Vancouver Island – 14. bis 18. Oktober 2008

Kurz vor 17 Uhr legt unsere Fähre in Nanaimo an. Da es noch hell ist, fahren wir erst einmal durch das Hafenstädtchen. Wir machen einige Besorgungen dann geht es weiter in südliche Richtung. Anstatt des Highways beschränken wir uns auf kleinere Straßen in Küstennähe. Die Nordseite der Insel ist allerdings stark bebaut und man hat kaum Blick auf das Wasser. In Duncan auf dem Safeway Parkplatz übernachten wir. Am nächsten Tag besuchen wir das Visitor Center in Mill Bay und erhalten noch einige Karten. Wir beschließen einen Provincial Park und Campground an der Südküste von Vancouver Island anzufahren. Leider wird das Wetter schlechter. Das Naviagationssystem lenkt uns durch eine kleine Straße. Schmal wie auf einer Einbahnstraße geht es die Hügel hinauf und hinab und mitten durch den Regenwald. Die Steine und umgefallenen Bäume sind mit sattem Moos überzogen und die Baumdächer lassen kein Licht hindurch. Es sieht sehr schön und gespenstisch aus. Einmal fahren wir über einen so steilen kleinen Hügel, dass wir erst oben auf der Kuppe die Straße vor unserer Motorhaube wieder sehen. Nach ca. 5 km kommen wir wieder auf eine größere Straße, aber auch die ist stark kurvig und eng. Ein Laster vor uns, der ein Haus transportiert hat, bleibt mit seiner Fracht an einer Ecke hängen und reißt das Häuschen auf. Wir fahren durch Sooke, ein kleines Städtchen an der Küste und biegen dann links im Provincial Park „French Beach“ auf den Campground. Die Plätze sind alle sehr schön und wir können uns frei bedienen. Wir sind nämlich die Einzigen. Etwas geschützt unter zwei alten Baumriesen machen wir uns breit. Inzwischen regnet es, trotzdem wollen wir heute Gegrilltes essen. Damit der Grill im Trockenen steht, fahren wir unsere super Sonnenmarquise aus. Gegen 16 Uhr klopft es draußen und eine Rangerin kassiert ab. Während Olli später draußen den Grillmaxen macht, schreibe ich an den Berichten. Abends sitzen wir warm eingemummelt am Feuer. Es ist herrlich. In der Ferne hören wir die Brandung des Pazifischen Ozeans, der sich ungefähr 100 Meter von unserem Sitzplatz befindet. Wir verheizen hier endlich einen Teil des Brennholzes, welches wir schon 5000 km mit uns herumgefahren haben.

Am Donnerstag verlassen wir den Zeltplatz, fahren aber gleich nebenan auf einen großen Parkplatz. Von hier gehen wir zum Strand. An diesem Standabschnitt kann man, wenn man Glück hat, Grauwale sehen. Sie ziehen hier im Frühjahr herauf und im Herbst wieder herunter zur Baha California. Der Strand ist steinig und es liegt eine Menge Strandgut herum. Riesige tentakelartige Algen und Baumstämme. Der Blick auf Wale ist uns aber nicht vergönnt. Wir gehen den Stand hinunter und auf einem Waldpfad wieder zurück. Auf unserer Weiterfahrt nach Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, halten wir noch einmal an einem Baumarkt wo Olli glücklich große Dämmplatten ersteht. Nun schauen wir uns Downtown Victoria schon mal vom Auto aus an. Wir entdecken einen sehr günstigen Parkplatz, der nicht zu weit vom Zentrum entfernt ist. Dort stehen sogar einige Wohnmobile, die den anscheinen machen, den Parkplatz als Campground zu nutzen. Anschließend fahren wir aber zum nur 1,8 Meilen entfernten Fort Victoria RV Park (33 $). Hier haben wir wieder jedweden Service am Stellplatz, inkl. Strom und Dumpstation. Den Nachmittag und Abend verbringt Olli damit, die neue Wärmedämmung für die Fenster zuzuschneiden. Ich sitze am Rechner und lade die vielen Fotos von der Kamera, die sich dort inzwischen schon wieder angesammelt haben.

