Guadalajara – 24. Februar bis 15. April 2009

Wir erreichen die Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco über die MEX 15 libre von Westen. Guadalajara ist mit knapp zwei Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Mexikos. Außer der Zona Metropolitana gehören auch Teile der Bezirke Zapopan, Tlaquepaque, Tonalá, Tlajomulco und Ixtlahuacan zu Guadalajara, wo noch einmal 4,1 Millionen Menschen leben. Weil wir die Stadt abends erreichen, verbringen wir die erste Nacht auf dem WalMart Parkplatz

Am nächsten Morgen fahren wir auf den San Jose del Tajo RV-Park. Die Einfahrt, gleich gegenüber vom WalMart, bildet eine ca. 1 km lange Kopfsteinpflasterstraße vorbei an wunderschönen Gärten. Kaum zu glauben, dass wir gerade noch auf der großen und lauten Ausfallstraße waren. Hier ist es wie auf dem Land, riesige alte Bäume, überall knallbunte Blüten und viel Ruhe. Auf dem RV-Park bekommen wir glücklicherweise einen Schattenplatz unter Palmen und einem gigantischen Avocadobaum (150 Pesos/Nacht). Am meisten beeindrucken allerdings die blaublühenden Jacaranda-Bäume. Der RV-Park bietet alles, was man braucht, allerdings sind die Waschräume und der Pool nicht sauber. Es gibt sogar eine Wäscherei, wo wir gleich zwei große Wäschekörbe abgeben und eine wunderschöne Bibliothek in einer Art Wintergarten. Beides ist in einem großen Gebäude untergebracht, welches wie das Haupthaus einer Hazienda aussieht. Von unserem direkten Nachbarn bekommen wir sogar WiFi-Anschluss. Weil es uns hier so gut gefällt, wir hier ungestört mit einem guten W-Lan arbeiten können und die Nachbarn auch wieder sehr nett sind, verlängern wir am nächsten Tag gleich um eine weitere Woche. Wir schnallen den Camper ab und können so den Truck zum Einkaufen und andere Erledigungen nutzen.

Am Sonntag fahren wir dann mit dem Bus (5 Pesos/Person) in die historische Innenstadt Guadalajaras. Diese gut erhaltene Kolonialstadt bietet viel Kultur, mehrere Kirchen und Universitäten. Außerdem sind hier das mexikanische Nationalgetränk, der Tequila, und die Mariachis zu Hause. Ausgangspunkt unseres Besuches ist die mächtige mittelalterliche Catedral Metropolitana, mit deren Bau man kurz nach der Gründung Guadalajaras (1542) begann. Umgeben ist die Kathedrale von mehreren parkartigen Plätzen, auf denen sich die Leute tummeln oder einfach im Schatten entspannen. Wir gehen durch die Fußgängerzone Plaza Tapatía in Richtung Instituto Cultural Cabañas. Die vielen Springbrunnen und Wasserläufen sind Anziehungspunkte der Kinder. Vor dem neoklassischen Gebäude angekommen, bewundern wir fantasievolle Messingskulpturen. Da wir heute nur gemütlich durch die Stadt schlendern wollen und das Wetter auch zu schön für Museumsbesuche ist, gehen wir weiter und kommen zum riesigen Mercado San Juan de Dios. Dieser Markt über zwei Etagen offeriert nicht nur alles vom Sombrero bis zum Kanarienvogel sondern auch Lebensmittel und Speisen aller Art. Das Wasser läuft uns im Mund zusammen, als wir zwischen den Ständen mit Fisch und Meeresfrüchten sowie Gerichten von jeglichem Getier hindurch pirschen. Wir versuchen den mexikanischen Schrimpcocktail, der ganz anders ist, als bei uns in Deutschland, aber sehr lecker. Wieder auf der Straße geht es zurück durch eine andere Fußgängerzone. Überall in Guadalajara findet man Skulpturen, moderne und historische. Wir passieren den Palacio de Justicia und umrunden das große Teatro Degollado an der Plaza de la Liberación. Der Bau ist vor allem durch sein neoklassizistisches Portal mit dem dreieckigen Giebel und den korinthischen Säulen geprägt. Hier werden Schaulustige von einem Pantomimen unterhalten. Unsere nächste Station ist der Palacio del Gobierno, welcher von 1751 bis 1774 erbaut wurde und Sitz verschiedener Gegenregierungen war. Dort befindet sich auch das berühmteste Murillo Gemälde (mexikanische Wandmalerei) von Orozco „Miguel Hidalgo“. Nachdem wir uns auf dem Placa de Armas etwas ausgeruht haben, wollen wir nun noch die Kathedrale von innen sehen. Es gibt zwei Kapellen, beide sind voll mit Leuten, die bedächtig der Predigt bzw. des Gesangs der Priester lauschen. Neben 11 neoklassischen Altären, den typischen bunten Glasfenstern und hohen Säulen, gibt es Hände (die natürlich nur noch kleine Knöchlein sind und von Drahthandschuhen zusammengehalten werden) und Blut der Martyrerin Santa Inocencia, zu bestaunen.

