekannter US Poet lebte hier ebenfalls, Robert Service, den wir allerdings nicht kennen. Wir sind von Dawson City begeistert, müssen das Städtchen allerdings wieder verlassen. Jedoch nicht ohne vorher zum „Midnight Dome“ zu fahren. Das ist ein Berg, direkt in Dawson City, von dem man einen weiten Blick über das Yukon River Valley hat. An diesem Platz wird alljährlich die Midsommernacht, also die kürzeste Nacht bzw. der längste Tag des Jahres, gefeiert. Anschließend setzen wir mit der George Black Ferry über den Yukon und starten mit dem den „Top of the World“ Highway.

Dieser führt von Dawson City über Chicken nach Tok. Chicken liegt schon auf amerikanischer Seite in Alaska. Man überquert zwischendurch noch die kanadisch-amerikanische Grenze und zwar nach 107 km. Die Gegend erinnert an das Hochplateau von Eagle Plains auf dem Dempster Highway. Man kann sehr weit sehen, weil man sich wirklich auf den Bergen befindet. Allerdings haben wir kein gutes Wetter, denn es ist durchgängig bewölkt. Es dämmert auch schon. Kurz vor der Dunkelheit erreichen wir die Grenze. Der nette Grenzposten ist einer der beiden Bewohner von Poker Creek, wie sich dieser kleine Außenposten nennt. Im Winter ist er geschlossen, genau wie der „Top of the World“ Highway. Auf jeden Fall ist der Grenzbeamte gut drauf und liebt seinen Job. Nach einem kleinen Schnack sind wir auf US-amerikanischer Seite.

Alaska, das Gebiet, welches die USA 1867 den Russen für 7,2 Mio $ abgekauft hat. Was erst von politischen Neidern als Fehler deklariert wurde, stellte sich 30 Jahre später, zur Zeit der Goldfunde, als reiner Glücksfall heraus. Die Russen haben sich bestimmt geärgert. Die 40 Meilen bis Chicken schaffen wir an diesem Tag nicht mehr. Der Highway ist sehr kurvenreich, nicht asphaltiert und natürlich bergig. An manchen Stellen kann man nur 20 mls/h fahren. Wir entdecken ein lauschiges Plätzchen an einem Bach. Dort schlagen wir unser Nachtlager auf.

Oh nein, es regnet und es sieht auch nicht so aus, als wenn es irgendwann wieder aufhört. Dieses Wetter erinnert ein bisschen an Bielefeld und animiert dazu, im Bett zu bleiben. Trotzdem setzen wir unseren Weg weiter fort und erreichen gegen Mittag Chicken. In diesem Ort, bestehend aus drei Campgrounds, einem Restaurant, einem Café, einem Liquer Store und Souvenirshop, leben 36 Menschen – im Sommer wohlbemerkt. Im Winter sind es nur noch 6. Tanken können wir leider nicht, denn das Benzin ist vor drei Tagen ausgegangen und wird vor der Winterpause auch nicht wieder aufgefüllt. Wir füllen unsere 3 Ersatztanks um und hoffen, damit noch bis nach Tok, also zur nächsten Stadt, zu kommen. Rein rechnerisch, sollte das kein Problem sein. Bevor wir Chicken wieder verlassen, werfen wir noch einen Blick auf den historischen Pedro Dredge, Alaskas vollständigste erhaltene Goldschürfmaschine. Hier treffen wir Charlotte und Julia aus Deutschland, die gerade aus Alaska kommen. Wir quatschen uns fest und gehen gemeinsam noch einen Kaffee in Chicken „Downtown“ trinken. Nachmittags fahren wir in getrennte Richtungen weiter. Die beiden wollten eigentlich auch hier den Benzintank auffüllen. Na, wir sind gespannt, ob sie es geschafft haben.

Unser nächstes Ziel ist nun Tok, wo der „Top of the World Highway“ endet und man wieder auf den Alaska Highway fährt. Als unser Truck diesmal auf den Alaska Highway biegt, scheint die Sonne und wir genießen den weiten Blick über die Berge während sich die Straße durch diese schlängelt. An einer ziemlich steilen Auffahrt beginnt das Auto zu stottern und wenig später, ca. 10 Meilen vor Tok, geht es dann ganz aus. Da kann man noch so oft hin und herrechnen, mathematisch hätte das Benzin reichen müssen, hat es aber ganz offenbar nicht. Ein entgegenkommendes Auto hält, hat aber kein Benzin dabei und fährt weiter. Der gute Mann hat allerdings über Funk einen Kollegen informiert und dieser ist keine zwei Minuten später bei uns. Er steigt aus, greift auf seine Ladefläche nach einem Kanister und füllt uns ruckzuck 3 Gallonen in den Tank. Olli und ich grübeln schon, wie teuer das wohl wird. Der gute Mann will aber keinen Cent für das hier so teure Benzin. Erstaunt fahren wir weiter. Vielleicht sollten wir das zu unserer Taktik machen? Wir erreichen Tok gegen 19 Uhr und fahren erst einmal tanken, hier kann man das Auto auch waschen, dumpen und neues Wasser auffüllen. Während Olli das Auto, was wirklich total schwarz vom „Dempster Highway“ und auch vom „Top of the World Highway“ ist, wäscht, koche ich drinnen etwas zu essen. Nachdem wir uns beide eine heiße Dusche gegönnt haben, fahren wir aus Tok raus und suchen uns ein paar Meilen weiter einen Stellplatz am Fluss.