Zwischen Silber und Unabhängigkeit - 16. bis 22. April 2009

Der erste der drei Touristenstädte im mexikanischen Bundesstaat Guanajuato, die wir ansteuern, ist San Miguel de Allende (120.000 Einwohner). Die Stadt wirkt besonders anziehend auf amerikanische Touristen, da sie nicht nur sehr sauber sondern auch schön ist und obendrein die berühmte Sprachschule Allende beherbergt. Auch viele amerikanische Künstler haben sich hier niedergelassen, denn auch das Klima ist in dieser Stadt rund um das Jahr sehr angenehm. Wir verbringen insgesamt vier Tage auf dem stadtnahen Campingplatz am Hotel „La Siesta“, wo wir auch gleich die deutsche Familie Myriam, Mark und ihre drei Kinder kennen lernen. Bevor wir San Miguel besichtigen, fahren wir mit den Fünfen am nächsten Tag nach Dolores Hidalgo (55.000 Einwohner, auf 1955 Meter gelegen). Auf der Suche, nach dem historischen Zentrum, besichtigen wir eine der vielen Kirchen dieser Stadt und irgendwo in einem gemütlichen Innenhofcafé genehmigen wir uns einen Kaffee. Anschließend schlendern wir kreuz und quer durch den hübschen kleinen Ort, bis wir schließlich am Zócalo ‚Placa Principal’ stehen. Mitten auf dem Platz befindet sich eine überdimensionale Statue von Miguel Hidalgo, dem Priester, der in dieser Stadt 1810 den Unabhängigkeitskampf eingeläutet hat. Sein Aufruf ist als ‚Grito de Dolores’ oder ‚Grito de Independencia’ bekannt. Noch heute ist Hidalgo der Nummer 1 Nationalheld und viele Mexikaner pilgern jährlich ihm zu Ehren hierher. Gleich hinter der Statue steht die ‚Parroquia de Nuestra Señora de Dolores’, wo alles begann. Auch diese Kirche besticht wieder mit einer extrem Barocken Fassade und einer traumhaften Inneren. Besonders die beiden riesigen Holzfresken links und rechts des Hauptaltares sind faszinierend. Nach dieser Besichtigung probieren wir das berühmte Eis der Stadt, welches hier alle zwei Meter angeboten wird und was fast jeder in der Hand hält. Westlich des Platzes steht das schöne Kolonialgebäude ‚Casa de Visitas’ und gleich neben der Kirche der Regierungssitz mit zwei großen Murals über der Treppe. Im Anschluss besichtigen wir das ‚Museo Casa de Hidalgo’, also das Haus, in dem der Freiheitsführer gelebt hat. An einem Stand lassen wir uns für ein spätes Lunch nieder und begeben uns anschließend zurück zum Bus nach San Miguel.

Der nächste Tag gehört San Miguel de Allende. Wir gehen natürlich zuerst zum zentralen Platz ‚El Jardin’ wo wir die wunderschöne Kathedrale ‚Parroquia de San Miguel Arcángel’ von außen, wie von innen besichtigen. Im Volksmund wird sie auch die Hochzeitstorte genannt, und sie sieht wirklich aus wie eine riesige rosa Torte. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem indogenen Architekten Gutierrez, der sich die Baukunst selber beigebracht hat, entworfen. Gleich nebenan befindet sich die ‚Iglesia San Rafael’ von 1742, in die wir natürlich auch reingehen. Dann schlendern wir einmal um den Plaza, welcher rundherum von Restaurants unter Arkaden umgeben ist. Überhaupt ist San Miguel voller gemütlicher, aber teilweise auch teurer Restaurants, Bars, Galerien und Cafés. Die meisten von ihnen sind in wunderschönen Innenhöfen gelegen. Weiter nördlich geht es zum ‚Oratorio San Felipe Neri’, auch eine Kirche, die sich gleich neben einem Kloster befindet. Als Highlight befindet sich links vom Hauptaltar eine kleine Kapelle, die der in Loreto (Italien) nachempfunden wurde. Hier erleben wir eine mexikanische Messe mit Gesang und Predigt. Auf dem belebten ‚Plaza Civica’ vor der Kirche genehmigen wir uns erst einmal eine Pause und einen Drink. Dann geht es auch schon weiter in die Kirche ‚Templo de Salud’ mit dem blau-gelb gefliesten Dom. Anscheinend ist heute unser Kirchentag. Nun spazieren wir bergauf, weg vom Zocalo und landen in der Academica Hispano Americana, die auch Spanischkurse anbietet, plus viele Informationen für Reisende. Unser Weg führt uns in eine der vielen Galerien, mit allerlei bunten Keramikdingen und vielen religiösen Bildern. Also, wer eine Kirche einzurichten hat, ist hier genau richtig. Wieder am Zocalo angekommen, entdecken wir ein Dachcafé, von wo wir den ganzen Platz überschauen können. Im dritten Geschoss angekommen, lassen wir uns auf einem der gemütlichen Sofas nieder und bestellen etwas zu essen. Wir blicken genau auf die rosa Kathedrale und die kleinen Leute auf der Straße, also ein wunderbarer Ort, um auszuruhen. Nach dem wir wieder gestärkt sind, geht es – genau – zur nächsten Kirche, dem ‚Templo de la Conceptión’. Diese enthält einen beeindruckenden Altar und viele antike Ölgemälde. Wir schlendern zurück zum RV-Park, wo wir uns eine Abkühlung im Pool genehmigen, bevor wir schlafen gehen.

