Startpunkt der Panamericana - 18. bis 21. September 2008

In Delta Junction endet der Alaska Highway nach 1422 Meilen. Als wir dort ankommen, ist es sehr windig, weil das Land total flach ist. Das Visitor Center hat schon Winterpause, also fahren wir nach einem kurzen Stopp weiter. Wir sind jetzt auf den „Richardson Highway“ eingebogen, der uns bis nach Fairbanks bringt. Kurz vor Fairbanks halten wir allerdings noch einmal und zwar in dem kleinen Städtchen North Pole, denn hier hat Santa Claus angeblich sein Haus. Vor dem bunten Gebäude stehen sogar Rentiere in einem Gehege. Das Haus selber ist natürlich eher ein riesiger Souvenirshop. Hier läuft das ganze Jahr über Weihnachtsmusik und man kann wirklich alles, was Weihnachten betrifft, kaufen. Es gibt sogar lila und rosa Weihnachtsbäume. Wir verlassen North Pole – natürlich nicht ohne etwas Dekoration für unser nächstes Weihnachtsfest gekauft zu haben – und sind eine halbe Stunde später in Fairbanks. Mittlerweile haben wir wieder 20 sonnige Grad Celsius. Unser erster Stopp ist das Visitor Center in Downtown. Es hat noch offen! Zwei komische Typen schieben hinter der Theke ihren Dienst und auf die Frage, was man in Fairbanks um diese Jahreszeit machen kann, gibt es nicht allzu viele Antworten. Auch hier ist die Saison vorbei und die meisten Dinge haben bereits geschlossen. Wir übernachten mal wieder auf dem WalMart Parkplatz. Vorher gehen wir allerdings noch ausgiebig einkaufen und füllen unseren Kühlschrank auf. Unglaublicherweise falle ich auf dem Parkplatz aus dem Camper. Ich hab wohl die Kante übersehen, aber es ist noch einmal gut gegangen. Hab mir zwar einige Schrammen zugezogen, meine Jacke ist aufgerissen und ich bin auf den Hintern gefallen, aber die Schmerzen sind erträglich.

Da wir beide noch lange gelesen haben, kommen wir am Freitag schwer aus den Federn. Nach dem Frühstück kommen wir nur langsam in die Gänge. Wir fahren zur Universität von Fairbanks. Hier kann man sich auch so einiges ansehen, wie z.B. den Botanischen Garten und das „Museum of the North“. Dieses befindet sich in einem 2005 eröffneten futuristischen Bau, der an Gletscher und Bergspitzen erinnern soll. Der Eintritt kostet 10 $ und fürs Parken zahlen wir 2 $ für 4 Stunden. Ab 17 Uhr ist das Parken dann kostenlos, aber dann hat das Museum um diese Jahreszeit auch schon geschlossen. Im Erdgeschoss ist die Gallery of Alaska, unterteilt in die verschiedenen Regionen. Es gibt Informationen z. B. zu den Ureinwohnern Alaskas, den ersten Pionieren der Goldgräberzeit – besonders zu den Schicksalen einzelner Frauen, die fast immer, nachdem sie zu Geld gekommen waren, von ihren Männern sitzen gelassen wurden, Funde aus dem Pleistozän (Mammutknochen und Zähne und ein komplett erhaltenes Bison) sowie ausgestopfte Tiere, wie Bären und Bison. Außerdem gibt es hier die größte Goldausstellung Alaskas. Oben befindet sich die Art Galerie mit Skulpturen, Bildern, Schmuck und „The Place Where You Go to Listen“, ein Raum, in dem man den Tönen der Natur lauschen kann, so z.B. den Nordlichter, den Klängen von Tag und Nacht, von Sommer und Winter. Als das Museum um 17 Uhr schließt, machen wir es uns draußen im Camper gemütlich. Wir haben hier sogar Stromanschluss, denn an fast allen Parkplätzen im hohen Norden können die Besitzer ihre Autos im Winter einpluggen, damit sie nicht einfrieren. Wir essen lecker, Olli hat Spagetti Bolognese gemacht. Abends fahren wir noch einmal los, weil wir dringend dumpen müssen. Die öffentliche Dumpstation ist für den Winter geschlossen. Wir suchen und fragen noch ein bisschen herum, allerdings ohne Erfolg. Für die Nacht stellen wir das Auto bei Fred Myers auf dem Parkplatz ab.

