Honduras (der unerfreuliche Teil) - 7. Februar bis 5. März 2010

Wie wir da so verzweifelt stehen, hält neben uns ein weißer Ford F250, aus dem vier Leute springen. Es sind José Manuel – ein Automechaniker, Manuel – der einen Abschleppservice hat und Carmen und Sandra, die beide sehr gut englisch sprechen. Haben wir wieder einmal Glück im Unglück oder wittern die vier hier ein Riesengeschäft. Die beiden Männer hören das Geräusch am Auto nur kurz und schlagen sofort die Hände über dem Kopf zusammen. Die Diagnose, Motorschaden und der Tipp, auf gar keinen Fall mehr fahren. Die Vier kommen aus Tegucigalpa, der Hauptstadt und machen uns unmissverständlich klar, dass uns nur dort geholfen werden kann. Danli würde nicht über eine adäquate Werkstatt verfügen, mal ganz zu schweigen von den Ersatzteilen, die wir sowieso nur in Honduras Hauptstadt bekommen können. Natürlich sind wir erst einmal unentschlossen, weil wir uns ein bisschen überrumpelt fühlen. Einerseits sind wir froh, dass wir nun hier nicht mehr alleine sind, andererseits trauen wir dem Ganzen nicht so recht über den Weg. Schließlich schlägt Manuel uns eine Alternativlösung vor. Er kennt den Besitzer der Farm, am Fuße dieses Berges, wo wir gerade vorbei gefahren sind. Also rollen wir das Auto vorsichtig den Berg hinab und direkt auf das Grundstück von Don Ramon. Hier können wir für die Nacht stehen und haben so einen ruhigen und sicheren Schlaf. Bevor wir uns bei den vieren bedankt und verabschiedet haben, entscheiden wir uns doch noch für das Abschleppen nach Tegucigalpa und verabreden uns für den nächsten Morgen mit Manuel.

Der erscheint auch pünktlich mit einem Abschleppwagen und einem Fahrer, welcher sich sogleich daran macht, unser Gefährt auf seinen LKW zu laden. Mir wird fast schlecht beim Hinschauen. Das Auto wird mit einer Seilwinde auf die schräg herunter gefahrene Ladefläche gezogen. Das geht nur so lange gut, bis unsere hinteren Jacks auf dem Boden schrappen und drohen abzubrechen. Alles wird gestoppt. Nun werden Bretter unter die Räder gelegt, damit der gesamte Wagen höher kommt und jetzt klappt es. Der Camper steht gefährlich schief auf der Ladefläche und Olli und mir ist angst und bange. Doch Manuel und sein Kollege versichern uns, dass alles ‚bueno’ und ‚no problema’ sei. Manuel setzt sich hoch hinauf in unseren Truck und wir fahren vorne im LKW mit. Der Fahrer schwitzt allerdings ganz schön auf den 70 km zurück nach Tegucigalpa, denn unser Auto ist das schwerste, was er je gefahren hat. Dazu kommt, dass wir insgesamt knapp. 5 m hoch sind, höher als die großen Container-LKW. Auf dem Highway kommen wir gut voran, doch dann geht es in die Berge und der Abschleppwagen schnieft und schnauft ganz mächtig. Auch der Diesel geht vorzeitig aus und wir müssen tanken. Gut, dass die Tanke so hoch ist. Endlich erreichen wir die Hauptstadt und damit auch tiefhängende Leitungen und Äste. Einmal muss Olli sogar aufs Dach und einen Baum beschneiden, unter dem wir wirklich nicht durchgepasst hätten. Dann stecken wir im Stau und der Diesel ist wieder alle. Tanken die hier alle nur für nen Zehner? Wir rollen auf eine Tankstelle, die diesmal nicht hoch genug ist, doch wir rangieren bis der Camper kurz vorm Dach ist und tanken von dort.

