Chiapas und Ruinen – 18. Mai bis 5. Juni 2009

Der Auftakt für unsere Zeit im Bundesstaat Chiapas, ist eine Bootsfahrt durch den wunderschönen ‚Canon del Sumidero’. Auf dem breiten Rio Grijalva fahren die Boote mit ca. 10 Gästen zwei Stunden durch die gigantischen Felsen, die an manchen Stellen bis zu 900 m hoch sind. Hier haben sich die Chiapas-Indianer in die Tiefe gestürzt, um vor den Spaniern zu entkommen. Neben den aufregenden Felsformationen gibt es Krokodile, Affen, Reiher und verschiedene andere Vögel zu sehen. Einziger Negativpunkt an dem Trip ist der Müll der hier an einigen Stellen auf dem Fluss schwimmt, aber das sehen die Tour-Giudes anscheinend nicht. Auf unserer Weiterfahrt nach San Cristobal de las Casas geht es durch Berge und es wird immer kühler. In San Cristobal wurschteln wir uns dann durch den Nachmittagsverkehr und sehr, sehr enge Straßen, um den Rancho San Nicolas RV-Park zu erreichen. Aber es lohnt sich, wir fahren auf den bis jetzt schönsten RV-Park in Mexiko. Außerdem lernen wir gleich unsere netten Nachbarn Kelly und Andreas aus Manhattan kennen, mit denen wir die nächsten Abende vorm parkeigenen Kamin verbringen. Auch am ersten Abend lernen wir Andrea aus Bielefeld kennen, die seit kurzer Zeit hier lebt. San Cristobal liegt in einem Tal auf 2100 m – es ist also frisch. Die 150.000 Einwohner sind Mexikaner, US-Amerikaner, Kanadier oder Europäer. Außerdem leben in Chiapas die meisten Indogenen Menschen von Mexiko und San Cristobal ist bekannt für sein buntes Straßenleben und die vielen indogenen Einflüsse. Wir erklimmen den ‚Cerro de Guadelupe’ mit der gleichnamigen Kirche und überblicken die Stadt von oben. Dann schlendern wir gemütlich die ‚Real de Guadelupe’ runter. Als eine der Hauptstraßen, reihen sich bald Cafés und Restaurants aneinander bis zur Kathedrale und dem zentralen Platz. Wir besuchen den quirligen Markt und kaufen dort unter anderem eine riesige Hängematte. Leider sehen wir nicht viel von San Christobal, aber wir beschließen noch einmal hierher zu fahren. Zum Abschluss besuchen wir Andrea und Kater Breity in ihrem schönen Haus am Stadtrand. Die Nachbarn wissen schon bescheid, dass wir kommen und so stellen wir uns für eine Nacht neben das Haus in eine Einfahrt. Als wir am nächsten Morgen abreisen, gibt es noch einen kleinen Unfall mit den Oberleitungen. Beim Rausfahren hören wir plötzlich ein Plog und dann auch schon Andreas Rufen. Wir haben nicht nur das Stromkabel mitgenommen sondern auch gleich zwei Strommasten mit umgerissen. Die dünnen Holzpfähle waren allerdings auch nur halbherzig in die Erde gerammt. Zusammen mit den Nachbarn befestigen wir alles wieder so notdürftig wie es vorher war und verlassen San Cristobal dann über die Pereférico.

