Yukatán Halbinsel – 3. November 2009 bis 12. Januar 2010

Anfang November verlassen wir San Cristóbal de Las Casas endgültig. Nehmen Abschied von Andrea und Egmont, die uns so lieb bei sich aufgenommen haben und fahren zum zweiten Mal die windige Strecke nach Palenque. Wiederum kehren wir auf dem schönen Mayabell ein, doch viele der alten Bekannten sind nicht hier und das Wetter ist regnerisch. Wir lernen Giorgia und Fabrizio aus Italien kennen, mit denen wir dort drei nette Tage verbringen. Dann ziehen wir jedoch weiter. Unser nächstes Ziel ist Campeche, eine Hafenstadt am Golf von Mexiko, die wir erst bei Dunkelheit erreichen. Selbst bei Nacht kann man sehen, dass die Stadt einmal sehr reich war, denn die Häuser sind groß und sehr schön, es ist sehr sauber und am anderen Ende des Ortes haben sich amerikanische Ketten und Einkaufszentren niedergelassen. Wir fühlen uns absolut sicher und stellen uns nach einem Einkauf bei Walmart einfach in einer der gut beleuchteten breiten Straßen zum Schlafen. Am nächsten Tag erkunden wir dann Campeche. Da die Küstenstadt schon zur Zeit der spanischen Kolonialherrschaft sehr reich war, war sie gleichzeitig beliebtes Ziel vieler Piraten. Man beschloss darum, einen Schutzwall um die gesamte Stadt zu erreichten, von dem heute leider nur noch einzelne Stücke und ein paar Tore übrig sind. Wir durchschreiten eines dieser Tore und befinden uns zwischen bunten, schön restaurierten Kolonialstilhäusern. Die Straßen verlaufen im Schachbrettmuster und es ist ziemlich heiß zwischen den Steinmauern, denn Schatten spendende Bäume gibt es nicht. Der Zocalo lädt mit seiner schönen Parkanlage allerdings zum Rasten ein.

Als wir Campeche verlassen, beginnt es bereits wieder zu regnen. Eigentlich sollte schon längst das Ende der Regenzeit eingeläutet sein, aber wir haben erfahren, dass ein Zyklon über Yukatán fegt. Wir fahren weiter nach Norden und erreichen die Ausgrabungsstätte Uxmal passend zur Lichtshow. Allerdings ist die Show nicht so beeindruckend, wie wir uns das vorgestellt hatten, doch trotzdem ist es ein mystisches Gefühl hier im Dunkeln zwischen den angeleuchteten Ruinen zu sitzen. Da man für 100 Pesos auf dem Parkplatz der archäologischen Stätte übernachten kann, gehören wir am nächsten Morgen mit zu den ersten Besuchern. Die freigelegten Gebäude sind im Puuc-Stil erbaut, dass heißt, sie sind reich mit Masken und Mosaiken verziert. Vor allem der Regengott Chaac ist mehrmals abgebildet. Eine weitere Besonderheit Uxmals sind die Wasserzisternen zum Sammeln von Regenwasser, denn es gab keine natürlichen Wasserquellen. Die Anlage ist wunderschön gepflegt und zwischen Bäumen gelegen. Highlights sind der zentrale Platz, den wir schon gestern Abend bewundern konnten, mit der 32 m großen Pyramide des Wahrsagers dahinter. Diese Pyramide ist einzigartig, denn ihr Grundriss ist oval und tatsächlich ist es nicht nur eine Pyramide sondern es sind 5, die über mehrere Jahrhunderte erbaut wurden. Der Ballspielplatz ist gut erhalten und hier sehen wir auch das erste Mal ein vollständig erhaltenes Tor, also einen Steinring an einer der Wände, durch die der Hartgummiball damals durchmusste.

