Denali National Park - 22. bis 23. September 2008

Während des Frühstücks skypen wir mit Freunden in Deutschland, die über die Kamera mit an unserem Frühstückstisch sitzen. Bevor wir Fairbanks endgültig verlassen, tanken wir noch einmal auf. Unsere Reise führt nach Süd-Westen in Richtung Anchorage. Das Wetter ist uns wohl gesonnen, nicht das es warm ist, aber die Sonne scheint und das ist viel wert. Hier in Alaska haben die Laubbäume noch ihr leuchtend gelbes Kleid und die Straße lässt immer wieder einen Blick auf links und rechts liegende Täler zu, die in gelbgrünem Farbenspiel strahlen. Dann glitzern Seen oder Flussläufe in den Tälern, die das Ganze noch interessanter machen. Wir halten mehrere Male für Fotos, aber diese prächtige Landschaft und das Farbenspiel kann man kaum mit der Kamera festhalten. Die Straße, der „Parks Highway“ führt von Fairbanks nach Anchorage und ungefähr in der Mitte der Strecke liegt der berühmte Denali National Park. Von anderen Reisenden hatten wir schon erfahren, dass der Park am 15. September seine Tore schließt. Trotzdem kann man wohl mit dem eigenen Auto noch 30 Meilen in den Park hineinfahren und hat den Vorteil, dass man nichts mehr bezahlt muss und die Touristenmassen verschwunden sind. Bevor wir den Park erreichen, machen wir in Nenana halt. Obwohl auch dieses Visitor Center geschlossen hat, sehen die kleinen Holzhäuschen so einladend aus, dass wir uns kurz die Füße vertreten. Wir landen in einem Souvenirshop. Alles kostet nur noch 50 % und wir unterhalten uns lange mit der netten slowakischen Verkäuferin. Wir verlassen den Laden ca. 1 Stunde später mit zwei großen Tüten und 106 $ weniger in der Tasche. Neben Postkarten und anderen Kleinigkeiten haben wir uns natürlich auch noch ein paar Souvenirs gekauft, wie z.B. eine von den Indianern handgefertigte Eskimo-Puppe.

Kurz vor der Einfahrt zum Visitor Center und in den Nationalpark, kommt man an einer Art Vergnügungsdorf vorbei. Hier reiht sich ein Hotel an das Nächste und eine Bar an die Andere. Zum Glück hat fast alles geschlossen, sodass uns der Trubel der Hochsaison erspart bleibt. Wir machen kurz am Visitor Center halt, aber das und auch die öffentlichen Toiletten haben Saisonschluss. Wir treffen zwei nette Niederländer, die auch mit ihrem Wohnmobil in der Nachsaison unterwegs sind. Sie sind von Süden - Anchorage gekommen, wo es sehr nebelig gewesen sein soll.

Wieder ins Auto geschwungen, biegen wir also links in die Nationalparkstraße ein. Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit bietet der Denali N.P. eine herrliche Landschaft. Rote Büsche, weiße Sträucher (sehen aus wie Weidenkätzchen), grüne Tannen und weiße Schneeberge im Hintergrund. Die Hauptattraktion des Parks ist Mount McKinley, oder Mount Denali (Indianersprache). Dieser Berg ist mit ca. 6190 m die höchste Erhebung Nordamerikas. Leider zeigt er sich nur selten. Egal welche Literatur man aufschlägt, es wird beschrieben, dass er stets von einem Wolkenband umgeben ist. Da wir so gutes Wetter haben, gehen wir davon aus, dass wir vielleicht etwas mehr Glück haben. Leider gibt es so viele Gipfel, dass wir gar nicht sagen können, welcher nun der richtige ist. Aber dann erscheint ein Berg in der Ferne, der viel weißer ist, als all die anderen. Ein anderer Parkbesucher bestätigt uns, das ist Mount Denali. Wir können unser Glück kaum fassen. Er liegt ganz klar und bombastisch groß und weiß vor uns. Unfassbar ist auch, wir befinden uns hier noch 70 Meilen von diesem Berg entfernt und trotzdem, ist er so gut zu sehen.

Als wir weiterfahren, kommt uns eine kleine Autokolonne entgegen und vor ihnen trottet ein Hund. Nein, kein Hund - ein Wolf! Mit seinen langen Beinen spaziert er gemütlich am Straßenrand entlang, bleibt dann stehen, heult die Bäume an und läuft weiter. Immer schön auf uns zu. Er kommt ganz dicht an unserem Auto vorbei und sieht rein gar nicht, wie ein gefährliches Raubtier aus. Es ist unglaublich, heute ist wirklich unser Glückstag. Erst der Berg, dann der Wolf und dann noch so nah.

Wir fahren die Straße noch bis sie beim Teklanika Camp gesperrt ist. Von hier kann man Mount Denali nicht mehr sehen, stattdessen bietet sich ein Blick über das etwas tiefer liegende breite Flusstal des Teklanika Rivers. Vor Millionen Jahren sind hier die großen Caribuherden durchgezogen und die Urzeitjäger haben – wie wir jetzt - hier oben gestanden und auf ihre Jagdchance gewartet. Wir drehen wieder um und parken für die Nacht auf einem großen Parkplatz zwischen den Bergen.

Am nächsten Morgen ist Olli schon aufgestanden, als es halb 9 an unserem Camper klopft. Die nette Rangerin weist uns darauf hin, dass das Campen im Park nicht mehr erlaubt ist und schon gar nicht auf einem Parkplatz. Nachdem sie Ollis Namen aufgeschrieben hat, plaudern die beiden noch. Sie fährt mit dem Hinweis, dass wir hier morgen nicht mehr stehen sollten... Das Wetter ist immer noch sonnig und klar, aber als wir wieder auf die Straße kommen, von der wir gestern den Mount Denali gesehen haben, ist dieser verschwunden. Anhand der Fotos kann man ganz deutlich sehen, wo er sein müsste, doch dort sieht man nichts, nicht einmal Wolken. Die Natur ist schon wundersam.