Wie durch ein Wunder erreichen wir ohne Schaden die Auffahrt zur Werkstatt und hier wird das Auto wieder herunter gelassen. Abermals knallen die hinteren Jacks auf den Asphalt und verursachen hier gleich zwei Löcher. Mit List gelingt es das Auto plus Camper unbeschadet abzuladen. Nun fährt Manuel das Auto mit mir auf dem Beifahrersitz die steile Auffahrt hoch, die nicht zur Werkstatt, sondern erst einmal zu einer staubigen Straße hinaufführt. Wir sind ehrlich gesagt, geschockt. Überall befinden sich Werkstätten, doch José Manuel hat mit Abstand die schäbigste. Sie ist voller eingestaubter Autos und nicht einmal annähernd so hoch wie unser Camper. Der Platz gegenüber gehört ihm auch. Es handelt sich hierbei um ein ca. 20 x 30 m2 großes Grundstück auf einer kleinen Anhöhe, das mit verrosteten und eingestaubten Autos übersäht ist. Hier sollen wir uns hinstellen? Olli sagt gleich nein, denn es geht dermaßen schräg hinauf, dass wir uns definitiv unten alles abreißen würden. Außerdem gibt weder Zaun noch Mauer, also auch keine Sicherheit und wir fühlen uns wirklich extrem unwohl in dieser fremden Gegend. Man darf ja auch nicht vergessen, dass Tegucigalpa mit eine der gefährlichsten Städte Mittelamerikas ist. Da der Abschleppmann sein Geld möchte, fährt Manual mich erst einmal zur Bank. Diese befindet sich in einem riesigen Einkaufzentrum mit allerlei teuren Läden und noch mehr goldbehangenen Leuten. Hier gibt es gleich mehrere Banken vor deren Türen die Leute einem Sicherheitscheck unterzogen werden. Als wir zurückkommen, ist José Manuel gerade dabei unser Auto samt Camper die steile Schräge hinauf zu manövrieren. Die Jacks sind inzwischen abgebaut und es wurden Bretter auf den Boden gelegt. Beim dritten Anlauf klappt es dann auch. Nun stehen wir hier zwischen Heu, Kuhfladen, alten, rostigen Autos und einem Schaf. Zum Glück stehen wir auch unter einem großen Baum, der wenigstens am Nachmittag in der 30 Grad heißen Stadt Schatten spendet. Ever, der Lehrling, baut noch bis 22 Uhr an unserem Auto. Dann ist der Motor ausgebaut und wird auseinander genommen. Schuld an dem ganzen Ärger ist eine defekte Ölpumpe. Das Öl konnte nicht mehr zirkulieren und hat so die Kurbelwelle angegriffen. Mit dieser Diagnose erfahren wir auch, dass die gesamte Reparatur wahrscheinlich nicht nur ein bis zwei Tage sondern eine ganze Woche in Anspruch nehmen wird. Wir verbringen unsere erste Nacht zwischen den Schrottautos, ein Radio dudelt die ganze Nacht nebenan und der kleine Wachmann Marcello hat auf uns aufgepasst. Morgens werden wir vom Blöken des Schafes und dem Hahnengeschrei aus der Nachbarschaft geweckt.

Olli macht für sich und den Wachmann einen Kaffee. Dies wird für unseren Aufenthalt hier zur Regelmäßigkeit, wobei Olli auch gleichzeitig sein Spanisch trainieren kann. Wir wollen heute Morgen gleich nebenan zum Dunkin Doughnuts, die auch Internet haben. Doch bevor wir wegkommen, entdeckt Olli noch eine böse Überraschung. Unsere Windschutzscheibe, die zuvor einen langen, doch harmlosen Sprung hatte, hat nun einen neuen Sprung und zwar diagonal über dem ersten. In der Mitte erkennt man eine richtige Einschlagstelle. Es sieht aus, als wäre etwas Hartes von innen dagegen geprallt. Das war gestern beim Abschleppen definitiv noch nicht und muss somit beim Hinauffahren auf die erhöhte Fläche passiert sein. Als wir unsere Entdeckung Sandra und José Manuel mitteilen, versuchen sie uns weis zu machen, dass das durch die Sonneneinstrahlung kommt. Blödsinn! Keiner macht Anstalten, sich zu diesem Schaden zu bekennen. Darum müssen wir uns jetzt also auch noch kümmern. Das scheint nicht unsere Woche zu sein. Beim Dunkin Doughnuts entdecken wir allerdings auch einen gut ausgestatteten Supermarkt, eine Bank und ein wirklich sehr gutes Internet Café. Mit anderen Worten, all das was wir brauchen.

