An der Westküste in den Süden – 19. Oktober bis 02. November 2008

Im Vistor Center des Olympic National Park in Port Angelis erhalten wir viele Informationen bezüglich der Highlights dieser Gegend. Der nette Ranger empfiehlt uns ganz an die nordwestlich gelegene Spitze der Halbinsel, Port Flattery, zu fahren. Einerseits wegen der schönen Küste und um Seelöwen und verschiedene Vögel zu beobachten. Die Straße führt an dem riesigen See „Crecent Lake“ entlang. Die Sicht ist gut, denn der Himmel ist blau und die Landschaft atemberaubend. Gleich am Anfang des Sees wandern wir den 1,5 Meilen Loop durch den Regenwald zu den Marymere Water Falls. Baumriesen überwuchert mit grünem Moos säumen den Weg. Von hier geht es noch einige Meilen bis zu dem Abzweig nach Cape Flattery, dem nordwestlichsten Punkt Washingtons, welcher im Makah Indianer Reservoir liegt. Am Parkplatz zum Kap treffen wie zwei nette Typen, die mit einem Mercedes Bus unterwegs sind. Der Weg zum Kap ist nicht einfach, denn der Waldboden ist sehr nass und an manchen Stellen muss man über Holzpoller und Stege gehen. Am Ende gibt es 4 Aussichtspunkte und alle zeigen einen herrlichen Blick auf die zerklüftete Küste. Es gibt große unterspülte Höhlen und eine Menge vorgelagerte Steinfelsen. Überall nisten und sitzen Kormorane, aber keine Seelöwen. Nach ca. 30 Meilen sehen wir Colm und Jason wieder und suchen uns zusammen einen Stellplatz tief im Olympic National Forest. Wir lernen, dass man in den USA im National Forest überall frei und um sonst stehen kann. Ein schönes Lagerfeuer wird entfacht und Colm kredenzt Lachs zum Abendbrot. Es ist eine sehr lustige Runde.

Den ganzen nächsten Tag verbringen wir zu viert im Wald und abends machen wir ein riesiges Feuer bis spät in die Nacht. Leider muss Colm nun weiter. Jason führt uns zu einem schönen (free) Campground am Fluss, wo wir noch zwei weitere entspannte Tage verleben. Übrigens, obwohl wir uns hier im nassesten Teil der USA befinden, nämlich im Regenwald, haben wir seit 3 Tagen Sonne und Temperaturen bis zu 16 Grad. Es ist herrlich und der Wald mit seinen riesigen Bäumen und dem ganzen Moos atemberaubend schön. Am Donnerstag brechen wir unsere Zelte ab, sagen auch Jason Servus und fahren auf der 101 Richtung Süden. Nach nur ein paar Meilen kommen wir zum „Ruby Beach“, der einen unglaublich schönen Anblick auf Washingtons Küste bietet. Das Tal aus dem wir kommen, führt in einem Fluss grünes Wasser ins Meer. Bevor wir den Strand erreichen, müssen wir über riesige weiße Baumstämme klettern, die hier wahrscheinlich vor Jahren angespült wurden. Diesem Strand folgen noch weitere, genau so schön, allerdings mit Sand. Wir durchfahren Kalaloch und erreichen dann Quinault, wo wir einen super Burger essen. Weiter geht es über Aberdeen nach Cosmopolis.

Am nächsten Tag überqueren wir eine lange Brücke über das Columbia Delta und befinden uns nun in Oregon, dem Bundesstaat mit der schönsten Küste. Die Gegend um den Columbia River ist für US Amerikaner sehr geschichtsträchtig. Lewis und Clark haben hier auf ihrer Entdeckungstour einen Winter lang halt gemacht. Am Sonntag wandern wir den 2,4 Meilen langen Trail zum Cape Lookout. Der Weg ist wunderschön, auf einem Kliff ca. 300 m über dem Meer geht es durch den lichten Wald, der immer wieder Blicke aufs türkisblaue Wasser unter uns freigibt. Das Wetter ist unglaublich, mindestens 25 Grad warm. Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir das Ende des Weges und stehen ganz vorne am Cape gegen dessen Felsen weiße Wellen schlagen. Möwen und Pelikane segeln durch die Luft, von Walen ist allerdings keine Spur. Ab und zu sieht man den schwarzen glänzenden Körper einer Robbe aus dem Wasser tauchen. Hier lernen wir Linda und Doug aus Oregon kennen, die uns kurz entschlossen in Pacific City zum Essen einladen. Unterwegs machen wir bei riesigen weißen Sanddünen halt, die zwischen der Straße und dem Ozean liegen. Sie bieten ATV Fahrern die Möglichkeit, mal so richtig Dampf abzulassen. Olli kribbelt es in den Fingern, aber gut das er den Truck nicht in den Pulversand fährt, denn später bleibt er fast im tiefen Sand des Strandes stecken.

Nach dem Essen geht’s an den Strand – mit dem Auto – aber wir bleiben, wie gesagt, auf dem festeren Abschnitt stehen. Die Campingstühle werden herausgeholt und mit einem Milchkaffee in der Hand genießen wir einen bombastischen Sonnenuntergang. Wir verabschieden uns von diesen beiden lieben Menschen und fahren weiter südlich, wo wir auf einem Berg unter einem beeindruckenden Sternenhimmel einen Stellplatz finden. Am nächsten Tag erwischt uns schlechtes Wetter, der Himmel ist verhangen. Auf unserer Fahrt an der Küste entlang, nehmen wir zwei Tramper mit und da die beiden genau dasselbe Ziel wie wir haben – Arcata in California – fahren wir die Strecke gemeinsam. Jade und Matt kommen aus Poncatello in Idaho. Bei der Einfahrt in den Sonnenstaat Kalifornien, ist es immer noch bedeckt und es gibt eine Lebensmittelkontrolle (Obst und Zitrusfrüchte). Wir fahren nun durch die hier beginnenden Wälder der Redwoods, die größten Bäume der Welt (bis zu 100 m). Da unsere beiden Tramper Freunde in Arcata haben, bekommen wir dort gleich eine Übernachtungsmöglichkeit.