Ein paar Stunden später erreichen wir die Stadt Palenque, wo wir erst einmal im Super Che einkaufen. Gegen 19 Uhr kommen wir dann auf dem uns empfohlenen RV-Park Mayabell an. Und wer erwartet uns dort, Kelly und Andreas, neben denen wir uns gleich häuslich einrichten. Abends gehen wir zu viert in die Bar, wo wunderschöne mexikanische Gitarrenmusik live präsentiert wird. Maya Bell ist wirklich paradiesisch. Umgeben von großen alten Bäumen - Urwald pur, gibt es gleich nebenan einen riesigen und sauberen Pool von dem aus man die Leguane in den Bäumen beobachten kann. Am nächsten Morgen haben wir unsere Wecker auf 6 Uhr gestellt. Gleich vorm RV-Park ergattern wir ein Collectivo, welches uns bis zum Eingang der archäologischen Stätte von Palenque bringt. Für 51 Pesos betreten wir die grüne, wunderschön gepflegte Anlage. Die Pyramiden wachsen weiß aus dem Boden. Unser Weg führt zuerst an drei großen gut erhaltenen Tempeln entlang, darunter der ‚Temple of the Inscriptions’. Wir erklimmen den großen Palast in der Mitte des zentralen Platzes. Im Inneren befinden sich labyrinthartige Gänge, Reliefs, die die damaligen Herrscher zeigen und gekrönt wird das Gebäude von einem Aussichtsturm. Nun überqueren wir einen, von den Mayas angelegten, Kanal und befinden uns zwischen drei weiteren Tempeln. Dem ‚Kreuztempel’ mit einem beeindruckenden Dach und Reliefs im Inneren, dem ‚Sonnentempel’, einer der best erhaltenen Gebäude hier, auch mit einem außergewöhnlich detailliert gearbeitetem Dachkamm und einem großen Relief der Sonne innen und dem Tempel XIV, welcher das Bild eines der Herrscher zeigt. Da wir uns mitten im letzten Stück Dschungel der Gegend befinden, gibt es genug Bäume, unter denen man immer mal wieder eine Pause einlegen kann. Wir durchqueren den Ballcourt und laufen zur Nordgruppe, mit fünf kleineren Tempeln auf einer Plattform. Hier befindet sich auch der ‚Temple of the Court’, auf dem sich vor 100 Jahren ein Europäer häuslich niedergelassen hatte. Vorbei an weiteren Tempelruinen und anderen Anlagen, folgen wir weiter dem Fluss, der teilweise durch kleine Wasserfälle und Becken unterbrochen ist. Am Museum, (montags – also heute geschlossen), kommen wir wieder auf die Hauptstrasse und laufen die ca. 300 Meter zum Maya Bell Campground zurück. Hier erwartet uns erst einmal der zwar nicht kühle, aber doch erfrischende Pool. Wir verbringen einen ruhigen Nachmittag in den Hängematten und abends gehen wir im Restaurant essen. So halten wir es auch am nächsten Tag bevor wir mit Kelly und Andreas nach Calakmul aufbrechen.

Nach einem großen Einkauf, einer Militärkontrolle, 45 Grad Celsius und einer erst sehr schlechten und dann ganz neuen leeren Straße, erreichen wir am frühen Abend die Stichstraße nach Calakmul. Nach der kurzen Inspektion von Hotel und Campground entscheiden wir uns für den Parkplatz vor den Ruinen. Also fahren wir teils im Dunkeln die noch 60 km bis zur archäologischen Stätte. Andreas geht am nächsten Morgen schon sehr früh die Ruinen erkunden, wir anderen drei folgen seinem Beispiel etwas später, als es dann so richtig schön heiß ist. Der Eintritt kostet 41 Pesos pro Person und der Weg zu den ersten Ausgrabungsstellen ist zwar teilweise schattig, doch sehr lang. Nachdem wir die ersten freigelegten Steine und auch die erste Pyramide passiert haben, gelangen wir zum Zentralen Platz. Hier stehen gleich vier Pyramiden, darunter die höchste in ganz Mexiko. Wir besteigen erst eine, von der aus wir die große Pyramide genau gegenüber erblicken können. Also runter von dieser und rauf auf die andere. Der Anstieg über die hohen Stufen – wir fragen uns wie die kleinen Maya hier hoch gekommen sind – ist wirklich anstrengend. Glücklicherweise steht die Sonne schon etwas westlich, so dass die Bäume die Stufen teilweise beschatten. Olli zählt insgesamt 146 Stufen bis wir ganz oben ankommen. Da selbst auf den Pyramiden überall Bäume wachsen, finden wir auch wieder einen Schattenplatz und dazu weht noch ein erfrischender Wind. Wir genießen den tollen Ausblick über den Dschungel, der uns ganz umschließt. Hier und dort ragt eine weiße Pyramide aus dem grünen Blätterdach. Wir können sogar bis Guatemala schauen, was nur 30 km entfernt liegt. Abends grillen wir und am nächsten Tag fahren wir schon weiter. Kelly und Andreas fahren an die Karibikküste und wir zurück nach Palenque. Wir haben beschlossen von der Westseite nach Guatemala zu reisen und wollen die letzten Tage noch im Maya Bell verbringen, wo es uns so gut gefallen hat. Kurz vor Palenque kommen wir in einen heftigen Regen und kurz hinter uns kippt sogar ein Baum auf die Straße – Schwein gehabt! Abends lernen wir Els und Jeff aus Belgien und Andreas aus Deutschland kennen, mit denen wir die folgenden Tage verbringen.

