Creel, Barranca del Cobre – 17. bis 20. Februar 2009

Vom Hafen Topolobampos fahren wir 80 km bis nach El Fuerte, die ehemalige Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa. Wir parken unseren Camper am Hotel Bugambilias, wo wir uns mit Stromanschluss für 150 Pesos die Nacht in den großen Vorgarten stellen können. Tagsüber wimmelt es in El Fuerte nur so von kleinen blutsaugenden Fliegen, die wir aber mit Mückenspray abwehren können. Am nächsten Morgen heißt es früh Aufstehen, denn um halb 8 Uhr bringt uns ein Taxi zu dem ca. 7 km außerhalb von El Fuerte liegenden Bahnhof. Relativ viele Leute steigen hier in den Zug und die meisten haben ihre Plätze schon vorreserviert. Hier treffen wir auch Jeffrey und Mark von der Fähre wieder. Leider bekommen wir nur Plätze auf der linken Seite, von der man nicht so gut sehen kann. Glücklicherweise verfügt der Zug über eine Bar, in der wir fast die gesamte Fahrt auf der rechten Seite sitzend verbringen. Als Bonus vergisst der Schaffner uns abzukassieren und wir erinnern ihn natürlich auch nicht daran. Zum Fotografieren geht man am besten in den offenen Wagonzwischenraum. Die Ferrocarril Chihuahua al Pacifico, auch "CHEPE" genannt ist eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt. Sie wurde 1961, nach fast 100 Jahren Bauzeit fertig gestellt.

Über die gesamte Strecke von Los Mochis nach Chihuahua führt die Fahrt über 36 größere Brücken und durch 87 Tunnel, vom Meeresspiegel bis zu einer Höhe von 2.439 m und durch drei verschiedene Klima- und Vegetationszonen. Nach einer Stunde Fahrt wird die Gegend sehr spektakulär. Es gibt Bäume mit großen Baumwollartigen Blüten und riesige Cereus Kakteen. Der Zug schlängelt sich durch gewaltige grüne Schluchten, die ganz oben in monolithenförmigen Felsen enden, entlang eines kleinen Flusses. Wir fahren jetzt mitten durch das Vorgebirge der Sierra Madre Occidental in der tropisches bis subtropisches Klima herrscht. Dann verwandelt sich die Landschaft und weiße Felsen sind nun mit Tannenwäldern bedeckt. In Divisadero hält der Zug für 15 min und man hat die Möglichkeit direkt in den Kupfer Canyon (Barranca del Cobre) hinein zu schauen. Bunt gekleidete Tarahumara Indianer bieten hier auf einem Markt ihre selbst gemachten Waren an. Die Frauen und Mädchen tragen farbenprächtige, weitschwingende Röcke, dazu Socken in grellem grün oder lila. Leider sind die Menschen auch sehr arm. Mit einem Teller voller leckerer Gorditas besteigen wir wieder den Zug und fahren weiter bis Creel.

In diesem kleinen, aber feinem Touristenstädtchen nehmen wir uns mit Jeffrey und Mark jeweils ein wunderschönes Zimmer in „Cabañas Berti’s“ (250 Pesos). Nach einem kurzen Frischmachen, erkundigen wir uns bei der Touristeninformation nach Touren in der Umgebung, einigen uns dann aber mit unserem Herbergsvater Oskar auf einen Tagesausflug zu geringeren Kosten. Im Tio Molcas essen wir abends sehr gut und preiswert und verziehen uns anschließend in die dahinter gelegene kleine Bar mit Kamin und gutem Tequila. Hier treffen wir auf noch zwei Schweizer. Nicht allzu spät gehen wir in unsere warmen Zimmer schlafen. Nachts wird es hier oben ganz schön kalt.

Der Donnerstag beginnt um 8 Uhr mit einem Frühstück bei Oskars Frau und anschließend steigen wir mit Oskar ins Auto. Zuerst bringt er uns bis zur Sierra Lodge von wo wir die 3 km bis zu den Cusárare Wasserfällen wandern. Es geht durch grünen Nadelwald immer am Fluss entlang. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den 30 m hohen Wasserfall, wo wir eine kleine Pause und Fotos machen. Gemütlich geht es wieder zurück und weiter durch die Canyons. Immer wieder sehen wir die fast schwarzen Tarahumara Indianer, die hier das gesamte Land in einfachen Hütten und Höhlen besiedeln, in ihren bunten Kleidern an der Straße. An einem Fluss machen wir Halt und während Oskar das Essen zubereitet, klettern wir über große Steine entlang des Flusses. Eine Stunde später werden wir dann mit leckeren Tortillas und gegrilltem in einer Höhle empfangen. Vollgestopft fahren wir ganz oben auf einen Bergkamm und Oskar wandert mit uns bis an den Rand eines Canyons. Hier sitzen wir 500 m über dem Abgrund, bestaunen die Weite und genießen die faszinierende Umgebung. Unter uns fließt einer der vielen Flüsse dieser bizarren Canyonlandschaft. Auf den Rückweg halten noch einmal am schönen Lago Arareko und machen einen letzten Stopp an einer der Tarahumara Höhlen. Die Vorstellung hier zu leben, ist für uns Europäer schier unvorstellbar. 10 Menschen wohnen in diesem verkohlten und voll gestelltem Höhlenraum.

Total platt erreichen wir unser Hotel. Abends sind wir wieder in der netten Bar, wo wir auch die anderen beiden Schweizer und noch zwei weitere Deutsche treffen. Der nächste Tag beginnt wieder mit einem ausgiebigen mexikanischen Frühstück bei Oskars Frau. Leider müssen wir uns kurz darauf von Jeffrey und Mark verabschieden, denn die beiden bleiben noch und wollen heute mit dem Fahrrad die Gegend erkunden. Wir packen also unsere sieben Sachen, entspannen noch ein wenig und hören plötzlich draußen einen Zug. Der Blick aus dem Fenster bestätigt, das war unserer, allerdings 3 Stunden früher, als im Reiseführer angekündigt. Da wir den nächsten Zug nicht nehmen wollen, die 2. Klasse, die in jedem Ort hält und somit viel länger unterwegs ist, lassen wir uns kurzerhand von Oskar nach Divisadero bringen. Hier können wir noch in den 1. Klasse Zug steigen. Diesmal haben wir sogar Plätze auf der richtigen Seite und noch einmal ausgiebig Gelegenheit, die Gegend zu bestaunen und zu filmen. Gegen 19 Uhr sind wir dann in El Fuerte und können vom Bahnhof auch gleich mit anderen Leuten im Hoteltaxi ins Zentrum fahren. Dort schlendern wir zwischen den schönen Kolonialbauten um den Zocálo, essen etwas und fahren dann zurück zu unserem Camper. Am nächsten Tag geht es weiter immer die Küste entlang in Richtung Mazatán.