Anchorage und Kenai Peninsula - 23. bis 29. September 2008

277.500 Menschen leben in Anchorage. Das sind 42 % des gesamten Bundesstaates und noch mehr kommen jeden Tag aus dem nördlich liegenden Wassila zum Arbeiten. Die Stadt ist so groß wie der Bundesstaat Delaware. Das Visitor Center befindet sich Downtown. Gut, dass wir unser Naviagationsgerät haben, um uns durch die Einbahnstraßen der Stadt zu finden. Die Straßen sind hier wie in New York aufgebaut, die Avenues verlaufen allerdings von West nach Ost und die Straßen von Nord nach Süd, sind nach Buchstaben benannt. 10 min vor Ladenschluss stürmen wir das Visitor Center und werden sehr freundlich über die Dinge, die man zu dieser Saison noch unternehmen kann, beraten. Anchorage hat zwei WalMart, einen direkt im Stadtzentrum – hier darf man nicht übernachten und einen weiter außerhalb, dass wollen wir heute Nacht testen. Am Seward Highway soll das Supercenter WalMart erst noch entstehen und so finden wir nur einen relativ kleinen Parkplatz vor einem relativ kleinen WalMart, zu beiden Seiten befinden sich Baustellen. Nachdem wir festgestellt haben, dass es hier nicht einmal Obst und Gemüse gibt, beschließen wir unsere Betten bei Fred Myers aufzuschlagen, wo wir schon vor einigen Tagen in Fairbanks gut gestanden hatten. In diesem großen Lebensmittelladen können wir auch die fehlenden Dinge einkaufen und dann gehen wir schlafen.

Mittwochmittags haben wir gefrühstückt, geduscht, gedumpt und Frischwasser aufgefüllt und fahren in westliche Richtung zum Woronzof Point. Das ist ein Aussichtspunkt am Zipfel von Anchorage. Außerdem führt hier der Costal Trail entlang. Dieser schlängelt sich 11 Meilen entlang der Küste, startet im Stadtzentrum und endet im Kincaid Park. Er wird auch der „Lichtgeschwindigkeit Planeten Weg“ genannt, denn im Abstand von realen Lichtjahren auf Gehminuten umgerechnet, findet man die Sonne und alle bekannten Planeten. Der Trail wird immer wieder von Parks, einer Lagune, Brücken und Seen durchbrochen. Wir machen einen schönen 3 km langen Spaziergang zum Earth Quake Park. 1964 erschütterte die gesamte Gegend ein schweres Erdbeben (8,6 Punkte auf der Richter Skala). Ausgelöst, 80 Meilen östlich von Anchorage. Dem Beben folgten mehrere Nachbeben und Tsunamis, welche die Küstenstädte vollständig zerstörten. Anchorage und die gesamte Kenai Halbinsel befinden sich immer noch auf Erdbeben riskantem Gelände.

Nach dem Trail stärken wir uns mit einem späten Mittag. Allerdings fahren wir dazu auf einen anderen Parkplatz, da wir unser rollendes Zuhause direkt in der Einflugschneise des Flughafens von Anchorage geparkt haben. Das ist nichts für unsere zarten Ohren. Anschließend tanken wir unseren Harry noch einmal in Anchorage auf, inzwischen hat es wieder begonnen zu nieseln, und verlassen die Stadt auf dem Seward Highway in Richtung Süden. Diese Strecke ist 226 Meilen lang und endet in Homer, einem idyllischen Fischerstädtchen, was sich auf den Heilbuttfang spezialisiert hat. Leider ist uns das Wetter nicht wohl gestimmt und der Nieselregen hält die ganz Fahrt an. Das ist wirklich sehr bedauerlich, denn die Strecke ist wirklich sehenswert. Die Straße geht links direkt an den Bergen vorbei, rechts liegt der Cook Sound und dahinter wieder schneebedeckte Berge, die nun nur ab und zu durch die dichten Wolken zu sehen sind. Wasserfälle schlängeln sich ins Meer. Wir sind ganz heiß darauf Wale zu sehen, denn die verbringen hier den Sommer. Tatsächlich sehen wir dann, kurz bevor die Straße vom Wasser wegführt, ein paar weiße Rücken im Meer auftauchen. Das müssen die schönen Belugawale sein. Die kleinsten Wale, die es gibt. Ein paar Meilen weiter finden wir dann ein etwas abseits gelegenes Fleckchen am Fluss für unsere Übernachtung.