Unsere Kurbelwelle befindet sich zur Überarbeitung in einer anderen Werkstatt. An diesem zweiten Abend lädt uns José Manuel in ein typisch honduranisches Restaurant ein. Hier spielt eine Liveband Musik aus den 70ern und 80ern und wir verbringen einen lustigen, feuchtfröhlichen Abend mit Familie, Freunden, Bier und Pupusas. Die nächsten Tage verbringen wir mit Warten. Ab und zu fahren wir mit José Manuel wegen irgendwelcher Besorgungen los. Doch immer werden wir vertröstet. Entweder ist das bestimmte Teil noch nicht da oder aber die versprochene Kurbelwelle wird erst am nächsten Tag geliefert. Dann heißt es, eine gute Kurbelwelle ist gefunden und jetzt zur Kontrolle beim Spezialisten. Also wieder Warten. Es gibt natürlich auch immer etwas zu tun. Schon alleine Wasser für unseren Camper zu organisieren, erweist sich als schwierig. Die Werkstatt verfügt nämlich weder über einen Wasseranschluss noch über eine Toilette! Das heißt, Wasser in Eimern aus einem Regenauffangbecken schleppen oder aber im Dunkeln den Nachbarn fragen, denn in Tegucigalpa herrscht Wasserknappheit und man sollte sich nicht mit einem Schlauch beim Auffüllen erwischen lassen. Wir organisieren Sticker für unseren Camper, erledigen die Wäsche, Arbeiten am Rechner und Olli bastelt am und im Camper. Ein Freund von José Manuel, Chino, macht uns mit Joseph, einem Deutschen und seiner Familie bekannt. Bei ihnen verbringen wir zwei wunderbare Abende mit sehr leckerem Essen und viel Gesprächsstoff. Wir grillen auch zusammen mit José Manuel, Ever, Harim und Sandra an der Werkstatt und machen einen schönen Ausflug in das nah gelegene ‚Valle de Angeles’. Dazu lädt uns Manuel zusammen mit seiner Freundin und Sandra ins Auto und wir fahren die ca. 20 km nördlich von Tegucigalpa. Valle de Angeles ist eine ehemalige Minenstadt und heute ein touristischer Ausflugsort. Die Häuser um den zentralen Platz sind restauriert und bunt, es gibt eine schöne kleine Kirche am Kopf des Platzes und viele Restaurants und Artesan-Läden.

Doch schon am dritten Tag teilt uns José Manuel mit, dass der Schaden an der Kurbelwelle so stark ist, dass wir eine neue benötigen. Die Lager hatten sich zu tief ins Material gefressen, so dass sie nicht mehr abgeschliffen werden kann. Das heißt also nun, eine neue Kurbelwelle kaufen oder eine gebrauchte besorgen. Doch José hat schon eine andere Lösung. Er kennt jemanden, der einen kompletten, gebrauchten Motor verkauft. Leider befindet sich dieser in Orlancho, Catacamas. Die Stadt ist gute 250 km von Tegucigalpa entfernt und bevor wir uns versehen, wird daraus ein Wochenendausflug. Statt um 10 Uhr verlassen wir die Hauptstadt am Samstag erst gegen Mittag. Im Auto sitzen José Manuel, seine Frau Carmen, seine Schwester Sandra, ich und Olli, der fährt. Wir konnten Abschmettern, das Chino als Fahrer (José Manuels Führerschein ist nämlich abgelaufen) dabei ist, denn zu sechst wäre es wirklich ein bisschen eng im Auto gewesen. Wir benötigen 5 Stunden bis nach Catacamas, doch als wir dort eintreffen und nach dem Motor fragen, ist dieser nicht mehr da. Olli und ich sind wie vor den Kopf geschlagen. Wie kann das angehen? Man sieht doch ständig jeden am Telefon hängen, warum konnte man das denn nun nicht vorab klären. Jetzt haben wir 5 Stunden für nichts im Auto gesessen und das Benzin haben wir auch noch bezahlt. José Manuel telefoniert herum, um doch noch einen Motor aufzutreiben und bekommt noch einen Tipp. Wir fahren zu einer anderen Werkstatt, doch auch hier kein Motor. Nun suchen wir einen anderen Typen auf, den wir betrunken in einer Cantina finden. Das ist mehr oder weniger eine Trinkhalle auf der offenen Wiese, wo sich 90 % Männer Rumtreiben, die zu 80 % betrunken sind. Der Typ mit dem vermeintlichen Motor verabredet sich mit José Manuel für den nächsten Tag. Auf der Suche nach Essen entdecken wir das Haus von Donna Carmen, die uns in ihrem Garten auf dem Selbstgemauerten Ofen ein sehr gutes Abendbrot zubereitet. Tortillas, Chorizo mit Bohnen und Rührei. Die Nacht verbringen wir in einem hübschen Hotel und am nächsten Morgen erhalten wir eine weitere Hiobsbotschaft. Der Motor stand lange im Regen und somit nicht zu verwenden. Wir sind etwas angefressen. Vor allem Olli geht die schlechte Organisation auf die Nerven. Kein Wunder, als Projektleiter. Wir frühstücken wieder bei Doña Carmen, doch die Stimmung ist gedrückt. Diese bessert sich auch nicht auf der Heimfahrt. Wir sind genervt und fühlen uns verarscht. Schließlich haben wir das Benzin bezahlt, unser Hotelzimmer und das Essen, sind über 10 Stunden Auto gefahren und haben dafür keinen Motor bekommen. Im Gegenteil, wir haben sogar noch eine Maschine für José Manuels Freund nach Catacamas transportiert. Ziemlich fertig erreichen wir unsere Schafswiese am Sonntagabend und gehen auch gleich ins Bett.

