Yosemite Nationalpark – 3. bis 4. November 2008

Der Yosemite National Park ist vom Stanislaus National Forest umschlossen. Hier wollen wir übernachten, denn das ist frei. Als wir am späten Nachmittag den National Forest erreichen, ist unser erster Gang, der zur Ranger Station. Leider gibt es keine Karten vom Waldgebiet, jedoch bekommen wir nach Vorlage des Reisepasses die offizielle Genehmigung im kalifornischen National Forest Feuer machen zu dürfen. Kurz bevor wir den Nationalpark erreichen, biegen wir rechts von der Straße ab, wo weitere Wege in den Wald führen. Wir entscheiden uns für einen und finden dann hier einen schönen Platz mit Feuerstelle am Wegesrand. Nach tagelanger Abstinenz ist mein lieber Olli ganz wild auf ein wärmendes Lagerfeuer. Es hindert ihn auch nicht, dass es anfängt zu regnen und das Holz nass wird. Sein Motto heißt: Feuer um jeden Preis. Dazu wird, mit viel Rütteln und Schütteln, die widerspenstige Markise über dem geplanten Feuerplatz ausgefahren. Dabei bekommen wir allerdings schon die erste Ladung Nieselregen ab. Während Olli draußen ganz hartnäckig das Feuer entfacht, bereite ich drinnen ein kleines Abendbrot zu. Unter der Markise sitzend, mümmeln wir anschließend unser Essen. Leider geht an diesem Abend ein starker Wind. Wenn dieser von vorne kommt, haben wir den Qualm im Gesicht und wenn er von hinten kommt, regnet es uns in den Kragen. Super Feuer! Ich muss an dieser Stelle noch hervorheben, dass Olli das Feuer mit nassem Holz (nach 5 Anläufen) anbekommen und sich damit das Wilderness Überlebenszertifikat verdient hat. Wir geben jedenfalls um 22 Uhr auf und verziehen uns nach drinnen. Der Abend bleibt uns noch lange in Erinnerung, da unsere Klamotten noch eine ganze Woche nach Qualm riechen!

Am nächsten Morgen fahren wir bei Sonnenschein und blauem Himmel zurück auf die Hauptstraße und die drei Meilen bis zum Parkeingang. Hier hat es letzte Nacht geschneit und die hohen Tannen sind dick mit Schnee bedeckt, was allerdings sehr schön für unser norddeutsches Auge aussieht. Im Yosemite National Park kommt dann unser Parkpass erneut zum Einsatz, ansonsten wären 20 $ Eintritt fällig. Der Ranger händigt uns eine Landkarte vom Park und eine Zeitung aus. Wie Matt für uns schon vorher im Internet recherchiert hatte, bestätigt uns der Parkranger, dass wir nur das Yosemite Valley befahren können. Die Pässe über die Sierra sind wegen des Schnees seit Anfang November gesperrt. Das ist sehr schade und wird uns mindestens 200 Meilen Umweg über den nördlicher gelegenen Pass Highway 88 kosten. Normalerweise kann man nämlich auf der 120 durch den Yosemite Park bis auf die andere Seite der Sierra Nevada fahren, wo wir anschließend Richtung Death Valley hinwollen.