Der Donnerstagmorgen bietet wieder nur Nieselregen und Kälte. Etwas genervt fahren wir nach den üblichen Tätigkeiten weiter. Wir kommen durch mehrere Ortschaften, einige von ihnen sind russisch, halten aber nirgends, da es immer noch nieselt. Obwohl die Straße laut Karte am Wasser entlangführt, sieht man davon nichts, denn dort stehen Häuser oder Wald. Am späten Nachmittag erreichen wir Homer. Wir durchfahren die Stadt einmal, haben kurz einen Internetzugang und suchen dann auch schon einen Schlafplatz, da es bereits dunkel wird. Wir finden einen etwas abseits gelegenen Schotterplatz im Grünen, mit Blick auf die Kachemak Bay unter uns. Hoffentlich ist das Wetter morgen besser. Es hat jetzt 2 Tage hintereinander genieselt. Unsere Gebete werden erhört. Wir zelebrieren unser nächstes Frühstück in vollem Sonnenschein. Es ist so schön, endlich wieder die Wärme der Sonne zu spüren und der Camper heizt sich auch ohne Heizung auf. Auf der Fahrt ins Stadtzentrum, steht keine 3 m von der Straße entfernt ein riesiger Elch und kaut genüsslich Gartenpflanzen, dann sind ihm wohl die Autos zu viel, die langsamer geworden, vorbeirollen. Er überquert einfach die Straße, läuft noch ein Stück den Berg hinab und verschwindet im nächsten Garten. Sein Fell glänzt herrlich dunkelbraun in der Sonne.

Wir stellen das Auto hinter Homers kleines Rathaus ab. Gleich gegenüber ist ein Café „Cosmic Kitchen“. Auf der einladenden Terrasse sitzen mehrere Leute in der Sonne, aber wir hatten ja gerade unser Frühstück. Wir spazieren an den kleinen Läden vorbei. Es gibt sehr viele Galerien, Cafés und Restaurants. Ohne zu wissen, worum es sich handelt, betreten wir den „Blackbary Bog“. Der Laden ist genauso wunderbar wie seine Besitzerin Shawnee, mit der wir sofort ins Gespräch kommen. Sie erinnert mich an Carry aus Sex and the City. In ihrem Laden kann man sich stundenlang aufhalten und stöbern. Von der Decke hängen Meerjungfrauen, die antiken Schränke sind voller Dinge für die Wohnung. Es gibt Bücher, Bilder und Rahmen, Figuren in allen Größen, Kerzen, Seife usw. Gerne würden wir hier zuschlagen, aber die Preise haben es in sich und wir müssen ja unser Geld zusammenhalten. Zum Abschied schenkt uns Shawnee einen Engel für unsere Reise. Mal sehen, vielleicht treffen wir sie und ihren Mann noch einmal in Mexiko, wo die Beiden ihren Urlaub verbringen.

In Homer leben ca. 4000 Menschen und die Stadt ist ein großer Anziehungspunkt für Touristen. Es ist wunderschön zwischen den Bergen gelegen, die zum Wasser hin Fjorde bilden und von denen Gletscher ins Meer gehen. Außerdem ist das der einzige Ort weltweit, von dem man Gletscher und gleichzeitig Vulkane sehen kann. Ein Teil Homers, und zwar der ältere, liegt auf einer Landzunge direkt in der Kachemak Bay. Dorthin fahren wir, nachdem wir uns beim japanisch-chinesischen Buffet gestärkt haben. Diese schmale Landzunge ist eigentlich keine Schönheit und ihr ganzer Charme liegt darin, von beiden Seiten von Wasser umgeben zu sein. In der Mitte verläuft eine zweispurige Straße von der links und rechts RV-Parks und Campgrounds abgehen. Weiter hinten reihen sich niedliche Restaurants, Bars und Lädchen aneinander. Das die meisten saisonal geschlossen haben, brauchen wir wohl nicht mehr zu erwähnen. Die Straße endet am Lands End Hotel. Wir stellen das Auto ab und spazieren auf diesem Marschland umher und genießen später einen schönen Sonnenuntergang überm Wasser. Nun fahren wir zurück zum Rathaus, da wir hier Internetzugang haben und noch ein paar Berichte online stellen wollen. Klappt aber nicht, da wir keinen Serverzugang bekommen und so die Bilder nicht Hochladen können. Dafür haben wir aber dann um 23 Uhr unsere Camperbatterie ziemlich ausgelaugt, was uns unser Abgasdetektor durch lautes piepen anzeigt. Mit laufendem Generator fahren wir zum letzten Aussichtshalt, kurz vor Homer. Nach einer guten Stunde hat sich die Bordbatterie dann erholt und wir gehen gleich dort schlafen.

