San Cristóbal de Las Casas – 2. September bis 2. November 2009

Am ersten September verlassen wir wehmütig den wunderschönen Lago Atitlán und fahren Richtung Mexikanische Grenze. Es gibt allerdings noch einen Ort, den wir hier in Guatemala besuchen wollen, und zwar die berühmten Fuentes Georgina. Diese heißen Mineralquellen sprudeln in der Nähe von Quetzaltenango aus dem Boden. Eine relativ enge Straße führt aus dem Örtchen Zunil hoch in die Berge, vorbei an bewirtschafteten Feldern und später durch Dschungelartigen Wald in dem sich so hoch oben weiße Wolken verfangen haben. Wenn die Sonne durch diese Wokendecke bricht, kann man bis tief unten ins Tal schauen. Zusammen mit einer sehr ruhigen Gruppe älterer Asiaten sitzen wir im doch ziemlich heißen Wasser und genießen die grüne Umgebung auf dem Dach der Welt. Hier zu übernachten ist auch kein Problem, denn der relativ große Parkplatz bietet genug Raum. Es ist ziemlich frisch und wir schlafen hervorragend.

Gleich nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Grenze. Wir erreichen die Grenzstadt etwas später als gedacht, so gegen 17 Uhr, aber diesmal gibt es keinen Markt und wir kommen zügig bis zum Zoll. Dort lassen wir das Auto und die Pässe ausstempeln und sind bereits eine halbe Stunde später in Mexiko. Auch hier geht es wieder flott, denn wir sind die einzigen. Natürlich fehlen noch zwei Kopien für die Autoeinfuhr, die der engagierte junge Beamte jedoch nicht auf verfügbarer Kopiermaschine machen kann. Also rüber zum Kopiershop. Aber um 18:30 Uhr (nun nach mexikanischer Zeit) sind wir dann eingereist. Nun geht es wieder nach Comitán, wo wir auf einem eingezäunten Parkplatz für 26 Pesos übernachten können. Gleich gegenüber im Supermarkt, füllen wir am nächsten Morgen unseren leeren Kühlschrank auf und fahren dann weiter nach San Cristóbal de Las Casas und gleich zu Andreas Haus. Glücklicherweise sind die beiden am frühen Nachmittag zu Hause. Bei Zigarette und Kaffee lernen wir Egmont, Andreas Freund kennen. Die beiden sind auch erst seit zwei Wochen aus Deutschland zurück und richten sich gerade richtig ein. Kater Breiti ist inzwischen groß und wird in den kommenden Wochen ein gern gesehener Streichelgast im Camper.

Die nächsten Tage bauen wir unser Lager auf, soll heißen, die Plane wird gespannt, der Camper abgeschnallt und aufgebockt, Wäscheleinen gezogen usw. Da wir nun den Truck zur Verfügung haben, erledigen wir einige Transportfahrten in San Cristóbal. Sei es nun, Andreas selbst gebastelte Kunstobjekte zum Verkaufsbasar zu fahren, die Einkäufe im Chedraui auf der anderen Seite der Stadt zu erledigen, Holz zu beschaffen oder Müll und Wäsche wegzubringen. Oft wird zusammen gefrühstückt oder gekocht. Andreas reichhaltige Bibliothek bietet viel neuen Lesestoff und Frank, ein deutscher Nachbar, leiht uns verschiedene Videos. Bei Frank unterzieht sich Olli auch einer mehrmaligen Fußreflexzonenmassage, die dem ganzen Körper und vor allem der Schulter sehr gut tun. Bei dem deutschen Kfz-Schlosser Jürgen bekommen wir noch ein paar gute Tipps für unser Auto. Unter anderem wollen wir die Federung am Truck verbessern und so kaufen wir schon einmal das gesamte Material. Leider wird Jürgen krank und kann uns beim Einbau der Teile nicht helfen. So müssen wir eine andere Werkstatt finden, was nicht einfach ist. Letztendlich lassen wir das neue Federsystem bei einem Spezialisten einbauen. Hier werden auch gleich die Räder von hinten nach vorne gewechselt und die Bremsflüssigkeit getauscht. Ohne Camper ist der Truck jetzt wesentlich angenehmer gefedert und man hopst bei den vielen Topes nicht immer gleich gegen die Decke. Mit Camper soll die Schwingung des gesamten Fahrzeuges reduziert werden. Das werden wir dann auf der weiteren Reise prüfen. Da Egmont Ahnung von Elektrik hat, können mit seiner Hilfe außerdem noch diverse Dinge an unserem Camper verbessert werden.

In San Cristobal erleben wir die Unabhängigkeitsfeiern Mexikos. Nachdem wir Andrea vom Basar abgeholt haben, amüsieren wir uns in der lebhaften Bar ‚Revolucion’, wo trotz Platzmangel wilder Salsa getanzt wird und sich die vielen Musikanten auf einer kleinen Bühne dicht zusammendrängen. Auch der große Zocalo ist von Musik und Menschen erfüllt, denn überall sind Bühnen aufgebaut und die Leute tanzen oder lauschen einfach nur den mexikanischen Klängen. Kurz nach diesem Fest brechen wir dann gemeinsam mit Andrea nach Xalapa und weiter nach Mexiko City auf, wo wir erlebnisreiche zwei Wochen verbringen (siehe Bericht: Mexiko Stadt).