Gegen Mittag geht es am nächsten Tag und bei Sonnenschein weiter. Wir fahren eine Nebenstraße, die „Avenue of the Giants“, welche mitten durch den „Humboldt State Park“ und dichten Redwood Wald führt. Wenn man das Auto verlässt, steigt einem der wunderbare Duft des Waldes in die Nase. Herrlich frisch, am liebsten möchte man davon was abpacken und mitnehmen. Loops oder Stopps an der Strecke führen einen zum „Drive Through Tree“ oder zum „Step Through Tree“. Auch Rockefeller hat der Wald so gut gefallen, dass er gleich eine große Fläche davon kaufte, sie dem State Park stiftete und somit dessen Abholzung verhinderte. Wieder auf der 101zurück fahren wir in Legett auf die Küstenstraße 1, die es in sich hat. Außer schöner Küste gibt es viele kleine Kurven und ein ständiges Auf und Ab. Ein Stellplatz an einem Aussichtspunkt bietet uns am nächsten Morgen einen wunderbaren Blick über das Meer. Wir fahren weiter die Küste entlang. Während landeinwärts die Sonne scheint und der Himmel blau ist, ziehen vom Wasser weiße Nebelbänke herauf. Wir besichtigen Mendecino, eine kleine historische Stadt mit ca. 2000 Einwohnern, vornehmlich Künstler und ehemalige Hippies. Auf unserer Weiterfahrt, sehen wir Robben beim Sonnenbaden. Bei Ocean Bay verlassen wir die 1 und fahren zurück auf die 101, wo wir in Rohnert Park sind und mal wieder bei Walmart, um einzukaufen.

Am nächsten Tag sind wir zurück auf der Küstenstraße 1, haben allerdings wieder schlechtes Wetter. Das heißt aber auch, dass es keinen Nebel vom Meer gibt, man also die Küste heute mal sehen kann. Auf der Suche nach einer Dump Station biegen wir bei Cascade ab und entdecken vor einem Hotel ein duzend Oldtimer und zwar alles Düsenbergs - wunderschöne, restaurierte Fahrzeuge. Die Besitzer haben sich hier vor drei Tagen aus den ganzen USA getroffen und fahren kurze Zeit später mit ihren auf Hochglanz polierten Karossen gemeinsam vom Hof. Im Regen erreichen wir gegen 15 Uhr Santa Cruz, wo wir Matt besuchen wollen. Zuerst suchen wir aber das Visitor Center auf und fahren zur Recycling Station unsere gesammelten Dosen abzugeben. Anschließend fahren wir zu Matt. Er wohnt in einem kleinen Apartment bei einem älteren Pärchen. Auf deren Driveway können wir parken und haben auch alles, was das Camperherz begehrt. Wir können hier dumpen, es gibt Außensteckdosen und Wasser. Matt trifft kurze Zeit später ein und gemeinsam fahren wir ins Stadtzentrum von Santa Cruz, eine der ältesten Küsten- und Surferstädte. Zum Diner gibt es Pizza, danach laufen wir ein wenig durch die Innenstadt. Morgen ist Halloween, doch so mancher läuft schon heute mit Kostüm durch die Straßen. Außerdem gibt es zwei große Buchläden, die neue und gebrauchte Bücher anbieten, wo wir sogar noch abends um 10 Uhr herumstöbern können. Zurück bei Matt, lassen wir den Abend ruhig bei einem Bier ausklingen.

Am Freitag, Matt muss arbeiten, kümmere ich mich um die Homepage und Olli erledigt kleine Reparaturarbeiten im Camper. Am Ende des Tages sind wir sehr zufrieden, wir haben viel geschafft. Draußen hat es den ganzen Tag genieselt und so wäre anderes sowieso nicht möglich gewesen. Vor unserer Ankunft hatte es übrigens 6 Monate nicht in Santa Cruz geregnet. Abends treffen wir uns mit Matt und seiner Freundin und deren kleinem Sohn und gehen gemeinsam in Felton zum Mexikaner. Im Restaurant gibt es gleichzeitig eine Halloween-Party und alle stecken in den wildesten Kostümen. Collin verlässt uns schon früher, weil der kleine Shawn ins Bett muss, aber wir drei gehen noch ein Eis in einer Geheimtipp-Eisdiele naschen. Das Eis war definitiv zu viel, aber es war so lecker. Samstagmorgen frühstücken wir gemeinsam im Camper, dann erledigen wir mit Matts Hilfe einige wichtige Dinge, die wir bis dato aufgeschoben hatten. Den Rest des Tages arbeite ich wieder an den Berichten und Olli macht am Camper weiter. Draußen regnet es in Strömen. Matt ist abends mit Collin verabredet und wir haben Camper und Wohnung wieder für uns, wo wir uns nach getaner Arbeit ein Video anschauen. Sonntags reisen wir, nach drei Tagen Regen, weiter. Zwar kommt die Sonne gerade wieder heraus, aber wir haben die Entscheidung gefällt. Man steht leider auch nicht so ungezwungen in einer fremden Einfahrt. Gegen 14 Uhr verabschieden wir uns von Matt und fahren weiter zu unserem nächstem Zwischenziel, dem Yosemite National Park.