Am nächsten Tag stellt Projektleiter Olli einen Kostenplan auf. Kurbelwelle und neue Teile an den alten Motor oder die Beschaffung eines kompletten gebrauchten Motors. Danach befinden wir es für besser, die Teile zu besorgen und am Ende einen neu aufgebauten Motor zu haben, auch wenn diese Variante die teurere ist. Also macht sich der Mechaniker unseres Vertrauens, José Manuel, auf die Suche nach einer Kurbelwelle. Einige Ersatzteile haben wir auch schon angezahlt (8.000 Lempira ~ 300 Euro), lassen sie allerdings vorerst noch in dem Laden, bis wir wissen, wie es weitergeht. Am Dienstag, einen Tag später berichtet José Manuel von einer Kurbelwelle. Olli fährt mit ihm los – im dichten Abendverkehr – um zu erfahren, dass die Welle erst nach 18 Uhr geliefert wird, wenn der Laden zu hat. Am Mittwoch erfahren wir von Sandra, dass José Manuel jetzt die richtige Kurbelwelle hat, und diese zurzeit im Laden vermessen wird. Das endgültige ok bekommen wir am Nachmittag. Eigentlich wollten wir heute in die Stadt, doch das verschieben wir auf morgen, weil wir lieber wissen wollen, wie es weitergeht. Leider erfahren wir überhaupt nichts mehr an diesem Tag. So geht es die nächsten Tage weiter. Wir werden vertröstet und erfahren nichts Konkretes. Auch mehrmaliges Nachfragen bezüglich einer Reparatur unserer Windschutzscheibe verläuft im Sand. Immer wieder wird versprochen den Scheibenklempner anzurufen, doch weiter passiert nichts. Wir wissen nicht, ob José Manuel Angst hat, dass wir die Kosten auf ihn abwälzen wollen. Am Samstag ist es uns dann zuviel. Wir sprechen José Manuel direkt auf unseren Motor bzw. die Kurbelwelle an. Er redet sich heraus und sagt, es sei nicht seine Schuld, dass es so lange dauert. Die gute Kurbelwelle wäre jetzt zum Anpassen in der Werkstatt und die würden am Samstag sogar länger arbeiten, um sie fertig zu bekommen. Also passiert heute wieder nichts und wir haben jetzt schon eine ganze Woche verschenkt. Joseph und Marlen besuchen uns diesen Nachmittag und ein anderer deutscher Freund, Willi, den wir in Omoa kennen gelernt haben, hat sich für Morgen angemeldet. Abends gehen wir zusammen mit Sandra in eine Bar, doch wir sind alle in nicht so guter Stimmung. Olli ist dazu auch noch an beiden Daumen verletzt. In den letzten Tagen hat er sich bemüht den Platz etwas sauberer zu gestalten, indem er Müll aufsammelt und versucht die Kuhfladen wegzuharken. Bei all dem Arbeiten im Dreck, zieht er sich original eine Blutvergiftung zu. Am Sonntag hat er dann über 38 Grad Fieber. Ein roter Streifen zieht sich vom linken Daumen bis zum Ellenbogen. Glücklicherweise hat Willi ein Wundermittel dabei, welches den Körper von Bakterien reinigt. Abends mache ich Wadenwickel und am Montag sind der Streifen und das Fieber weg.

