Guatemala (Teil 2) – 18. bis 30. Januar 2010

Die Straße hinter der Grenze in Guatemala ist die ersten 12 km nicht asphaltiert doch dann ist sie sehr neu. Aber Vorsicht! Ab und zu wird sie noch durch alte Teilstücke unterbrochen, auf denen sich die Schlaglöcher nur so tummeln. Ein paar mal knallt es unter uns bis wir die Kreuzung am Lago Petén erreichen. Uns wird wieder bewusst, dass Guatemala aus tausenden grünen Hügeln besteht. Jetzt sind es noch 33 km bis Tikal. Auf der Hälfte der Strecken erreichen wir die Einfahrt zum Park Tikal, wo unsere Abfahrtzeit auf einen Zettel notiert wird. So kontrollieren sie hier die Geschwindigkeit – der Tiere wegen. Wir haben nun 20 min für die letzten 17 km. Wir stellen den Camper an eines der drei Hotels (Jaguar Inn) ab, ziehen feste Schuhe an und dann geht es auch schon zu den Ruinen selbst. Halt, vorher sehen wir unseren ersten Tukan am blauen Himmel über uns hinweg fliegen. Der Eintritt, der vor einiger Zeit um das dreifache erhöht wurde, beträgt nun 150 Q pro Person, gilt aber für den Abend und auch den nächsten Tag. Wir rennen mehr, als dass wir gehen, da wir in der Dämmerung noch so viele Tiere wie möglich sehen wollen. Und wir werden belohnt. Gleich am Eingang treibt sich eine Familie Coatimundi herum, auch zwei Tukane sitzen im Baum und auf der anderen Seite ein kleiner Ara. Bis zum Zentralen Platz sind es gute anderthalb Kilometer und das auch noch teilweise bergauf. Hier oben laufen überall wilde Truthähne herum. Die Tempel eins und zwei sowie die Akropolis leuchten in der Abendsonne und im Baum nebenan tummeln sich die Spider Monkeys. Wir erklimmen Tempel zwei über eine steile Holztreppe, sehen jedoch nichts vom Sonnenuntergang, denn jetzt haben sich Wolken davor geschoben.

Nach einer kurzen Nacht, erwachen wir um halb 5 Uhr vom Klingeln des Weckers. Als wir rausschauen, können wir kaum unseren Augen trauen - Nieselregen. Es ist wirklich sehr selten, dass uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, aber ausgerechnet hier in Tikal, einem der ganz großen Highlights auf unserer Reise... Na gut, d as kann man nicht ändern und nun haben wir auch schon die Tickets. Bloß gut, dass wir uns nicht zu einer teuren Sonnenaufgangstour entschieden haben. Wir wandern also im feuchtnebeligen Dschungel wieder hinauf zu den Ruinen. Diesmal gehen wir zum Tempel IV, dem höchsten der Anlage. Tiere haben wir auch schon ein paar gesehen, vor allem die Spidermonkeys scheinen morgens aktiv zu sein. Wir erklimmen die Holzstufen – die es jetzt an fast jedem der zu besteigenden Tempel gibt – und sitzen mit einigen anderen über dem Dach des Dschungels, darauf wartend, dass sich der Nebel verzieht. Das Warten lohnt sich. Gegen 9 Uhr sehen wir schon doppelt so weit und plötzlich taucht ein weiterer Tempel wie ein Gespenst aus dem Nebel auf. Dann noch einer und schließlich verzieht sich der Nebel ganz. Das war jetzt noch spezieller als ein Sonnenaufgang und wir sind wieder guter Laune. Das gute Wetter hält sich, während wir den Rest der archäologischen Stätte abschreiten. Der Hunger treibt uns schließlich aus der Anlage und wir stillen ihn in einem der Comedores vorm Eingang. Anschließend springen wir ins Auto und legen die Strecke bis Poptún und der Finca Ixobel zurück.

