Oaxaca – 1. bis 17. Mai 2009

Nach einem frühen Erwachen, was an den relativ lauten Pemex Tankstellen immer ein Nachteil ist, fahren wir wieder den Hügel zum Monte Alban, der ehemaligen Zapoteken-Hauptstadt hinauf. An einem Pull out frühstücken wir und machen uns dann auf zu den Ruinen. Hier erwartet uns allerdings eine Überraschung. Die Straße ist gesperrt und ein freundlicher Herr erklärt uns, dass die Ruinenstätte aufgrund der Schweinepest bis zum nächsten Mittwoch geschlossen bleibt. Enttäuscht drehen wir um und nehmen Plan B in Angriff. Wir fahren ins Tal ‚Tlacolula’ und besuchen dort als erstes die Stadt Santa Maria del Tule. Hier im Hof einer Kirche, mit einer Höhe von 40 m und einem Umfang von 52.58 m, steht einer der größten und auch ältesten Bäume der Erde. Der ‚Arbol de Tule’, aus der Familie der Zypressen, ist heute mehr als 2000 Jahre alt. Leider ist der schöne Riese in Gefahr, denn Industrie und Haushalte nehmen dem Baum das Wasser zum Überleben. Anschließend gehen wir kurz durch die vielen Marktstände mit bunten Kleidern und T-Shirts.

Nun fahren wir weiter in Richtung Osten, lassen Mitla links liegen und folgen den Schildern nach ‚Hierve el Agua’. Wieder geht es engkurvige Straßen durch die Berge bis zu einem kleinen Dorf namens San Lorenzo Albarradas. Plötzlich stehen drei Typen an der Straße und verhindern unsere Weiterfahrt durch ein zwischen Eisenstangen gespanntes Seil. Sie wollen Maut (50 Pesos) und nach einigem Hin und Her, bezahlen wir auch gegen Quittung. Wir wissen zwar, dass das alles nicht rechtens ist, aber wir wollen unbedingt weiter. Jetzt geht es noch 3 km über Schotter und dann sind wir endlich am Ziel. Hier zahlen wir noch einmal den offiziellen Eintritt und bekommen auch noch einmal bestätigt, dass die Straßensperre nicht erlaubt sei. Leider hat sich inzwischen der Himmel zugezogen, doch wir machen uns trotzdem auf und laufen die 300 m abwärts, bis wir vor terrassenförmigen Wasserbecken stehen. Aus den flachen Steinen sickern hier mehrere mineralhaltige Quellen, welche durch ihre Ablagerungen die Terrassen geformt haben. Nicht das wir schon mal in Pamukale waren, aber so ungefähr muss man sich das vorstellen. Zwar ist ‚Hierve el Agua’ viel kleiner, doch wir stehen hier hoch oben in den Bergen und haben einen herrlichen Ausblick auf die Landschaft rings herum. Das Wasser, was permanent die Felsen herunter läuft hat hier einen festen Wasserfall geschaffen. Es sieht wunderschön aus. Das Wasser hat eine angenehme Badetemperatur, aber wir halten nur unsere Füße hinein. Nach einem ausgedehnten Rundgang über das Gelände beschließen wir, wieder zurück nach Oaxaca zu fahren. Wir hätten auch hier stehen bleiben können, aber noch ist es ja hell. Diesmal lassen wir uns allerdings einen anderen Weg weisen und folgen den Selbstgemalten Schildern an der Strecke. Die laut Mexikaner gute Straße mit nur 13 km nach Mitla geht original nur über Schotter und zwar einmal komplett ca. 500 m hinauf und auf der anderen Seite ca. 800 m hinab. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wir geschwitzt haben. Die engen Serpentinen mit unserem großen Wendekreis waren echt der Hammer. Einmal musste Olli sogar zurücksetzten, weil wir nicht rumgekommen sind. Und nichts gesichert oder befestigt – halt ein wahres Abendteuer. Wir fahren an diesem Abend noch den Trailer Park Oaxaca an und checken hier für mehrere Tage ein.

