Vancouver – 9. bis 13. Oktober 2008

Auf unserem Weg nach Vancouver durchfahren wir eine sehr schöne Gegend. Leider wissen wir nicht, wie sich dieses Tal nennt, aber es ist der Highway 99 und als Scienic Byway ausgeschildert. Die Straße schlängelt sich durch ein lang gezogenes Tal. Links reiht sich ein See an den anderen. Das Wasser ist tief türkisblau und zum Ufer hin wird es immer grüner. Fast wie an der Cote d’Azur. Auf der anderen Seite der Seen schließen sich wieder grüne, mit Tannen bewachsene Berge an. Dann wird das Tal breiter, die Seen verschwinden und es öffnet sich ein riesiger Canyon, der stark an die Landschaft in den Badlands erinnert. Immer noch reihen sich die hohen Berge auf beiden Seiten, in der Mitte liegen Felder und Wiesen und darin verläuft noch einmal eine Schlucht mit einem Fluss.

In Lillooet wird unser Truck von Jimmi Hendricks Großcousin betankt. Hinter Lillooet halten wir noch einmal an einem herrlichen See. Sein blaues Wasser wird von grünen Bergen eingegrenzt. Im Sommer kann man hier am Strand baden gehen oder sein Boot zu Wasser lasse. Dann fädelt sich die Straße durch Berge. Die Tannen sind jetzt sehr hoch und der Wald sieht dunkel aus. Natürlich fließt hier auch ein Fluss im Tal. Als wir die Berge verlassen biegen wir auf den „Sea to Sky Highway“. Wir durchfahren Pemberton und Whistler und verbringen bei Squamish eine kostenlose und ruhige Nacht etwas abseits der Straße. Die gesamte Strecke ist übrigens eine riesige Baustelle (Vancouver bereitet sich auf die Olympiade vor).

Am Donnerstag erreichen wir um die Mittagszeit Nord Vancouver. Die Strasse führt direkt an der Horseshoe Bay nach Vancouver. Zuerst fahren wir zu WalMart. Dieser ist hier ganz klein, Übernachten nicht erlaubt. Wir kaufen schnell noch ein paar Kleinigkeiten, unter anderem einen Ölradiator, tanken das Auto auf und dann geht’s zum Campground „Capilano RV-Park“. Der ist zwar nicht ganz billig, aber von hier kann man in aller Ruhe Vancouver anschauen. Die Nacht kostet 40 $ plus Tax. Wir bekommen einen Platz für 3 Nächte und zahlen mit dem AAA Discount 113 $. Es gibt hier eine Laundry, Strom, Wasser, Internet, kurz gesagt, alles was man braucht. Und auch Dinge, die wir nicht brauchen, wie z. B. einen Jacuzzi oder den Außenpool. Zwar scheint die Sonne, aber es sind trotzdem nur 12 Grad, kein Wetter zum draußen sitzen. Also beschäftige ich mich computertechnisch und Olli bereitet alles für den Grill vor und rasiert sich endlich mal wieder die lange Matte vom Kopf. Aber das Gesicht bleibt unberührt, der Bart wächst und wächst und wächst. Wir sitzen noch bis spät in die Nacht und besprechen Dinge bezüglich der Webpage.

Anstatt wie geplant nach Vancouver zu gehen, verbringen wir den zweiten Tag mit Haushalt und Bastelarbeiten. Drei Waschmaschinen haben wir zu waschen, da hat sich ganz schön was angesammelt. Und der Camper bedarf auch schon wieder einer kleinen Streichel- und Basteleinheit. Der Campground ist voll und wir scheinen in einer pur deutschen Reihe zu stehen. Wir erfahren, dass die meisten deutschen Touristen ihren letzten Urlaubstag hier bestreiten, um ihr Wohnmobil übergabefertig zu machen. Elvira und Hermann aus Süddeutschland bringen uns ihre gesamten Lebensmittel und auch Brennholz, was sonst in den Müll wandern würde. Das ist nett. Außerdem machen sie Werbung für uns zwei Langzeitreisende und nach und nach bringen immer mehr Leute ihre Überbleibsel. Sie versprechen, morgen früh bei der Abreise weitere Dinge vor unsere Tür zu stellen. Jeder hat Dinge, die er nicht mit nach Deutschland nimmt und wenn es nur das Speiseöl oder die Salzdose ist. Wir nehmen alles dankend an. Schließlich können wir alles irgendwann gebrauchen. Es ist wie Weihnachten. Wir haben jetzt so viel Öl und Klopapier, davon können wir Monate zehren. Abends essen wir die Reste vom Vortaggrillen. Leider kann man auf diesem Campground kein Lagerfeuer machen, ansonsten hätten wir bestimmt nett mit den anderen draußen gesessen.