Wir haben uns heute viel vorgenommen, denn direkt im Anschluss begeben wir uns zur Puuc Route, eine Strecke an der sich mehrere Ruinenstätten im Puuc Architekturstil befinden. Sie wird aber auch Puuc Route genannt, weil sie sich im Hügelland Yukatáns befindet, was sonst flach ist. Hügelland in Maya heißt Puuc. Wir beginnen mit der ehemaligen Stadt Kabah, die durch einen weißen Weg, einem so genannten Sacbe, mit Uxmal und auch anderen Ruinenstätten der Region verbunden war. Heute steht dort nur noch ein Tor. Empfangen wird man in Kabah von einem hellen Palast und einem großen Haus, beide noch ziemlich gut erhalten. Das Haus war über und über mit Chaac-Masken verziert. Einige von ihnen zieren mittlerweile allerdings den Boden. Trotzdem sieht es immer noch sehr beeindruckend aus. Hinter einem der Gebäude entdecken wir zwei relativ große Figuren, die dreidimensional dargestellt sind. Das ist sehr selten bei den Maya. Alles ist ganz ruhig, denn wir haben die Ruinen für uns ganz alleine – mal abgesehen von den Mücken, die zwischen den Bäumen auf uns warten. Die nächste Ruinenstätte ist Sayil, mit einem langen dreistöckigen Palast, dem Mirador - ein einzeln stehendes kleines Gebäude mit einem mächtigen Kammdach, und gleich dahinter die Stehle des Fruchtbarkeitsgottes, dargestellt durch ein riesiges Glied zwischen den Beinen. Wir treffen ein deutsches Paar, die uns berichten, dass Campeche kurz nach unserer Abreise wegen des Regens im Verkehrschaos steckte. Die beiden treffen wir auch an der nächsten Station wieder, der ehemaligen Stadt Labná. Hier genau wie in den anderen Stätten, sind viele Gebäude noch gar nicht ausgegraben. Die wichtigsten sind der sich langstreckende Palast, mit 67 Räumen, ein kleines Gebäude auf einem spitzen Hügel mit Hahnenkammdach und der große Torbogen zu dessen Füßen. Die ersten Regentropfen zwingen uns zum Rückzug, doch wir haben Glück, denn in der Richtung, in die wir fahren, wird es wieder hell.

So erreichen wir die ‚Grutas de Loltún’ bei Sonnenschein. Die Anlage um die Höhle ist gepflegt, der Eintrittspreis hat es in sich, aber am besten ist das riesige Schild, welches darauf hinweist, dass die Führer nicht im Eintrittspreis enthalten sind. Wünscht man sich sonst in den Museen doch wenigstens eine englische Übersetzung, so ist diese Information gleich in 5 Sprachen angeschlagen. Der uns zugeteilte englischsprachige Führer (man darf die Höhle zwar ohne Helm, aber nicht ohne Führer betreten), weist uns sogleich auch noch einmal darauf hin und teilt uns netterweise auch gleich seine Gehaltsvorstellungen im dreistelligen Bereich mit. Wir denken uns unseren Teil. Gemeinsam steigen wir also die Stufen zur Grotte hinab, die sich zum Teil ganze 80 m unter der Erde befindet und die größte der Yukatán Halbinsel ist. Schon der erste Blick in die riesige Höhle verschlägt uns den Atem. Es ist wirklich Wahnsinn, so weit das Auge reicht sieht man von der Decke hängende Stalaktiten und andere bizarre Steinformationen, die durch verschiedenfarbige Scheinwerfer angestrahlt werden. Circa einen Kilometer geht es nun durch dieses unterirdische Formenparadies. Der Boden ist gewellt wie Meerboden, jedoch schwarz. Das kommt daher, erklärt uns unser Führer, dass die gesamte Yukatán Halbinsel einst mit Wasser überzogen war. Wir erfahren auch, dass sich hier die Maya vor den spanischen Eroberern versteckt hielten, allerdings doch entdeckt wurden. Dabei haben die Spanier auch viele Teile der Höhle zerstört. Doch noch bevor die Maya die Höhle nutzten, lebten hier schon Menschen kurz nach der Eiszeit, die Handabdrucke, Mammut- und Säbelzahntigerknochen hinterließen. Loltún heißt übrigens Blume und damit sind die Stalagmiten und Stalaktiten gemeint. Wir sind wirklich sehr glücklich, den Weg hierher gemacht zu haben, denn ursprünglich waren wir uns gar nicht sicher, ob die Höhlen wirklich sehenswert sind. Unser Führer ist offenkundig über unsere 70 Pesos Trinkgeld enttäuscht, denn nach Geldübergabe stellt er jegliche Kommunikation ein. Über so viel Dreistigkeit können wir nur den Kopf schütteln.