Die Finca ist bekannt als eine Oase für Reisende und uns wurde nicht zuviel versprochen. Auf einem riesigen Areal befinden sich das Haupthaus, ein großer grüner Campground mit einigen Baumhäusern und Hütten, ein Weg führt in die etwas abseits gelegene Bar und ist abends romantisch mit bunten Lampen erleuchtet. Dort befindet sich auch die natürliche Lagune. Am Haupthaus hat man Internetempfang, kann in einer der Hängematte hängen oder das leckere Essen des Hauses genießen. Wir richten uns für einige Tage neben unserem einzigen Nachbarn Friedel – dem Rennradfahrer – ein. Die Finca bietet auch verschiedene Aktivitäten an, von denen wir uns eine Runde hoch zu Ross aussuchen. Mit unserem Guide und zwei anderen Gästen geht es mehrere Stunden durch den Wald, über einen Berg und durch das Dorf zurück zur Finca. Obwohl wir absolute Laien sind, haben wir viel Spaß, doch anschließend auch einen wunden Hintern und ungebetene Gäste, in Form von Zecken an den Beinen. Apropos Krabbeltiere, auf der Finca sehen wir unsere erste Tarantel, die von der Köchin mit „pequena“ und „bebe“ betitelt wird, obwohl das Schätzchen so groß, wie meine Hand ist.

Von der Finca aus starten wir einige Tage später in Richtung Rio Dulce. Friedel ist bereits mit dem Rad vorgefahren, um uns dort zu treffen. Die Gegend, durch die wir fahren ist – wie immer - wunderschön. Die Straße ist gesäumt von rosablühenden Mandelbäumen, die Wiesen sind grün und dahinter sieht man die unglaublichen dunkelgrünen Berge, die wie Zipfelmützen einfach aus dem Boden sprießen. Der Ort Rio Dulce entpuppt sich als ein geschäftiges Fleckchen, denn die Hauptverkehrsader ist gleichzeitig Marktplatz. Wie ein Wunder schieben sich Autos, LKWs, Handwagen und Fußgänger unbeschadet aneinander vorbei. Keiner würde hier auf seinem Recht bestehen, wie in Deutschland und somit das Chaos noch vergrößern. Bei Brunos Place können wir parken und vor dort auch gleich das Boot zu der kleinen Küstenstadt Livingston, die nur auf dem Seeweg erreichbar ist, nehmen. Außer uns sind noch zwei weitere Leute im Boot, doch das ändert sich, als wir den kleinen Hafen von Rio Dulce ansteuern. Danach sind wir 18 Touristen und wir sind beide sehr glücklich darüber, dass wir erstens hinten und zweitens nur zu dritt auf der Bank sitzen. Kaum haben wir den Hafen verlassen, stoppt uns die Marine und bedeutet unserem Kapitän, dass die Fahrt ohne Schwimmwesten hier zu Ende ist (eigentlich ist es ja gut, dass sie so darauf achten!) Also geht es wieder zurück, um die Westen zu holen und das kostet Zeit. Mit den orangefarbenen Westen um den Hals geht es endlich los. Wir passieren ein kleines Schlösschen, kleine Inseln mit Bäumen voller Wasservögel und dementsprechend weiß von deren Kot, es geht durch mit Seerosen bewachsene Seitenarme und durch eine Lagune voller Seerosen und Reiher. An den Ufern sehen wir große Häuser mit eigener Yacht vor der Tür, allerdings auch ärmliche Hütten auf Stelzen. Zeitweise ist der Fluss so breit wie ein See und teilweise misst er nur 20 m wo Felsen links und rechts einige hundert Meter in die Höhe ragen. Unterstrichen wird dieses Naturparadies von herrlich blauem Wasser.

