Belize – 15. bis 18. Januar 2010

Nachdem wir noch einmal einen Tag auf dem RV-Park in Chetumal ausgeruht haben, geht es am Freitag, den 15. Januar nach Belize. Die Grenze befindet sich gleich bei Chetumal. Wir folgen den Schildern, neugierig auf das, was uns erwartet. Auf mexikanischer Seite lassen wir an einem kleinen Häuschen die Pässe ausstempeln. Die Hilfe der Schlepper, die hier überall herumstehen, lehnen wir ab, denn das bekommen wir als mittlerweile alte Grenzhasen alleine hin. Nun muss das Auto ausgestempelt werden, was gleich gegenüber am Außenschalter eines großen Gebäudes erfolgt. Unser mexikanisches Geld haben wir fast vollständig an der letzen mexikanischen Tankstelle für Süßes und Zigaretten ausgegeben. Die letzten 120 Pesos können bei einem deutschen Reisenden, den wir an der Grenze kennen lernen, in Belize Dollar tauschen. Damit haben wir hier alles erledigt und es ging wieder einmal sehr schnell, denn an beiden Schaltern waren wir die einzigen Touristen. Nun fahren wir über eine große Brücke, auf der sich der Verkehr allerdings nur in die Gegenrichtung staut. Gleich auf der anderen Seite der Brücke steht rechts das kleine Hüttchen einer Versicherung. Wieder haben wir einen Schlepper an der Backe, der uns gleich die Papiere abnehmen möchte, aber nichts da. Wir gehen selber rein, kaufen die Versicherung für eine Woche Belize (15 USD) und fahren dann 500 m weiter zur Reifendesinfizieren für 5 USD. In einer großen Halle auf der linken Seite der Straße geht es zur Immigration nach Belize. Das Auto lassen wir auf dem großen Parkplatz vor dem Gebäude. Drinnen ist es genau so leer, wie auf der mexikanischen Seite. Hier werden erst unsere Pässe, dann speziell Ollis Pass fürs Auto abgestempelt und nun können wir durch die Grenzschranke, wo das Auto noch einmal inspiziert wird. Entgegen aller Bedenken die wir hatten, guckt der freundliche Schwarze überhaupt nicht nach Lebensmitteln oder Alkohol sondern schwärmt die ganze Zeit von unserem fahrenden Zuhause. Nur gut, dass wir den Kühlschrank und das Eisfach fast leer gemacht haben. Aber egal. Wir sind in Belize, und das nicht einmal eine Stunde später.

Wir fahren eine relativ gute, einsame Straße in das Land, welches nur knapp 23.000 km2 misst, hinein. Es ist flach und sehr grün. Ab und zu durchqueren wir ein Dorf, können aber nicht, wie im Reiseführer beschrieben, eine besonders auffällige Armut feststellen. Natürlich gibt es das ein oder andere baufällige Haus aus grauem Holz, aber es gibt genau so viele wunderschöne Stein- oder bunt angestrichen Holzhäuser. Vorzugsweise wird hier auf Stelzen gebaut, die Gärten sind mit bunten Blumen gespickt und die Wäsche flattert im Wind. Die verschiedenen Palmen tragen ihr übriges zum idyllischen Bild bei. Obwohl wir keinen einzigen Rasenmäher sehen oder hören, ist der Rasen in jedem Garten kurz geschoren und saftig grün. Wohl noch ein Überbleibsel aus der britischen Kolonialzeit. Alles macht einen gepflegten Eindruck. Das auffälligste aber ist, die Stille. Es ist sehr ruhig hier in Belize, denn es fahren kaum Autos auf den Straßen. Man bedenke, ganz Belize hat weniger Einwohner als Bielefeld! Und die meisten davon wohnen in der ehemaligen Hauptstadt Belize City (70.000). Die Einheimischen, die hauptsächlich aus Mestizen bestehen, sind vorzugsweise mit dem Fahrrad unterwegs. Es gibt zwar eine Unmenge an Autos, doch die stehen verrostet und eingewachsen auf den Grundstücken. Uns fällt besonders die Liebe zur alten Mercedes S-Klasse auf, die fast in jedem Garten zu finden ist. Außer Mestizen leben in Belize Kreolen, mit ihrer weltberühmten Cuisine, einige Maya und die stolzen Garifunas, Meister der Trommeln. Als Hauptsprache gilt Englisch, doch wir hören auch Spanisch und Kreolisch. Immer wieder sieht man Schwarze, Mestizen und Weiße zusammen herumlaufen, dazwischen auch gerne mal einen Mennonieten mit Hut, Hemd und Hosenträgern. Man hat den Eindruck, dass die Menschen hier harmonisch zusammen leben, egal welcher Hautfarbe oder Glaubensrichtung sie angehören. Die Leute, die uns begegnen, sind sehr freundlich. Wenn wir winken wird zurückgewinkt, und bei Fragen sind alle sofort hilfsbereit zur Stelle. Wir haben einen sehr positiven ersten Eindruck von diesem Land und fühlen uns sehr wohl.

