Death Valley – 7. bis 10. November 2008

Als wir am Freitag um 8 Uhr auf dem kleinen Campground erwachen, haben die anderen bereits ihre Zelte abgebaut oder schlimmer noch, sind schon unterwegs. Den Sonnenaufgang, der hier herrlich sein soll, haben wir also verpasst. Wir fahren zum Stovepipe Campground und suchen uns dort ein feines Plätzchen für die nächsten zwei Nächte (12 $/Nacht), was man fein nennen kann in dieser Wüste. Das Thermometer zeigt bereits satte 27 Grad. Den Camper abgeschnallt fahren wir nur mit dem Truck erst einmal zur Visitor Information. Hier bekommen wir eine detaillierte Karte vom Park und hilfreiche Hinweise für unsere weiteren Touren. Als erstes wollen wir zum Mosaik Canyon, welcher gleich gegenüber des Campgrounds liegt. Die Straße dorthin ist allerdings eine Tortour. Es geht ca. 3 Meilen auf einer Schotterpiste schlechtester Qualität in den Berg. Vom Parkplatz aus kann man dann den Canyon zu Fuß erkunden. Insgesamt ist er 1,5 Meilen lang. Es ist für uns beide der erste Canyon und wir sind tief beeindruckt. Die ausgewaschenen Wände sehen aus wie aus Marmor. Und sie sind auch so glatt und kalt wie Marmor. Weiter oben wird der Stein rissig und rot und dahinter strahlt der blaue wolkenlose Himmel. Sehr schön, aber auch sehr heiß und wir sind froh in der engen Schlucht des Canyons im Schatten zu laufen.

Nach dem Mittag geht es Richtung Norden zu Scottys Castle. Gleich hinter unserem Campground beginnen die weiten Sanddünen. Zu beiden Seiten befinden sich die kargen Berge des Death Valley mit ihren vielen verschiedenen Formen und Farben. Es ist eine unglaublich schöne Landschaft. Out of this World. Wir kommen am Devils Cornfield vorbei, wo witzige Büsche, deren Wurzeln über der Erde hängen, stehen. Sie sehen ein bisschen aus wie Mangroven, nur nicht so groß. Die Straße geht schnurrgerade aus und ist fast leer. Ab und zu halten wir, um den Anblick der großartigen Landschaft zu genießen und natürlich zu fotografieren. Nach 40 Meilen und kurz vor Scotty’s Castle biegen wir zum „Ubehebe Crater“ ab. Hier ist die Erde schwarz und alle paar Meter mit gelben Grasbüscheln bewachsen. Wir fahren einen Loop und oben am Parkplatz kann man dann in den riesigen Krater bestaunen, der durch eine Magmaexplosion entstanden ist. Die andere Seite des Kraters zeigt zerklüftete Felsen in rot und weiß. Nun fahren wir zu dem Haus, welches sich ein amerikanischer Millionär zu beginn des 20. Jahrhunderts in die Wüste hat bauen lassen. Auf dem Parkplatz sehen wir unseren ersten Coyoten. Die Tiere, die aussehen wie junge Hunde, betteln gerne an den Autos nach etwas Essbarem, sind aber sonst eher scheu. Im Ticket Office unterhalten wir uns kurz mit dem Ehepaar, die sich um das Anwesen kümmern. Sehr liebe Leute. Er macht später auch die Führung durch das Haus für uns und zwei weitere Personen. Alfred und Daisy Johnson errichteten dieses schöne Gebäude 1923. Es ist nach Scotty, einem jahrelangen Freund der beiden benannt, der hier mit ihnen lebte. Damals gab er sich für den Hausherren aus und lies alle Welt in dem Glauben, er besitze eine Goldmine direkt unter dem Schloss. Das Haus bzw. kleine Schlösschen wurde in dem Zustand von 1993 erhalten. Alle Möbel, Kleidungsstücke und Zimmer sind, wie zu dieser Zeit. Man darf zwar nichts anfassen, aber kann so viele Fotos machen, wie man möchte. Dazu erzählt der nette Herr eine interessante Geschichte über die ehemaligen Bewohner des Hauses. Es ist ein tolles Haus, dicke Steinwände und Fliesen verhindern die Hitze. Im Salon gibt es auf der einen Seite einen großen Kamin für die kalten Tage und gegenüber einen Wasserfall, für den Sommer. Im Musikzimmer befindet sich versteckt hinter einer der vielen Holzvertäfelten Wände eine riesige Spielorgel. Nach ca. einer Stunde ist die Führung beendet. Draußen ist es mittlerweile schon wieder dunkel. Der Besuch hat uns beiden gut gefallen und wir fahren zufrieden zurück zu unserem kleinen Camper. Olli grillt, während ich diesen Text schreibe.

