Honduras (Der erfreuliche Teil) – 30. Januar bis 7. Februar 2010

Wir überschreiten die Grenze in El Florido, einem kleinen Örtchen auf guatemaltekischer Seite. Diese Grenze ist sehr gut organisiert. Wir werden gleich durch den ersten Schlagbaum gewunken. Hier gibt es keine Schlepper, alles ist ruhig und wir können direkt vor dem kleinen Grenzbüro parken. Am ersten Schalter werden wir aus Guatemala ausgestempelt (10 Q/Person, ohne Quittung), am zweiten für Honduras eingestempelt (3 $/Person) und am dritten Schalter lassen wir das Auto ausstempeln. Das ist alles innerhalb 5 min erledigt. Nun fahren wir ein Stück weiter, um auch das Auto in Honduras einzuführen (35 $). Das dauert ein bisschen länger, allerdings nur aufgrund eines Missverständnisses. Der Chef war nämlich gar nicht zum Mittagessen, nein, er saß die ganze Zeit nebenan im Büro. Nach etwas weniger als einer Stunde sind alle Formalitäten erledigt und ohne Kontrolle des Autos oder des Kühlschrankes rollen wir zufrieden über Honduras Straßen. Diese sind asphaltiert, doch ab und zu fehlt ein Stück oder ist abgesackt. Das Ganze nennt man Hundimiento. Also ist äußerste Konzentration angesagt.

Unser erstes Ziel in diesem neuen Land sind die berühmten Majaruinen in Copán. Zuerst verfahren wir uns allerdings und landen im Ort ‚Copán Ruinas’. Sobald man die Hauptstraßen Honduras verlässt, befindet man sich auf Sand oder Schotter mit großen Löchern. Doch kurze Zeit später finden wir die archäologische Stätte und uns bleiben noch drei Stunden für die Besichtigung. Der Eintritt kostet 15 USD pro Person. Das Museum für 7 USD lassen wir erst einmal aus und entscheiden uns auch gegen die beiden Tunnel für 15 USD. Unter Bäumen geht es zum Eingang der umzäunten Anlage. Hier sitzen schon die ersten großen Papageien in den Ästen und halten Siesta. Die Ruinen von Copán bestechen durch die Vielzahl ihrer Stehlen, die Treppe der Hieroglyphen und den Tempel der Inschriften. Die gepflegte, grüne Anlage, welche ruhig vor uns liegt, war einmal eine große Stadt, die zu ihrer Hochzeit 20.000 Menschen beherbergte. Eine einzige Familie herrschte hier über 4 JH. und hinterließ viele Zeugnisse über Leben und Kultur der Maya. Wir klettern über verzierte Tempel und Treppen, bewundern die aus dem Stein wachsenden Riesenbäume, beobachten Agoutis und bunte Vögel. Nach dem Kulturerlebnis versuchen wir einen Stellplatz für die Nacht zu organisieren. In der Nähe der Ruinenstätte finden wir nichts, doch gute 10 km landeinwärts entdecken wir ein kleines Balneario (Freibad), wo wir auf einem ummauerten Gelände eine regnerische Nacht verbringen.

Am nächsten Tag legen wir in 5 Stunden ungefähr 300 km zurück. Das nächste Ziel ist Omoa, ein kleiner Ort an der Karibikküste. In San Pedro Sula, der zweitgrößten Stadt Honduras und dessen wirtschaftliches Zentrum, tätigen wir einen Rundumeinkauf. Hier gibt es haufenweise Shoppingcenter, US-Amerikanische Fast Food Ketten und die höchste Kriminalitätsrate des Landes. Am Nachmittag erreichen wir Roli’s Place in Omoa. Wir haben einige Schwierigkeiten unser großes Auto durch die Einfahrt zu rangieren und als wir dann drin sind, stecken wir sofort 10 cm tief im aufgeweichten Rasen des Grundstückes. Es gibt weder vor noch zurück und so bleiben wir einfach stehen. Hier hat es schon mehrere Nächte hintereinander geregnet und ohne fremde Hilfe kommen wir wohl nicht mehr raus. Doch darum wollen wir uns später Gedanken machen. Die kleine Oase für Backpacker gehört dem Schweizer Roland und seiner honduranischen Frau Nelia. Wir stehen in einer Art Obstgarten umgeben von kleinen Bungalows. Es gibt eine überdachte Gemeinschaftsterrasse, eine Außenküche und Waschküche. Alles ist gepflegt und mit vielen Regeln ausgeschildert. Das Licht geht abends automatisch um 22 Uhr aus! Wahrscheinlich hat Roli schon so seine Erfahrungen mit Reisenden gemacht. Drei knuffige Hasen laufen über den Rasen und in einer Ecke hält Roli in einem Gehege eine Schlange und einen giftgrünen Leguan. Abends gehen wir runter zur Mole, doch außer Nieselregen erwartet uns dort nichts. Omoa hat ein schweres los: seit einigen Jahren wird der Strand weggespült, die ersten Häuser stehen schon im Wasser. Zusätzlich hat ein Erdbeben Teile des Strandes zerstört und ohne Strand ist ein Touristenort an der Küste wenig anziehend. Jetzt im Nieselregen ist er sogar relativ abschreckend, denn die Sandstraßen sind nur noch riesige Pfützen und sauber ist es auch nicht gerade. Doch wir verbringen trotz allem einen sehr netten Abend im Hostel mit Ramona und Astrid, zwei Backpackerinnen aus Deutschland. Leider reisen die beiden schon am nächsten Morgen weiter. Allerdings treffen neue Reisende ein. Die nächsten Tage verbringen wir mit Zoe aus den USA, Sophie aus Großbritannien und Thomas aus Tirol. Und auch den deutschen Willi, der schon seit 11 Jahren in Honduras lebt, lernen wir kennen. Wir feiern hier sogar gemeinsam, mit Torte und Wein, Willis 62sten. Es ist äußerst interessant Willi zuzuhören. Er gibt uns einen Einblick in die politische Lage des Landes besonders im Hinblick auf den „Militärputsch“, der vor gut 6 Monaten hier stattgefunden hat. Mittlerweile ist auch der neue Präsident Pepe Lobo im Amt und das Land macht einen recht ruhigen Eindruck auf uns.