Der Yosemite Park ist wohl einer der schönsten Nationalparks der USA. Auch einer, der pflegeleicht zu bereisen ist. Die Straße ist in ausgezeichnetem Zustand und führt zuerst über den Berg nach unten. Die Hänge des Valleys, an denen wir vorbeikommen, tragen noch die Spuren des letzen großen Waldbrandes von 1990. Allerdings ist mittlerweile schon sehr viel nachgewachsen, verglichen mit meinem ersten Besuch hier (1997) als nur schwarz Baumstämme aus der Erde ragten. Auf unserem Weg hinunter ins Yosemite Valley passieren wir zwei Tunnel. Noch bevor man ganz unten ist, gibt es ein paar herrliche Aussichtspunkte ins Tal mit Flusslauf oder auf den Half Dome, einen der großen Granitfelsen des Parks. Eigentlich wird geraten, das Auto vor dem Valley stehen zu lassen, da es viele kostenlose Möglichkeiten (Busshuttle, Tram, Fahrrad) gibt, alles zu sehen. Allerdings gilt diese Maßnahme im Sommer, wenn ungefähr 14.000 Besucher pro Tag das Valley stürmen. Die zweispurige Einbahnstraße, die rings um das Valley führt, ist jetzt im Winter teilweise gesperrt, so dass sich die wenigen Autos die Straße teilen. Zuerst halten wir an den „Bridalveil Falls“. Vom Parkplatz ist es nur ein kurzer Fußmarsch zu dem Wasserfall, welchen wir schon von weiter oben sehen konnten. Er fällt 620 Fuß tief ins Tal hinein. Gleich gegenüber, sozusagen auf der anderen Straßenseite steht der gigantische Granitfelsen „El Capitan“. Er ragt 3600 Fuß in die Höhe und ist ein gefundenes Fressen für Kletterer.

Wir setzen unseren Weg fort und erreichen Yosemite Village am Ende des Tals. Hier steht auch das große Visitor Center, dem wir einen Besuch abstatten. Zuvor gehen wir allerdings noch in die Galerie, wo wunderschöne Bilder und noch mehr Fotos vom Park ausgestellt sind. Leider alles sehr teuer. Im Visitor Center sehen wir uns den Film „Spirit of the Park“ an, der uns im National Park Guide empfohlen wurde. Es wurde nicht übertrieben, die Filmqualität ist sehr gut, die Bilder großartig und der Inhalt interessant und lehrreich. Hinter dem Visitor Center liegt das Dorf der Ahwahnee Indianer. Natürlich wohnt niemand mehr in den Holztipis. Die Lebensgrundlage dieser Menschen gibt es an diesem Ort schon lange nicht mehr. Wunderschöne Körbe haben diese Indianer damals geflochten. Ganz fein und mit eingearbeiteten Ornamenten, welche wir kurz darauf im kleinen Indian Cultural Museum gleich nebenan bewundern.

In diesem Museum gibt es zurzeit auch eine Ausstellung über die Climber. Außer beeindruckenden Bildern, gibt es zwei Filme zu sehen. Es ist wirklich unglaublich, wie Menschen diese steilen Wände bezwingen, ob mit oder ohne Seile. Während des Aufstiegs, der manchmal Tage dauert, schlafen sie in, an Seilen hängenden Liegen neben der Wand. Auch viele Frauen sind unter ihnen und Muskeln haben die… Nach dem Kulturellen, fahren wir weiter zu den Yosemite Falls. Es sind drei, die Upper und die Lower Falls (die mittleren werden nicht erwähnt) bilden zusammen Nordamerikas höchsten Wasserfall. Wir hatten schon befürchtet, gar kein Wasser zu sehen, da die Fälle normalerweise im Herbst austrocknen. Glück gehabt. Nach einem kurzen Marsch stehen wir direkt vor den gewaltigen Lower Falls. Am Ende des Loops sieht man noch einmal den gesamten Wasserfall. Kurz vor Sonnenuntergang fahren wir hoch zum „Tunnelview“. Der Ausblick ist unglaublich. Man überschaut wieder das gesamte Tal, aber diesmal aus einer anderen Perspektive. Von hier sieht man nicht nur Bridalveil Falls sondern auch Half Dome und El Capitan. Das Panorama haut einen um. Und Tunnelview deswegen, weil die Leute, die von der anderen Seite des Tunnels kommen, diesen ersten traumhaften Anblicks des Yosemite Valleys erhaschen. Für uns ist jetzt aber ausgeträumt, wir müssen weiter, einen Schlafplatz finden. Wir verlassen den Yosemite National Park, diesmal auf dem einfachen Weg am Fluss entlang. Irgendwann entdecken wir auch einen Platz, relativ nah an der Straße, aber viele Möglichkeiten gab es nicht.