In Mani, wo die größte Kirche der spanischen Glaubensumerziehung auf uns wartet, ist es bereits dunkel und es regnet stark. Unverrichteter Dinge fahren wir weiter nach Mérida. Diese große Stadt mit ca. 1 Mio. Einwohner wird durch eine Periferico begrenzt. Da wir den einzigen Trailer Park im Dunkeln nicht finden, verbringen wir die Nacht auf dem riesigen Parkplatz einer Einkaufsmall. Gegen 3 Uhr werden wir von Blaulicht geweckt. Als wir vorsichtig durch die Fenster spionieren, entdecken wir zwei Polizeiautos und mehrer Polizisten, die wild miteinander diskutieren. Es geht eindeutig um uns die ‚Gringos’. Warum sie nicht klopfen, ist uns ein Rätsel, aber wenn sie uns nicht direkt verhaften, tun wir auch so, als wären wir gar nicht zu Hause. Und wirklich, nach ein paar Minuten, fahren die Autos davon und zwar zur gegenüberliegenden Bank, um dort mit ihren Taschenlampen die bösen Bankräuber aus dem „unauffälligen“ amerikanischen Camper auf frischer Tat zu ertappen. Wir schlafen weiter und hoffen, dass sie uns nicht doch unbemerkt eine Kralle ans Auto gemacht haben, doch am nächsten Morgen, ist das Auto unversehrt.

Da wir beide keine Lust auf Stadt haben, verlassen wir Mérida wieder. Diesmal Richtung Norden, nach Dzibilchaltún. Es ist eine der ältesten Mayastätte auf Yukatán (von 1500 v. C. bis zur Entdeckung durch die Spanier 1540), wurde allerdings erst 1940 wieder entdeckt. Hier besichtigen wir das ‚Haus der sieben Puppen’. Bei diesem handelt es sich um einen astrologisch exakt ausgerichteten Tempel. An den beiden Equinochs-Tagen des Jahres strahlt die Sonne genau in die Öffnungen und badet das Innere des Gebäudes in gleißendes Licht. Bei seiner Ausgrabung fand man sieben verunstaltete Puppen – daher also der Name. Ein weißer Sacbe führt uns nach einem Kilometer zum zentralen Platz, wo groteskerweise zwischen Pyramidenruinen die Ruine einer Kapelle thront. Die Ruinen sind nicht sonderlich spektakulär, außer vielleicht dem Gebäude 44, welches mit 130 m eines der längstens der Mayabaukunst ist. Man kann die gesamte Länge obendrauf ablaufen und hat von hier einen herrlichen Blick auf die gesamte Anlage, die sehr ruhig und wenig besucht ist. Den Nachmittag verbringen wir an der wunderschönen Cenote Xlacah. Eine Cenote ist ein schachtartiges Loch aus Kalkstein, welches durch den Einsturz einer Höhle entstanden und mit Süßwasser gefüllt ist. Die Maya gaben diesen Wasserlöchern ihren Namen und betrachteten sie als Eingänge zur Unterwelt, weshalb sie sie nicht nur als Wasserreservat sondern auch als religiöse Opferstätten nutzten. Diese hier allerdings nicht. Als wir das Wasser erreichen, werden wir erst einmal von einem Krankenwagen empfangen. Anscheinend hat es hier gerade einen kleinen Unfall gegeben, doch wir erfahren keine Einzelheiten. Kurz darauf sind wir ganz alleine mit einem alten Mann, der aussieht, wie man sich einen Schamanen vorstellt. Seine Haut ist ganz braun und knittrig. Erst haben wir Angst, ins Wasser zu gehen, das Ungewohnte halt. Außerdem wimmelt es nur so von kleinen Fischen, die es auf Ollis Füße abgesehen haben. Er jauchzt und schreit au, au, so dass man wirklich denken könnte, die Fische beißen. Der Alte springt unbesorgt ins kühle Nass und wir geben uns einen Ruck und tun es ihm nach. Das Wasser ist herrlich und die Fische stören plötzlich auch nicht mehr.

