Costa Rica – 25. März bis 20. April 2010

...Nachdem wir Guido zum Flughafen gebracht haben, kümmern wir uns um unser Auto, denn bei dem brennt seit neuestem die Servicelampe. Zuerst versuchen wir es bei Bosch, doch die weisen uns gleich weiter zu Ford. Ein netter Angestellter kommt nicht nur mit uns, um uns den Weg zu zeigen sondern gibt uns noch eine Adresse für einen Getriebespezialisten, denn unsere Gangschaltung muss ja auch noch nachjustiert werden. Bei Ford bekommen wir einen Termin und beim Getriebespezialisten wird die Gangschaltung für 20 $ wieder richtig eingestellt. Tags darauf lassen wir in einer Werkstatt in Alajuela einen Ölwechsel machen und bringen das Auto dann am Montag darauf wieder zu Ford nach San José. Zwischendurch fahren wir allerdings mit Yvonne, Ronny und den Kindern ans Meer. Wir stehen schon früh auf und fahren eine wunderschöne Strecke durch die Berge bis runter nach Tárcoles. Hier kann man von einer Brücke riesige Krokodile im darunter liegenden Fluss beobachten. Gleich am ersten Strand fahren wir das Auto von der Straße unter einen großen Baum und springen in die warmen Fluten. Anschließend werden Körper und Steaks gegrillt.

Am nächsten Morgen präsentieren sich ein glasklarer Himmel und ein wolkenfreier Poás Vulkan. Olli und ich beschließen spontan, hinauf zu fahren. Wir benötigen ca. 40 min hinauf auf den 2700 m hohen Berg und durch eine wunderschöne Landschaft. Alles ist so supergrün, als trüge man eine grüne Brille. Am Kassenhäuschen erwartet uns eine lange Autoschlange, denn es ist wirklich der ideale Poás-Tag. Es geht schnell, wir parken bei den Bussen und stiefeln auf einem asphaltierten Gehweg zum Hauptkrater, welcher nach einem deutschen Wissenschaftler benannt ist. Wir nehmen die letzte kleine Anhöhe und da ist er. Der Krater ist etwa 300 m tief und ein giftgrüner See schlummert in seiner Mitte. Es blubbert und spritzt wie in einem Hexenkessel, warum man den Vulkan vor seinem ersten Ausbruch auch für einen Geysir gehalten hat. Graue Schwefelwolken steigen aus dem Krater, die verhindern, dass sich am Kraterrand Vegetation ausbreiten kann. Nachdem wir das grüne Loch und Umgebung als auch unser Personen ausgiebig fotografiert haben, wandern wir bergauf zur Lagune Botos. Nach ca. 20 min leicht bergauf erreichen wir den, mit Regenwasser gefüllten, dicht bewaldeter und längst erloschener Krater. Von hier geht es in einem Loop zurück zum Visitor Centre. Es geht bestimmt einen km relativ steil bergab. Unter den Bäumen ist es angenehm kühl und die Vegetation ist herrlich. Im Besucherzentrum sehen wir uns einen Film über den Vulkan an und schleichen anschließend durch den überteuerten Laden. Dann geht es zurück zum Hotel. Der Hang des riesigen Berges ist übersät mit Kaffee- und Erdbeerpflanzen. Bei den Erdbeeren, die überall am Straßenrand angeboten werden, schlagen wir auch gleich zu.