Die nächsten Tage verbringen wir wieder im und am Camper. Wir sitzen viele Stunden vorm Rechner, wobei Olli hier einen Rekord aufstellt. Das Resultat sind viele gelöste Probleme, die wir schon eine Weile mit uns herumgefahren hatten. Wir lernen außerdem Dorothy und Jerry kennen, die wir in ihrem kleinen mexikanisch gestalteten Häuschen auf der anderen Seite des RV-Parks besuchen. Einen Abend fahren wir in den benachbarten Stadtteil Bugambilias, ein Ort der Reichen und Schönen. Hier kann man von oben auf die Stadt, die von Bergen umringt ist, schauen. Besonders schön wird es dann im Dunkeln, wenn überall die Lichter angehen. Wir lassen auch unseren Camper stabilisieren, was wir ja eigentlich schon in La Paz machen wollten. Allerdings ist es hier einfacher, denn Alejandro und Frank machen die Arbeit vor Ort und zusammen haben wir einen sehr schönen Grillabend. Die beiden lieben Menschen werden uns in den folgenden Tagen noch öfter helfen.

Den folgenden Sonntag fahren wir wieder in die Altstadt, diesmal allerdings mit Sandy und Darrel, einem sehr lustigen Paar aus Kanada, und schon sehr, sehr früh. Wir haben Karten fürs Ballet Folklórico im Theater Degollado. Die Plätze sind super und die Performance ist ganz toll. Die Tänzer und Sänger präsentieren volkstümliche Tänze und Lieder der verschiedenen Bundesstaaten Mexikos. Die Kostüme sind farbenprächtig und die Schritte erinnern teilweise ein bisschen an Flamenco. Gegen 11 Uhr ist die Vorstellung zu Ende und wir schlendern gemütlich durch die noch relativ leere Stadt zum Mercado San Joan de Dias, wo wir Mittag essen. Gut gefüllt, laufen wir noch ein wenig über den Markt und weiter zum Instituto Cultural Cabañas. Heute gehen wir in das ehemalige Kinderheim hinein und in die Ausstellung moderner Malerei mit Bildern von Miro, Picasso und Dali. Wir durchstreifen die 23 Atrien des Gebäudes und bestaunen die riesigen Murals von Orozco in der ehemaligen Kapelle. Zum Abschluss genehmigen wir uns noch einen Kaffee in der hauseigenen Cafeteria. Von dort gehen wir noch einmal in den Palacio del Gobierno, denn Sandy und Darrel haben das berühmte Hidalgo Mural noch nicht gesehen. Diesmal besichtigen wir auch das zweite Mural in der Rotunde der ehemaligen Kongresshalle und eine Ausstellung der Regierungsoberhäupter Guadalajaras. Es folgt ein weiterer Besuch in der Kathedrale, wo es diesmal keine Messe gibt. Wir können also ganz ausgiebig schauen und alles erkunden. Draußen sind die Plätze jetzt wieder voller Leute. Wir setzen uns in ein Restaurant am Placa de los Laureles und beobachten das Treiben bei Bier und Torta Ahogada, einer Spezialität Jaliscos.

Unser Aufenthalt in Guadalajara verlängert sich noch um einige Wochen, denn wir haben hier endlich einen Arzt gefunden, der Ollis schmerzende Schulter behandeln kann. Die Ärzte in Guadalajara haben einen sehr guten Ruf und sind dazu noch bezahlbar. Von hier aus besuchen wir Zacatecas (siehe nächsten Bericht) und als wie zurückkommen, stellen wir uns auf den herrlichen Platz von Ron, der für zwei Monate in Las Vegas ist. Olli fährt nun zweimal täglich und dreimal die Woche zum Arzt. Vormittags fahren wir zusammen, denn es gibt dort ein kleines Fitnessstudio, welches ich mitbenutzen kann. Gemeinsam mit Sandy und Darrel besichtigen wir den Stadtteil Tonala. Hier ist zweimal die Woche Markt, doch wir haben uns einen normalen Tag ausgesucht, weil es sonst zu voll ist. Hier reiht sich ein schönes Haus an das nächste und in jedem Geschäft werden die herrlichsten Ton- und Keramiksachen, Bilder, Vasen und Möbel angeboten. Wenn man nur ein Haus hätte, das man einrichten könnte... Mit den beiden verbringen wir außerdem einen schönen Tag am Lago Chapala, dem größten See von Mexiko. Von Alejandro werden wir ins „Carne Garibaldi“ ausgeführt, das schnellste Restaurant der Welt. Wir verleben viele schöne Abende mit unseren direkten Nachbarn Linda und Tim, die uns zu deutschem Essen ins „New York“ einladen. Zwei Hochzeiten dürfen wir in del Tajo miterleben, eine davon am 21. März – dem Equinox, was so viel wie Tagundnachtgleiche bedeutet. Diese wird ganz zeremoniell nach altem Aztekenbrauch abgehalten, mit Gesängen und Tänzen von Buntkostümierten Darstellern.