Sierra Gorda – 22. bis 25. April 2009

Schon der Weg zur Sierra Gorda ist wieder einmal wunderschön. Wir sind auf ca. 2300 m Höhe, aber anscheinend immer noch im Wüstengebiet. In den braunen Hügeln wachsen Millionen von kugelrunden grünen Kakteen, die alle ein kleines gelbes Blütenhäubchen tragen. Natürlich schaffen Olli und ich es mal wieder in die Dunkelheit hinein zu fahren. In Pinal de Amoles suchen wir uns ein Schlafplätzchen und wo kann man ruhiger schlafen, als vor dem Friedhof? Dieser hier ist zwar nicht so abgelegen, denn wir stehen mitten im Ort und ganz so ruhig ist es direkt neben der Durchgangsstraße auch nicht, aber wir können trotzdem gut schlafen. Vorher haben wir uns natürlich bei mehreren Bewohnern des Ortes bezüglich unseres Stellplatzes abgesichert und außergewöhnlich leckere Tacos haben wir vorm Schlafengehen auch noch gegessen. Am nächsten Morgen machen wir uns auf in Richtung Xilitla und Las Pozas. Unser Weg führt uns durch eine traumhafte Landschaft. Die trockene „Steppe“ haben wir hinter uns gelassen und fahren nun durch saftig grünes Gebirge. Man könnte meinen im Sommer durch die Schweiz zu fahren. An den gigantisch hohen Bergen kleben braune Felder, die noch mit Ochsen oder von Hand bearbeitet werden Es geht ca. 1500 m bergab bevor wir Jalpan erreichen. Die Stadt liegt an einem türkisblauen See und scheint nicht die Ärmste zu sein. Von hier geht es eine kurze gerade Strecke durch hübsche kleine Ortschaften, mit neuen Bürgersteigen und Basketballfeldern, immer noch ist alles angenehm grün fürs Auge. Die Musik haben wir ausgemacht und die Fenster trotz der Wärme ganz weit auf, denn wir bekommen unser Konzert von draußen. Hier muss es Millionen von Grillen geben. Als wir wieder in die Berge fahren, wird die Vegetation immer tropischer - Bananenbäume, Palmen, Schwüle. Die sehr kurvige Straße führt uns nach Xilitla, wo wir zu Mittag essen und auch gleich den kürzeren Weg nach Las Pozas beschrieben bekommen.

Bereits vorm Eingang kann man ein paar der skurrilen Skulpturen und Gebäude von Sir Edward James sehen. Wir zahlen 30 Pesos/Person und schlagen uns gleich rechts in den Dschungel die ersten Steinstufen hinauf. Schon stehen wir im ersten halbfertigen Fantasiegebäude, von hier aus führen Treppen in jede Richtung, doch manche enden einfach zwischen riesigen Bäumen, von denen sich die Lianen schlängeln. Wir arbeiten uns den Hügel hinauf über brückenartige Steintreppen mit oder ohne Geländer, durch kleine Pavillons, die aussehen wie Blüten oder kleine Schlösser, über enge Wege, die von Tropenpflanzen fast überwuchert sind. Eigentlich kann man diese Stätte der Kreativität nicht wirklich beschreiben, man muss sie sehen, es ist fantastisch - im wahrsten Sinne des Wortes. Und gerade das halbfertige, das verwilderte, gibt dem Ganzen einen besonderen magischen Touch. Wir sind jedenfalls sehr froh, den Weg hierher gemacht zu haben. Nach einer kleinen Pause an den Wasserfällen, wo wir unsere Füße in einem der Pools baumeln lassen, geht es auf die andere Seite. Hier schauen wir noch eine Weile den Jugendlichen zu, wie sie sich von ruinenartigen Pfeilern in die kleinen Pools stürzen und dabei unaufhörlich „Wasserfangen“ spielen. Wir genießen die Umgebung, beobachten die großen blauen Schmetterlinge und verlassen dann diesen wunderbaren Park. Danke Sir James. Wieder am Auto bekommen wir noch einen Tipp von vier Mexikanerinnen und gehen daraufhin noch einmal 200 m einen Bach entlang, der in einem schleierförmigen Wasserfall endet. Gegen 18 Uhr verlassen wir Las Pozas und fahren weiter zur MEX 85 und dann nach Süden. Mal wieder schaffen wir es, voll in die Dunkelheit rein zufahren. In Chapulhuacán, einem kleinen Bergdorf mit ca. 5000 Einwohnern halten wir dann zum Übernachten an, mittlerweile ist es 21 Uhr.

