Baja California – 20. Dez. 2008 bis 30. Jan 2009

Am Samstag, den 20.12.2008 machen wir uns also auf nach Mexiko. Wir sind schon gegen 10 Uhr an der Grenze in Calexico, den US Grenzposten mussten wir gar nicht passieren. Nach ca. 4 Stunden haben wir unser Touristenvisa, das Autopermit und einen tiefsitzenden Schock, weil man uns sagt, mit dem Camper kommen wir nicht aufs Festland. Auf der anderen Seite erwartet uns die große, unübersichtliche und dreckige Grenzstadt Mexicali. Nach einer halben Stunde landen wir auf gewünschter Autobahn und haben auch gleich unsere erste, aber harmlose Begegnung mit einem Militärposten. Bei Tecate verlassen wir die MEX 2 (Toll ca. 70 Pesos bis hierhin) und fahren nun Richtung Süden auf der MEX 3. Diese Straße führt durch das Weinanbaugebiet der Baja. Kurz vor Dunkelheit erreichen wir den RV Park Sordo Mudo. Der Stellplatz mit Stromanschluss, zwischen Orangenbäumen und Palmen gelegen, ist frei. Man kann allerdings für die Taubstummenschule auf der anderen Seite der Straße spenden, was wir am nächsten Tag tun. So verbringen wir unsere erste Nacht auf der Baja in unserem Camper, ohne Heizung, denn mittlerweile sind es angenehme 12 Grad Celsius nachts.

Am nächsten Tag fahren wir die 30 km bis Ensenada, eine größere Stadt (300.000 Einwohner), wo wir tanken (für 1000 Pesos, gut 0,40 EURO pro Liter, also etwas teurer als zuletzt im Süden der USA) und Geld ziehen. Dann beeilen wir uns weiter in den Süden zu kommen. Es ist schon erschreckend, wenn man sieht, wie die Leute hier leben. Nur die Hauptstraße, auf der wir fahren, ist asphaltiert. Links und rechts gehen schlammige Arme zwischen ärmlichen Grundstücken hindurch. Auf fast allen Grundstücken stehen abgewrackte Hütten und mehrere Schrottautos, ganz abgesehen von dem Müll, der überall herumliegt. In San Quintin essen wir die empfohlenen Muscheln. Auf der Weiterfahrt sehen wir die ersten Walfontänen. Ab Ensenada wird die Gegend sehr einsam, heißt weniger Autos und nur ab und zu mal ein kleines Dorf, durch die die MEX 1 mitten hindurch führt. Dort wird das Tempo der Autos durch so genannte Topes, 20 cm hohe Bodenwellen, gemindert. Teilweise führt die Strecke über plattes Wüstenland, dann wieder durch karge Berglandschaft. Hinter Rancho el Progreso ist die Erde mit Kakteen jeglicher Sorte bedeckt, so z.B. Cereus, die bis zu 19 m hoch wachsen und die schönen und fremdartigen Boojum-Bäume. Catavina, was sich bereits ca. 500 km südlich von der Grenze befindet, erreichen wir dann bei Dunkelheit. Hier übernachten wir auf dem „Park Natural“ RV-Park, der leider nichts bietet außer dem Stellplatz (70 Pesos).

Heute, an Ollis Geburtstag, wollen wir noch bis auf die Ostseite der Baja zum Golf of California. Wir tanken an einer provisorischen Tankstelle, wo das Benzin mit einem langen Schlauch aus einem Kanister in den Tank gefüllt wird (180 Pesos/5 Gallonen). Unsere Fahrt geht weiter durch die Desierto Central. Die Straße liegt verlassen vor uns, auch die LKWs von letzter Nacht sind verschwunden. An mehreren Militärkontrollen werden wir durchgewunken. Guerrero Negro bezeichnet die Grenze zwischen nördlicher und südlicher Baja und gleichzeitig der 28. Breitengrad und die Zeitzone. Außerdem wird hier das Auto von unten für 20 Pesos desinfiziert und man wird nach Früchten und Gemüse gefragt. Der Ort ist allerdings keinen Stopp wert, es sei denn, man möchte Wale sehen. Das wollen wir zwar auch, aber leider ist es noch 2 Wochen zu früh. In den Gewässern vor Guerrero Negro bis Isla Magdalena bringen die Grauwale jedes Jahr zwischen Januar und März ihre Jungen zur Welt.