Zurück in der Stadt, die 1994 durch die Zapatisten in aller Munde war, verleben wir noch einmal ganze vier Wochen. Olli setzt die Fußbehandlung bei Frank fort. Diesmal sehen wir auch mehr von der Stadt San Cristóbal selbst. Wir schlendern ein ums andere Mal durch die schöne Fußgängerzone – die Andador. Diese autofreie Zone ist Gold wert und sollte es wirklich in einigen Städten geben. Aber auch sonst ist der Verkehr in dieser Stadt nicht so üppig, wie anderswo. Mit seinen bunten Kolonialhäusern und den vielen tollen Geschäften, ist San Cristóbal ein Anziehungspunkt für viele Reisende. Doch nicht nur äußerlich hat diese Stadt viel zu bieten. Es gibt viele Kirchen, die es zu besichtigen lohnt. Zwei von ihnen befinden sich jeweils auf einem Berg und bieten einen atemberaubenden Blick auf die bunte Stadt rundherum. Ein anderes Juwel ist die riesige Santo Domingo, mit ihrer rosa Barockfassade, in der sogar der Habsburger Adler verewigt wurde. Rund um die Kirche findet täglich der Artisanmarkt statt. Hier kann man preiswert Bernstein oder andere Steine, sowie Schmuck, Stoffe, Hängematten und andere Schätze erwerben. Einige Straßen weiter befindet sich einer der beiden großen Wochenmärkte San Cristóbals. Man findet alles vom getrockneten Fisch, über die besten Longanizas (Würstchen in Meterware) bis hin zu Schnürsenkeln. Ist man nicht so erpicht auf viele Menschen, sollte man einen Spaziergang in den Süden der Stadt machen. Hier steht noch ein ehemaliges Stadttor von San Cristóbal, der ‚Arco del Carmen’. Mit Bänken unter schattenspendenden Bäumen bietet der kleine Platz vor dem Tor eine wunderbar ruhige Oase, die man allerdings auch im Innenhof des danebenliegenden Exkonvents findet.

Die Kultur kommt aber auch nicht zu kurz. So besichtigen wir das kleine aber interessante Medizin Museum. Hier erfahren wir etwas über die verschiedenen Methoden der vier Heiler der Maya, über die pflanzlichen Arzneimittel, die angewendet werden und auf welche Weise bei den Maya die Kinder auf die Welt geholt werden. Auch das Ambermuseum ist nicht groß, dafür aber in einem wunderschönen ehemaligen Konvent untergebracht und unbedingt sehenswert. Wir wussten z. B. nicht, dass Chiapas neben dem Baltikum und der Dominikanischen Republik eines der größten Bernsteinvorkommen der Erde besitzt. Wunderschöne Kunstobjekte aus Bernstein sind hier ausgestellt sowie riesige Bernsteinfunde. Einen Abend z. B. treffen wir uns mit Andrea und Egmont im ‚Catrina’, wo eine Tarantino Band spielt. An einem anderen Abend können wir dort einen wunderbaren Fandango Abend erleben. Die Stimmung ist super. Immer mehr Leute reihen sich mit ihren kleinen Gitarren in die Schar der Spielleute. Aber auch andere Instrumente kommen zum Einsatz. So macht Paco zum Beispiel ganz hervorragende Töne auf einem halben Pferdeschädel mit lockeren Zähnen oder ein komplett vermummter Violinist unterstützt die heitere Musik. Singend werden zu zweit Geschichten von Liebe und Herzschmerz erzählt und dazu ein Flamencoähnlicher Tanz aufgeführt. Zusammen feiern wir am 19.10. Andreas Geburtstag. Gemütlich sitzen wir mit Freunden, Essen und Getränken schwatzend lange vorm Kamin.

Bei Andreas Vermieter, der ein wunderschönes Haus und gleichzeitig eine große Holzwerkstatt weiter oben im Wald hat, bekommen Olli und ich Bretter, aus denen Olli Staukästen auf dem Truckbett fertigt. Mehrere Tage ist Olli dann mit Sägen und Hämmern beschäftigt. Zusammen streichen wir die neuen Kästen und bei dieser Gelegenheit streichen wir auch gleich noch einmal die Unterseite des Campers. Leider wird die Arbeit zwischendurch immer wieder durch kleine Krankheitsfälle unterbrochen. Nicht nur das Ollis Magen einen Abend versagt, er knickt auch noch ungünstig mit dem Knöchel um, so dass er einen Abend komplett bewegungsunfähig ist. Zum Glück geht es dem Fuß am nächsten Tag besser und Olli begibt sich gleich wieder mit seinen Werkzeugen bewaffnet auf das Truckbett. Auch der Rücken leidet unter der körperlichen Anstrengung und so verbringt Olli nicht nur eine Nacht im Sitzen. Hier helfen die Massagen von Frank und die von ihm gereichten homöopathischen Mittel. Auch Andreas Kater Breiti bleibt nicht unfallfrei. Bei einem Kampf unter Katern wird er so stark verletzt, dass er genäht werden muss. Nun rennt der Arme mit einem Trichter um den Kopf herum und stößt überall gegen. Den kleinen haben wir so sehr ins Herz geschlossen, dass wir ihn am liebsten mitnehmen würden.

Bevor wir diese schöne Stadt verlassen, haben wir Andrea, Egmont und Frank zu einen Grillfest vor dem Camper eingeladen. Es ist wirklich sehr nett hier in der deutschen Community. Würden wir nicht noch bis Südamerika reisen wollen, könnten wir hier sesshaft werden. Doch zurück zum Grillabend: Wir haben Glück mit dem Wetter, denn es bleibt die ganze Nacht trocken und wir sitzen bei fast Vollmond erst um den Grill und anschließend um ein kleines Lagerfeuer. Olli, der Pyromane, schafft es mal wieder alleine bis 5 Uhr am Feuer zu sitzen. Am nächsten Tag wird der Camper reisefertig gemacht. Trotz oder gerade wegen der neuen Kästen auf dem Truckbett, gelingt das Aufschnallen des Campers so fix wie noch nie. Von hier werden wir nun endlich zur Halbinsel Yukatan aufbrechen.