Am nächsten Morgen gucken wir natürlich gleich, was sich vor unserer Tür getan hat. Und siehe da, mehrere Tüten und Kisten wurden für uns hinterlegt. Sogar Kaffee und Shampoo sind dabei. Das ist super. Heute mache ich frühstück (gestern habe ich auch schon, muss ja irgendwann mal wieder mit Olli auf Gleichstand kommen, aber das kann noch dauern). Wir erledigen noch einige Kleinigkeiten im Camper und dann gehen wir endlich los. Leider ist das Wetter heute nicht so warm und sonnig wie gestern, aber es ist auch nicht wirklich kalt. Zuerst erklimmen wir die „Lions Bridge“, die North Vancouver mit Vancouver verbindet. Diese Brücke ist riesig, bestimmt 2 km lang und hat einen steilen Anstieg. Oben pfeift der Wind durch die Jacken. Hinter der Brücke beginnt sofort der „Stanley Park“. Ein großer Baumbewachsener Park mit vielen Wanderwegen. Hier soll nach unseren Information ein Free Shuttle in die Stadt fahren. Oben, am Prospect Point angekommen, erfahren wir, dass der Bus saisongemäß nicht mehr fährt. Nur der Trolli Bus, ein Touristen Bus, der durch die ganze Stadt fährt, hält hier noch. Dieser kann für 35 $ zwei Tage genutzt werden. Allerdings fährt der letzte Bus heute um 6 Uhr und da es schon 3 Uhr ist, lohnt es sich für uns nicht mehr. Wir laufen also durch den Park in die Innenstadt. Es gibt unterschiedliche Trails und auch Straßen, die durch den Park führen. Nachdem wir gute 40 Minuten gegangen sind, einen See umrundet haben, erreichen wir den „Rose Garden“ mit Blumenrabatten und Wiesen. Sehr alte große Bäume runden den Anblick ab. Wir sehen eine Hochzeitsgesellschaft in Kostümen aus der Victoriazeit.

Am Ende des Parks beginnt Dountown Vancouver. Man kann jetzt entweder am Wasser entlang spazieren oder quer durch die Stadt. Wir entscheiden uns für letzteres. Wir landen in der Robson Street, einer Einkaufsstraße mit vielen Geschäften und einer Menge Restaurants und Cafés. Da wir beide Hunger haben, schauen wir uns nach etwas zu Essen um. Es gibt unwahrscheinlich viele Koreaner und Japanische Restaurants und Imbisse, aber damit kann ich Olli nicht locken. Schließlich entdecken wir eine kleine Mall mit einem Foodcourt. Hier gibt es von allem etwas und Olli bestellt beim Chinesen, ich beim Japaner. Es ist sehr günstig. Wir schlendern weiter durch die Stadt auf dem Weg nach Chinatown. Vorher landen wir aber in Gastown, der alternativen Ecke von Vancouver. Wir pausieren kurz im „New Old Amsterdam Café“, währenddessen es draußen schon langsam dunkel wird. Als wir Chinatown erreichen, haben schon alle Läden geschlossen und die Straßen sind nahezu menschenleer. Hier sind die Asiaten anscheinend richtige Kanadier und machen alle ganz pünktlich um 18 Uhr Feierabend. Schade! Aber eine „schlafende“ Chinatown hat auch seinen Charme. Wir überlegen ins IMAX zu gehen, landen aber durch Zufall in einer Mall mit Kino. Hier erstehe ich noch ein kleines Sushi und dann kaufen wir kurz entschlossen zwei Karten für einen Fantasy Film. Nach dem Kino fahren wir mit Sky Train und Bus zurück zu unserem kleinen Camper.