Montagnachmittag fahren wir dann endlich mit José Manuel zum Spezialisten, um die Kurbelwelle abzuholen. Doch hier ist keine Kurbelwelle. Laut dem Werkstattleiter, gab es nie eine andere Kurbelwelle als die unsrige. Olli rastet aus. Hat uns José Manuel die ganze Zeit belogen? Haben wir seit einer geschlagenen Woche auf nichts gewartet? Wir fahren nun zu Ford, um dort zu erfahren, dass eine neue Kurbelwelle 24.000 Lempira kosten würde. In einem anderen Laden – bei dem José Manuel angeblich am Morgen angerufen hat und sie ihm eine Kurbelwelle für L 8000 angeboten haben – bietet man uns das gute Stück jetzt für L 18.000 an. Das kann an uns Gringos liegen oder daran, dass er lügt. Wir wissen es nicht. Seine Worte dazu sind auf jeden Fall: jetzt sehen wir mal, wie es in Honduras zugeht. Am nächsten Tag werden wir aktiv. Zuerst setzten wir uns mit Calvin in Mexiko in Verbindung und schildern ihm das Problem. Er verspricht Hilfe von einem Freund in Kanada, der dort eine Werkstatt für Motoren hat. Wir versuchen es auch in einer Nachbarwerkstatt und auch der Meister dort verspricht uns Hilfe. Seine Werkstatt ist sauber, der Boden betoniert und er besitzt sogar ein aufgeräumtes Büro. Wir bringen ihm unsere Kurbelwelle vorbei, die er nochmals bei einem anderen Spezialisten prüfen lässt. Allerdings mit demselben Ergebnis.

Aus Kanada erfahren wir, dass es dort eine Kurbelwelle gibt, doch die Versandkosten sind himmelhoch. Wir verwerfen diese Möglichkeit. Am Abend treffen wir uns mit Joseph und werden seinem Mechaniker, Yeto, vorgestellt. Nach Schilderung des Problems, verspricht uns dieser, uns einen Motor zu besorgen. Und wirklich, schon am nächsten Tag bekommen wir die Information, dass es in San Pedro Sula (240 km von Tegucigalpa) einen Benzinmotor gibt. Wir verabreden uns mit Yeto für den nächsten Tag, um den Motor zu holen. Leider empfängt uns dieser mit einem kleinen Auto, in dem wir den Motor – wenn es denn der richtige ist – gar nicht verladen können. Doch er erzählt uns etwas von einem Freund, der den Motor holen kann. Vertrauensvoll setzten wir uns ins Auto und fahren los. Nach einem Auftanken und einem Mittag, welches wir wieder bezahlen, erreichen wir 6 Stunden später den Schrottplatz auf dem uns der Motor schon aufgebockt und gewaschen erwartet. Wir sind etwas verwirrt, als Yeto von uns erwartet, den Motor mit unserem zu vergleichen und zu entscheiden, ob es der richtige ist. Mehrmals erklären wir ihm, dass wir keine Spezialisten sind und dass doch er als Kfz-Mechaniker diese Entscheidung treffen müsste. Doch es hilft alles nicht. Yeto steht nur daneben, nimmt die Hände nicht aus der Tasche und meint ständig nur ‚motor, muy bien’, natürlich alles vor dem Verkäufer. Als es um die Preisverhandlung geht, nimmt er sich eine Zeitung, während Olli und ich uns mit unseren paar Brocken spanisch abmühen, den Preis zu drücken. Auch hier weise ich Yeto mehrmals darauf hin, dass wir uns ein bisschen mehr Unterstützung von ihm erwarten, da er doch spanisch spreche und eigentlich in unserem Sinne handeln müsse. Letztendlich kann Olli den Preis von 38.000 auf 30.000 Lempira herunterhandeln. 15.000 L zahlen wir schon einmal an. Jetzt steht noch der Transport an. Plötzlich ist nicht mehr die Rede von einem Freund Yetos, sondern von einer Transportfirma. Gemeinsam wollen wir einen anderen Bekannten von Yeto aufsuchen, der beim Transport einen besseren Preis aushandeln könnte. Doch als wir suchend im Dämmerlicht auf einer Kreuzung stehen, wird unserem Fahrer plötzlich gewahr, dass es jetzt alles viel zu gefährlich sei und wir uns besser schnell ein Hotel suchen. Wie bitte? Ein Hotel? Wir haben weder Zahnbürste noch irgendwelche Wechselklamotten dabei, von den Kosten mal ganz abgesehen. Kann man so etwas nicht vorher absprechen? Bis wir ein passendes Hotel gefunden haben, vergehen auch noch einmal fast zwei Stunden, weil der Typ fährt, wie ein Anfänger. Dazu kommt, dass ständig die Kupplung des Autos versagt, er in Einbahnstraßen falsch herum hereinfährt und ständig meint, wie gefährlich es doch ist. Er kurbelt das Fenster herunter, weil er sonst nichts durch die abgetönten Scheiben sieht, dann wieder hoch, weil es ja so gefährlich ist. Dabei sitzt er mit der Brille fast an der Windschutzscheibe und die Hände fest oben ums Lenkrad gekrallt. Für die beiden Zimmer im Hotel zahlen natürlich wir.

