Xela – 06. bis 30. Juni 2009

An einem Samstag fahren wir vom mexikanischen Comitán zur 80 km entfernten Grenzstadt Ciudad Cuauhtémoc. Die mexikanische Grenze ist ganz leer, es gibt einen bewachten Parkplatz und eine schnelle Abwicklung. Wir lassen uns ausstempeln, den Aufkleber am Auto entfernen und weiter geht’s. Nun wird es spannend. Nach ca. 4 Kilometern „Niemandsland“ kommt der guatemaltekische Grenzort La Mesilla. Die Straße ist plötzlich gerammelt voll und unübersichtlich, denn hier scheint nicht nur der Grenzübergang, sondern auch ein Markt zu sein. Ein netter Herr weist uns einen Platz zum Parken an und während wir bei ihm unsere ersten Quetzales (Q) eintauschen, werden unsere Autoreifen für 40 von diesen, von einem Grenzbeamten desinfiziert. Dann müssen wir 20 m weiter fahren und die Pässe abstempeln lassen, was wieder nur 10 Minuten dauert. Und schon stehen wir am dritten und letzten Häuschen - für den Autoimport. Das kostet uns wiederum 40 Q und nur wenige Minuten und schon sind alle Grenzformalitäten erledigt. Wir sitzen also nach nicht einmal einer Stunde wieder glücklich im Auto und schieben uns durch die enge Straße nach Guatemala hinein. Autos in beide Richtungen müssen sich zwischen den vielen Marktständen durchfädeln, aber da alle lieb und hilfsbereit sind, klappt das sehr gut. Nun führt eine sehr gute Strasse an herrlich grünen Bergen vorbei, die sich links und rechts wie riesige Zipfelmützen erheben. Immer wieder durchfahren wir kleinere Ortschaften, sehen sehr viele indogene Menschen, die ersten bunten Chickenbusse, Topes, die hier Tumulus heißen und einmal sogar ein von Schüssen durchlöchertes Auto, um das sich ca. 100 Menschen versammelt haben.

Wir erreichen unser Ziel - Quetzaltenango - am frühen Nachmittag und schlängeln uns durch die uns fremden Straßen. Leider haben wir überhaupt keine Ahnung, wo sich die Sprachschule befindet, an der Olli vor 6 Jahren schon einmal einen Kurs gemacht hat. Also parken wir in einer breiten Straße vor einem Internetcafé, suchen schnell die Telefonnummer heraus und rufen von dort auch gleich in der Sprachschule ‚Spanish School La Paz’ an. Witzigerweise meldet sich Marlene, eine Deutsche, am anderen Ende und bittet uns gleich hinzukommen. Da das mit dem großen Auto allerdings nicht möglich ist, parken wir in der Nähe und ich gehe zu Fuß weiter. Wenige Minuten später stehen ca. 8 Leute mit uns am Camper und überlegen, wo wir wohl einen angemessenen Stellplatz finden könnten. Am Ende und nach einigem Hin und Her, können wir in einem ummauerten Regierungsinstitut, mit eigenem Pförtner und allem drum und dran stehen. Einziger Nachteil sind die 2 km Fußweg bis zur Schule. Aus diesem Grund wechseln wir nach drei Tagen unseren Stellplatz noch einmal und stehen nun auf einem wirklich sehr zentralen öffentlichen Parkplatz direkt vor der Salsa-Tanzschule in Xela (300 Q für 3 Wochen).

Quetzaltenango oder Xela, wie die Leute den Ort nennen, ist eine der größeren Städte in Guatemala. Hier leben ca. 150.000 Menschen und wir befinden uns auf 2.200 m Höhe. Dementsprechend angenehm ist das Klima. Die quirlige Stadt ist von mehreren Vulkanen und Bergen umgeben, auf die wir einen wunderbaren Blick vom Patio unserer Sprachschule aus haben. Unser Lieblingsort in Xela wird schnell das El Tecun, die älteste Bar in Guatemala. Sie befindet sich in einem wunderschönen klassizistischen Gebäude direkt am zentralen Platz, dessen hohe Jugendstilpassage der in Mailand nachempfunden wurde und unter der man die wohl leckerste Pizza Guatemalas essen kann. Doch Xela hat noch viele andere gute Cafés, Bars, Restaurants und Clubs zu bieten. Trotz der Vielzahl der Sprachschulen ist es touristisch nicht so überlaufen wie Antigua, was vielleicht an der schrecklichen Infrastruktur liegen mag. Als Fußgänger muss man in Xela immer auf der Hut sein. Die Bürgersteige sind oft 30 cm hoch oder sogar höher. Über kleine Stufen geht es immer wieder auf und ab und die Hauszufahrten, die die Bürgersteige unterbrechen, sind oft so schräg, dass man fast auf die Straße kippt, wenn man darüber läuft. Dazu kommt, dass sie sehr oft nur 50 cm schmal sind und bei Gegenverkehr muss mindestens eine Person auf die Straße ausweichen. Ab und zu wartet auch noch ein dicker Laternenmast auf, der auch nur durch einen schnellen Sprung auf die Straße umrundet werden kann. Hier aber fahren die Autos wie die wilden durch die engen Gassen. Gebremst wird nur ungern, dafür aber viel gehupt. Leider bestehen die Straßen oft nur aus sehr schlechtem Kopfsteinpflaster mit vielen Löchern, sodass man im Dunkeln immer aufpassen muss, dass man sich nicht die Beine bricht. Aber man gewöhnt sich an alles und schon bald kennen wir die Straßen von Zentral-Xela in und auswendig. Die Stadt bietet alles was man braucht. Sogar ein größerer Supermarkt mit den alltäglich notwendigen Dingen befindet sich gleich um die Ecke. Als Alternative bieten sich aber auch der tägliche Markt mit frischem Obst und Gemüse sowie die vielen kleinen Läden, die in Guatemala mit Eisengittern gesichert sind, zum Einkaufen an.

