Nicaragua – 5. bis 10. März 2010

Wir erreichen die Grenze zu Nicaragua am späten Nachmittag. Links liegt ein flaches weißes Gebäude, vor dem uns mindestens 10 aufgeregte Leute zum Parken einweisen, obwohl das gar nicht nötig ist. Beim Aussteigen stürzen sie sich dann wie eine Meute hungriger Wölfe auf uns und wollen sich als Guide oder einfach nur Wechselgeld anbieten. Wir ignorieren sie so gut es geht und wurschteln uns zum ersten Schalter durch, wo zuerst die Pässe entstempelt werden, das Auto gleich nebenan. Weiter geht es über eine Brücke und zur nicaraguanischen Immigration. Die Sonne brennt und es sind gefühlte 40 Grad. Hier ist es wesentlich ruhiger und da wir von Freunden gehört haben, dass der Geldwechsel hier preiswerter ist, tun wir das nun. Allerdings muss Olli sein ganzes Handelstalent einsetzen, um von dem guten Mann einen vernünftigen Kurs zu bekommen. Am Immigrationsschalter zahlen wir brav unsere 14 $ und bekommen unsere Stempel. Nun stellen wir uns an den Schalter für den Autoimport. Vor uns steht ein US-Amerikaner, der mit seinem Motorrad auch bis Ushuaia möchte. Als wir an der Reihe sind, ist uns ein bisschen mulmig zumute, denn wir haben unsere Autoregistrierung dahingehend verändert, dass wir nun das aktuelle Nummernschild dort eingetragen haben. Bei der letzten Grenzüberschreitung hatten wir ein bisschen Probleme wegen des temporären Nummernschildes auf dem Papier. Doch die nette Dame hinter dem Glas interessiert sich weder für die Kopien, die Olli gerade schnell noch gemacht hat, noch für unser Papier. Wir bekommen das Zertifikat nach 10 min ausgehändigt. Nun noch schnell die obligatorische Versicherung für 12 $ und wir sind mit allem fertig. Keine Stunde hat es gedauert. Telefonisch verabschieden wir uns noch einmal von Sandra und von unserem lieben Freund Willi, den wir nun leider nicht mehr gesehen haben.

Weiter geht es auf einer makellosen Straße durch Nicaraguas Flachland. Wir sind begeistert von der Sauberkeit der Grundstücke und der Straße, es gibt sogar tadellose Straßenmarkierungen. Es sind nicht viele Autos unterwegs, dafür eine Menge Fahrräder, Fußgänger und Pferdekarren (die Pferde sind genau wie die Menschen, viel kleiner als in Europa). Neben uns taucht die Cordillera de los Maribios, eine Kette bestehend aus 10 Vulkanen, auf. Einer davon stößt unentwegt weiße Rauchwolken aus. Da wir noch gute zwei Stunden Tageslicht nutzen können, kommen wir sogar noch bis Chinandega, einer etwas größeren Stadt, in der vor allem Rohrzucker verarbeitet wird. Der LKW, welcher im Ort vor uns fährt, biegt plötzlich rechts auf einen großen Parkplatz – und wir sofort hinterher. Hier kann man für 30 C (Colones) übernachten. Es gibt eine Dusche, ein WC und ein Restaurant. Der Besitzer weist uns an, gleich längst neben dem Restaurant zu parken, wahrscheinlich weil es hier am sichersten ist. Da wir derbe Hunger leiden, gehen wir gleich in das luftige Restaurant. Wir sind an diesem Abend anscheinend die ersten Gäste und gleich wird die Anlage aufgedreht. Auf einer riesigen Leinwand laufen Musikvideos übelster Sorte im folgenden Stil: ein 60 jähriger Macho singt und mindestens drei halbnackte 20 jährige wackeln dazu mit allem, was sie haben. Das ganze ist untermalt mit Merenge- oder Salsatönen in ohrenbetäubender Lautstärke. Tja, wir sind halt hier in einer Truckerbar. Das Essen allerdings, ist wirklich super lecker und preiswert dazu. Dieser zuerst so tolle Stellplatz entpuppt sich später schnell zum Horrorszenario. Die Musik wird mit vorgerückter Stunde immer lauter. Es ist, als ob man neben einer Disco steht. Dazu kommt die unglaubliche Temperatur. Obwohl die Chefin vehement verneinte, als ich sie fragte, ob es nachts auch so heiß ist, sind gegen 22 Uhr immer noch 28 Grad draußen wie drinnen und es weht nicht das kleinste Lüftchen. Mit anderen Worten, die Fenster zumachen heißt ersticken, die Fenster auflassen heißt Kopfschmerzen. Wir entscheiden uns für letzteres, werden bis Mitternacht von der Musik und anschließend bis 1 Uhr von lauten Stimmen vor der Bar wach gehalten. Also, keine Empfehlung. Doch es war Feitag, vielleicht ist dieser Platz unter der Woche etwas ruhiger.