Wir erreichen Livingston zwei Stunden später und haben nicht viel Zeit, bevor der gute Mann mit seinem Boot zurückfährt. Aber der kleine Küstenort ist auch wirklich schnell abgelaufen. Im Hafen sind noch deutlich die Schäden des letzten Hurrikans zu sehen. In Livingston leben hauptsächlich schwarze Garifunas (Nachfahren Westafrikanischer Sklaven und Karibischer Indianer), die auch die Küste Belizes besiedeln. Wir treffen auf einen Deutschen, der seit vier Jahren hier lebt, essen eine Kleinigkeit, lassen uns eine CD mit Garifuna-Musik aufschwatzen und dann müssen wir auch schon wieder zur Anlegestelle. Auf der Rückfahrt sind wir die einzigen Passagiere und müssen leider vorne sitzen. Doch dank der vielen Schwimmwesten bleibt unser Steißbein von den Wellen verschont. Wir fahren in einen wunderbaren Sonnenuntergang hinein. Den Abend verbringen wir mit Friedel bei Brunos Place am Pool und danach eine relativ unruhige Nacht im Camper. Es ist heiß und da heute Samstag ist, werden wir von der Discotheke gegenüber beschallt. Am nächsten Morgen machen wir uns gemeinsam mit Friedel auf den Weg nach Lanquin, doch die Straße, die wir fahren wollen ist ein einziger Alptraum. Eine Stunde lang bemüht sich Olli die riesigen Schlaglöcher vorsichtig zu umfahren, doch am Ende sind wir nicht einmal 10 km weit gekommen. Wir drehen um, schade, denn die Landschaft hier ist unberührt und sehr schön. Zusammen beschließen wir zur Finca zurück zu fahren, denn das liegt jetzt wieder auf unserem Weg und da es dort so schön ist, bleiben wir gleich wieder zwei volle Tage. Hier nutzen wir die Möglichkeit und bringen die Internetseite auf den neuesten Stand. Dann verabschieden wir uns endgültig von Friedel, der nach Süden aufbricht, während wir nach Norden einen großen Bogen schlagen. Wir fahren insgesamt einen Umweg von fast 400 km um nach Lanquin und Semuc Champey zu gelangen, doch abgesehen von der Zeit und dem hohen Benzinverbrauch genießen wir Guatemalas tolle Natur und Landschaft. Wir kommen in die abgelegensten Bergdörfer, wo sich die Frauen schüchtern abwenden oder panisch ihre Kinder vom Straßenrand wegzerren. Natürlich sind wir mit dem großen Auto und Camper immer eine Attraktion, doch so viele offene Münder wie dort, haben wir bis jetzt selten gesehen. Das ganze hat auch sein Gutes, denn wir fühlen uns unter diesen einfachen Menschen hier so sicher, dass wir in einem kleinen Dorf einfach am Straßenrand übernachten –nachdem wir den freundlichen Besitzer des Grundstückes gefragt haben.

Auf dem Weg nach Lanquin durchqueren wir noch einmal ein kleines Dorf, in dem gerade Markt gehalten wird und diesmal ist die Straße nicht breit genug für zwei Autos. Drei oder vier Collectivos müssen einige dutzend Meter zurücksetzen, damit wir durchkommen, doch niemand murrt. Dann ist die asphaltierte Straße zu ende, wir machen eine scharfe Rechtskurve und befinden uns auf der Schotterstraße bergab nach Lanquin. Gott sei Dank wird die Straße an einigen Stellen breiter, so dass auch noch entgegenkommende LKWs oder Busse an uns vorbeikommen. Doch meistens sind wir in diesem grünen Tal alleine. Alles ist friedlich und still. Nach 10 km erreichen wir den kleinen Ort Lanquin, wo wir eine Grotte besuchen wollen, doch da es noch früh am Tag ist, setzen wir unseren Weg gleich bis Semuc Champey fort. Aus anderen Reiseberichten wissen wir bereits, dass die Straße noch schlechter, schmaler und vor allem steiler ist, als die nach Lanquin, doch Olli möchte nichts von meinem Vorschlag, ein Taxi zu nehmen, hören. Selbst ist der Mann! Auf den 11 km nach Semuc Champey muss ich das ein oder andere Mal die Augen schließen, doch wir kommen sicher und ohne Achsenbruch ans Ziel. An einer Steigung musste Olli sogar einmal die Untersetzung des Allradantriebs einsetzten. Ansonsten wäre hier unsere kleine Ausflugsfahrt zu Ende gewesen, da die Steigung in diesem Strassenstück einfach zu viel für unseren kraftvollen aber auch recht schweren Dirty Harry war. Hinter einer überaus unsicher aussehenden Brücke befindet sich der Eingang zum Naturpark Semuc Champey, der sich mit einem Naturwunder rühmt. Ein riesiger Kalkstein liegt terrassenförmig über dem Fluss und bildet so eine natürliche Brücke. Die einzelnen Terrassenbecken sind große Pools mit wunderbaren türkisblauem Wasser, die zum Baden einladen. Der Fluss fließt sowohl unterirdisch weiter, als auch in kleinen Wasserfällen von Becken zu Becken. Es ist ein toller Anblick, den wir zuerst einmal von ganz oben bestaunen können. Ein Wechsel aus Stein- und Holztreppen führt über 1,2 km zum Aussichtspunkt. Der Anstieg hat es mit seinen knapp 700 Stufen wirklich in sich, aber es lohnt sich, denn nur von hier kann man alle Kaskaden wirklich sehen. Anschließend halten wir unten unsere strapazierten Beine ins kühle Nass und genießen die schöne Umgebung. Da wir heute noch zurück zu den Lanquin Grotten wollen, brechen wir gegen 16 Uhr wieder auf.