Der nächste Tag ist ein Ruhetag, bevor es wieder ins Stadtzentrum von San Miguel geht. Da das ‚Instituto de Bellas Artes’ leider zu hat, landen wir in einem wunderschönen Innenhof mit Restaurant und Bücherladen. Hier gibt es unwahrscheinlich viele englische Bücher und Reiseführer, in denen wir erst einmal in Ruhe stöbern. Anschließend schlendern wir durch die schönen Straßen und Gässchen. Etwas weiter abgelegen, neben einem überdachten Markt, gehen wir in einem kleinen Restaurant auf einer Dachterrasse leckere Enchilladas essen. Nach dem späten Mittag geht es weiter durch die verschlungenen Straßen. Die Häuser sind wunderschön, mit und ohne bunte Blumentöpfe, einige haben herrliche Holztüren und trotz ein paar blauer und grüner, sind die meisten Häuser in den verschiedensten Rottönen angemalt. Als es dunkel wird, landen wir wieder am Zocalo, wo heute am Sonntag eine Kapelle spielt und einige der Anwesenden das Tanzbein schwingen. Wir setzen uns dazu und genießen die fröhliche Atmosphäre bevor wir uns auf den Heimweg machen.

Von San Miguel fahren wir nach Guanajuato, wo wir für 2 Tage auf dem Bugamville RV-Park, 9 km außerhalb der Stadt, einchecken. Die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates liegt auf ca. 2000 m Höhe und hat ca. 120.000 Einwohner. Da sie auch von Bergen umschlossen ist, konnte sie genau wie Zacatecas nicht wachsen und ist auch wie Zacatecas zum Weltkulturerbe ernannt worden. Es gibt keine Neonreklame und keine Ampeln, dafür aber tausende grellbunter Häuser und winzige Autotunnel, die ursprünglich einmal Flussbetten oder Bergwerksschächte waren. Mit unserem großen Auto kann man unmöglich in das Zentrum des ehemaligen Silberstädtchens fahren, also nehmen wir den Bus. Vom Busbahnhof gehen wir zuerst in den großen überdachten Markt ‚Mercado Hidalgo’, laufen dann weiter zum ‚Plaza de la Paz’ und besichtigen hier die wunderschöne gelborange ‚Basílica de Nuestra Señora de Guanajuato’. Innen kann man die Juwelenbesetzte Jungfrau Maria bewundern, die Felipe II von Spanien der Stadt schenkte, um sich für das viele Silber zu bedanken, welches hier gefördert wurde. Wir laufen zu einem weiteren zentralen Platz, dem ‚Jardin de la Unión’ mit dem schönen ‚Templo de San Diego’ davor und dem ‚Teatro Juárez’ daneben, auf dessen Stufen wir mit vielen anderen pausieren. Hinter dem sehr schönen klassizistischen Gebäude des Theaters kann man sich mit einem Fahrstuhl den Berg hinaufbringen lassen. Oben steht die riesige Statue von ‚El Pípila’, einem weiteren Helden des Unabhängigkeitskampfes. Wir bleiben allerdings am Boden der Stadt und laufen vorbei am ‚Templo de San Francisco’ und dem ‚Templo de la Compañía de Jesús’ zum Cervantes Theater und dem davor stehenden großen Denkmal von ‚Don Quichotte’. Auf unserem Weg zurück zur Innenstadt, essen wir in einem kleinen Restaurant, während es draußen immer dunkler wird. Und wirklich, kurz darauf erleben wir unseren ersten Regen seit vier Monaten. Es hagelt sogar und die Leute rennen durch die überspülten Straßen. Nachdem der für diese Jahreszeit unübliche Schauer vorbei ist und wir uns auf dem Weg zu einer der insgesamt drei Universitäten von Guanajuato befinden, erleben wir sogar noch Filmaufnahmen für einen Werbefilm. Die ‚Universidad de Guanajuato’, untergebracht in einem riesigen weißen Gebäude mit einer steilen Treppe und einem großen Portal, war ursprünglich eine Jesuitenschule. Heute ist es eine der besten Schulen Mexikos für Musik, Theater und Recht. Als letztes besichtigen wir die ‚Alhondiga de Granaditas’, ein ehemaliger Kornspeicher, welcher heute ein Museum beherbergt. Hier fand der erste große Sieg der Unabhängigkeitsbewegung Mexikos statt, nämlich als El Pípila auf Befehl Hidalgos die Spanier ausräucherte.