Auf dem südlichen Teil der Baja California geht es anders zu als im Norden. Die Ortschaften sind sauberer und sogar der Müll an der Straße wird eingesammelt. Leider schaffen wir es nicht weiter als bis zu dem wunderschönen kleinen Ort San Ignacio (4000 Einwohner). In einer Palmenoase gelegen, bietet der koloniale Ortskern einen Baumbestandenen Zócalo (zentraler Platz) und eine aus Lavablöcken gebaute Kirche. Wir verbringen den Rest des Tages auf einem der drei RV-Parks direkt am Palmenbestandenen Seeufer. Natürlich grillen wir zur Feier des Tages und entspannen bei mittlerweile 18 Grad Außentemperatur. Weiter geht es am nächsten Morgen nach Santa Rosalia, eine kleine Hafenstadt, mit asphaltierten engen Straßen und im französischen Kolonialstil erbauten bunten Häusern. Wir besichtigen die von Eiffel erbaute Iglesia Santa Barbara, essen sehr gute Tacos und kaufen für wenig Geld viel Obst und Gemüse. In Mulegé (3170 Einwohner) melden wir uns von einem Internetcafe in Deutschland. Mein Papa hat heute Geburtstag und natürlich wollen wir Weihnachtsgrüße übermitteln. 29 Meilen weiter südlich erreichen wir dann die schönen Strände der Bahia Conception. In El Requeson verbringen wir die nächsten drei sonnigen Tage. Die ruhige Bucht und der Camper direkt am Wasser laden jeden Tag zum Baden ein. Mit den netten Nachbarn aus den USA oder Kanada feiern wir Weihnachten, essen viel frischen Fisch, sehen fluorisierendes Wasser und fühlen uns einfach nur wohl in diesem Paradies.

Da wir am 27.12. mit den beiden Schweizern in El Tecolote verabredet sind, verlassen wir die Bahia Conception und fahren ca. 500 km. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir La Paz, und den 20 Meilen nördlich gelegenen Strand El Tecolote. Das Wiedersehen mit Ursula und Adriano wird mit Bier und Grillen gefeiert. Leider haben wir am nächsten Tag so starken Wind, dass wir zusammen beschließen, wieder auf die andere Seite der Baja zu fahren. So erreichen wir also am Sonntag Todos Santos, einen sehr sehenswerten Künstlerort an der Pazifikküste. Wir stellen uns ca. 4 km nördlich des Ortes an einen ruhigen Surferstrand und verbringen hier zwei schöne Tage mit dem Beobachten von Walen, ganze Schwärme von fliegenden Fischen, springenden Stachelrochen und Pelikanen. Von hier fahren wir weiter die Küste entlang bis Playa Los Cerritos, wo wir auch ein ruhiges Silvester am Lagerfeuer mit einigen anderen Europäern verbringen. Um 24 Uhr stehen wir am Strand, denken an unsere Lieben und beobachten das Feuerwerk. Das fällt allerdings nur ganz klein aus – kein Wunder, die Mexikaner haben für so einen Quatsch ja auch kein Geld.

Am 02. Januar fahren wir bis zur Kapspitze, also durch Cabo San Lucas (90.000 Einwohner), wo wir Einkaufen. Schnell lassen wir dieses kleine Mallorca mit seinen schönen Stränden hinter uns, durchfahren San José del Cabo und verlassen hier die MEX 1. Sehr langsam geht es auf einer Sandpiste an der Ostküste der Baja California weiter. Aufgrund der immer schlechter werdenden Straße gibt es hier kaum Tourismus und man kann fast alle 50 m alleine am Strand stehen. In der Bucht von Los Frailes stellen wir uns zwischen Snowbirds aus den USA und Kanada in ein (Flussbett) und hier machen Olli und ich unseren langersehnten Urlaub. Der Troopy fährt nach zwei Tagen weiter, aber wir bleiben fast zwei Wochen. Wir schnallen sogar den Camper ab, zwei Mal wöchentlich kommen Lebensmittelverkäufer, frisches Wasser gibt es im Brunnen und frischen Fisch von den Nachbarn. Zusätzlich bereitet die Rancherin mexikanische Köstlichkeiten, mit denen sie die Langzeitcamper versorgt. Der Strand der Bucht ist wunderschön schneeweiß und lang. Die Menschen hier, wie auch sonst auf der Baja, sind hilfsbereit und herzlich. Unsere kanadischen Nachbarn, Karen und Dave, versorgen uns nicht nur mit Schnorchelausrüstung und Wasserholutensilien, wir dürfen sogar mit zum Fischen fahren. Wir fangen zwei Sierra und sehen viele Seelöwen. Von Larry und Susan kaufen wir ein angeschlagenes, aber funktionales 80 Watt Solarpanel, somit sind wir auch Batterietechnisch bestens ausgerüstet. Mit Ruth, David und Peter verbringen wir viele Abende vorm Lagerfeuer. Es gibt leckerste Speisen, von Rippchen über verschieden Fischsorten bis hin zu Sashimi von dem über einen Meter großen Fisch, den Pete und David an diesem Tag gefangen haben. Am 20. Januar verabschieden wir uns. In Los Barriles wird Luft und Benzin getankt, kurz vor La Paz bekommen wir Propan und auf La Paz einzigem RV-Park (Casa Blanca) waschen wir und nutzen Internet.

