Lago de Atitlán – 30. Juni bis 30. Juli 2009

Für unseren Standort an einem der schönsten Seen der Welt – wie Alexander von Humboldt schon bemerkte – haben wir uns den kleinen Ort Panajachel (15.000 Einwohner) ausgesucht. Nicht nur, weil wir von anderen Reisenden wissen, dass es hier verschiedene Stellplatzmöglichkeiten gibt sonder auch weil unsere Spanischlehrer in Xela von der Stadt schwärmen. Das gesamte Gebiet um den See befindet sich auf ungefähr 1600 m und hat damit das ganze Jahr ein angenehmes Klima. Beim Hotel Tzanjuyú, am Ortseingang, biegen wir von der Hauptstraße ab. Auf dem riesigen Grundstück steht das rosafarbene Hotel umgeben von einer farbenfrohen Gartenanlage direkt am See. Der Angestellte verweist uns auf eine große Wiese hinter dem einzeln stehenden Restaurant und dem Pool. Hier haben wir Wasser- und Stromanschluss. Das Restaurant ist geschlossen und wie das Hotel, ziemlich heruntergekommen. Der Pool ist allerdings sauber und wird von uns in den nächsten Wochen oft genutzt, zumal wir auch die einzigen Gäste hier sind. Unser Blick auf den blauen See mit seinen herabstürzenden grünen Hängen ist traumhaft. Die drei Vulkane San Pedro (3020 m), Tomitlán (3158 m) und Atitlán (3537 m) sowie der kleine Cerro de Oro (1892 m) direkt davor, befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite des Sees und machen das Bild perfekt. Wir haben wieder einmal das Gefühl, im Paradies gelandet zu sein.

Der 126 qm große See liegt 1560 m über dem Meeresspiegel. Er ist vulkanischen Ursprungs und füllt heute einen riesigen Krater, der durch das Zusammenbrechen der früheren Vulkane entstand (vor ca. 84.000 Jahren). Das erklärt auch seine unglaubliche Tiefe von 320 Metern, was ihn zum tiefsten See in ganz Zentralamerika macht. 1955 wurde der See sogar zum Naturpark erklärt.

Die Bootsanlegestelle nach San Pedro la Laguna befindet sich fast vor unserer Campertür, was für uns Anlass ist, San Pedro zu unserem ersten Ausflugsziel über den See zu machen. Eine der kleinen Lanchas bringt uns zuerst nach San Juan la Laguna, wo wir spontan aussteigen, um uns das kleine Dorf anzuschauen. Der ruhige Ort beherbergt einige Sprachschulen und Galerien und am heutigen Tag eine Prozession, die sich mit Musik und Weihrauch die Hauptstraße entlang windet. Bei strahlendem Sonnenschein wandern wir nach San Pedro, dem touristischsten Ort am Lago. Hier haben sich viele Amerikaner niedergelassen und fast an jeder Ecke Hotels, Cafés und Restaurants eröffnet, die sich heute einen erbitterten Preiskampf liefern. Da San Pedro in einer wunderschönen Bucht liegt, kann man es hier sicherlich einige Tage in der Hängematte liegend aushalten. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang durch den Ort und stärken uns anschließend in einem der zahlreichen Seerestaurants auf Stelzen, mit wunderbarem Blick über die blaue Lagune.

In den folgenden Tagen besuchen wir regelmäßig den Ort Panajachel oder Pana, wie er in Guatemala genannt wird. Wir haben bestes Wetter, denn wir befinden uns zwischen der kleinen und großen Regenzeit, das heißt, der Nachmittagsregen bleibt aus. Es sind nur 10 min zu Fuß bis wir mitten in der Einkaufsstraße stehen, die vom Ufer des Sees mit seiner schönen Promenade, bis hinauf zur Hauptverkehrsachse des Ortes führt. Wir sind erstaunt, wie viele Verkaufsstände, Straßenhändler und Läden sich hier aneinander reihen. Kleine Seitenarme führen sogar noch zu weiteren Marktständen. Touristen bzw. Käufer gibt es dagegen nur wenige, denn die Angst vor der Schweinegrippe und die Wirtschaftskrise halten vor allem die amerikanischen Urlauber ab. Man kann die Verzweiflung der Händler spüren, die ihre Waren zu enorm günstigen Preisen verkaufen. Nebst einiger Baustoffhändler und vielen kleinen Läden, die die verschiedenen Dinge des alltäglichen Lebens anbieten gibt es auch einen gut sortierten Supermarkt und einen kleinen Wochenmarkt weiter oben im Ort. Gegenüber von unserem Stammcafé, wo es Internet und sogar einen Billardtisch gibt, befindet sich eine Wäscherei, die wir in den nächsten Wochen öfters besuchen werden.

Nach einigen Tagen kommen Anne Britt und Patrick, die wir schon in Palenque kennen gelernt hatten, auf den Rasen gerollt und bringen auch noch ein anderes deutsches Ehepaar mit. Auch Gisela und Jörg-Erich sind uns nicht unbekannt, denn eine Freundin aus Deutschland hatte uns schon von ihrem reisenden Kollegen berichtet. Die beiden bleiben allerdings nur wenige Tage in Panajachel, bevor sie weiter nach Norden fahren. Natürlich sind alle ganz angetan von den paradiesischen Zuständen auf der Wiese und dem herrlichen Blick auf den See. Gemeinsam grillen wir abends und als sich herausstellt, dass Anne Britt und Patrick Doppelkopf spielen, ist unser Schicksal für die nächsten 14 Abende besiegelt.

