Zacatecas und La Quemada – 12. bis 15. März 2009

Am Donnerstag fahren wir gegen Mittag und natürlich nachdem wir unseren Camper wieder aufgeschnallt haben, über die Pereférico aus Guadalajara heraus. Sechs Stunden geht es auf der landstrassenähnlichen MEX 54 durch eine wunderschöne Landschaft nach Zacatecas. Gegen 18 Uhr erreichen wir die gleichnamige Hauptstadt des Bundesstaates Zacatecas. Die Stadt ist eine der reichsten Städte Mexikos und wurde 1546 nach der Entdeckung von Silber durch die Spanier gegründet. Weil sie sich aufgrund von geografischen Gegebenheiten nicht ausweiten konnte, ist Zacatecas auch heute noch eine kleine (115.000 Einwohner), aber wunderschöne Stadt, die 1993 von der UNESCO sogar zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Wir parken unseren Camper hoch oben am Hotel del Bosque, welches zwar nicht billig ist (350 Pesos pro Tag für den Parkplatz), aber dafür sehr zentral liegt.

Am nächsten Morgen fahren wir mit der „Teleferico“ (25 Pesos pro Person), einer kleinen Seilbahn, die 1979 von den Schweizern gebaut wurde, zum Berg „La Bufa“. Die Station befindet sich gleich 50 m hinter unserem Hotel. Die winzige Gondel schwebt 85 m über die Stadt hinweg und in 8 min haben wir die gesamte Strecke von 650 m hinter uns gebracht. Auf dem 2.667 m hohen Cerro de la Bufa haben wir einen wunderbaren Blick über Zacatecas. Wir besuchen die kleine Kapelle, mit der Madonna, die heilende Kräfte verleiht und bewundern die großen Statuen von Pancho Villa und seinen beiden Verbündeten im Aufstand gegen Präsident Huerta. Den Weg zurück in die Stadt bestreiten wir zu Fuß über tausende von Treppenstufen, gut, dass es bergab geht! Im Stadtzentrum herrscht buntes Treiben. Am Placa de Armas besichtigen wir den Palacio Gobierno. Auch hier findet man über der Haupttreppe ein Mural, diesmal von Rodriguez über die Geschichte Zacatecas. Gleich nebenan steht die riesige Kathedrale mit ihrer pompösen spätbarocken Fassade, die im krassen Gegensatz zum einfachen Interior steht. Auf der Suche nach Essen laufen wir die Hauptstraße entlang und entdecken ein kleines mexikanisches Restaurant, wo wie Gorditas mit Nopales (Kaktus) essen.

Gestärkt wandern wir wieder bergauf zum Eingang der Silbermine „El Eden“, der sich ganz in der Nähe unseres Hotels befindet. Die Mine wurde 1586 eröffnet und dominierte 300 Jahre den Weltmarkt mit ihren Silber- und Goldfunden. Aber hier wurden nicht nur Silber und Gold sondern auch Kupfer, Zink, Eisen und verschiedene Quarze zu Tage gefördert, bis sie 1960 geschlossen wurde. Von den ehemals 7 Etagen sind heute noch 4 zugänglich, die anderen sind durch Regenwasser geflutet. Unsere Tour führt mit einem Fahrstuhl in den 4 Level und wir erfahren von den harten Bedingungen der Minenarbeiter und Kinder, die hier schon ab dem 12. Lebensjahr zum Arbeiten eingesetzt wurden. Die Lebenserwartung der, vor allem, indigenen Minenarbeiter, die die Erze an Seilen hinaufbeförderten, betrug nur 30 bis 40 Jahre. Viele haben aber nicht einmal dieses Alter erreicht, denn bis zu 5 Unfälle mit Todesfolge pro Tag war keine Seltenheit. Heute gibt es in dem ehemaligen Bergwerk auch einen durchgestylten Nachtclub. Nach einer Stunde Führung, fahren wir mit dem kleinen Minenzug durch den 600 m langen „Tunnel der Hoffnung“ wieder aus dem Berg heraus. Da wir uns jetzt wieder weiter unten und auf der anderen Seite des Berges befinden, heißt es noch einmal Treppensteigen. Am Hotel angekommen, machen wir erst einmal Essenspause. Nach dem wir gestärkt sind, wagen wir einen erneuten Abstieg in die Silberstadt. Mittlerweile ist es dunkel und die Kathedrale sowie weitere außergewöhnliche Gebäude der Innenstadt sind beleuchtet und erstrahlen vor dem dunkelblauen Himmel in einem weichen orangefarbenen Licht. Auf dem Placa de Armas spielen verschiedene Blaskapellen junger Leute auf. Dazu reichen sich Passanten die Hände und beginnen zu tanzen. An einem anderen Platz belustigt ein Clown das Publikum, welches sich auf den Treppen rundherum niedergelassen hat. Wir laufen einmal quer durch die Stadt und wieder zurück. Anschließend lassen wir uns in einem kleinen Restaurant nieder und genießen die leckeren Tacos. Nach diesem köstlichen Nachtmahl schleppen wir unsere vollen Bäuche die Treppen herauf und zurück zum Camper, wo wir eine ruhige Nacht verbringen.