Unser zweiter Tag in dieser wunderschönen Stadt beginnt mit einem Besuch in dem berühmten „Museo de las Momias“ (wo wir unsere ersten Leichen sehen). Das Museum ist nichts für schwache Nerven, denn die mumifizierten Körper sind echt gruselig mit ihren offenen Mündern und verkrampften Fingern. Bei den Mumien handelt es sich um Erwachsene, Kleinkinder und Babys, die teilweise noch Reste ihrer ursprünglichen Kleidung tragen. Es sind sogar eine schwangere Frau und ein Baby, das vermutlich während der Geburt starb, ausgestellt. Wir sind sehr beeindruckt. Das Museum entstand, als Leichen aus dem nebenan liegenden Friedhof wegen Platzmangels entfernt werden sollten. Dabei stellte man fest, dass aufgrund der trockenen Luft und der mineralhaltigen Erde die Körper fast vollständig erhalten waren. Makabererweise gehen wir nach dem Museum etwas Essen. In einer kleinen Küche an der Strasse probieren wir unsere erste Mole Oxacha. Anschließend laufen wir zur ‚Callejón del Beso’, dem Kussgässchen. Hier treffen wir drei nette Leute aus Argentinien, Kolumbien und Mexiko, mit denen wir Fotos in dieser winzigen Gasse machen. Der Legende nach fanden zwei Liebende den Tod, nachdem sie heimlich über die eng zusammenstehenden Balkone Küsse ausgetauscht hatten. Weiter geht es zum ‚Museo Casa de Riviera’, dem Geburtshaus von Diego Riviera, welches jetzt ein Museum mit den damaligen Möbeln und seinen und Bildern von z. B. Frida Kahlo ist. Zum Abschluss des schönen Tages gönnen wir uns auf dem ‚Plaza San Franzisko’ einen Wein bevor wir nach Hause fahren.

Bevor wir den Bundesstaat Guanajuato wieder verlassen, besichtigen wir noch den geographischen Mittelpunkt Mexikos. Dieser befindet sich exakt auf dem Berg ‚Cerro de Cubilete’, 15 km westlich von Guanajuato Stadt. Auf dem Berg wurde eine 20 m hohe Bronzestatue von Christus errichtet, ein Pilgerort vieler Mexikaner. Die Straße den Berg hinauf besteht aus Kopfsteinpflaster und wir werden die ca. 6 km ordentlich durchgerüttelt. Oben angekommen, haben wir einen herrlichen Ausblick auf die Landschaft ringsherum. In der Kapelle unter der Statue wird anscheinend rund um die Uhr eine Messe mit Priester und Gesang abgehalten. Auf dem Weg nach unten halten wir an einem der vielen Straßenstände und stärken uns für die Weiterfahrt an einem der Buffets. Unser nächstes Ziel ist nun die landschaftlich eindrucksvolle Sierra Gorda.