Wieder haben wir schon beim Frühstück herrlichstes Wetter. Olli hat das Auto noch flugs so gedreht, dass die Sonne direkt in den Camper scheint und wir einen herrlichen Blick auf das Meer unter uns und die Berge dahinter haben. Wir fahren noch einmal nach Homer. Erstens müssen wir mal wieder dringend dumpen und zweitens gibt es noch ein paar schnuckelige Häuser zu fotografieren. Dann machen wir uns auf den Rückweg nach Anchorage. Diesmal fahren wir einen kleinen Umweg und biegen hinter Homer rechts in den Northfork Way ein. Die Straße ist eine Schotterpiste und nicht zu empfehlen, aber die Umgebung wiegt das wieder auf. Wir überqueren den Ancor River und fahren immer höher durch Wälder mit roten Beerensträuchern, gelben Büschen und roten Herbstblumen. Oben angekommen, haben wir einen super Blick auf das blaue Cook Inlet und die drei großen Berge: Mount Iliamna, Mount Redoubt und Mount Augustine. Alle drei sind aktive Vulkane. Mount Augustine steht auf einer Insel und war auch derjenige, welcher zuletzt ausgebrochen ist. Als wir anhalten, um ein paar Bilder zu machen, auch von den schönen Häusern links und rechts, kommt eine Frau auf uns zu. Wir denken schon, oh was kommt jetzt, aber dann spricht sie uns auf Deutsch an und lädt uns in ihr Haus ein. Sie hatte unsere Deutschlandfahne gesehen. Astrid und Liam, ihr Mann, haben das Haus gerade fertig gestellt. Es ist sehr schön - auch von innen - und der Blick durch die großen Fenster ist einmalig. Bei Kaffee und Keksen unterhalten wir uns sehr nett mit den beiden und dem befreundeten Paar, die gerade zu Besuch sind. Zum Abschied bekommen wir noch Heilbutt und Lachs geschenkt.

Gegen 17 Uhr sind wir wieder unterwegs. Wir besuchen noch kurz den kleinen russischen Ort Nikolaevsk mit seiner schönen russisch-orthodoxen Kirche. Es ist wirklich ein Geschenk, dass wir die Strecke nun noch einmal bei Sonne erleben können bzw. jetzt sehen wir erst, was sich links und rechts von uns befindet. Zuvor war ja alles Wolken- und Regenverhangen. In Soldotna wird noch einmal eingekauft und getankt. Um einen Stellplatz zu finden, fahren wir hinter Sterling in ein Wildlife Refuge. Die Straße ist wieder nur eine Schotterpiste und ziemlich löchrig. Bei einem Hinweisschild zu einem Campground fahren wir nach rechts ab. Am Ende dieser Straße tut sich ein spiegelglatter See auf und rechts davon gibt es Buchten für Camper wie auf einem normalen Campground. Wir erfahren von anderen Campern, die schon am obligatorischen Feuer hocken, dass die Campgrounds im Wildlife Refuges immer frei sind. Welcome to Alaska!. Wir nehmen uns also einen Platz am Wasser, verbringen den Abend aber trotzdem im Camper, es ist nämlich arschkalt. Die Temperatur ist am Gefrierpunkt. Der Sonntagmorgen ist immer noch sehr kalt und obwohl der Platz sehr schön ist, wollen wir nicht noch eine kalte Nacht hier verbringen. Unsere zweite Propangasflasche ist schon seit einigen Tagen angebrochen und deren Inhalt neigt sich stark dem Ende zu. Wir wollen nicht riskieren, bei solch einem Wetter, nachts ohne Heizung da zu stehen.