Wir haben uns einen Platz neben einem kleinen Essstand ausgeschaut, stellen das Auto aber erst einmal woanders hin und erkunden die Lage. Nach ein paar wieder sehr guten Tacos, fragen wir, ob wir hier mit unserem großen Auto stehen können und sogleich werden Steine an die Seite geräumt und Spannseile eingeholt. Als wir dann mit unserem Schiff in den vorbereiteten Hafen laufen, gibt es erst einmal Bier für alle. Der Abend wird noch lang und es findet ein reger Informationsaustausch über Mexiko und Deutschlang statt – soweit unser Spanisch und die Körpersprache das erlauben. Der gute Tequila hilft dabei auch etwas. Jesus und Vicky, die Tacostandbesitzer bitten uns sogar noch einen Tag zu bleiben und so machen wir es auch. Unsere Nacht wird morgens um 6 Uhr jäh durch unangenehm laute Musik unterbrochen, von dem Hahnengeschrei mal ganz zu schweigen. Olli weist den vermeintlichen DJ in seine Schranken, beim Hahn kann er allerdings nichts machen. Wir schlafen dann noch bis 10 Uhr, wahrscheinlich haben sich unsere Ohren jetzt an die Lautstärke von draußen gewöhnt, dann gibt es einen Kaffee und wir frühstücken Hamburgesa con Papas an unserem Stand. Dann besuchen wir Jesus Mutter, die Krankenschwester ist und den Berg hinauf wohnt. Von ihr bekommt Olli seine zweiwöchige Spritze in ihrem Schlafzimmer verpasst (Auaaaaa, das tat weh). Nach einem kleinem Schwatz und ausgedehntem Photoalbumschauen werden wir beide sogar noch mit einem Chapulin aus Holz beschenkt. Das ist ein Grasshüpfer, nach dem der Ort benannt wurde. Nun wird uns auch klar, welche Tiere so laut gezirpt haben, als wir durch die grüne Landschaft gefahren sind. Dann laufen wir durch den kleinen Ortskern und Jesus zeigt uns dies und das, u. a. wo und wie hier der Kaffee geröstet wird. Bei diesem Spaziergang wird uns dann auch bewusst, wie das System in so einem Dorf funktioniert und jeder mit seinem kleinen Geschäft überleben kann. Der Eine verkauft Lebensmittel, der Nächste Steine, der Dritte Eisenwaren, der Vierte Papier und Zubehör und so weiter... Da es hier keinen großen Arbeitgeber gibt, sind die Leute aufeinander angewiesen und die Geschäfte müssen aufeinander aufbauen. Sollte in so einem Dorf jemals ein großer Supermarkt eröffnen, war’s das mit dem funktionierenden System und dem kleinen Ort. Später liefern wir mit Vicky noch ein paar der Riesentortas aus und diesmal steigen wir richtig hoch in den Berg. Wir sind ganz von den Socken, wie wenig man eigentlich von so einem Dorf von der Hauptstrasse aus sieht. Der Ort zieht sich bestimmt über mehrere hundert Meter am Berghang hoch und wir schniefen und schnaufen alle drei, als wir das Essen endlich abgeben können. Als der Stand dann um Mitternacht geschlossen wird, steigen wir alle 8 in Jesus Auto und fahren nach Santa Ana zum Tanz. Und hier gehen nicht nur die Erwachsenen tanzen, nein die ganze Familie ist dabei plus die beiden Mädels Rosario und Ira, die für Jesus arbeiten. Die Tanzveranstaltung findet in der großen Markthalle im Stadtzentrum statt, welche voller Leute ist. Viele haben Cowboyhüte auf. Doch als wir ankommen und uns bis zu den Tanzenden vorgearbeitet haben, geht auf einmal das Licht an und alle verlassen die Tanzfläche. Betroffen blicken Olli und ich uns um, ist jetzt alles vorbei? Nein. Das ist hier so. Man verlässt nach jedem Lied die Tanzfläche, damit die Männer die Möglichkeit haben, die Frauen für das nächste Lied wieder aufzufordern. Und so kommt es auch. Die Gumba und viele andere Tänze mit langsamen und schnellen Schritten, manchmal jedes Paar für sich alleine, dann wieder alle zusammen quer durch den Saal. Einige der Schritte sind echt nicht einfach, aber es ist egal, ob man es richtig macht, Hauptsache wir haben Spaß. Und den haben wir. Ach ja, musikalisch wird das Ganze initiiert von den „Los Autenticos de Hidalgo“. Um 4 Uhr ist dann leider alles vorbei und wir fahren wieder nach Hause. Diese Nacht schlafen wir überraschend gut, wahrscheinlich waren wir einfach so fertig.

Am Samstag machen wir beiden dann deutsches Frühstück für die ganze Familie. Ira ist auch dabei, denn Jesus hat sie gestern Abend einfach nicht zu Hause raus gelassen. Es ist sehr heiß und der Ventilator wird draußen angestellt. Nach dem Essen bereiten wir das Auto für die Abfahrt vor. Wir bekommen noch Wasser für unseren Tank, Olli und Jesus fahren noch dumpen und ich tausche mit Yari, Vicky und Carlos noch Musik aus. Wir bekommen eine CD und ein Video von den ‚Autenticos’. Und das sind nicht die einzigen Geschenke von Jesus und seiner lieben Familie. Dann heißt es Abschied nehmen und wir machen uns auf den Weg, weiter die MEX 85 entlang. Es ist wirklich irre. Diese Landschaft ist unglaublich schön, wer diesen Teil von Mexiko nicht sieht, hat wirklich was verpasst. Die sehr kurvige Straße windet sich immer entlang der Bergkuppen durch Dschungelartige Wälder und gibt den Blick auf tiefe Schluchten und Bergdörfer frei, die im Nebel an den Bergwänden hängen. Nach ca. einer Stunde wird die Gegend schlagartig trockener und statt Dschungel haben wir jetzt wieder Laub- und Nadelbäume, aber landschaftlich ist es immer noch atemberaubend. Die Strasse wird jetzt noch kurviger und die Abhänge noch steiler, weil felsiger. Leider gibt es nicht wie in den USA irgendwelche Lookouts und man hat eigentlich kaum eine Möglichkeit mal anzuhalten, um ein Foto zu machen. Hinter Ixmiquilpan wird es dann wieder sehr trocken und Kakteenreich und erinnert uns an die Baja California. Wir fahren über Progreso Obregón und stellen uns kurz vor Tula – unserem nächsten Ziel - neben eine 24 Stunden Pemex auf einen großen Sandplatz. Hier verbringen wir eine sehr ruhige Nacht.