Bevor wir am nächsten Tag den Campground verlassen, nutzen wir noch einmal den Internetzugang. Gegen 13 Uhr brechen wir auf nach Downtown Victoria. Wir parken unser Auto auf dem ausgesuchten Parkplatz und laufen gemütlich in die Stadt. Es ist zwar bedeckt, aber angenehm mild. Auf unserem Weg kommen wir am Fährhafen vorbei. Hier wollen wir am nächsten Tag nach Washington USA übersetzten. Wir erkundigen uns schon mal, wann die Fähren fahren und nach dem Ablauf. Die Fähren nach Port Angelis in Washington fahren zwei Mal am Tag, um 10:30 Uhr und um 16 Uhr. Uns wird geraten, unser Auto einfach um 11 Uhr beim Check In zu parken und spätestens 90 min vor Abfahrt wieder beim Auto zu sein. Ein Ticket zu reservieren würde 16 $ extra kosten. Nachdem wir diese Auskunft erhalten haben, geht es weiter in die Stadt. Gleich neben der Fähre befindet sich das Wachsfiguren Museum von Victoria. Das heben wir uns für morgen auf. Hinter dem Museum öffnet sich das Hafenbecken. Hier werden Hafenrundfahrten und –flüge angeboten und andere Touristenattraktionen. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das Parlamentsgebäude, welches einem Palast nachempfunden ist. Eine steinerne Statue von Königin Victoria steht vor dem Gebäude. Wenn man das Hafenbecken oben an der Straße umrundet, dominiert das Empress Hotel die Skyline. Es ist mit rotem Efeu bewachsen und vor seinem Eingang stehen zwei Bäume, die eher an Märchenfiguren („Der dunkle Kristall“) erinnern. Auf der anderen Seite des Wassers befindet sich das Visitor Center.

Hungrig gehen wir die Douglas Street hoch. Das ist eine breite Einkaufsstraße mit Cafés und Restaurant. An der Sandwich Corner genehmigen wir uns zwei leckere Pita und eine Kaffe. Dann geht es zu der Attraktion, worauf wir uns schon die ganze Zeit freuen, die Miniatur World. Als wir nach zwei Stunden wieder herauskommen, sind wir beide stark begeistert. Hier werden Szenen aus Kriegen, das Zirkusleben, das alte und das moderne London, riesige Puppenhäuser, Märchenwelten und vieles mehr in Miniaturform dargestellt. Echt beeindruckend, die vielen kleinen Details. Von der Miniatur World gehen wir durch die Stadt in Richtung China Town. Man kann wunderbar durch Downtown Victoria spazieren. Nicht nur die verschiedenen Straßen mit ihren bunten Häusern sind schön sondern auch die kleinen Gassen und Plätze, die man überquert. Das Stadtzentrum von Victoria ist so übersichtlich, dass man auch ohne Karte die interessantesten Dinge entdeckt. Zum Beispiel die Fan Tan Alley, eine klitzekleine Gasse mit alternativen Geschäften oder den Market Square, mit überdachten Galerien und Gängen, in denen sich eine Menge Läden und Cafés verstecken. Überhaupt ist der Flair von Victoria sehr angenehm, zumal es um diese Jahreszeit nicht sehr voll in den Straßen ist. Nach einer etwas längeren Pause bei Starbucks, wo wir unsere müden Füße ausruhen lassen, beschließen wir noch ins IMAX zu gehen. Das hat aber leider kurz zuvor seinen letzten Film gestartet, ist obendrein ausverkauft und somit für uns geschlossen. Also machen wir uns auf den Heimweg zu unserem Camper auf dem Parkplatz. Der Anblick des Parlaments im Dunkeln ist wunderschön. Die gesamte Kontur des Gebäudes ist mit 1000en von Lichtern bestückt. Es sieht aus wie ein Märchenschloss. Am Parkplatz angekommen fahren wir unseren Camper in die nächsten Seitenstraße und verbringen dort eine angenehm ruhige Nacht.

Entspannt beginnen wir den Samstag. Draußen tut sich ein blauer Himmel auf und die Temperatur klettert auf 18 Grad. Wie geplant stellen wir das Auto an die Fähre und zwar ganz vorne, in eine der 4 Schlangen. Sicherheitshalber fragen wir am Ticketschalter aber noch einmal nach, ob das so alles richtig ist und kaufen bei der Gelegenheit gleich unsere Fahrkarten. Diese Fähre ist mit 105 $ nicht ganz so teuer wie die von Vancouver. Da das Wetter so schön ist, verschieben wir den Museumsbesuch und gehen erst noch einmal in die Stadt. Bei herrlichem Sonnenschein laufen wir (zwecks schöner Fotos) nun noch einmal alle Stellen in Downtown ab. Da die Innenstadt so klein ist, bleibt uns vor der Fährabfahrt immer noch genügend Zeit, für das Wachsfiguren-Museum. Gleich zu Beginn der Ausstellung finden wir die gesamte königliche Familie bis hin zum 16 Jahrhundert. Weiterhin sind Filmstars, Astronauten, Märchenfiguren und andere Berühmtheiten ausgestellt. Außerdem gibt ein Gruselkabinett mit Szenen aus Zeiten der Inquisition. Es ist schrecklich, aber sehr interessant und wir haben keinen Fehler gemacht, hier herein zu gehen. Dann gehen wir zu unserem Auto, denn in 10 min kommt der Zoll. Alle Deutschen müssen mit ihren Pässen noch einmal in ein Extragebäude, aber die Abfertigung ist unkompliziert und schnell. Kurz danach kommt auch schon die Fähre aus Port Angelis und der Passagierwechsel findet statt. Pünktlich um 16 Uhr legen wir ab. Obwohl wir eine super Sicht haben und das Wetter so schön ist, sehen wir wieder keine Wale. Bei bedecktem Himmel legen wir in Port Angelis in Washington an.