Nach diesem ausgiebigen Badespaß fahren wir weiter nach Progreso, einer kleiner Küstenstadt am Golf von Mexiko. Besonders die Menschen aus Mérida verbringen hier ihre Wochenenden, doch wir fahren hindurch und weiter zum winzigen Fischerdörfchen Chelem. Hier nisten wir uns für eine ganze Woche bei dem ruhigen Hotel Bienestar ein. Es hat einen Pool, den wir für uns ganz alleine haben, denn wir sind die einzigen Gäste. Von dort erkunden wir Progreso mit seinem langen Malecón und den guten Fischrestaurants, erledigen einige Arbeiten am Camper, waschen und entspannen. Wir verlassen Chelem, fahren zurück nach Mérida, stellen den Camper auf den RV-Park und erkunden die Stadt per Bus und zu Fuß. Wir gehen in kein Museum sondern wandern nur so durch die Straßen und über die Plätze und treffen einen ehemaligen Biologieprofessor aus Alabama, mit dem wir sehr lange reden. Abends sitzen wir auf dem Zocalo und lernen Leo und seine Freunde kennen, mit denen wir später im Mayan Pub bei einem Reggae-Konzert landen. Es ist ein lustiger Abend, doch gegen Mitternacht machen wir uns langsam Sorgen, ob wir so ohne weiteres um diese Zeit in den Trailerpark gelangen werden. Wir wissen nicht, ob und wann das Tor geschlossen wird, denn wir hatten bei unserer Ankunft niemanden angetroffen. Als wir dann gegen 1 Uhr dort sind, ist die Angst mal wieder umsonst gewesen, das Tor ist offen und wir können müde in unser Bett fallen. Nach einem Großeinkauf in Mérida, fahren wir erneut nach Progreso, denn dort soll heute ein Musikfestival stattfinden. Leider erscheinen Leo und seine Freunde den ganzen Abend nicht, und auch das Festival entpuppt sich als ein Konzert auf einer einzigen Bühne, doch wir haben trotzdem unseren Spaß. Wir schwingen die Füße zu den gute Laune verbreitenden Ska-Klängen und amüsieren uns über die kleinen Mexikaner, die wie die wilden vor der Bühne tanzen. Auch treffen wir zwei Mexikaner, von denen mal wieder einer Deutsch spricht. Wir verbringen die Nacht gleich an Ort und Stelle und erwachen am nächsten Morgen dementsprechend mit Blick auf das ruhige Wasser des Golfes von Mexiko und Progresos 6 km langer Mole (angeblich die längste der Welt). Dann geht es über eine Küstenstraße in Richtung Celestún. Hier lebt eine riesige Flamingokolonie, die wir uns anschauen wollen. Doch schon auf dem Weg über eine kleine Straße mitten durch blaue Lagunen und grüne Mangroven machen wir Bekanntschaft mit den rosa Vögeln. Wir sind sehr überrascht und freuen uns riesig, die Flamingos hier in der freien Natur vorzufinden und nun nicht mehr gezwungen sind, viel Geld für eine Bootsfahrt in Celestún ausgeben zu müssen.