Gleich am nächsten Tag machen wir uns auf in die Stadt. Es sind kaum Leute unterwegs und viele Restaurants und Cafés haben aufgrund der Schweinegrippe geschlossen. Wir besichtigen hier den wundervollen ‚Templo de Santo Domingo de Guzmán’, welcher zwar von außen ganz unscheinbar, von innen aber herrlich ist. Wände und Decke sind vergoldet und fast alles ist im Relief dargestellt. Es ist Oaxacas berühmteste Kirche und eine der Schönsten, die wir bis jetzt auf unserer Reise gesehen haben. Gerade findet hier eine Hochzeit statt. Gleich daneben befindet sich das dazugehörige Dominikanerkloster, beides wurde um 1550 gebaut. Da die Straßen so leer sind, ist es sehr angenehm durch die nicht kleine Stadt zu laufen. Die meisten Häuser sind eingeschossig, haben wunderschöne Schmiedearbeiten vor den Fenstern und Türen und sind wieder in den tollsten Farben angestrichen. Die historische Altstadt von Oaxaca ist seit 1987 Weltkulturerbe durch die UNESCO. Wir laufen bis in Richtung Zócalo ‚Plaza de la Constitutión’, nehmen unterwegs eine kleine Stärkung zu uns und erreichen kurz darauf den zentralen Platz der Altstadt, welcher im spanischen Kolonialstil erbaut und 2005 restauriert wurde. Hier herrscht buntes Treiben. Wir setzen uns auf eine der vielen Bänke und beobachten die unzähligen Schuhputzer, Ballonverkäufer, die es auf jedem größeren Zócalo in Mexiko gibt. Hier in Oaxaca gibt es allerdings außerdem noch diverse indogenen Frauen und Mädchen, die ihre selbst gemachten Kämme, Lesezeichen, Blusen und Fächer anbieten. Zwar wird im Reiseführer gerade dieses als besonders Reizvoll auf dem Zócalo beschildert, ist es aber nicht, wenn man einen Kaffee trinken möchte und alle 2 min „no, gracias“ sagen muss. Nach unserer kleinen Pause besichtigen wir die 1535 errichtete Kathedrale, deren Konstruktion durch mehrere Erdbeben zerstört und erst nach 1730 fertig gestellt wurde. Sie ist im neoklassizistischen Stil gehalten und hat eine auffällige Barockfassade. Drinnen erleben wir zufällig eine „Quincenia“. Ein 15-jähriges Mädchen, ganz auf große Dame zurechtgemacht ist hier Mittelpunkt der Feier. Die Mexikaner feiern den 15. Geburtstag ihrer Töchter als etwas Besonderes. Wahrscheinlich war das früher – oder ist vielleicht auf dem Lande immer noch – das Heiratsalter der Mädchen. Vorm Eingang der Kathedrale drängen sich wieder Ballon- und Snackverkäufer, außerdem hat sich eine große Menschenansammlung um einen Clown gebildet. Die Statue mitten auf dem Platz trägt mittlerweile auch schon einen blauen Mundschutz.