Am nächsten Morgen und nachdem Yeto seine Familie besucht hat, gehen wir gemeinsam Frühstücken (wir zahlen). Dann geht es wieder zum Schrottplatz. Bis um 12 Uhr haben wir zwar das restliche Geld aus den Automaten zusammengeholt, doch eine Transportlösung für den Motor ist noch nicht in Sicht. Genervt rufe ich bei Sandra an, denn dort gibt es wenigstens einen Truck. Wir vereinbaren, dass wir zusammen noch einmal nach San Pedro Sula fahren, diesmal mit einem richtigen Mechaniker und mit dem richtigen Auto. Nachdem Yeto noch Ersatzteile für die Kupplung gekauft hat, fahren wir zurück in die Hauptstadt. Getankt wird dann noch einmal 70 km vorm Ziel und nicht, wie Olli vorschlägt für 200 L, nein es müssen 430 L sein. In unserer Naivität zahlen wir, in der Annahme später alles von Yetos Gehalt abzuziehen. Gegen 16 Uhr erreichen wir Tegucigalpa und fahren noch aus reiner Neugier mit zu Yetos Werkstatt. Uns ist allerdings schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass wir unser Auto nicht von Yeto reparieren lassen können. Vielleicht ist er ein guter Schrauber, doch menschlich hat er uns enttäuscht. Im Nachhinein ist uns auch klar, warum er sich bei den reisverhandlungen nicht eingemischt hat. Höchstwahrscheinlich bekommt er von dort noch eine Provision. Die zwei Tage mit diesem Mann haben uns wirklich geheilt. Beim Abschied fragen wir, was er für seine Dienste verlangt. Wir rechnen mit 2000 L, würden davon aber Hotel, Verpflegung und den nun fast vollen Tank abziehen. Zu unserer Überraschung verlangt er für das Finden des Motors und die Fahrt doch echt 3000 L. Auf eine Diskussion lässt er sich nicht ein und will alles zusammen mit uns und Joseph klären. Außerdem ist es draußen schon wieder dunkel und dementsprechend „muy peligroso“. Na gut, wir sind auch froh, ihn los zu werden und in den Camper gehen. Kurze Zeit später kommen durch Zufall José Manuel und Familie vorbei. Gemeinsam planen wir den Transport am nächsten Tag...

Am Sonntag fährt uns Chino. Im Auto sitzen außer uns beiden, Sandra als Übersetzerin und Harim und Ever als Mechaniker. Bereits um 7 Uhr geht es los und da Chino anscheinend im letzten Leben Rennfahrer war, erreichen wir San Pedro Sula bereits um 11 Uhr, natürlich inkl. Frühstückspause. Der Motor wird von den Jungs verglichen, aufgeschraubt und untersucht. Sie befinden ihn als richtig und gut. So muss das sein. Leider gibt es noch Probleme mit einigen inzwischen ausgetauschten Teilen doch der Schrotthändler Antonio Junior lässt sich auf keine Diskussion ein und so laden wir den Motor auf und treten die Rückreise an. Schon bei der Hinfahrt hat uns Chino in ein preiswertes aber gutes Restaurant geführt. Auf der Rückfahrt halten wir bei einem Restaurant, wo es nur Maisprodukte gibt. Wir essen Atol, einen Maisbrei, der süß und wirklich gut ist, Maiskolben mit Butter und Käse und Tamalitos, kleine Tamalis. Alles kostet jeweils 5 L. Gegen 17 Uhr werden wir heil zu Hause abgesetzt und die anderen fahren von dannen.