Wie erwartet, starten die ersten LKWs am nächsten Morgen bereits gegen 5 Uhr. Wir kommen gegen 8 Uhr los, nachdem wir nur schnell einen Kaffee getrunken haben. Von Chinandega fahren wir nach Léon, der ehemaligen Hauptstadt Nicaraguas. Die Straße, die sich Autos, Pferdekarren und Fahrradfahrer teilen, ist wieder in einem sehr guten Zustand. Auch Léon befindet sich in der heißen Ebene und so fahren wir durch plattes Land, links von uns liegen die Vulkane. Der Vulkan San Cristobal, den wir schon gestern bewundert haben, stößt auch heute seinen weißen Qualm in den Wolkenlos blauen Himmel. In Léon stellen wir das Auto auf einen bewachten Parkplatz (20 C) und gehen zu Fuß ins 15 min entfernte Zentrum. Ca. 150.000 Einwohner hat diese herrliche, doch auch sehr heiße, Kolonialstadt. Sie ist, auch wenn heute nicht mehr Hauptstadt, immer noch künstlerisches und religiöses Zentrum Nicaraguas. Auf dem Weg zum Zentralen Platz kommen wir bereits an einigen Kirchen und schönen Plätzen vorbei, z. B. an der Iglesia De La Recolección, deren grelles Ocker schon von weitem zu sehen, und deren Fassade, wunderschön mit steinernem Efeu verziert ist. Léon ist sehr bunt. Die Häuser sind nicht nur verschiedenartig angestrichen sondern außerdem noch mit farbenfroher Werbung versehen. Immer wieder sieht man verschiedene Baustile, tolle Verzierungen oder Fliesen, die in den Boden eingearbeitet sind. Die Kathedrale Léons ist die größte Lateinamerikas. Obwohl schon ein bisschen abgeblättert, kann man immer noch die tollen Ornamente und Figuren an der ehemals weißen Fassade erkennen. Innen ist sie weitläufig, makellos weiß und luftig hoch. Hier sind berühmte Personen, wie z.B. Nicaraguas bekanntester Poet, Rubén Darío, bestattet. Im Café Rosalita, gegenüber der Kathedrale, genehmigen wir uns ein frühes Mittag, welches wir im luftigen Atrium auf einem bequemen Sofa genießen. Anschließend besuchen wir die private Ausstellung ‚Fundación Ortiz’, eine Kunstausstellung mit Bildern von europäischen, doch vor allem mittelamerikanischen Künstlern. Die beiden Kolonialgebäude, in denen die Exponate gezeigt werden, haben gepflegte Atrien und gigantische Leuchter in den hohen Räumen. Noch am selben Tag geht es in den Masaya Nationalpark.