Samstagmorgen fahren wir gleich um die Ecke zur Chevron Tankstelle, da wir erfahren haben, dass diese eine Dumpstation hat. Die Tankstelle hat zwar am Samstag geschlossen, aber so kann auch keiner die 5 $ fürs Dumpen einsammeln. Anschließend lassen wir bei Jiffy Lube einen dringend notwendigen Ölwechsel an unserem „Dirty Harry“ durchführen - inklusive Aussaugen, Fenster putzen und Überprüfung alle Flüssigkeiten–für 50 $.

Bei bewölktem Himmel fahren wir nun Richtung Nordwesten aus Fairbanks heraus. Wir wollen nach Circle City, eine kleine Ortschaft direkt am Yukon. In diesem Nest soll sich der Anfang der berühmten Panamericana befinden und die wollen wir ja schließlich von Anfang an fahren! Unsere Strecke, genannt Steese Highway, ist erst noch asphaltiert, aber nach 50 Meilen wird diese zur Schotterpiste, allerdings in sehr gutem Zustand. Hinter der Bergkette der White Mountains – und diese sind wirklich weiß vom Schnee – wird das Wetter dann besser. Die Landschaft ist wieder einmal atemberaubend schön, hohe Berge, rote Büsche, grüne Steinfelsen. Nach dem Auf und Ab in den Bergen geht es jetzt wieder ebenerdig, aber dafür um 1000 Kurven. Einmal steht wieder ein großer Elch auf der Straße, ist aber, nachdem er uns gesehen hat, sofort in den Wäldern verschwunden. Links und rechts befinden sich kleine Seen und immer ein oder mehrere Flüsschen. Hier ist die Vegetation noch etwas grüner und die Laubbäume tragen noch ihre gelben Blätter. Kurz vor Circle, liegt der Ort Central, wo noch aktiv nach Gold gegraben wird. Nach Central wird die Straße sehr schlecht. Ein Schlagloch jagt das nächste. Kurz vorm Dunkelwerden erreichen wir Circle City. Da es sich nur um einen winzigen Ort mit ca. 70 Einwohnern handelt, befinden wir uns augenblicklich im Stadtzentrum. Dieses besteht aus einem Sandplatz mit großen Pfützen übersäht, links und rechts stehen Pickups mit Bootsanhängern und geradezu ist der riesige Yukon und die Bootsanlegestelle. Die Besitzer der Autos sind demnach alle auf dem Wasser. Vor dem Platz wurde ein großes Schild aufgestellt: „End of the Road“. Der Yukon ist hier sehr breit und stellt einen Straßenersatz dar. Wie schon vor 100 Jahren, als er die Haupttransportlinie der Region war, kann man auch heute noch über ihn weitere Orte bis zur Küste der Behring See erreichen. Wir treffen einen ziemlich betrunkenen Indianer, er wankt hin und her, macht aber einen geistig klaren Eindruck. Er spricht sogar ein paar Worte deutsch und kennt mehr deutsche Städte, als so mancher Amerikaner. Wir vertiefen das Gespräch allerdings nicht und lehnen auch das angebotene Bier ab. Statt dessen machen wir es uns im Camper bequem.

Der Sonntag verspricht herrlichstes Wetter, die Sonne lacht und der Himmel ist strahlend blau. Bei solch einem Wetter kann man sich gut vorstellen, auf einem Boot den Yukon entlang zu fahren. Nach einem kurzen Spaziergang am Wasser nutzen wir den Vormittag Postkarten zu schreiben. Ja, später werfen wir an dem hübschen Postamt sage und schreibe 25 (geschriebene) Postkarten ein. Wir machen noch Fotos und fahren ein paar Meter tiefer in den Ort, aber da ist er auch schon zu Ende. Also treten wir den Rückweg und damit den langen Weg der Panamericana an. Die Sonne ist herrlich. Wenn man so im warmen Auto sitzt, könnte man annehmen, draußen ist Hochsommer. Von Central führt eine Straße zu den Circle Hot Springs. Bei Nachfrage im örtlichen Pub erfahren wir aber, dass diese schon seit Jahren geschlossen sind, da es dort kein Wasser mehr gibt. Also setzen wir unseren Weg Richtung Fairbanks fort und genießen einfach so den Anblick der vorbeiziehenden Landschaft während wir einem Hörbuch lauschen. Gegen 8 Uhr sind wir wieder in Fairbanks. Diesmal nisten wir uns auf dem Old Navy Parkplatz ein. Der Holiday Inn gegenüber stellt uns freundlicherweise sein Internet zur Verfügung und so haben wir die Möglichkeit, wieder ein paar Berichte in die Webpage zu hängen. Außerdem telefonieren wir noch ausgiebig mit Deutschland, denn dort ist es gerade 9 Uhr morgens.