In Orange Walk, einer Stadt mit ca. 16.000 Einwohnern suchen wir uns einen etwas größeren Supermarkt, um unseren Kühlschrank wenigstens etwas wieder aufzufüllen. Obwohl Belize als so arm gilt, sind die Preise doch echt saftig. Wir holen auch gleich ein bisschen Geld und fahren dann weiter nach Bermudian Landing. Hier wollen wir die Baboon Sanctury Gemeinde besuchen, wo wir hoffentlich Brüllaffen visavis erleben. Dafür müssen wir bis Burrel Boom und von hier weisen uns Schilder den Weg. Es ist schon komisch, wäre man jetzt in den USA und würde in solch einsamer Gegend nur noch Schwarze sehen, würde man sich wahrscheinlich vor Angst in die Hosen machen, doch hier herrscht eine zutiefst friedliche Stimmung. Eine Stunde vorm Dunkelwerden erreichen wir die kleine Ortschaft und werden gleich am Ortseingang von einem netten Schwarzen angehalten, der uns etwas über die Brüllaffen erzählt und uns auch gleich einen Stellplatz in seinem Garten anbietet. Da wir aber wissen, dass man auch am Visitor Center stehen kann, fahren wir erst einmal weiter und das ist auch gut so. Denn wie wir dort erfahren, versuchen einige Dorfbewohner mit den Affentouren Geld in die eigene Tasche zu wirtschaften, also vorbei an der Gemeinschaft. Wir lernen Robert vom der Baboon Sanctury kennen, der uns eine kurze Einweisung gibt und mit dem wir auch noch den ganzen Abend draußen vorm Camper sitzen. Robert drückt total viel Lebensfreude aus und ist sehr stolz auf seine Herkunft und sein Land. Es tut gut, die positiven Vibrations auf sich wirken zu lassen. Auch Catherine, eine Amerikanerin, die seit 25 Jahren in der Weltgeschichte herumreist, gesellt sich zu uns.

Am nächsten Morgen besichtigen wir zuerst das Visitor Center, welches Informationen über Fauna und Flora Belizes vermittelt. Die Bilder geben einen ersten Eindruck. In einem großen Einweckglas sehen wir ein neugeborenes Ferkel mit zwei Hinterteilen und acht Beinen, außerdem eine riesige einheimische Spinne und Schlangen. Mit Robert machen wir uns dann auf zu unserem Naturtrip. Anstatt in den dichten Dschungel, gehen wir einfach nur über die Straße, doch auch schon hier im Gestrüpp wachsen die seltsamsten Pflanzen, z. B. die Mimose. Warum heißt sie so – weil wenn man darüber streicht, sie sofort eingeschnappt ihre Blätter zusammenzieht. Eine andere Pflanze, die jeder für Unkraut gehalten hätte, soll angeblich den Schwangerschaftstest aus der Apotheke ersetzen. Aus den Cahua Palmen werden alle möglichen nützlichen Dinge gemacht und nicht zuletzt sogar Wunden desinfiziert. Wir sehen einen großen Mahagonibaum, der Nationalbaum Belizes. Er konnte hier nur so groß werden, da er unter besonderem Schutz steht. Als Highlight gesellen sich dann drei schwarze Brüllaffen zu uns, ein dominierendes Männchen und zwei Weibchen, mit jeweils einem 3-Monaten alten Baby – also sind es eigentlich doch 5 Affen. Das Männchen hat eine alte Verletzung am Mund, wo es von einem Hund attackiert wurde. Robert hat Bananen mitgebracht und reicht mir ein Stück um eine der Affenmamas zu füttern. Da ich nicht vorgewarnt bin und die Dame ganz schön herbe zupackt, erschrecke ich mich erst einmal. Doch dann geht es ganz einfach. Es ist sehr schön, die Affen an den Händen zu berühren, die unseren so ähnlich sind. Sie haben auch schöne lange gepflegte schwarze Fingernägel. Als die Bananen aufgegessen sind, wenden sich die Affen wieder den Blättern zu und wir setzen unseren Rundgang fort. Robert zeigt uns die Pfade, die die weiblichen Schneideameisen produzieren. Die Männchen oder Soldaten genannt, sitzen im Bau mit einem Bier vorm Fernseher (so beschreibt es Robert zumindest) und kommen nur heraus, wenn Gefahr droht. Also stampft Robert kräftig mit dem Fuß auf den Bau und schon kommen die riesigen Soldaten herausgeschossen. Robert schnappt sich eine von ihnen und zeigt uns, wie man die Zangen am Kopf der Ameise zum Wundenklammern nutzt. Das Serum der Ameise dient gleichzeitig als Blutgerinnungsmittel.