Es geht vorbei am höchsten Vulkan des Landes, Momotombito, und dem Lago de Managua, welcher riesig und dreckig vor uns liegt. Kurz vor Nicaraguas Hauptstadt, werden wir in einer Polizeikontrolle angehalten. Es geht um eine routinemäßige Kontrolle und der nette Beamte ist nicht nur fix, er zeichnet uns auch den Weg zum Nationalpark Masaya auf. Leider werden wir keine 2 km weiter von drei anderen Polizisten angehalten. Es ist nicht einfach nett zu bleiben, wenn man den Sinn dieser häufigen Stopps nicht versteht und wie wir, unter Zeitdruck steht. Dieser Beamte ist nicht so freundlich. Ollis kopierten Führerschein lässt er nicht gelten und als ich dann auch noch sage, dass wir wegen der Korruption falsche Papiere mit uns führen, findet er das gar nicht lustig. Doch er lässt uns nach 10 min weiterfahren. Wir fragen uns allerdings, warum gerade wir, als Touristen immer herausgefischt werden. Liegt es daran, dass Nicaragua auf die USA schlecht zu sprechen ist? Das wäre allerdings kein Wunder, bei der Geschichte. Trotz der wunderschön gemalten Karte, finden wir den beschriebenen Weg nicht. Das liegt daran, dass wenn man Glück hat, gerade mal ein Ortseingansschild existiert. Wir fahren also zu weit, landen in der Hauptstadt, fragen noch einmal bei der Polizei und bekommen nun einen Weg südlich vom Park gewiesen. Dieser soll jetzt zu Hauptverkehrszeit viel schneller und besser sein. Also gut! Die Straßen sind wirklich frei und führen uns durch eine atemberaubende Gegend. Es geht auf ein Grasbewachsenes Plateau, von welchem man in tiefe weiche Schluchten sehen kann. Das erinnert mich sehr an England, denn auch hier weht das lange Gras in einem starken Wind und rundherum ist alles grün. Auch die Ortschaften hier sind irgendwie gepflegt, sauber und teilweise sehen wir ziemlich schicke Villen. Allerdings fahren wir bestimmt einen Umweg von insgesamt 50 km. Wir erreichen die Einfahrt zum Park Masaya erst gegen 17 Uhr, doch wir haben Glück. Obwohl das Tor für die Einfahrt schon geschlossen ist, dürfen wir mit unserem Camper noch rein und gleich zum Visitor Center, wo wir für die Nacht stehen können. Der untergehenden Sonne entgegen fahren wir zum Stellplatz. Hier oben weht ein angenehm kühler Wind und vor allem – es herrscht abgesehen von den Grillen -Totenstille.

Nach einer erholsamen Nacht erwachen wir schon um 7Uhr. Nach dem Frühstück und bevor wir loskommen, treffen wir noch Patricia und Jaques aus Frankreich, die auch mit einem Auto die Panamericana bereisen. Anschließend geht es mit dem Auto eine gut asphaltierte Straße hoch zu den zwei Vulkanen Nindirí, der das letzte Mal 1670 ausbrach und Masaya, der 1772 sein Innerstes entleerte. Insgesamt haben die Vulkane 5 Krater. Wie alle anderen Besucher stellen wir das Auto rückwärts an den aktiven Krater Santiago – ‚Just in Case’. Aus dem bestimmt mehrere hundert Quadratmeter großen Loch steigen gashaltige Nebel auf. Es wird darauf hingewiesen, nicht länger als 20 min in der Nähe des Kraters zu bleiben, da es ansonsten zu Vergiftungen und Reizungen der Augen kommen kann. Wir erklimmen die 177 Stufen zum Cerro de la Cruz, wo der dampfende Vulkan getauft wurde. Heute steht hier oben ein riesiges Kreuz und man hat einen tollen Ausblick auf Krater und Landschaft. Danach wandern wir um einen weiteren Krater herum, bis wir in der Ferne das blaue Wasser der Lagune Masaya sehen. Hier oben weht ein heftiger Wind. Auf dem Rückweg halten wir noch einmal beim Visitor Center, um dieses zu besichtigen und um Wasser aufzufüllen. Das Besucherzentrum ist wirklich toll gestaltet und sehr interessant. Auch von hier und zwar von einer neu angelegten Terrasse, hat man einen schönen Blick auf die dunkelblaue die Lagune.