Wir besichtigen die Lanquin Höhle, in der es gefährlich rutschig ist. Einen Guide brauchen wir diesmal nicht, obwohl man sich leicht in den Kilometerlangen Gängen verirren kann. Die Höhle ist ganz nett, kann aber nicht mit den Grutas de Loltún in Mexiko mithalten. Nach einer knappen Stunde drehen wir um und postieren uns am Eingang, denn nun folgt gleich das eigentliche Highlight. Zur Dämmerung verlassen die Höhlenbewohner ihr zu Hause. Wir erleben, wie Millionen kleiner Fledermäuse auf den Ausgang der Höhle zustreben und ins Freie fliegen. Ihre Flügel machen ein Geräusch, als würde man zwischen einem Schwarm Insekten sitzen. Es ist wirklich ein tolles Erlebnis. Wir sind die letzen in der Grotte und dürfen sogar auf dem Parkplatz übernachten. Die beiden kleinen Nachtwächter mit ihren großen Gewehren freuen sich über ein Bier und eine Zigarette und wir trainieren wieder einmal unser Spanisch. Am nächsten Morgen muss Olli unseren ersten Reifen wechseln, da die Alufelge gerissen ist. Der Riss war zwar schon vorher dort, aber durch die schlechte Straße ist er jetzt nicht mehr zu verleugnen. Nachdem wir wieder Asphalt unterm Auto haben, finden wir einen Reifenhändler, der uns für sehr wenig Geld (keine 3 Euro) und super flink das Ersatzrad von Camperdach holt, die Reifen von Stahl- und Alufelge wechselt und den Ersatzreifen (jetzt ohne Felge) wieder auf dem Camperdach befestigt. Die defekte Alufelge lassen wir gleich bei der Werkstatt. Mit einem guten Trinkgeld verabschieden wir uns und fahren weiter nach Cobán. Diesmal umfahren wir die Stadt und entdecken eine ganz neue Seite von Guatemala. Um Cobán herum gibt es unwahrscheinlich viele Ecolodges, Ecofarmen, Häuser im europäischen Stil und überhaupt sieht alles ganz schön wohlhabend aus. Im Reiseführer erfahren wir, dass hier tatsächlich einmal deutsche Kaffeeanbauer gelebt haben, die aber während des zweiten Weltkrieges vertrieben wurden. An einem Restaurant machen wir Mittagspause und probieren das traditionelle Gericht der Gegend ‚Kak-ik’. Jetzt geht es erst einmal durch nebelige Berge, wo sich das Biotop des Quetzales befindet. Doch der bunte Wappenvogel Guatemalas ist ausgeflogen und man muss ziemlich viel Glück haben, um noch einen zu sehen. Doch auch Pflanzenanbau wird hier ganz groß geschrieben. Riesige Areale sind mit Planen überspannt, unter denen Kaffeepflänzchen oder anderes Gemüse herangezogen wird. Hinter diesen Bergen ändert sich die Landschaft rapide. Es wird wieder trocken, fast wüstenartig und die Städte sehen schmutziger aus. Ein riesiger Vollmond steht am Himmel.

Am nächsten Tag erreichen wir die Grenze in El Florido, einem kleinen Örtchen auf der guatemaltekischen Seite. Wir werden gleich durch den ersten Schlagbaum gewunken, wo wir vor Schleppern sicher sind. Es ist alles sehr ruhig und gut organisiert. Am ersten Schalter werden wir aus Guatemala ausgestempelt, am zweiten für Honduras eingestempelt (3USD pro Person). Gleich nebenan, lassen wir das Auto ausstempeln und nun müssen wir ein Stück fahren, um auch das Auto in Honduras einzuführen (35 USD). Hier dauert es ein bisschen länger, aber nur durch ein Missverständnis, denn der Chef ist gar nicht zum Mittagessen, nein, er saß die ganze Zeit nebenan im Büro. Nach etwas weniger als einer Stunde sind wir ohne irgendein Schmiergeld zahlen zu müssen durch. Keine Lebensmittelkontrollen und auch sonst wurde nichts überprüft. Mal wieder haben wir bei einem zentralamerikanischen Grenzübergang sehr sehr gute Erfahrungen gesammelt. Zufrieden rollen wir in Honduras ein.