Rund um Mexiko DF – 26. bis 29. April 2009

Sonntags ist der Eintritt frei und wir laufen durch die nett angelegten Gärten mit blühenden Kakteen und den kleinen Verkaufständen links und rechts des Weges bis hin zu den Ruinen von Tula. Dieses ehemalige Tula war damals die Hauptstadt der Tolteken. Der friedliebende Topilzin, der Priesterkönig Quetzalcoatl, gründete die Stadt zwischen 950 und 1000 n. Chr., wurde aber von seinen Gegnern, die für die Opferung von Menschen waren, vertrieben. Laut Sage segelte er auf einem Schlangenfloß davon, versprach aber aus dem Osten irgendwann zurück zu kehren, um sein Reich einzufordern. Der Aztekenkönig Moctezuma sollte Cortes später für den zurückgekehrten Quetzalcoatl halten. Von der ehemaligen Stadt sind noch zwei Pyramiden, zwei Ballspielplätze und der ‚Verbrannte Palast’ mit vielen Säulen und Höfen, Bänken und Reliefs erhalten. Die Gebäude und Statuen wurden zum Ruhm der toltekischen Krieger erbaut. Das Besondere an diesen Ruinen sind die Säulenfiguren der Toltek-Krieger (5 m hoch) und die Säulen der Herrscher auf einer der Pyramiden. Von hier aus hat man auch einen wunderbaren Überblick über die gesamte Ausgrabungsstätte inklusive der heutigen Stadt Tula. Nach drei Stunden sind wir wieder am Auto und fahren zurück Richtung Pachuca. Die Gegend hier ist flach und es weht ein starker Wind. Auch die Nähe zu Mexiko DC. macht sich schon bemerkbar, denn es ist dreckiger als sonst, industrieller, nicht mehr so einladend und viele Leute laufen mit Atemschutz im Gesicht herum. Über Ciudad Sahagún, wo wir gefüllte Teigtaschen essen, fahren wir nach Texmelucan und von dort weiter nach Cholula de Rivadavia, einem Vorort von Puebla - unserer nächsten Station. Nach einem großen Einkauf im Supermarkt – am Sonntag, das war keine gute Idee, da sonntags die Mexikaner ihren Einkauf erledigen – stellen wir uns für die Nacht einfach vor den RV-Park. Mal schauen, ob das gut geht.

Es ging gut. Obwohl wir relativ früh aus dem Bett kommen, verstreicht der Vormittag wieder wie im Fluge. Gegen 10 Uhr checken wir erst einmal auf dem RV-Park ein. Dann wird geduscht, der Camper angeschlossen und eine Internetverbindung aufgebaut. Von unseren Eltern erfahren wir vom Schweinegrippevirus in Mexiko. Jetzt ist uns klar, warum wir in Tula schon so viele Leute mit Mundschutz haben rumlaufen sehen. Nicht weil die Luftverschmutzung hier so groß ist, sondern weil die Schweinegrippe bereits über 100 Tote in der Großstadt gefordert haben soll und wie eine normale saisonale Grippe übertragen wird. Nach einem späten Individualfrühstück und der Wäscherei geht es ca. 2,5 km zur Zona Arqueológica von Cholula. Hier steht die volumenmäßig größte Pyramide der Welt. Heutzutage ist die Pyramide nicht mehr als solche zu erkennen, denn sie ist mit Gras und Bäumen überwachsen. Oben drauf haben die Spanier eine Kirche errichtet und obwohl sie damals auch nicht wussten, was sich eigentlich unter dem Berg verbirgt, gilt diese Kirche ‚Santuario de Nuestra Señora de los Remedios’ als klassisches Eroberungssymbol über den heidnischen Glauben. Wir zahlen an dem kleinen Kassenhäuschen und gehen ins kalte Innere der Pyramide. Insgesamt gibt es hier über 8 km lange Tunnel, die wir natürlich nicht alle ablaufen. Nach den Tunneln geht es über die Ausgrabungsstätte und nach einer kleinen Stärkung erklimmen wir den Berg hinauf zur Kirche. Diese ist nicht nur von außen sehr schön, sondern auch von innen. Im typisch mexikanisch-barocken Stil gibt es kaum ein Fleckchen, welches nicht vergoldet ist. Von hier oben hat man normalerweise auch einen super Blick auf Popocatépetl und Iztaccíhuatl, den zweit- und drittgrößten Vulkan Mexikos, doch leider nicht heute. Wir bekommen sogar wieder ein paar Tropfen ab, bevor wir den Berg wieder hinabsteigen. Nun geht es ins historische Zentrum der Stadt. Hier besuchen wir den ‚Templo de San Gabriel’ (1530). In dem grauen Gebäude erleben wir die 18 Uhr Messe mit wunderschönem Gesang. Diese Kirche wurde übrigens auch dort erbaut, wo früher einmal eine Pyramide stand. Gleich daneben befinden sich die beiden Kirchen ‚Capilla de la Tercera Orden’ aus dem 19. JH und die Gelbgetünchte ‚Capilla Real’, 1540 im arabischen Stil mit ihren 49 Kuppeln erbaut. Wir schlendern über den großen, doch nicht sehr schönen Zócalo und machen unter den Arkaden, die zu den längsten in Mexiko zählen, eine Kaffeepause. Links von uns steht schon wieder eine Kirche. Obwohl Cholula heute seine Bedeutung verloren hat, war es vor ca. 500 Jahren mit 100.000 Einwohnern eine der größten Aztekenstädte und ein bedeutendes religiöses Zentrum. Als dann die Spanier kamen, wollten diese um jeden Preis diesen heidnischen Ort übertrumpfen und bauten hier 39 Kirchen mit angeblich insgesamt 365 Kuppeln. Nach der Pause stellen wir fest, wie geschafft wir sind und treten deswegen den Heimweg an.