Der Motor wird auch von José Manuel als gut befunden. Einige Teile werden von unserem Motor genutzt und Ever ist dabei, alles zusammenzubauen. Olli schaut ihm dabei auf die Finger, denn hier wird doch etwas anders gearbeitet. Yeto taucht an der Werkstatt auf, um sein Geld abzuholen. Wir hatten ihn informiert, dass wir uns wegen der Bezahlung mit ihm treffen wollen. Gemeinsam holen wir Geld von der Bank. Dann versuchen wir ihm klar zu machen, dass wir doch sehr enttäuscht von der unorganisierten Fahrt nach San Pedro Sula und seinem Verhalten vor Ort sind. Wir haben ja bereits Kost, Logis und Benzin gezahlt und sind nun nicht erfreut seine Dienste mit zusätzlichen 3.000 L zu entlohnen. Doch er lässt uns fast nicht ausreden. Beleidigt zieht er von dannen und will alles mit Joseph klären. Gut, dann machen wir das so! Jedenfalls fühle ich mich um einiges besser, nachdem ich ihm meine Meinung gesagt habe.

Willi kommt uns noch einmal besuchen und am Dienstag hängt der Motor dann schon im Auto. Olli kocht abends eine leckere Gemüse-Hackpfanne für alle. Wir haben auch mehrere Stunden Musik für die Jungs kopiert, so dass sie die nächsten Wochen ordentlich was zu hören haben. Das Geld, was wir in einem der Autoteileläden angezahlt hatten, bekommen wir anstandslos zurück. Leider dauern die Restarbeiten am Motor nun doch noch bis Donnerstagnachmittag und erst dann können wir – nur mit dem Auto - eine Probefahrt machen. Diesmal geht es nach Santa Lucia, eine Strecke durch die Berge. Alles hört sich gut an, die Temperaturen der Flüssigkeiten stimmen, nur die Gänge müssen noch nachjustiert werden. Das erledigt Ever noch am selben Abend und anschließend gibt es ein großes deutsches Abschiedsessen. Gulasch, Kartoffeln und Rotkohl. Eigentlich wollten Olli und ich noch eine große Probefahrt mit Camper machen. Dazu hatten wir überlegt, wieder nach Norden, in die Nähe von San Pedro Sula zu fahren und dort Willi in Puerto Cortes zu besuchen. Weil uns aber die Zeit drängt – Guido erwartet uns ja in Costa Rica – beschließen wir doch gleich nach Süden und nach Nicaragua zu fahren. Am Freitag den 5.3. verabschieden wir uns. Doch vorher kommt der große Augenblick der Wahrheit, die Rechnung. José Manuel entpuppt sich als wahrer Freund und entgegen all unseren Befürchtungen, berechnet er uns nur 12.500 L (4500 L für Ersatzteile und 8.000 L für Arbeit – wie am ersten Tag angekündigt). Wir sind positiv überrascht. Sogar die geliehenen 1000 L erwähnt er von sich aus und zieht sie von der Gesamtrechnung ab. Es werden Abschiedfotos gemacht und viele Umarmungen ausgetauscht. Nach einem letzten Versorgungseinkauf fahren wir bereits 11.15 Uhr aus Tegucigalpa heraus und steuern in die Berge nach Choluteca. Der Motor läuft leise und gut. Hinter Choluteca kommen wir in eine Polizeikontrolle und begegnen hier unseren ersten korrupten Polizisten. Dieser behauptet, dass unser Standlicht nicht funktioniert, was wirklich sehr gefährlich wäre, hier in Honduras (wo doch hier nur TÜV-einwandfrei geprüfte Autos herumfahren). 1500 L würde uns die Strafe kosten, doch wenn wir gleich bezahlen würden, wäre es natürlich billiger. Nach einigem Hin und Her bekommen wir aber doch ohne Bezahlung unsere Papiere zurück. Trotz zwei weiterer Polizeikontrollen, die wir diesmal gleich mit Fragen über die Grenze abschmettern, schaffen wir es an diesem Tag noch über die Grenze nach Nicaragua. Doch davon mehr im nächsten Bericht...