Unser nächstes Ziel ist Izamal, doch auf dem Weg dorthin besuchen wir noch die Hazienda San Ildefonso Teya aus dem Jahr 1683. Natürlich ist sie mittlerweile komplett restauriert, denn der neue Besitzer hat die zerfallene Anlage 16 Jahre in mühevoller Arbeit wieder aufpoliert. Es ist wirklich ein Schmuckstück und weil eine Hazienda immer auch eine Kapelle besitzt, wird das Anwesen heute oft für Hochzeiten und Tauffeiern genutzt. Besonders beeindruckt sind wir vom Poolhaus, einer Villa, in der sich zwischen weißen Säulen ein Pool mit Fontäne befindet. Wir erreichen Izamal nach Einbruch der Dunkelheit. Der Pastor erlaubt uns direkt neben Izamals Hauptattraktion zu nächtigen, dem großen Konvent San Antonio de Padua. Izamal ist mit ca. 20.000 Einwohnern relativ klein. Einstmals stand genau hier eine der schönsten und größten religiösen Stätten der Maya. Die spanischen Eroberer hatten nichts Besseres zu tun, als das jetzige Kloster genau über einem ehemaligen Tempel zu errichten und dessen Steine dafür zu nutzen. Zuerst besichtigen wir das Kloster von außen und innen. Der Innenhof ist einer der größten weltweit. 1993 besuchte Papst Johannes Paul II Izamal und dessen Kloster, das mit reichlich Blattgold, Mosaiken, Bleiglasfenstern und kristallenen Kronleuchtern geschmückt ist. Er versprach der indogenen Bevölkerung Unterstützung durch die katholische Kirche. Zweimal im Jahr kommen tausende Pilger zu den religiösen Prozessionen um dem Mariabild zu huldigen. Weiter geht es durch die Straßen von Izamal oder ‚Der gelben Stadt’, wie sie auch genannt wird. Sämtliche Gebäude sind nämlich in einem ockergelb angestrichen, auch wenn mittlerweile die Farbe schon wieder abblättert bzw. der Schimmel hindurchleuchtet. Rund um den Zocalo wird die Straße neu geteert, so sind zwar viele Polizisten, aber keine Autos unterwegs. An einem Marktstand können wir nicht widerstehen und schlagen noch einmal Hängemattentechnisch zu. Als wir der Meinung sind, genug gesehen zu haben, setzen wir uns ins Auto und fahren weiter Richtung Chitchén Itzá.

Wir wissen ja mittlerweile, dass es bei den Touristenzentren immer schwierig ist, einen Stellplatz zu finden und so biegen wir in einem Dorf kurz vor Chichén Itzá rechts ab, wo eine Cenote ausgeschildert ist. Hier können wir nach einem erfrischenden Bad in der kreisrunden dunkelblauen Cenote Yogdzonot auch übernachten. Gerade im Bundesstaat Quintana Roo gibt es die meisten Cenoten (765). Schon gegen 9 Uhr betreten wir die Mayastätte Chichén Itzá, welche 1988 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, allerdings nicht – wie viele behaupten – eines der neuen sieben Weltwunder ist. Es ist ein riesiges flaches Areal auf dem sich bereits hunderte von Touristen, als auch Verkäufer zwischen den ausgegrabenen Gebäuden tummeln. Es ist heiß und wir wandern durch die Anlage, immer wieder einen Schattenplatz suchend. Seit 2006 darf man die Ruinen nicht mehr besteigen, worüber wir nicht unglücklich sind. Die Händler bieten wunderschöne Masken und andere tolle Dinge an, sind aber nicht aufdringlich und wir haben mit einigen viel Spaß. Mir gefallen besonders die schönen Totenköpfe aus Keramik und Olli kann sich bei den selbstgeschnitzten Zedern-Masken nicht zurückhalten. Wir besichtigen die wichtigsten Gebäude der Ruinenstätte und kommen uns dabei schon fast wie alte Hasen vor. Es ist wirklich eine sehr schöne Anlage, deren Besichtigung sich auf jeden Fall lohnt, auch wenn damit viel Geld gemacht wird (Eintritt 115 Pesos). Das einzige, was wir weniger schön fanden, ist die ‚Heilige Cenote’. Sie sieht fast wie die Cenote aus, in der wir einen Tag zuvor noch schwimmen waren, nur das diese hier grün und verdreckt ist. Kein Wunder, wenn dort die Menschenopferung stattgefunden hat. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Wasserzufuhr unterbrochen ist, denn hier wird bestimmt kein Wasser mehr umgewälzt. Wir verbringen fast den ganzen Tag in Chicken Pizza – böse Zungen behaupten, so würde der Amerikaner den Mayanamen Chichén Itzá aussprechen. Gegen 16 Uhr sitzen wir aber wieder im Auto und fahren nun in Richtung Karibikküste. Es ist bereits dunkel, als wir Tulum erreichen. Olli ist geschockt, denn er war vor 10 Jahren schon einmal hier. Überall wird gebaut und der ehemals kleine Ort hat sich inzwischen zu einer touristischen Stadt entwickelt. Sogar in einer Taceria in einer kleinen Seitenstraße zahlen wir für unsere Tacos einen enormen Preis, über den sich Olli noch eine ganze Woche ärgern wird.