Am Abreisetag werden wir von Roli aus dem sumpfigen Rasen gezogen. Er erklärt uns außerdem noch einiges zum Vierradantrieb, den wir anscheinend bis dato noch nie richtig eingeschaltet hatten. Willi begleitet uns bis Puerto Cortes, in dessen Hafen US-Warenimporte nach höchsten Sicherheitsvorkehrungen abgewickelt werden. Von hier wird zukünftig ganz Mittelamerika beliefert, dafür schlossen die USA einzelne Freihandelsverträge mit den Ländern. Einem Gesamtvertrag und damit einem stärkeren Gesamteinfluss der Länder stimmte die USA nicht zu. In San Pedro Sula bekommen wir Propangas für unsere zwei Flaschen und von hier geht es nun südlich zum nächsten Highlight Honduras, den Pulhapanzak Wasserfällen. Als wir vom Highway abbiegen, landen wir auf einer Alleeartigen Straße, die außer einer tollen Umgebung auch das ein oder andere Schlagloch bereithält. Die Ausschilderung lässt allerdings zu wünschen übrig und nach dem dritten Mal Fragen, halten wir vor einem Polizeirevier an. Man empfängt uns überaus freundlich und organisiert nicht nur eine Polizeieskorte bis zu den Wasserfällen, nein, es wird auch sichergestellt, dass der Nachtwächter dort über unsere Ankunft informiert wird. Den Weg hätten wir im Leben nicht alleine gefunden, denn es geht im Zickzack durch einen kleinen Ort. Wir erreichen die Einfahrt, als es bereits dunkel wird. Die Polizei verabschiedet sich und verspricht uns am nächsten Tag um 14 Uhr wieder abzuholen. Es geht ihnen dabei nicht nur um den Weg sondern auch um unsere Sicherheit, wie sie sagen. Hector, der Nachtwächter führt uns trotz der Dunkelheit noch zu den 43 m hohen Wasserfällen. Anschließend stellt er uns seine wunderhübsche Frau und den kleinen Sohn vor. Relativ früh ziehen wir uns in den Camper zurück und verbringen eine ruhige Nacht nur mit dem Geräusch des Wasserfalls im Hintergrund.