Doch nicht nur die Abende verbringen wir in lustiger Viererrunde sondern unternehmen auch zahlreiche Ausflüge mit den beiden. Zum Beispiel überqueren wir zusammen den See nach Santiago Atitlán. Der kleine Ort liegt in einer sehr schönen blauen Bucht mit direktem Blick auf den Vulkan San Pedro, der genau gegenüber in die Höhe ragt. Allerdings unterscheidet sich der Ort ansonsten nicht groß von Panajachel, denn auch hier zieren hunderte von Ständen und kleinen Läden die Hauptstraße. Hier in Santiago leben die Tz’utuhil Maya, die ihre wunderschönen Selbstgemalten Bilder in den Galerien anpreisen. Auch Maximón, der Gott der Hochland-Maya, ist in Santiago zu hause. Wir besichtigen die große Kirche, in der gerade eine Messe gelesen wird, schlendern über die Kirmes, die uns anscheinend von San Pedro hierher gefolgt ist, essen Tacos und Eis und begeben uns dann mit vollem Bauch und einigen Souvenirs in den Taschen zurück nach Panajachel. An einem anderen Tag leihen wir uns Kajaks und paddeln über den klaren See. Vom Wasser aus bestaunen wir die schönen Villen mit Hubschrauberlandeplatz und eigener Anlegestelle. Die wohlhabenden Leute aus Guatemala City verbringen hier ihre Wochenenden. Olli besucht mit Anne Britt und Patrick einen der größten indogenen Märkte Guatemalas in Chichicastenango. Um dorthin zu gelangen besteigen die drei einen der bunten und lauten Chickenbusse, der sie in den ca. 30 km entfernten Ort bringt. Die Händler haben schon am Vorabend ihre Stände aufgebaut und neben alltäglichen Dingen wird hier für Touristen jede erdenkliche Art von Souvenirs angeboten. Bei einer Umrundung um den Lago de Atitlán, bei der der Bulli über 100 km zurücklegt und mit teilweise schlechten und steilen Straßen zu kämpfen hat, erleben Olli und Patrick herrliche Ausblicke auf den See und Umgebung, besuchen die kleinen Dörfer rundherum und machen sogar einen fast 100 jährige Tramper glücklich.

Ein anderer Tagesausflug mit dem Bulli bringt uns alle nach Santa Catharina Palopó und San Antonio Palopó. Beide Orte liegen direkt am See, drei Seiten von hohen grünen Bergen eingeschlossen. Im letzteren parken wir das Auto direkt vor einem Töpferladen, in dem wir einmal die Arbeit am Webstuhl beobachten können und andererseits die Keramiksachen begutachten, die hier im Ort hergestellt werden. Nebenan befindet sich ein Laden mit bunten Stoffen und Souvenirs, wo wir kleine bunte Portmonees und Schlüsselanhänger erwerben. Im Zentrum des kleinen Ortes besichtigen wir die kleine Kirche mit einem Holzaltar und geschnitzten Statuen an den Wänden. Der Blick aus dem bogenförmigen Portal der Kirche auf den See darunter ist himmlisch. Überall bieten die indogenen Frauen ihre bunten Stoffen an und in Marias Laden erwerben wir eine der bunten Tischdecken und zwei Schals. Anschließend stiefeln wir auf den begradigten schmalen Wegen hoch hinauf ins Innere des Ortes, wobei wir von den traditionell gekleideten Einheimischen unverholen bestaunt werden. Auf dem Rückweg nach Panajachel laden wir eine ganze indogene Familie ein, die sich über unsere Geste sehr freuen.

Auch das Nachtleben erkunden wir gemeinsam. Auf dem Weg in die Stadt werden wir von unseren Hunden, die seit einiger Zeit von uns verwöhnt werden und dafür jede Nacht unseren Stellplatz bewachen, begleitet. Vor dem Club ‚Rumbar’, trennen sich allerdings unsere Wege und während die beiden nach Hause trotten, legen wir eine heiße Sohle aufs Parkett. Einer unserer letzten Ausflüge führt uns ins nahe gelegene ‚Reserva Natural Atitlán’, vorbei an Kaffeeplantagen und großzügig angelegten Hotels. In diesem Bioreservat wandern wir über kleine Pfade, Treppen und Hängebrücken durch dschungelartiges Terrain, beobachten Spidermonkeys in den Bäumen, bestaunen die verschiedenen Kaffeepflanzen und bunten Blumen, Wasserfälle und die waghalsigen Besucher, die hoch über den Baumwipfeln in halsbrecherischer Geschwindigkeit über Drahtseile gleiten (Canopying).

Nach einem letzten Doppelkopfabend, einem gemeinsamen Frühstück und Abschiedsfotos am Pool, verabschieden wir uns von Anne Britt und Patrick, die sich nun nach Xela aufmachen. Wir dagegen fahren in die entgegengesetzte Richtung nach Antigua Guatemala. Wir nehmen nicht die Interamericana sondern die kleinen Straßen, die sich wieder einmal Schwindel erregend durch die grünen Berge winden.