Wie bereits vermutet, wecken uns die Bauarbeiter gegen 7 Uhr. Nach einem ausgiebigen Tortafrühstück sind wir dann schon 8:15 Uhr bei den Tulum-Ruinen. Wir sind die ersten auf dem Parkplatz oder vielleicht auch nur die einzigen, denn die Wächterin möchte doch sage und schreibe 50 Pesos nur fürs Parken. Olli versucht noch eine kleine Diskussion anzufangen, aber das bringt natürlich gar nichts. Zu den Ruinen führt nun eine ca. 1 km lange Straße (die man auch mit einem Zug befahren kann, was natürlich extra kostet!), immer schön an den Mangroven vorbei, so dass man schon hier die ersten Mückenstiche erntet. Gut, das wir unser Repellent dabei haben, denn auch innerhalb der Ruinen wimmelt es zu dieser frühen Stunde von Mücken. Wir sind dann doch nicht die ersten auf dem Gelände, aber es sind noch nicht sehr viele Leute dort und der große Ansturm beginnt ca. eine Stunde später, als wir bereits auf dem Rückweg sind. Die Ruinenanlage erscheint uns nicht spektakulär. Die Gebäude sind klein und schnell abgeschritten. Natürlich ist das Highlight dieser Stätte die Karibik im Hintergrund. Der Sand strahlt weiß und das Wasser dahinter in unterschiedlichsten Blautönen. Die meisten Besucher stürzen auch gleich runter ins Wasser. Da wir wissen, wir werden die nächste Zeit an solch einem Strand verbringen, verzichten wir, gehen nach unserem Rundgang zurück zum Auto, erledigen ein paar Dinge in der Stadt und fahren dann endlich zu dem Ort an der mexikanischen Karibikküste, den uns schon viele andere Traveller empfohlen und für den auch wir uns entschieden haben.

Das ist Xpu-Ha, ein Strandabschnitt der noch in Mayahand ist und auf dem bislang kein großes Ressorts steht, denn von denen wimmelt es hier nämlich nur so. Das wird uns schon bewusst, als wir die 25 km von Tulum bis Xpu-Ha zurücklegen. Zuerst landen wir auf dem Bonanza Campground, doch hier haben sich die Langzeitcamper so geschickt verteilt, dass wir entweder in der direkten Sonne oder in der Mitte des Platzes stehen würden. Wir stellen das Auto dort ab und erkunden zu Fuß die Umgebung. Auf dem benachbarten La Playa Campground entdecken wir Vera und Dirk, die zwar nicht aus Bielefeld kommen, doch Bielefeld heißen. Sogleich werden wir von den beiden zu einem kühlen Getränk eingeladen, anschließend begleitet uns Dirk zu Charlio, dem Grundstücksbesitzer, der uns mehrere Plätze anbietet. Wir entscheiden uns für einen ruhigen Platz hinter einer Düne. Hier haben wir Schatten, kaum Nachbarn und wenig Wind, allerdings auch keinen Meerblick. Sogleich geht es ins herrlich seichte, türkisfarbene Wasser. Endlich sind wir angekommen!