Samstags ist unser großes Ziel das Museum Rafael Coronel. Wir steigen also wieder die vielen Stufen zur Innenstadt hinunter und wenden uns nach links. Die Sonne scheint, aber es sind auch ein paar Wolken am Himmel, so dass wir in der Hitze nicht ganz zerlaufen. Das Museum befindet sich in den zum Teil konservierten Ruinen eines ehemaligen San Francisco-Klosters aus dem 16 Jahrhundert. Die Museumsanlage ist einmalig. In den alten Mauern kann man herrlich herumspazieren, denn zwischen ihnen sind wunderschöne Gärten angelegt. Auch die Ausstellung ist beeindruckend. Es gibt Malereien von Coronel selber zu sehen, Zeichnungen von Rivera, eine Ausstellung über mexikanische Marionetten, Figuren der Ureinwohner Mexikos und natürlich die fast 3000 Masken, einen Teil Coronel’s Sammlung. Nach fast drei Stunden befinden wir uns wieder auf der Straße und nehmen erst einmal etwas zu Essen zu uns. Anschließend geht es wieder durch die belebten Straßen von Zacatecas. Im angeblich schönsten Café der Stadt genehmigen wir uns einen Espresso im offenen und bemalten Innenhof. Auch heute sind die Blas- und Schlagzeugkapellen wieder unterwegs. Gleichzeitig findet gegenüber dem Teatro ein Boxwettkampf statt. Die Treppen rundherum sind wieder voller Zuschauer. Wir genießen die Atmosphäre, stöbern in den Schaufenstern, bewundern die Hausfassaden und beobachten die Menschen. Spät abends geht es dann zurück hinauf auf den Berg und ins Bett.

Heute verlassen wir diesen teuren Parkplatz gegen 12 Uhr und fahren ohne weitere Probleme aus Zacatecas heraus. Erst hatten wir ein bisschen Angst wegen der engen Straßen und dass wir uns doch irgendwie verfahren, doch die Umgehungsstraße bringt uns direkt zurück zur MEX 54 und das bei sehr geringem Sonntagsverkehr. 50 km südlich von Zacatecas biegen wir nach links zu den Ruinen „La Quemada“ ab. Die schmale asphaltierte Straße führt 2 km nach Osten. Unterwegs sammeln wir noch zwei Studenten aus Zacatecas ein, die auch zu den Ruinen wollen. An einer Schranke zahlen wir 41 Pesos pro Person Eintritt und dann stehen wir auch schon auf dem Parkplatz, von dem man die festungsartige Ruinenstätte, die strategisch günstig auf dem Bergkamm liegt, erklimmen kann. Bis heute ist unklar, wer diese Anlage baute und bewohnte. Man geht davon aus, dass sie eine Fluchtburg und auch wichtiges Handelszentrum zwischen süd- und nordmexikanischen Kulturen war. Zu sehen sind heute noch die gut erhaltene Votive Pyramide, ein Säulenpalast (allerdings ohne Dach), Reste von Wohnanlagen sowie ein Ballspielplatz. Ja auch schon die Mesoamerikaner waren dem runden Ding verfallen, damals bestand der Ball aber eventuell nur aus einem mit Leder überzogenen Totenschädel. Es weht ein starker aber warmer Wind hier oben durch die Ruinenstätte. Das macht den Auf- und Abstieg über die teilweise sehr steilen Treppen nicht gerade einfach. Nach ca. drei Stunden sitzen Olli und ich wieder im Auto in Richtung Guadalajara. Die Landschaft ist traumhaft schön und verändert sich ständig. Einmal sieht es aus, als befinden wir uns in Afrika, im gelben hohen Gras wachsen vereinzelt grüne abgeflachte Bäume. Dann fahren wir wieder durch ein Seengebiet und dann wieder durch einfach braune Berge. Wir kommen gut voran, doch bis zum RV-Park schaffen wir es dann doch nicht mehr. Aus diesem Grund halten wir an einer großen Pemex kurz vor Ixtlahuacán del Rio, wo wir übernachten können.