Die nächsten drei Wochen besuchen wir also die Sprachschule ‚La Paz’, die von den drei Schwestern Angelica, Paula und Anna betrieben wird. Die drei können sich sogar noch an Olli erinnern. Der Unterricht beginnt morgens um 8 Uhr und geht fünf Stunden, also bis 13 Uhr und zwischendurch gibt es eine halbe Stunde Pause. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass uns das frühe Aufstehen ganz schön schwer fällt, aber die lautstarken Aerobic-Stunden in der Tanzschule um 6 Uhr morgens helfen uns beim Rauskommen. Die erste Woche sind Olli und ich wahre Musterschüler. Direkt nach dem Unterricht, setzen wir das Lernen zu Hause fort, gehen nicht aus und fallen gegen 21 Uhr todmüde in die Falle. Die Sprachschule hat natürlich auch nachmittags Freizeitangebote, an denen wir anfangs nur bedingt, aber dann regelmäßig teilnehmen, wie zum Beispiel der Besuch eines Bades, welches von heißen Quellen der Umgebung gespeist wird. Der Salsakurs, der jeden Donnerstag in der Sprachschule angeboten wurde, macht besonders viel Spaß und so gehe ich zusätzlich zu manchen Kursen der Tanzschule. Doch auch während des Sprachunterrichtes wird aber nicht nur gelernt, sondern auch gekocht und gefeiert, denn es gibt immer mal wieder einen Abschied oder einen Geburtstag zu zelebrieren. Wir schauen außerdem spanischsprachige Filme, gehen gemeinsam auf den Markt, trinken Schokolade in einem Café, welches sich auch in Berlin befinden könnte oder gehen zum Menoniten-Bäcker, der wirklich dunkles Brot anbietet.

Durch verschiedene Veranstaltungen der Schule erfahren wir mehr über die Kultur der Maya sowie über deren Rechte und den Mayakalender. Gemeinsam mit Anna und den anderen Schülern fahren wir einen Tag an den Strand von Champerico, was südlich von Xela liegt. Dafür müssen wir auch am Samstag sehr früh raus, da wir mehrere Stunden mit dem Chickenbus unterwegs sind. Leider ist das Wetter am Wasser nicht so berauschend, aber dafür essen wir leckere Schrimps und haben auch so einen wunderschönen und lustigen Tag. In Xela bietet sich auch mal wieder die Möglichkeit auszugehen. So landen wir zwei Abende in zwei verschiedenen Clubs, wo wir das Tanzbein schwingen. Während unseres Aufenthaltes in Xela, besuchen uns sogar Els und Jeff für zwei Tage. Es freut uns sehr, die beiden Belgier noch einmal zu treffen. Die drei Wochen Sprachunterricht gehen so schnell vorüber. Da fast alle Sprachschüler zur gleichen Zeit abreisen, wird für den großen Abschied ein Schulgrillen veranstaltet. Die Zutaten kaufen wir zuvor auf dem großen Markt in Xela und bereiten alles gemeinsam vor. Wir sind sehr traurig, uns von allen zu verabschieden. Am letzten Wochenende in Xela besuchen Olli und ich den Berg Baul. Vom Parque Central nehmen wir einen Trollibus, der uns in 30 Minuten den Berg hinaufbringt. Dazu erzählt ein Guide interessante Dinge über die Gegend und die Stadt. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf Quetzaltenango. Wieder zurück am Parque Central gehen wir ins Café Balkon Enrique, wo man von oben bei einem Stück Kuchen auf den Platz schauen kann.

Bevor wir Xela verlassen, wird noch einmal Wäsche gewaschen, der Kühlschrank gefüllt und sonstige Dinge erledigt. Gegen Mittag verlassen wir die Stadt, die für uns wieder wie eine kleine Heimat geworden ist und fahren zu unserem nächsten Ziel auf dieser Reise, den Lago de Atitlán.