Nachdem wir unseren anfänglichen Schock über die hohen Preise und die Eroberung der Karibikküste durch den US-Amerikaner überwunden haben, leben wir uns in diesem kleinen Restparadies vollkommen ein. Der Camper ist abgeschnallt und so können wir die Umgebung mit dem Auto erkunden. Natürlich fahren wir nach Cancun, um uns dort einmal die riesigen weißen und teuren Hotels auf Cancuns vorgelagerter schmaler Insel anzuschauen. Playa del Carmen wird unsere Versorgungsstadt für die nächsten Wochen, denn hier gibt es mehrere große Supermärkte und sogar ein hypermodernes digitales Kino, in dem wir uns zu Ollis Geburtstag „Avatar“ in 3D anschauen. Ein Highlight wird für uns das Schnorcheln zwischen wunderhübschen, großen Meeresschildkröten, die gemächlich das Seegras rupfen, während wir sie von der Wasseroberfläche aus beobachten. Ein Ausflug ins 5000 m2 große Naturschutzgebiet Sian Ka’an zeigt uns, dass noch nicht die ganze Küste dem Bauboom preisgegeben wird. Hier, zwischen Lagune und Meer kann man verschiedenste Vögel und andere Tiere, wie z. B. Manatees beobachten. In den fast acht Wochen, die wir am Strand von Xpu-Ha – was übrigens Morgentau in Maya heißt - verleben, lernen wir viele andere Reisende kennen. Viel Zeit verbringen wir mit Anja und Holger, zwei sehr lieben Motorrad-Weltreisenden, die so einige interessante Abenteuer ihrer Fahrt zu berichten haben und mit denen wir ca. 1000 Milchkaffee schlürfen. Ein ganzes Wochenende erleben wir ein Kite-Surf-Contest, der mit einem Maya Morgengruß beginnt und mit toller Musik endet. Ich erfülle mir einen Traum und mache neben einem Discovery Tauchgang, meinen PADI Tauchschein. Es macht unwahrscheinlich viel Spaß, die Unterwasserwelt zu erkunden. Die Leute von der Tauchschule, die sich genau gegenüber unserem Stellplatz befindet, sind alle sehr nett und meine Angst vor dem Wasser ist wie weggeblasen. Unser Weihnachtsfest verbringen wir mit den anderen Campern an einer langen Tafel mitten auf dem Strand. Es wird gegrillt und geklönt. Silvester gibt es dann eine richtige Party, die hier jedes Jahr von der Tauchschule organisiert wird. Wir tanzen, trinken und essen und Olli hat sogar das Glück am nächsten Morgen ein Naturwunder zu erleben, welches nur alle 60 Jahre eintrifft. Der dunkelrote Ball der aufgehenden Sonne steht dem silberweißen Vollmond gegenüber.

Als wir dann aufbrechen, geht die Reise weiter über die Lagune Bacalar, die man auch die Lagune der sieben Farben nennt. Auch hier ist das Wasser glasklar und sauber. Die letzten Tage in Mexiko verbringen wir auf dem mit allen Annehmlichkeiten ausgerüsteten Campplatz in Chetumal, von wo aus wir die Grenze nach Belize in Angriff nehmen. Adios Mexico, wir haben dich über neun Monate sehr genossen. Trotz vieler Warnungen, haben wir in diesem wunderschönen Land nie etwas Negatives erlebt. Die Menschen sind überall gastfreundlich und hilfsbereit, landschaftlich und kulturell bietet Mexiko für jeden etwas. Wir sind wirklich sehr begeistert und kommen bestimmt irgendwann wieder.