Wir verleben nun ein paar mehr oder weniger ruhige Tage am Trailer Park. Von unserem netten Nachbarn Calvin bekommen wir Internet, wir füllen unsere Vorräte beim gleich gegenüberliegenden Soriana auf, haben Barbecue mit Leanne und Calvin und gehen mit den beiden auf den Straßenmarkt. sicherheitshalber lassen wir uns sogar noch mal von einem Arzt durchchecken und gehen noch einige Male in die Stadt. Hier besuchen wir unter anderem das ‚Centro Cultural Santo Domingo’. Das Museum sowie die Schulen haben wieder geöffnet. Fast drei Stunden durchwandern wir die interessanten Ausstellungen Präg-kolumbianischer Artefakte, darunter auch die Schätze, die bei Monte Alban ausgegraben wurden. Diese Schmuckobjekte gelten als die feinsten in ganz Amerika. Auch das wunderschöne Gebäude, ein ehemaliger Konvent, trägt noch zum Glanz des Museums bei. Im Innenhof gibt es einen Botanischen Garten mit riesigen Kakteen und herrlich blühenden Bäumen. Als wir dann Abreisen, versuchen wir noch einmal unser Glück mit Monte Alban und siehe da, auch das hat wieder geöffnet. Sehr wenige Touristen sind an der Ausgrabungsstätte, was uns nicht traurig stimmt. Fast verlassen liegen die großen Pyramiden vor uns. Es ist sehr heiß und wir steuern immer mal wieder einen kühlen Platz unter großen Bäumen an. Monte Alban liegt 400 m über Oaxaca und man hat einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt. Es war die größte der Zapotekenstädte und eine wahre Meisterleistung, wie diese Menschen den Berg so begradigt haben, um all diese Pyramiden zu errichten. Seine Blütezeit hatte Monte Alban zwischen 300 bis 900 n. Chr. Als es bereits verlassen war, wurde es später von den Mixteken für Bestattungen ihrer Elite genutzt. Von Monte Alban fahren wir Richtung 175 aus der Stadt.

Unser nächstes Ziel ist die Küste Oaxacas. Wir haben uns den Ort Zipolite, einen kleinen entspannten Urlaubsort, ausgeguckt. Hier bekommen wir auch ohne langes Suchen einen Platz direkt am Strand angeboten. Andres, unser direkter Nachbar und Host, stellt uns Strom und Wasser (50 Pesos/Nacht). Wir schnallen den Camper ab, spannen eine Plane darüber, denn hier ist es sehr heiß und wir haben nur auf einer Seite Palmenschatten. Hier, zwischen Palmen und Camper lässt es sich allerdings sehr gut aushalten. Vom Meer weht immer ein frischer Wind, der die Schwüle erträglich macht. Leider schaltet er sich abends automatisch ab und so bleibt uns nicht anderes übrig, als uns an die 28 Grad nachts zu gewöhnen. Am Muttertag fahren wir mit unserem Truck und Andres gesamter Familie an einen Fluss zum Baden und Waschen. Allerdings verabschieden Olli und ich uns irgendwann, lassen die Familie ihren Muttertag feiern - der hier in Mexiko ganz groß geschrieben wird - und telefonieren mit unseren eigenen Müttern. Wir schauen uns Zipolite an, aber hier gibt es nicht viel zu sehen. Der Ort ist wirklich winzig, hat aber schöne Bungalowdörfer, kleine Hostels und viele Palapas direkt am Strand. Wir fahren einen Tag nach Puerto Escondido, wo wir nach einigen Schwierigkeiten Propangas bekommen. Diese Stadt ist ein bisschen größer, aber auch Anziehungspunkt für vor allem amerikanische Touristen. Im ortsansässigen Supermarkt kaufen wir ausgiebig ein. Anschließend genießen wir noch ein erfrischendes Bad in der Bucht von Puerto Escondido und einen kühlen Drink bevor wir nach Hause fahren. Olli hilft Andres beim Hausbau und kommt jedes Mal ganz fasziniert über die Einfachheit der mexikanischen Arbeitsweise wieder. Gemeinsam holen sie mit unserem Truck Kies, dann werden die Steine hergestellt und später vermauert. Den letzten Tag vor unserer Abreise fahren wir noch ins nahe gelegene Mazunte. Der Nachbarort ist einladend und im Wachsen. Das hier befindliche ‚Cento Mexicano de la Tortuga’, ist einer der Anziehungspunkte, den auch wir ansteuern. Hier erleben wir eine interessante Ausstellung an lebenden Meeresschildkröten, die man sogar anfassen kann.

Mal wieder fällt es uns schwer einen Ort zu verlassen. Wir haben in Zipolite abermals einige Tage entspannt und nun geht es weiter in die nächste Stadt; San Christóbal de las Casas.