Am Sonntagnachmittag fahren wir mit dem Bus nach Granville Island. Im Stadtzentrum steigen wir in Linie 50 nach Granville um. Hier findet an 7 Tagen die Woche ein großer Markt statt. Die Marktstände befinden sich in von Licht durchfluteten Hallen. Sie sind voll mit den leckersten Dingen, Fisch jeder Sorte, Käse, Oliven, Obst, aber auch Bilder und andere Kunstobjekte. Die Hallen enden auf der anderen Seite im Jachthafen. Dort kann man sitzen, sich von der Sonne verwöhnen lassen und Kaffe trinken. Auch an den Imbissständen gibt es wieder eine Menge Gaumenfreuden, von der Auster bis zum Hotdog. Wieder gibt es Sushi für mich (bis jetzt war jedes Sushi in Vancouver ausgesprochen gut) und Olli leistet sich eine Bratwurst mit Sauerkraut (war nicht so lecker wie in „Good old Germany“). Nach dem Imbiss schlendern wir durch die Marktstände. Wir kaufen Obst und Käse. Gegen 18 Uhr machen wir uns auf den Rückweg und lassen den Abend ruhig im Camper ausklingen. Auch der nächste Tag ist ein Gammeltag. Es regnet in Strömen und bei solch einem Wetter, kann man weder in die Stadt, noch lohnt es sich etwas am Auto zu machen. Also beschäftigt sich Olli wie gehabt mit seiner Controlling-Tabelle und ich fange das dritte Buch von Robert Jordan an. Um überhaupt etwas Bewegung zu bekommen, machen wir abends noch einen langen Spaziergang.

Am Dienstag verlassen wir den Campground. Zuerst suchen wir den Recyclinghof, da wir fleißig am Flaschen und Dosen sammeln waren. Man kann hier wirklich alles zurückgeben, Milchflaschen, Weinflaschen und sogar die kleinen Tetrapacks für Zwischendurch. Unsere amerikanischen Bierflaschen werden allerdings nicht angenommen. Das Wetter ist uns wieder einmal hold. Gestern noch Regen, heute scheint die Sonne. Unser Ziel ist die (Welt)berühmte „Capilano Suspension Bridge“. Diese Touristenattraktion befindet sich in North Vancouver, ca. 10 min von unserem Zeltplatz entfernt. Fürs Parken soll man 5 $ bezahlen. Die Tickets sind mit der Nummer des Stellplatzes versehen. Wir fragen Leute, die gerade aus dem Park kommen, ob wir deren Ticket und Parkplatz bekommen könnten. Das klappt. Gleich auf der anderen Straßenseite befindet sich der Eingang. Der Eintritt, 28 $ ist auf jeden Fall mehr, als wir gedacht hatten. Wir haben jeweils einen Coupon, wo wir pro Person „nur noch“ 26 $ zahlen. Hinter dem Kartenhäuschen betritt man den geschichtlichen Teil des Capilano Parks. Hier sind Bilder, Werkzeuge und Totempfähle der Indianer ausgestellt. Olli hat sich einen Zettel gegriffen, auf dem er nun Stempel sammeln muss. Ganz aufgeregt rennt er hin und her auf der Suche nach seinem ersten Stempel. Wir passieren ein Café, einen Grillstand und einen großen Souvenirladen. Gleich dahinter befindet sich die berühmte Suspension Bridge.

Diese ist 137 m lang und schwingt 70 m über der Capilano Schlucht und dem darin verlaufenden Capilano Fluss. Die erste Brücke, damals noch aus Holz und Seilen, wurde 1889 von einem schottischen Ingenieur gebaut. Seitdem wurde sie 4 Mal nachgearbeitet und wird heute von Stahlkabeln und Zement getragen. Schwanken tut sie trotzdem noch ganz schön, wenn man darüber geht. Auch das Fotografieren von hier oben, ist nicht so einfach. Auf der anderen Seite finden wir uns in einem Regenwald wieder. Ja, ein richtiger Regenwald mit uralten Bäumen mitten in Vancouver. Die Zedern sind mindestens 50 m hoch. Blätter haben sie erst ganz weit oben, dort wo das Licht sie erreicht. Die Bäume bilden ein Dach, unter dem man auf Holzstegen entlang spazieren kann. Es gibt Bildtafeln mit Erklärungen zu Flora und Fauna. Nach diesem Rundgang, vorbei an Teichen und bemoosten Bäumen, erreichen wir das Baumhaus. Von hier kann man einen Rundgang auf ca. 20 m Höhe machen. Die Hängebrücken sind diesmal nicht so lang und schwanken dementsprechend auch nicht so stark. Olli hat inzwischen die ersten Stempel zusammen. Wir gehen zurück zur Suspension Bridge und darüber hinweg. Ein kurzer Rundgang durch den Souvenirladen beendet unseren Aufenthalt. Olli, der wirklich alle Stempel zusammen hat, bekommt beim Verlassen des Parks ein Zertifikat: „I made it“. Wir fahren nun direkt zur Fähre nach Horseshoe Bay und mit dieser nach Vancouver Island.