Unsere Rückkehr aus der Wildnis - 1. bis 6. Oktober 2008

Auf unserer Weiterfahrt nach Tok liegt die Landschaft unter einer 10 cm dicken Schneedecke. Die Sonne bricht ab und zu durch die Wolken und lässt alles weiß erstrahlen. Leider verpassen wir eine Abfahrt und unser Navigationssystem ist auch leicht verwirrt durch die Wolkendecke. Wir stellen den Irrtum erst 25 Meilen später fest und müssen nun die Strecke wieder zurück. Jetzt sehen wir die Abzweigung und fahren in Richtung Tok. Original 2 km vor Tok geht uns wieder das Auto aus – Benzin ist alle. Das gibt es doch nicht. Hat es etwas mit Tok zu tun? Diesmal haben wir allerdings noch unsere vollen Reservekanister. In Tok erledigen wir das Übliche und fahren nach einem ausgiebigen Essen gegen 19 Uhr weiter. Als es dunkel wird erreichen wir die letzte Tankstelle vor der Grenze, hier füllen wir noch mal auf, da es in Kanada dann teurer wird. Außerdem können wir nicht unsere Finger von ein paar Souvenirs lassen. Dann kommt die amerikanische Grenze, wo wir nicht anhalten müssen. 20 Meilen später kommt dann die kanadische. Eine sehr nette junge Grenzbeamtin lässt uns nach kurzer Befragung und einem netten Gespräch einreisen. Nun gilt es noch einen einigermaßen ruhigen Schlafplatz zu finden. Die nächste Rest Area gefällt uns nicht, aber in Beaver Creek, einem kleinen Ort, stellen wir uns einfach auf einen großen leeren Schotterplatz.

Nachts hat es noch einmal geschneit und auch beim Frühstück kommen die weißen Flocken von oben. Wir starten von Beaver Creek gegen 11 Uhr. Der Himmel ist Wolkenverhangen und es nieselt, wenn wir durch tief hängende Wolken fahren. Von den Bergen links und rechts ist nicht viel zu sehen. Auf dem extrem buckligen Alaska Highway geht es nun bis Haines Junction. Hier biegen wir ab Richtung Whitehorse, welches wir abends um 21 Uhr erreichen. Die Temperatur liegt hier glücklicherweise wieder bei 12 Grad Celsius. Wir fahren gleich zu WalMart und übernachten dort auf dem Parkplatz. Am nächsten Tag versuchen wir noch einmal ein Schild für den Sign Post Forest in Watson Lake zu bekommen, was allerdings nicht klappt. Außerdem ist eine unserer Gasflaschen undicht und muss erneuert werden. Am Samstag verlassen wir Whitehorse in Richtung Watson Lake und fahren den ganzen Tag im Regen. Kurz vor Watson Lake übernachten wir.

Am Sonntag ist das Wetter immer noch nicht besser, als wir nach Watson Lake reinfahren. Wir sind beide schon ganz gespannt, ob unser Schild noch im „Sign Post Forest“ hängt. Und siehe da, es erstrahlt noch in voller Größe an der Straße. Bis auf unsere beiden in rot geschrieben Namen - der rote Stift hatte anscheinend keine lange Lebensdauer - ist noch alles wunderbar zu lesen. Wir bleiben nur kurz in Watson Lake, um einige Dinge zu erledigen. So z.B. die Versorgung mit Trinkwasser. Aus unserem ersten Besuch in dieser Stadt haben wir gelernt und gehen diesmal mit unseren leeren Wasserkanistern in den Supermarkt um sie aufzufüllen. Dadurch kosten die 4 Liter nicht mehr über 4 Dollar, sodern nur noch einen Dollar. Anschließend fahren wir zurück zur Junction 37, wo wir in den Cassier Highway einbiegen. Olli hat mir erst heute Morgen eröffnet, dass über die Hälfte des Highways aus Schotterpiste besteht. Der Anfang der Strecke ist asphaltiert, aber es geht hoch und runter. Dann wechseln sich Schotter und Asphalt alle 100 m ab, bis er in eine ziemlich neue und gut asphaltierte Straße übergeht. Da hat die kanadische Straßenbaubehörde echt gute Arbeit geleistet. Das Wetter hat sich erholt, die Sonne scheint durch die Wolken und der Regen hat aufgehört. Wir fahren durch Nadelwald. Erscheint ein kleiner See, ist er quietschgrün, da er ganz flach und voller Algen ist. Wir stoppen nachmittags auf einem kleinen Campground. Er liegt schön an einem blaugrünen Badesee. Im Sommer muss es hier toll sein, denn auch die Stellplätze liegen direkt am Wasser. Nach der Weiterfahrt geht es in die Cassier Mountains. Wir fahren und fahren, bis es dunkel wird. Da es am Cassier genügend Stellplätze gibt, haben wir keine Probleme, einen für die Nacht zu finden.

Am nächsten Morgen stehen wir wieder bei Regen auf und als wir beim Frühstück sitzen, schneit es draußen. Ich kann nur immer wieder sagen, so sehr ich auch Kälte hasse, so eine verschneite Winterlandschaft hat schon was. Es ist so lange her, dass wir diese ruhig fallenden Schneeflocken in Deutschland gesehen haben. Wir verlassen den Platz kurz vor 11 Uhr. Der Schnee auf den Bäumen wird weniger und die Landschaft wieder grüner. Hier sind die Laubbäume nicht kahl sondern noch leuchtend gelb und die Berge durch die wir fahren, mit dichten grünen Tannen bedeckt. In der letzten Stadt am Cassier Highway wird komplett aufgetankt. Wir biegen nun auf den Yellowhead Highway. Plötzlich finden wir uns wieder mit dem dicht besiedelten Kanada konfrontiert, Landwirtschaft und weidende Kühe, die wir schon lange nicht mehr gesehen hatten. Unmengen von Autos befahren die Straße und eine Ortschaft jagt die andere. Nach den vielen Wochen in der Einsamkeit des Nordens, kommt das für uns wie ein Schlag. Es wird dunkel, aber wir setzen die Fahrt bis Prince George fort. Der Regen peitscht gegen die Windschutzscheibe. Gleich beim Reinfahren in die Stadt, liegt rechts ein großer WalMart Parkplatz. Hier sehen wir die ersten Globetrotter auf unserer Reise. Ein umgebauter Toyota Landcruiser aus Frankreich. Die Franzosen (seit gut 2 Jahren mit ihren Kindern unterwegs) schlafen aber schon, schließlich ist es auch schon 23 Uhr. Trotz der Verbotsschilder „No overnight parking“ bleiben wir über Nacht, um uns von unserer 500 Meilen Marathonfahrt zu erholen. Da es am nächsten Tag immer noch wie aus Eimern regnet, beschließen wir Prince George den Rücken zu kehren und brechen in Richtung Vancouver auf.