Zum Beispiel fahren wir zusammen mit Andies 1967er Bulli nach Aqua Azul. Die Wasserfälle von Aqua Azul liegen ca. 60 km südlich von Palenque. Die Fahrt ist lustig, das Wetter heiß und als wir ankommen nehmen wir erst einmal ein erfrischendes Bad in einem der vielen blauen Pools. Wir nutzen den Nachmittagsregen fürs Essen und fahren anschließend nach Misol-Ha. Das ist ein einzelner, 35 m hoher Wasserfall über einem großen Pool. Es gibt auch Höhlen, die wir aber auslassen. An diesem Abend genießen wir zum letzten Mal die tolle Musik der drei Gitarristen, da einer der drei am nächsten Tag abreist. Meinen Geburtstag feiern wir auch hier. Aber am Tag darauf packen wir unsere 7 Sachen zusammen und verlassen gemeinsam mit Els und Jeff diesen schönen Platz. Wir fahren die MEX 307. Am späten Nachmittag erreichen wir Frontera Corozal, auf der Fahrt hat es geregnet und auch hier ist alles nass. Die Brüllaffen veranstalten ein Konzert ganz in der Nähe, aber man kann nichts sehen. Für 120 Pesos können wir den Camper vor einem Bungalow mit Strom parken. Hier haben wir auch eine kleine Terrasse, wo wir die nächsten zwei Tage gemeinsam essen und sitzen können. Mit einem der Longboote legen wir am nächsten Tag um 10 Uhr ab. Die Bootsfahrt dauert ca. 30 min und geht durch den breiten, und ziemlich wilden Usumacinta. Einmal sehen wir sogar ein totes aufgeblähtes Rind im Fluss. Wir legen an einem kleinen Strand an, wo es von Schmetterlingen nur so wimmelt. Hier geht es eine steile Treppe hinauf und dann steht man schon vorm Kassenhäuschen (50 Pesos). Das ganze Gebiet um die archäologische Stätte ist ein Naturschutzpark und wir haben das Gefühl, ganz alleine in diesem Dschungel zu sein. Wir sehen ein kleines Tier, sieht aus wie ein kleines Schwein ohne Schwanz, viele Vögel, Schmetterlinge, Echsen und Geckos. Dann stehen wir vor dem ersten gut erhaltenen Gebäude, durch das man durchgehen kann. Hier im Dunkeln hängen viele kleine Fledermäuse, die versuchen trotz der Touristen zu schlafen. Auf der anderen Seite befinden wir uns dann mitten in der alten Stadt Yaxchilán. Die Ruinen liegen eingebettet in hohen alten Bäumen, alles ist grün und ganz still. Der Höhepunkt der Anlage ist der Zentralplatz mit vielen Stehlen und dem Tempel 33. Dieser liegt ca. 200 hoch und ist über viele Stufen zu erreichen. Schon der Anblick vom Fuße des Berges ist sehr beeindruckend, denn dieser Tempel hat ein ausgefeiltes Steindach. Wir machen uns an den Aufstieg, um uns auch das Innere des Gebäudes anzuschauen. Wieder unten beenden wir den Rundgang – es gibt sonst keine Highlights mehr – und machen uns auf den Rückweg. Inzwischen sind auch zwei Reisegruppen angekommen und es ist endgültig vorbei mit der mystischen Stille, als auch noch ein Helikopter die Ruinen mehrere Male umkreist. Das sollte echt verboten werden, denn nicht nur wir fühlen uns durch den ohrenbetäubenden Krach gestört sondern auch die Affen rennen teilweise von den Bäumen. Zurück am Boot beobachten wir noch ein paar Brüllaffen, die faul auf den Ästen schlafen. Zurück am Escudo Jaguar essen wir im Restaurant eine Kleinigkeit.

Am nächsten Tag verabschieden wir Els und Jeff, die beiden super süßen Belgier. Sie werden jetzt mit dem Boot übersetzen und sind dann bereits 30 min später in Guatemala. Wir müssen den langen Weg, immer an der Grenze entlang nehmen, denn unser Auto passt nicht ins Boot. Wir fahren also die MEX 307 weiter Richtung Süden und die Gegend ist unsagbar schön. Alles ist durch die Regenfälle grellgrün, die Rinder weiden im hohen Gras und die Grillen zirpen. Wir nehmen die Abkürzung nach Ixcan, auf der wir uns erst mit 7 km sehr schlechter Straße rumschlagen müssen, doch dann wird es besser. Ab und zu müssen wir noch einer Unterspülung ausweichen, wo die Straße einfach weg gebrochen ist. Wieder auf der 307 fahren wir durch das Lagunengebiet von Montebellos, mit vielen klaren blauen Seen. Hier ist alles schon wieder touristisch erschlossen, die Straße voller und die Gegend wie in Deutschland, Kiefern und Laubbäume. Diese letzte Nacht in Mexiko verbringen wir an einer Pemex in Comitán, wo wir auch noch einmal unseren Kühlschrank auffüllen.