Nach einer Stunde sind wir dann wieder am Camper. Es ist heute sehr heiß. Wir essen schnell eine Kleinigkeit, wobei wir schmerzenden Herzens versuchen, die 5 abgemagerten Hunde vor dem Camper zu ignorieren. Dann verabschieden wir uns und fahren weiter. Unser nächstes Ziel ist der ca. eine Fahrtstunde entfernt liegende Belize Zoo. Bevor wir den Zoo betreten, treffen wir zwei Jungs, die mit ihren Motorrädern auch bis Ushuaia wollen, ein Deutscher und ein Schweizer. Der Eintrittspreis für den Zoo ist wirklich gepfeffert – 20 B$. In der Anlage sind ausnahmslos Tiere ausgestellt, deren natürlicher Lebensraum in Belize ist. Viele der Tierarten sind vom Aussterben bedroht und stehen teilweise schon unter Naturschutz. Einige von ihnen wurden hierher gebracht, nachdem sie verletzt oder krank gefunden wurden, doch manche von ihnen sind schon im Zoo geboren. Wir sehen Tapire und Tukane, beides Nationaltiere Belizes, Jaguars, Ozelots, Ameisenbären, eine Harpyie, Affen und Krokodile. Trotz der sehr grünen und teilweise großen Anlagen, haben manche Bewohner des Zoos das Im-Kreislaufen-Syndrom. Gegen 15 Uhr sind wir wieder am Auto und machen uns nun schon auf in Richtung Guatemaltekische Grenze. In San Ignacio stellen wir uns auf den Inglewood Campground, eine große – natürlich kurz gemähte Rasenfläche – mit Wasser und Stromanschlüssen. Der Besitzer wohnt in einem riesigen Haus weiter hinten auf dem Land. Außer uns ist noch ein anderer Camper hier, und zwar Larry mit einem – für die US-Amerikaner typischem - megagroßen Bus. Trotz der nahen Straße, genießen wir hier eine ruhige Nacht.

Den nächsten Morgen gehen wir ruhig an und nach einer ausgiebigen Dusche, dem obligatorischen Dumpen und Wasser auffüllen verlassen wir den RV-Park, fahren wieder einige Kilometer zurück und biegen bei einer Ausschilderung nach Spanish Lookout ab. Es handelt sich hier um eine Kommune der Mennonieten, also ursprünglich Deutschen. Es ist wieder einmal ein herrlicher Tag. Die Sonne scheint auf Belize und alles leuchtet in einem saftigen Grün. Die Gärten sind sauber, die Leute entspannt und wir möchten am liebsten gleich irgendwo einziehen. Bei den Mennonieten ist es natürlich noch sauberer und die Holzhütten sind fast vollständig verschwunden. Dafür sehen wir teilweise wirklich prächtige Häuser und viel Industrie. Von Legebatterien, über Caribbean Tyre bis hin zu kleinen Öltürmen gibt es hier alles. Die Mennonieten sind Meister im Landbau und der Viehzucht. Mittlerweile versorgen sie mit ihren Produkten einen Großteil des Landes. Dabei sind sie bescheiden und leben mehr oder weniger unter sich.