Der gestrige Abend war relativ laut. Viele Leute sind angereist und heute, am Samstag, kommen bestimmt auch noch so einige. Ungefähr 20 Meilen von unserem Standort, findet nämlich ein 4-tägiges Motorradtreffen statt. Das 49er. Deswegen wird man morgens auch schon von den knatternden Maschinen geweckt. Aber nicht nur das, um 9 Uhr bläst doch original einer ins Horn und das mehrmals. Ich war schon drauf und dran diesem Oberpfadfinder die Ohren lang zu ziehen. Wir gehen diesen Morgen auf jedenfall sehr ruhig an. Olli repariert erneut die Abwasserleitung unter der Spüle, denn nach 3 Monaten Huckelpiste, hat diese sich wieder gelöst und jetzt läuft das Spülwasser in den Versorgungsraum vom Camper. Gut, dass wir noch den Rohrkleber von Rich haben.

Um 12 Uhr fahren wir dann vom Campingplatz nach Süden. Nach 23 Meilen platter Straße durch das Valley erreichen wir das Furnace Creek Gebiet. Hier gibt es drei Campingplätze, ein großes Visitor Center und einen Golfplatz, wir dekadent. Die Camper stapeln sich in dieser Oase. Wir lassen diese Ansammlung von Menschen rechts und links von uns liegen, fahren auch an einigen anderen Stopps vorbei und biegen erst beim Artist Drive nach links ab. Dieses ist ein 9 Meilen Loop, den man nur mit einer Autolänge kürzer als 25 Fuß (ca. 7,5 Meter) machen darf. Die Straße ist sehr windig und führt ein paar Mal scharf um die Kurve und durch sehr enge Canyons. Der Anblick der Berge ist allerdings wunderbar. Von rot, braun über grün bis gelb, gibt es alle Farben in den Felsen. Nach dem Loop, geht es zurück in nördliche Richtung zum Dantes View. An dieser Strecke biegen wir ab in den „Twenty Mule Team Cayon“, der aber nicht so viel zu bieten hat, außer eine extrem enge, sehr kurvige Schoterpiste die durch enge Felswände führt. Dantes View liegt auf 5.475 Fuß (ca.1.650 Meter) und bietet den schönsten Blick in das Death Valley. Man schaut direkt auf Badwater, die weiße Salzfläche in der Mitte des Tals. Hier oben weht ein kühler Wind. Auch sonst hat das Wetter etwas nachgelassen. Das halbe Tal ist mit Wolken überzogen. Schlecht für die Fotos, gut zum Fahren. Auf dem Rückweg beobachte ich ganz genau die Straße. Um diese Jahreszeit sollen nämlich viele Spinnen zu sehen sein. Und wirklich, die erste rennt gerade auf die Straße und wir können nicht anhalten, um einen genaueren Blick zu riskieren. Die zweite hat die Straße gerade verlassen und geht langsam über hellen Sand. Sie ist ca. 8 cm groß, schwarz und grau. Eine Tarantel. Klick klick, im Kasten. Wir fahren die 23 Meilen zum Furnace Creek Gebiet zurück und gehen kurz ins Visitor Center und in den Laden. Der ist allerdings noch teurer, als unser kleiner Laden am Stovepipe Wells. Auch das Benzin ist bei uns viel günstiger. Anschließend fahren wir zurück zum Camper.

Eigentlich sollte man am Sonntag ausschlafen können, leider ist es aber nicht möglich. Die Urgewalt der Natur zwingt uns aus dem Bett. Draußen stürmt und regnet es! .Ein riesiger Regenbogen spannt sich über den Campingplatz. Da unser Camper abgeschnallt ist, haben wir Sorge, dass er auf seinen dünnen Beinchen umknickt. So manches Zelt ist schon an uns vorbei geflogen. Der Wind wird nicht weniger und die Gefahr, dass der Camper beim Hochfahren umkippt, ist noch größer. Olli rennt aufgeregt draußen herum und parkt vorsichtshalber den Truck als Windschutz vor dem Camper. Nach ca. einer halben Stunde lässt der Wind aber etwas nach und wir nutzen unsere Chance. Eins zwei drei wird der Camper hochgefahren und der Truck darunter. Während es draußen regnet, können wir jetzt erst einmal ausgiebig und in ruhe frühstücken. Das muss man sich mal reinziehen, wir stehen mitten im Death Valley (Sea Level 0) und es regnet. Gegen Mittag brechen wir zum Titus Canyon auf, doch die Straße ist wegen des schlechten Wetters am Morgen leider gesperrt. Stattdessen fahren wir den kleinen Abstecher zum Salt Creek, um den berühmten Pupfish zu sehen, welcher nur hier lebt. Der Pupfish ist aber entweder so klein, dass man eine Lupe braucht oder er macht Urlaub. Überhaupt, macht das ganze Fotografieren heute keinen Spaß, weil sich die Wolken wieder dicht und dunkel über uns zusammen gezogen haben. Deswegen verwerfen wir auch unseren Plan, noch zum „Golden Canyon“ zu fahren. Heute nehmen wir uns nur noch einen Platz auf dem Sunset Campground und bekommen gleich die Erklärung für diesen Namen präsentiert. Es gibt einen herrlichen, roten Sonnenuntergang. Dafür sind Wolken ja immer gut, sie machen den Sonnenuntergang interessanter. Alle Campgrounds sind jetzt viel leerer geworden, nachdem die Motorradfreunde abgereist sind. Wir stellen uns auf eine Anhöhe und haben eine ruhige Nacht.