Der Termin bei Ford entpuppt sich als endlose Warterei. Gegen 14 Uhr sind sie dann fertig. Anscheinend lag es an einem oxidierten Kabel, welches nun gereinigt wurde. Der Scanntest kostet uns aber 60 $. Nun fahren wir so schnell wie möglich zum Belén Trailerpark, denn hier stehen unsere Freunde aus der Karibik Elly und Raimund. Eigentlich wollen die beiden heute schon weiter, doch wir können sie überreden noch zu bleiben. Wir nehmen sie einfach mit zu unserem Hotel, wo wir gemeinsam einen schönen Abend verleben. Ziemlich spät bringen wir die beiden zurück zu ihrem Camper. Als wir uns verabschieden, vermisst Raimund plötzlich seine Sonnenbrille. Oh nein, hat er sie etwa liegenlassen? Doch Olli erinnert sich, dass sie vorher auf der Stoßstange lag. Wir gehen ums Auto und da liegt sie original noch immer. Trotz der schrecklich huckligen Straßen, Schlaglöcher usw. ist sie dort während der 10 km Fahrt nicht heruntergefallen. Ein wirklich guter Fahrer, dieser Olli. Wir müssen jedenfalls alle herzlich lachen. Nun verabschieden wir uns wohl für längere Zeit, denn die beiden wollen wirklich schnell weiter nach Norden. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal in Deutschland. Am Nachmittag ist auf dem Weg zum Trailerpark leider unsere Servicelampe wieder angegangen und so fahren wir am nächsten Morgen gleich wieder zu Ford. Diesmal dauert die Analyse ganze sechs Stunden und diesmal sind es anscheinend zwei Sensoren. Die werden nun ausgewechselt, wir sind weitere 300 $ los und fahren etwas genervt doch zufrieden zurück zum Hotel. Die nächsten fünf Tage verbringen wir im Hotel in Alajuela. Gemeinsam mit Yvonne und Ronny gehen wir auf die Jagt nach einer Spülmaschine und einem Wäschetrockner. Olli hilft anschließend beides anzuschließen. Ich verbringe viele Stunden am Computer, übersetze Texte und beschäftige mich mit einer neuen Fotogalerie. Inzwischen ist auch Kim eingetroffen, die hier im Hotel ein dreimonatiges Praktikum absolvieren wird. Wir verleben eine wunderschöne Zeit hier am Hotel, abends kochen wir abwechselnd und die unterschiedlichen Gäste, die eintreffen, machen die Abende noch interessanter.

Doch dann wird es Zeit aufzubrechen. Wir wollen noch einmal zum Lago de Arenal, denn Tom hatte uns damals schon auf eine Bootstour eingeladen. Als wir ihn von unserem Kommen unterrichten, lässt er uns gleich wissen, dass der Vulkan Arenal die letzten Tage so frei wie noch nie war und dass er gleich heute Abend mit dem Boot raus möchte – mit uns. Wir freuen uns tierisch. Natürlich kommen wir nicht vor Mittag los, doch dann legen wir die Strecke relativ zügig zurück. Eine Kette, die Camper und Truck verbindet, reißt während der Fahrt über unebene Straßen, doch dass soll uns jetzt erst einmal egal sein. In Las Canas, wo wir zum See nach Norden abbiegen, essen wir sehr günstig und lecker in einem kleinen Selbstbedienungsrestaurant. Beim Weiterfahren geht die Servicelampe wieder an. Na super, also müssen wir wohl oder übel noch einmal zu Ford. Gegen 17 Uhr und nach einer Strecke durch wunderschöne Landschaft – grüne Hügel mit Palmen und Rindern sind dieses Mal nicht Wolken verhangen – erreichen wir die Bäckerei. Die machen gerade Feierabend und nachdem wir Tom begrüßt haben, geht es wenig später auch schon runter zum Wasser. Wir haben uns warme Sachen angezogen, Bier, Kekse und Schokolade eingepackt. Tom bringt Leberkäse und frisches Brot mit. Es ist schon dunkel, als wir das Boot ins Wasser lassen, doch der See liegt einsam und ganz ruhig vor uns. In 45 min schneller Fahrt haben wir ihn komplett überquert. Schon von weitem sehen wir einen breiten Fluss glühender Felsbrocken die Vulkanwand herunterrollen. Sie ziehen eine rote Spur über die dunkle Wand. Es sieht herrlich aus und wir sind guter Stimmung. Wir essen, reden und Tom spielt uns bayrische Rockmusik vor. Immer wieder speit der Arenal Gesteinsbrocken aus und man kann sogar das entfernte Grollen des Vulkans hören. Nach ca. einer Stunde drehen wir dann um und fahren ganz gemütlich durch die stockfinstere Nacht. Über uns leuchten 1000 Sterne. Dann legt Tom einen schnelleren Gang ein und das kleine Boot fliegt übers Wasser. Es ist sehr schön und wir genießen diese Bootfahrt von der ersten bis zur letzten Minute. Das Wetter zeigt sich am nächsten Tag von seiner besten Seite und wir verbringen ihn auf dem öffentlichen Stellplatz am Arenalsee. Während wir nachmittags für zwei Stunden bei Tom in der Bäckerei sind, wird allerdings in unseren Camper eingebrochen. Wir hatten die Dachluke leider einen Spalt offen gelassen und so fehlen später vor allem diverse Frauenklamotten. Kein Schaden, den man nicht überleben könnte, doch es ist ja immer mehr der emotionale Wert der Dinge.