Der Ort wirkt sehr verschlafen, aber schließlich ist heute ja auch Sonntag. Wir glänzen also wieder einmal nicht durch gutes Timing. Die einzigen Straßenbenutzer außer uns sind Jugendliche, die entweder mit Motorrad oder ATV diese romantische Stille zerreißen. Wir sehen Mennonieten Volleyball spielen, die Frauen in ihren typisch langen Kleidern und Häubchen, die Männer mit bebügeltem Hemd, langer Hose und Hosenträgern. Nachdem wir mehrer Meilen durch die Gegend gekurvt sind und eigentlich schon beschlossen haben zum Campplatz in San Ignacio zurück zu kehren, entdecken wir hinter einer Firma einen F350 mit unseren Spiegeln. Denen sind wir ja schon länger auf der Spur. Beim Nachbarn fragen wir nach dem Besitzer, doch der ist sonntags natürlich zu Hause. Allerdings arbeitet Isaak, den wir hier angesprochen haben, auch in der Firma. Er rät uns am nächsten Tag wieder zu kommen und da wir so viele Fragen über Mennonieten haben und da Isaak auch sehr interessiert an uns und unserer Reise ist, kommen wir schnell ins Gespräch. Olli geht mit ihm die Spiegel anschauen, während ich drinnen den Rest der Familie kennen lerne. Eigentlich sind es nur die Frauen der Familie und der weibliche Besuch. Es scheint, dass Frauen und Männer sich hier getrennt amüsieren. Die Leute sprechen miteinander kein Deutsch sondern platt, so wie die Russlanddeutschen in Ostwestfalen. Alle sind sehr nett, aufgeschlossen und gastfreundlich. Vier Mädchen sitzen um einen Tisch und puzzeln. Mir kribbelt es in den Fingern mitzumachen. Isaak bietet uns an, uns zu einem öffentlichen Park zu begleiten, wo wir für die Nacht campen können. Die ganze männliche Hälfte der Familie steigt also ins Auto und fährt vor. Wir gelangen zu einem wirklich sehr schönen großen Naturpark mit einem Baggersee, einer Miniaturstadt der ersten Pioniersiedlung, Toiletten und kleinen Pavillons. Wir stellen uns ans Seeufer, verabschieden uns von Isaak und seinen Söhnen und bedanken uns auch noch mal für seine Hilfe. Nun wollen wir die Ruhe der Umgebung genießen, doch dazu kommt es nicht. Kaum ist Isaak gefahren, kommen sämtliche Jugendliche des Ortes mit ihren Motorrädern und ATVs in den Park gerollt. Sie versammeln sich alle am Ufer des Sees und ein ganz vorwitziger macht samt seines Fahrrades von einer Schanze einen Salto ins kühle Nass. Außerdem steigt jemand mit einem riesigen knatternden Propeller in die Lüfte und der Rest der Gemeinde scheint jetzt die Zeit für einen Spaziergang um den See zu nutzen. Doch zwei Stunden später ist der Spuk dann schon wieder vorbei. Sämtliche Leute sind verschwunden und wir können einen paradiesisch ruhigen Abend genießen.

Den nächsten Morgen beginnen auch wir mit einem Rundgang um den See, danach stehen wir bei Isaak im Laden. Dort haben sie allerdings keine gebrauchten Teile und so fahren wir, nachdem wir uns noch einmal von Isaak verabschieden, in einen anderen Laden. Leider gibt es auch hier nur einen neuen Spiegel, der uns zu teuer ist. Wir können nicht widerstehen und betreten den großen Supermarkt der Gemeinde, wo wir doch tatsächlich Sauerkraut, Cornichons und eine Espressokanne bekommen. Auch gibt es hier gleich eine Poststelle, wo wir unsere Postkarten aufgeben können. Jetzt wird es aber Zeit für die Grenze. Wieder geht es durch San Ignacio, vorbei am Inglewood Campground bis zur Belizischen Grenze. Auf einem Schotterplatz, weist uns eine freundliche Zollbeamtin einen Parkplatz zu. Mit den Pässen gehen wir in das große Gebäude links, wo die Ausreise vonstatten geht. Das erweist sich als ein teurer Spaß, denn jeder von uns muss 18 USD auf den Tisch legen. Der Papierkram geht allerdings flink, also Pässe sowie Auto ausstempeln. Dann kann Olli den Camper durchfahren und ich muss zu Fuß durch das Gebäude auf die andere Seite. Dort fahren wir durch eine Desinfektionsanlage, die bis in unsere offenen Fenster sprüht. Gezahlt wird diese vollautomatische Prozedur am Kassenhäuschen nebenan (42 Q). Weiter geht es zur mexikanischen Immigration, wo wir in der ganzen Hektik nicht mitbekommen, dass uns der Zollbeamte illegal 40 Q für die Einreise abnimmt. Gleich nebenan am Schalter wird das Auto eingestempelt und hier dauert es etwas länger. Der Beamte ist nicht ganz mit unserem Nummernschild, was auf der Fahrzeugregistrierung nur das erste vorübergehende ist, zufrieden. Ein Schlepper gesellt sich dazu und hilft uns ein wenig. Er weist uns auch auf die falsch gezahlten 40 Q hin. Nach 10 min Warterei, bekommen wir dann doch unseren Stempel und den Aufkleber. Nun aber rein nach Guatemala. Alles in allem hat dieser Länderwechsel wieder ca. eine Stunde gedauert, wir können also wirklich nicht klagen.

Wir sind allerdings traurig, dass wir nicht länger in Belize bleiben konnten, doch uns sitzt mittlerweile die Zeit im Nacken. Wir haben uns in den wenigen Tagen sehr wohl gefühlt. Doch vielleicht ergibt sich ja noch einmal die Möglichkeit nach Belize zurück zu kommen. Dann sollte man auch die wunderbaren Karibikinsel des Landes besuchen.