Heute wollen wir die noch übrigen Sehenswürdigkeiten besichtigen und dann das Death Valley verlassen. Zuerst bis zu den Mesquite Flat Sand Dunes. Diese erheben sich bis zu 100 Fuß (ca. 30 m) über den Grund und sind aus wunderbaren gelben und weichem Sand. Man kann das Auto einfach an der Straße abstellen und in die Dünen laufen. Von hier fahren wir einen kleinen Umweg zum Zabriski Point, einem Aussichtspunkt, der besonders gerne zum Sonnenaufgang von den Fotografen angesteuert wird. In mitten von farbigen Badlands steht man auf einer Aussichtsplattform und natürlich sind die Farben morgens und abends intensiver, als jetzt zur Mittagszeit. Nun geht es zurück auf die Hauptverkehrsroute des Parks. Hier befinden sich die meisten sehenswerten Punkte. Als erstes kommt der Golden Canyon, den wir gestern ausgelassen hatten. Da heute die Sonne nicht von Wolken verdeckt wird, fahren wir die kurze Stichstraße zum Golden Canyon hinein. Gleich am Parkplatz beginnt der Canyon aus gelbem Sandstein. So einige Leute sind hier unterwegs, aber je weiter wir in den Canyon hineingehen, desto weniger Menschen treffen wir. Nach ca. einer Meile erreicht man Red Cathedral, eine massive hoch aufragende rote Felsformation. Wir klettern einen hohen Hügel hinauf, setzten uns oben auf den Kamm und genießen die Ruhe und die Aussicht.

Nach dem Golden Canyon geht es zum „Devils Golf Course“. Von weitem sieht die Landschaft aus, wie ein riesiges umgegrabenes Feld. Steht man direkt davor bzw. mitten darin, erkennt man, dass der Boden mit scharfen Steinen übersät ist. An den Steinen befindet sich eine weiße Salzkruste. An manchen Stellen so stark, dass die gesamte Fläche weiß ist. Wind und Regen haben Steine und Salz in bizarre Formen gepresst. Man muss sich hier ganz vorsichtig bewegen, weil ein Sturz viele Schnittwunden nach sich ziehen würde.

Unsere nächste Station ist „Natural Bridge“. Unser Gefährt quält sich ca. 2 Meilen die sehr schlechte Schotterpiste zum Parkplatz hinauf. Von hier oben haben wir einen wunderbaren Blick auf das weiß glitzernde Tal unter uns. Eine halbe Meile geht es auf lockeren Schottersteinen einen schroffen Canyon leicht bergauf. Dann stehen wir vor der Brücke, welche sich 5 m über den Canyon spannt. Weiter hinten im Canyon sieht man immer wieder die Spuren trockener Wasserfälle im Stein und an manchen Stellen sieht der Fels aus, wie heruntertropfender Wachs. Am Ende des Canyons finden wir noch einen sehr hohen trockenen Wasserfall. Hier ist der Stein glatt ausgespült und ragt ca. 6 Meter hinauf. Auf unserem Rückweg neigt sich der Tag schon wieder dem Ende zu. Wir fahren zum Badwater Basin, unserem letzten Punkt auf dieser Straße. Das ist der tiefste Punkt des Death Valleys und auch ganz Nordamerikas (282 Fuß unter dem Meeresspiegel). Ein Schild hoch oben im Felsen zeigt, wo sich der Meeresspiegel befinden würde. Hier wird es im Sommer besonders heiß und von langen Wanderungen wird abgeraten. Vom Parkplatz kann man endlos weit in das flache Becken laufen, allerdings sollte man auf dem vorgegebenen Weg bleiben. Aufgrund der späten Stunde, sind kaum noch Leute unterwegs. Die Luft wirkt irgendwie ganz rein. Früher gab es einen See und wenn es im Death Valley stark regnet, sammelt sich das Wasser in diesem Becken. Verdunstet es, bleibt diese dicke Salzkruste übrig. Die Abendluft und die Weite, das Licht der untergehenden Sonne und die Einsamkeit, machen den Ort zu etwas ganz besonderem. Auf dem Rückweg zum Auto bekommen wir von einem Fotografen noch einige Tipps bezüglich unserer Kameraeinstellungen. Wir verlassen nun das Death Valley. Wir hatten hier eine echt schöne Zeit mit interessanten Sehenswürdigkeiten. Weil diese Landschaft so einzigartig ist, sollte man das Death Valley auf jeden Fall auf seiner Reiseroute haben. Allerdings nicht im Sommer, denn dann kann es hier 46 Grad Celsius oder heißer werden.

Auf unserer Fahrt vom Death Valley landen wir auf dem Walmart Parkplatz in Pahrump, wo wir die ersten Langzeitreisenden unserer Reise treffen. Ursula und Adriano sind aus Zürich und genau einen Monat vor uns losgefahren. Sie sind mit einem Toyota Landcruiser mit gemütlicher Wohnkabine unterwegs und haben den Bogen durch die Nationalparks schon hinter sich.