Hier verbringen wir einen netten Abend mit Werner und Irmchen aus Cuxhaven. Die beiden älteren Herrschaften entpuppen sich als wahre Sweethearts und sind auch schon viel rumgekommen. Anschließend erledigen wir Einiges in La Paz, stehen aber nachts an der Marina. Olli bekommt seine Hepatitis B Spritze (beim Gynäkologen), die Schulter wird auch untersucht, wir ergattern noch fehlende Reiseliteratur usw. Nach 5 Tagen La Paz brechen wir auf Richtung Norden. Wir wollen unbedingt noch Whale-Watching machen und der nächstliegende Ort ist das 260 km entfernte Puerto San Carlos. Ohne Karte durchfahren wir den Fischerort bis zum Strand, wo wir glücklicherweise gleich Hilfe von zwei Kanadiern bekommen. Sie kontaktieren sofort ihren mexikanischen Freund und 10 min später haben wir für den nächsten Tag eine Verabredung zum Whale-Watching. Um 7 Uhr morgens geht es los. Außer Chrispin sind noch Maria und Jorge mit von der Partie und zusammen haben wir un dia hermosa. Wir sehen Seelöwen, unwahrscheinlich viele Grauwale, haben Richtig viel Spaß und Hummer und Schrimp auf La Isla Magdalena. Wir alle vier sind am Ende des Ausflugs sehr beeindruckt von den schönen friedlichen Meeresriesen. Die gewaltigen Körper erheben sich direkt neben dem kleinen Boot. Ganz mutige stecken den Kopf heraus und lassen sich anfassen. Ein wunderbares Erlebnis.

Zwei Tage später sind wir wieder an unserem gewohnten Platz in La Paz. Wieder machen wir hier einige Besorgungen, treffen uns mit Abel, einem sehr netten Mexikaner mit unglaublich gutem Deutsch. Natürlich sehen wir auch Maria und Jorge wieder, die in La Paz wohnen. Bei den beiden bekommen wir einen Einblick in die argentinische und kolumbianische Küche (wo die beiden herkommen) und Bräuche, wie das Mate-Trinken. Nebenbei hat Olli sogar die Chance seine Fußballmannschaft in Fernsehen (den großen HSV gegen Bayern München) gewinnen zu sehen.

Für die nächsten zwei Wochen pendeln wir zwischen La Paz, wo wir uns mit Jorge treffen und Dinge erledigen und El Tecolote, wo wir uns entspannen und das Strandleben genießen. Zusammen mit dem deutschen Pärchen Bärbel und Joachim, die auch die Panamericana fahren, erfreuen wir uns an dem tollen Wasser und der schönen Umgebung. Diesmal haben wir besseres Wetter, können viel draußen sitzen und baden. Hier verbringen wir auch noch einmal einen wunderbaren und lustigen Tag mit Maria und Jorge.

Außerdem haben wir noch über ein Highlight zu berichten. Wir sind mit Inge und Bruno auf der M/V Beauport (http://www.hansenkg.de/yacht-makler/hansenyacht/davie-169-additional_specs.htm) verabredet. Bruno ist Kapitän und Ingenieur auf diesem 50 m langen Schiff. Er holt uns mit einem kleinen Boot ab und dann sitzen wir ganz oben auf dem Sonnendeck bei Kaffee und Kuchen. Anschließend bekommen wir eine Führung durch die Luxusjacht. Eigentlich ist es ein Expeditionsschiff und sogar Jaques Costeau ist schon damit gefahren. Am 16. Februar 2009 verlassen wir dann die Halbinsel und setzen mit der Fähre von Pichilingue nach Topolobampo aufs Festland über.