Nach einem Tag Pause besichtigen wir Puebla. Der Bus dorthin fährt gleich zwei Straßen vom RV-Park entfernt ab. Wir bezahlen 5 Pesos/Person und werden bis fast ins Zentrum gebracht. Die breiten Straßen mit den großen Häusern sind voller Leute. Ein kleines Geschäft reiht sich an das nächste und in einem von diesen erstehen wir erst einmal Gesichtsmasken. Sonderangebot 3 für 50 Pesos. Bei der Hitze ist es allerdings nicht sehr angenehm mit diesen Dingern vorm Gesicht rum zu rennen, aber was tut man nicht alles für die Gesundheit. Wir laufen vor bis zur Avenida 5 de Mayo, einer Fußgängerzone mit wunderbaren Geschäften, an denen ich kaum vorbeikomme. Dieses Datum wird hier in Puebla ganz groß geschrieben, denn an diesem Tag 1862 haben die Mexikaner, die Franzosen erfolgreich aus der Stadt vertrieben. Ein Jahr später waren die Franzosen dann allerdings zurück und besetzten die Stadt ganze 5 Jahre. Letzteres scheint hier aber niemanden zu interessieren, denn der 5. Mai ist immer noch ein ganz besonderer Feiertag. Wir erreichen das ‚Centro Commercial La Victoria’ und von hier ist es nicht mehr weit, bis zum Zócalo. Der zentrale Platz von Puebla ist riesig, mit alten großen Bäumen und zu drei Seiten mit gefliesten Arkadenhäusern eingegrenzt. Auf der anderen Seite steht die gewaltige Kathedrale. Ihr Turm ist mit fast 70 m der Höchste Mexikos (die Mexikaner sagen sogar, der höchste in ganz Lateinamerika) und von innen ist sie auch sehenswert. Viel Gold, drei fette Orgeln und mehrere Altare. Wir beschließen eine Touristen-Bustour durch die Stadt zu machen. Die Busse fahren gleich am Zócalo los und die Fahrt führt uns auch ein bisschen aus der Stadt heraus. Zuerst geht es zum ‚Cerro de Guadalupe’ einem weiten Park mit dem historischen Fort Guadalupe und der Fuerte de Loreto, welches beide während der Kämpfe mit Frankreich eine wichtige Rolle spielten. Außerdem gibt es hier oben noch eine Menge Museen, die Grotte der Jungfrau von Lourdes und das Imax Kino im Pyramidenförmigen Gebäude des Planetariums. Highlight ist aber der Blick über die Stadt und auf die beiden großen Vulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl. Der Sage nach war Popocatépetl ein Krieger, der seine vor Kummer gestorbene Iztaccíhuatl hier beerdigt hat, bevor er selbst zum Vulkan wurde. Mit viel Mühe kann man auf der anderen Seite wirklich eine liegende Frau erkennen. Der Bus kurvt mit uns durch die bunten Straßen der Stadt, vorbei an schönen Kirchen – teilweise mit gefliesten Fassaden – Theatern, Denkmälern und Parks. Dank der Technik, bekommen wir sogar alles in Englisch (es gibt auch die deutsche Variante, doch hier sagt die Stimme nur alle halbe Stunde mal einen Satz). Puebla ist wirklich ganz schön groß, die viertgrößte Stadt Mexikos. Auch hier wurde der historische Kern zum Weltkulturerbe ernannt und das zu Recht. Es gibt unwahrscheinlich viele Kirchen, Wohnhäuser in den verschiedensten Baustilen und immer wieder die berühmten Puebla Fliesen an jedem dritten Haus. Zurück am Zocalo, gibt es erst einmal etwas zu Essen und anschließend geht es durch die bunten Straßen zurück zum Bus. In Cholula angekommen stellen wir fest, dass er leider nicht dort hält, wo wir gedacht hatten und so fahren wir noch hinter Cholula aufs Land hinaus. Ist auch mal ganz interessant zu sehen, wie es hier wieder zugeht. Echte Armut, kleine Häuser, ungepflegte Tiere, aber immer gut drauf die Leute. Und natürlich hat jedes Dorf eine stattliche und gut gepflegte Kirche. Mit einem anderen Bus fahren wir zurück nach Cholula, inzwischen ist es auch schon dunkel und diesmal erreichen wir die Haltestelle, wo wir zuerst schon hinwollten. Morgen wollen wir weiter nach Oaxaca. Bevor wir die Gegend verlassen, fahren wir noch einmal in die kleinen Dörfer hinter Cholula und stehen bewundernd nur wenige km von den beiden großen Vulkanen entfernt. Man kann sogar Rauch aus Popocatépetls Mitte aufsteigen sehen.