Wie gesagt, fahren wir wieder zurück nach Alajuela ins Hotel, da wir noch einmal bei Ford vorsprechen müssen. Die staunen nicht schlecht, als wir schon wieder vor der Tür stehen, diesmal sogar mit Camper. Wir lassen unser rollendes Zuhause da und werden von einem Mitarbeiter zurück zum Hotel gefahren. Vier Tage bleibt das Auto in der Werkstatt, doch einen Fehler finden sie nicht. Sie untersuchen alle Kabel, Sensoren und sogar den Bordcomputer bauen sie aus und lassen ihn durchchecken. Auf jeden Fall leuchtet die Servicelampe jetzt nicht mehr. Wir dürfen derweil bei Yvonne und Ronny im wunderschönen Büro nächtigen. Ist auch mal wieder eine ganz andere Erfahrung, in so einem Hotelbett zu schlafen. In Tegucigalpa hatten wir es verwünscht, aber hier sind die Zimmer ein anderer Standard, halt sehr schön und vor Allem sauber. Wir können uns sogar mal wieder im sitzen Filme schauen, was bei uns im Alkoven nicht möglich ist. Wir besuchen einen deutschen Fleischer und kaufen dort nicht nur leckere Wurst sondern auch Schweizer Brot. Abends kochen wir abwechselnd, es kommen Gäste, viele, die wir auch schon auf deren Hinreise hier kennen gelernt hatten, aber auch neue. Es bleibt also interessant. Selbst als wir unseren Camper wiederhaben, können wir uns noch nicht trennen und bleiben noch einige Tage.

Dann müssen wir aber irgendwann die Zelte abbrechen und fahren nach Süden zur Küste. Es ist wirklich eine ganz wunderschöne Küste hier unten. Wir durchfahren Jaco, einen beliebten Urlaubsort und Surferparadies, weiter geht es an Kilometerlangen Palmenplantagen entlang. Zwischendrin stehen die ärmlichen Behausungen der Feldarbeiter. Hinter Uvita, also nach gut 300 km, probieren wir zunächst einmal einen Platz am Strand. Der gehört zum ‚Park National de Ballenas’, doch laut den Einheimischen wird hier nur am Wochenende abkassiert. Gerade versinkt der glutrote Sonnenball über dem Meer. Ein toller Anblick. Leider können wir hier nicht bleiben, denn Olli hält es bei den Temperaturen ohne Lüfter nicht aus. Wind gibt es überhaupt nicht. Wir fahren zurück in den Ort Uvita, wo wir einen Campingplatz finden, auf dem wir mit dem vorhandenen Stromanschluss unsere Ventilatoren anmachen können. Es sind unglaubliche 29 Grad, im Camper gefühlte 33 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Und dabei ist es schon 20 Uhr. Es bleibt die ganze Nacht so heiß und schwül. Von dort brechen wir am nächsten Morgen zur Grenze nach Panama auf.