Vom Nationalpark fahren wir eine neu ausgebaute Straße an der Stadt Masaya vorbei und weiter, bis wir in Nicaraguas drittgrößte Stadt, Granada, landen. Da heute Sonntag ist, sind die Straßen wie ausgestorben und wir erreichen das historische Zentrum ohne viel Rangiererei. In einer Seitenstraße stellen wir das Auto ab und gehen zu Fuß weiter. Granada liegt am Lago de Nicaragua und glänzt mit vielen restaurierten Häusern im Kolonialstil. Die Stadt ist ein touristisches Highlight in Nicaragua. Wir wandern umher, bestaunen die herrlichen Farben und prächtigen Fassaden. Die beiden Franzosen vom Morgen treffen wir hier auch noch einmal. Nach einem Imbiss verlassen wir die Stadt allerdings schon wieder, denn wir haben kurzerhand beschlossen, heute noch bis kurz vor die nächste Grenze zu fahren. Genau so einfach, wie wir herein gefunden haben, finden wir auch wieder heraus, diesmal in Richtung Süden. Als wir auf die „Panamericana“, also die CA1 fahren, erwartet uns die bislang schlechteste Straße von Nicaragua. Es ist halt auch die meist befahrene. Nichtsdestotrotz kommen wir schnell voran. Zuerst geht es noch durch hügeliges Grünland, die Strasse ist von alten Bäumen gesäumt und am Rand bieten die Einheimischen in einfachen Holzverschlägen Früchte an. Dann wird es zunehmend trockener. In der Ferne taucht wie ein Gespenst wieder ein Vulkan auf – diesmal perfekt geformt, wie eine Pyramide. In La Virgin biegen wir ab und fahren die letzten 20 km zum touristischen Badeort San Juan del Sur. Wir stellen uns vor das relaxte Hostel Esperanza an den Malecón, mit direktem Blick auf die sichelförmige Bucht und den sich dahinter erhebenden Berg. Auf dessen Spitze wurde eine imposante Jesusstatue errichtet, die die Bucht und Schiffe segnet. Mit anderen Worten, wir haben einen perfekten Blick aus unserem Camper, denn kurz nach dem Einparken, erleben wir mit einigen anderen Touristen auch schon einen perfekten Sonnenuntergang und anschließend scheint die erleuchtete Jesusstatue auf uns und unseren Schlaf.

Wir verbringen noch zwei ganze Tage in dieser ruhigen schönen Stadt. Unser Stellplatz ist aber auch wirklich wieder so nett, dass wir uns schwer losreißen können. Außerdem haben wir durch ein Wifi-Netz die Möglichkeit, einen weiteren Bericht und Bilder frei zuschalten. Wir spazieren am Strand entlang und durch die kleine Stadt, genießen kalte Getränke in den Strandbars, beobachten kuriose Leute am Strand (z.B. joggt hier eine ältere Dame mit fünf Hunden und einem Kakadu). Auch ein gigantisches Cruiseschiff legt einen Nachmittag hier an und spuckt bestimmt 1000 Amerikaner oder Kanadier aus, die die Stadt sozusagen überrollen. Aber nur so kommt das Geld herein. Bei der Post haben wir wieder einmal Pech. Sie hat mittags schon zu und macht erst wieder am nächsten Tag um halb 10 Uhr auf. Was sind das für Öffnungszeiten? Auch die beiden Franzosen treffen in San Juan del Sur ein und stellen sich auf die andere Seite der Straße. Leider steigt die Temperatur am letzten Tag ins unermessliche. Die Nacht ohne Wind wird sehr heiß. Früh am nächsten Morgen tanken wir noch einmal unseren Wassertank auf und verlassen dann den kleinen Badeort. Nun geht es zum Grenzort Penas Blancas in Costa Rica. Das wird eine große Grenze, denn sie liegt an der CA 1, also der Panamericana und ist die einzige für Autos und LKW ’s zwischen Nicaragua und Costa Rica, soweit wir das auf der Karte erkennen können.