Am Morgen erkunden wir mit Turnschuhen und Badesachen bekleidet und gemeinsam mit einem Führer die höchsten Wasserfälle Lateinamerikas. Es ist wirklich bombastisch, wie die Wassermassen, die eben noch einem breiten grünen Strom entsprangen, hier in die Tiefe stürzen und gleich mehrere Regenbögen erzeugen. Über Stock und Stein geht es abwärts und immer näher an den donnernd herabstürzenden Wassermassen. Wir kämpfen uns durch brusthohes Wasser. Die Strömung hat es in sich und nach oben schauen ist tabu, denn das wäre gefährlich für die Augen. An den Händen haltend, den Kopf immer schön nach unten, schaffen wir es auf die andere Seite, über uns der laut donnernden Wasserfall. Dahinter gibt es eine kleine Höhle, in die wir kurz hineinschauen. Es ist ein tolles Gefühl hier hinter dem Wassermantel zu stehen, klatschnass und voller Adrenalin. Jetzt kann man auch einen vorsichtigen Blick nach oben wagen, wo man zwischen dem klaren Wasser den blauen Himmel erkennen kann. Windböen kommen von allen Seiten. Wieder oben, ruhen wir uns bei einem Bad im Fluss, der übrigens aus Honduras größtem See – Yojoa – gespeist wird, aus. Pünktlich 14 Uhr trifft unsere Eskorte ein, die uns noch fast 20 km südlich begleitet. Am Lago de Yojoa nehmen wir uns einen Stellplatz auf der gigantischen Finca las Glorias. Das Gelände reicht von der Straße bestimmt zwei km bis zum See hinunter und besitzt außer einem Pool, vielen Bungalows, einem Restaurant und Poolbillardbereich auch mehrere Ausflugsboote und einen Stall voller schöner Pferde. Ob diese Finca wohl der Besitz einer der reichsten Familien Honduras ist? Drei Tage verbringen wir an diesem schönen Fleck Erde. Wir wandern über das Areal, arbeiten an der Website, kochen und entspannen. Es ist heiß, doch angenehm trocken.

Vom Lago fahren wir weiter südlich in die ehemalige Hauptstadt Honduras, Comayagua. Sie ist nicht sehr groß hat aber eine wunderhübsche Altstadt. Die bunten einstöckigen Häuser und schachbrettförmig angelegten Straßen erinnern sehr an Antigua Guatemala. Der weitläufige zentrale Platz wird von einer gelb getünchten Kathedrale dominiert, deren Schatten mit andersfarbigen Steinen im Boden nachempfunden wurde. Von einem kleinen Straßencafé aus beobachten wir das Treiben auf dem herrlich angelegten Zocalo. Unser Auto haben wir auf einem umzäunten Parkplatz unter der Obhut von Pedro Franco zurückgelassen. Unsere Nacht(ruhe) wird dort bis um 1 Uhr von einer unglaublich lauten Karaoke-Party gestört, doch dann ist alles ruhig. Auch am nächsten Morgen schlendern wir noch einmal ins historische Zentrum. Diesmal besichtigen wir den Kirchturm und das große Uhrwerk der über 800 Jahre alten Turmuhr. Von hier oben hat man einen fabelhaften Blick auf Comayaqua mit seinen Kolonialgebäuden. Nach der Besichtigung der Kirche verlassen wir diese schöne Stadt.

Es ist Sonntag und wir wollen heute noch durch Honduras Hauptstadt, Tegucigalpa rollen. Leider gibt es keinen anderen Weg, als mitten durch die Einmillionen Metropole, doch sonntags ist der Verkehr bekanntermaßen immer am geringsten. Wir durchqueren die Hauptstadt in knapp 20 min, worüber wir uns riesig freuen. Von hier fahren wir in die kleine Minenstadt Yuscarán. Sie liegt ca. 70 km vor der Grenze nach Nicaragua und soll auch unser Übernachtungsort sein. Doch auf der traumhaften Strecke durch die Berge hören wir ein leichtes Schlagen im Motor, besonders wenn es bergauf geht. Yuscarán entpuppt sich als winziges Dörfchen mit einer schmalen Zufahrtstraße, die, als wir ankommen, verstopft ist. Zwei sich entgegenkommende Fahrer werden sich nicht einig, wer zurücksetzen muss – typisch lateinamerikanische Machos. Als wir dann den zentralen Platz erreichen, sind wir die Sensation schlecht hin. Heute, am Sonntag, haben sich natürlich alt und jung auf dem Zocalo versammeln und wir fühlen uns nicht sehr wohl unter ihren starrenden Blicken. Nach einem kurzen Rundgang durch die schiefen Kopfsteinpflastergassen, entscheiden wir umzudrehen und weiter nach Danli zu fahren. Der Ort ist zweifelsfrei ein Schmuckstück, doch einen Stellplatz hätten wir mit unserer großen Kiste hier nur direkt am zentralen Platz (quasi „mitten im Weg“) gefunden und das wäre ein lautes Spektakel geworden. Unser Motorengeräusch ist noch lauter und tritt noch häufiger auf, bei unserer Rückfahrt zur 17 km entfernten Hauptstraße. 30 km vor Danli ist das Geräusch dann permanent und sehr laut. Olli lenkt den Wagen schnell rechts an den Fahrbahnrand, denn wir getrauen uns nicht weiter zu fahren und stehen nun hier in den Bergen. Kein Mensch und kein Haus sind zu sehen und es sind nur noch zwei Stunden bis es dunkel wird. Wir verfluchen uns für die Dummheit, nach Yuscarán gefahren zu sein, denn das wären jetzt die fehlenden km bis Danli. Wir sind wirklich verzweifelt, kein Telefon und keine Ahnung, wie es weitergehen soll...