Unser heutiges Ziel ist der Portage Glacier, also ein Gletscher. Eigentlich sind es mehrere Gletscher in diesem Tal, aber Portage ist der größte von ihnen. Am Portage Creek geht die Straße vom Steward Highway nach rechts ins Portage Valley. Nach ein paar Meilen gabelt sie sich und führt rechts zum Visitor Center, der Bootsanlegestelle für Rundfahrten über dem Portage Lake direkt an den Gletscher und zum Wanderweg, um den Byron Glacier zu erreichen. Die linke Straße verbindet Portage mit dem kleinen Ort Whittier und zwar unterirdisch. Zwei Tunnel wurden dafür durch die Chugach Mountains gesprengt, der Portage Tunnel mit ca. 1,6 Meilen Länge und Whittier Tunnel, der längste Tunnel Nordamerikas, mit 2,5 Meilen Länge. Um diese Tunnel zu befahren und nach Whittier zu kommen, muss man für ein normales Auto – dazu zählt auch unser Truckcamper – 12 $ zahlen. Die Durchfahrten unterstehen einem Zeitplan, denn die Tunnel sind erstens Einbahnstraße und zweitens teilen sich die Autos den Tunnel mit der Eisenbahn.

Aber zurück nach Portage. Das Visitor Center ist mal nicht saisonal bedingt geschlossen. Wir haben Glück, da dieses außergewöhnlich interessant Visitor Center heute den letzten Tag geöffnet hat. Man kann hier vieles lernen und erfahren, es gibt interaktives Anschauungsmaterial, Filme und einen wunderbaren Ausblick auf den See und den Gletscher. Der Bau des Begich Boggs Visitor Centers hat 8 Mio US$ gekostet. Benannt ist es nach zwei amerikanischen Politikern, die 1972 über dem Portage Glacier mit ihrem Flugzeug verschwanden. Das Flugzeug wurde nie gefunden. Nach einem Rundgang, bekommen wir noch einige Informationen am Information Desk und weil der Film über den Gletscher gerade beginnt, gehen wir kurz entschlossen hinein. Es ist ein ziemlich großes Kino und natürlich sehr leer um diese Jahreszeit. Der Film ist interessant, aber am meisten beeindruckt hat uns das Ende. Die letzten Bilder des Films zeigen die Berge und den Gletscher, dann wird die Leinwand hochgezogen, der Vorhang gibt ein riesiges Panoramafenster frei und man schaut jetzt im Original auf die selbe Landschaft – atemberaubend schön.

Nach dem Visitor Center laufen wir die 0,8 Meilen zum Byron Gletscher. Früher benutzen Trapper die Gletscher um vom Prince William Sound (bei Whittier) zum Cook Inlet zu gelangen. Der Byron Glacier ist der einzig fußläufig erreichbare Gletscher. Man kann ihn anfassen und auch draufgehen. Die weiße Masse, die sich hier ins Tal schlängelt ist kompakt gepresstes Eis. Schneefall von hunderten von Jahren hat sämtliche Luft aus den unteren Schichten gedrückt. Darum erscheint das Gletschereis auch blau und nicht weiß, wie das normale Eis, in dem sich noch Luftblasen befinden. Der Gletscher formt unterirdische Flüsse und andere bizarre Formen. Obendrauf befinden sich die gefährlichen Gletscherspalten, in denen ein zehnstöckiges Haus mühelos verschwinden kann. Nach der Gletscherbesichtigung wollen wir nach Whittier, aber da wir die Einfahrtzeit gerade verpasst haben, beschließen wir zurück nach Anchorage zu fahren. Als uns die Straße wieder direkt am Cook Inlet vorbeiführt, sehen wir wieder ein paar Rückenflossen. Sie sind zu klein für Orcas, also wieder Belugas. Kurz vor Anchorage fahren wir rechts ab. Auf dem Parkplatz zum Vogelbeobachtungs-Trail übernachten wir.