Ecuador Teil I – 22. Juni bis 1. Juli 2010

Kurz hinter Ipiales erreichen wir die Grenze Kolumbien – Ecuador. Für die Ausreise aus Kolumbien muss man gleich ins erste große Gebäude und an die Schalter DAS. Es geht nicht so schnell, wie wir dachten, denn erstens läuft Argentinien gegen Griechenland im Fernsehen, welches von einem der beiden Zollbeamten aufmerksam verfolgt wird, und zweitens haben wir eine Schulklasse vor uns. Doch irgendwann haben wir die 15 min auch überstanden. Um das Gebäude rum, an der Aduana geben wir einfach unser kolumbianisches Autoimportpapier bei der DIAN ab. Wieder im Auto fahren wir über eine Brücke und parken rechts vor dem ecuadorianischen Grenzgebäude. Die Leute hier sind alle nett und hilfsbereit. Wir müssen ein kleines Formblatt ausfüllen und uns wieder anstellen. Anscheinend sind die Beamten beim Mittag, denn keiner der Schalter ist besetzt. Zum Glück gibt es im Raum einen großen Bildschirm und wir können so die zweite Halbzeit des Spieles verfolgen. Irgendwann hat die Warterei ein Ende und wir bekommen unsere Einreisestempel. Im gelben Gebäude an der Ecke wird das Auto importiert und auch hier gibt es natürlich Fußball. Alles in allem hat uns der Grenzüberganz keine Nerven sondern lediglich 1,5 Stunden (Fussball-Weltmeisterschaft-Liveübertragung) gekostet.

In der Grenzstadt Tulcán auf ecuadorianischer Seite, fahren wir gleich zu unserem ersten Touristenziel. Der Friedhof! Ja, dort wollen wir keine Gräber bestaunen sondern die berühmten Topiary-Zypressen. Seit 1936 beschneiden Senor Jose Franco bzw. heute seine Söhne die Bäume auf dem riesigen Friedhofsgelände. Wir parken das Auto direkt davor und betreten die parkähnliche Ruhestätte. Gleich am Eingang gibt es – wow – einen Briefkasten. So etwas haben wir ja schon seit den USA nicht mehr gesehen. Dann geht es auf zur Fotostrecke, die Sonne macht auch mit. Nach einer Stunde auf dem wirklich schönen Friedhof besorgen wir uns noch etwas Leckeres vom Grill an der Strasse und fahren dann wieder zurück und auf die Umgehungsstrasse, die Panamericana. Als es bereits dunkel ist, erreichen wir Ibarra, wo wir uns für die Nacht direkt hinter die Militärkontrolle stellen dürfen. Unser nächstes Ziel ist Otavalo. Dieses schöne kleine Städtchen bietet eine Hauptattraktion Ecuadors, einen riesigen Samstagsmarkt. Dieser ist so groß, dass es eigentlich 4 Märkte sind, ein Viehmarkt eingeschlossen. Wir sind nun einmal an einem Mittwoch hier und erleben deswegen nur den Markt im Zentrum. Hauptsächlich Kunstprodukte oder Wollsachen werden hier angeboten. Gute drei Stunden wandern wir zwischen den bunten und interessanten Marktständen umher, kaufen Souvenirs, die teilweise wirklich preiswert sind, probieren Hüte auf und Halsketten und schauen uns anschließend das Deutschland:Ghana-Spiel in einem der vielen Restaurants an.

Wir verlassen Otavalo am Nachmittag in Richtung Quito und überfahren dabei das erste Mal den Äquator. Wir wollen zum ‚Mitad del Mundo’, einem Denkmal welches die Äquatorlinie kennzeichnet. Um dort hin zu kommen, müssen wir durch Quitos Norden. Doch nicht nur das, die Strecke führt durch himmelhohe Berge, wir blicken in abgrundtiefe Schluchten, stellen die Bremsen des Autos hart auf die Probe bei km-langen Abfahrten, um uns dann in langsamen Autokolonnen die Berge wieder hinauf zu kämpfen. Quito ist dann so groß, wie man es sich vorstellt. Obwohl wir nur den nördlichen Teil der Stadt durchfahren, ist der Anblick der vielen tausend Häuser ein Schock. Natürlich gibt es keine Schilder und wir müssen uns den Weg im Berufsverkehr erfragen. Doch wir finden unser Ziel. Der Park mit dem Äquatormonument hat schon zu und so verschieben wir die Besichtigung auf den nächsten Tag. „Mitad del Mundo“, heißt so viel wie Mitte der Erde. Warum nun ausgerechnet hier die Mitte der Erde sein soll, versuchen wir den ganzen Tag über zu erkunden. Der riesige Park bietet ein haushohes Monument mitten auf der Äquatorlinie. Fakt ist aber, dass die französischen Forscher bei ihren Vermessungen 1736 nicht so genau waren, wie die heutigen GPS-Geräte. Die wirkliche Linie verläuft nämlich ca. 200 m neben dem Park auf einem Privatgrundstück. Nachdem wir die verschiedenen Museen, wo die indigenen Stämme Ecuadors vorgestellt werden, die Pavillons und auch die kleine Stadt (mit Postamt – doch die eine Karte nach Europa kostet $ 2,20) im Kolonialstil des Parks ausgiebig genossen haben, wechseln wir zur wirklichen Äquatorlinie. Zuvor lernen wir allerdings noch Evelyn und Ralf kennen. Die beiden deutschen sind mit ihren beiden Mädels für einen Urlaub in Ecuador, wohnen aber schon seit 2 Jahren in Managua.

Das Open-Air-Museum ‚Intinan’ auf dem privaten Grundstück nebenan ist klein aber fein. Wir parken das Auto unterhalb auf einem Sandplatz, den wir gleichzeitig zu unserem Schlafplatz auserwählen. Jeder Besucher wird einer Gruppe zugeteilt und die wird dann von einem Guide durch das Gelände geführt. Man bekommt alles genau erklärt und es werden auch verschiedene Versuche bzw. Beweise zur Äquatorlinie vorgeführt bzw. kann man sie selber ausprobieren. Hier verbringen wir auch noch einmal fast zwei Stunden, denn es ist wirklich nett gemacht. Am nächsten Morgen besuchen wir den Krater Pululahua, heute ein Geobotanisches Reservat. Wir Wandermuffel schauen natürlich nur von oben in den ehemaligen Krater, anstatt auch runterzuwandern. Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir zum zweiten Mal nach Quito. Auf dem Weg dorthin versuchen wir Propangas zu bekommen, denn unseres neigt sich schon wieder dem Ende entgegen. Am Ende wurden wir wieder von Pontius zu Pilatus geschickt, ohne Gas zu bekommen. Die Auffüllstation befindet sich anscheinend im Süden von Quito. Wir wurschteln uns auf den großen Avenidas bis zu der Adresse durch, die uns Paola und Igel gegeben hatten, das Hotel ‚Zentrum’. Doch wir sehen schon von weitem, dass wir weder in die Strasse noch durch das Tor passen. Als weitere Adresse haben wir einen öffentlichen Parkplatz, den schon einige andere Autoreisende vor uns angesteuert hatten. Wir passen ohne Komplikationen durch das Tor und der Platz dahinter ist riesig. Es gibt Wasser und Strom und ruhig ist es dazu auch noch, obwohl wir uns nur wenige Fußminuten vom touristischen Zentrum ‚Mariscal’ entfernt befinden. Die Wäscherei, der Schneider und ein Supermarkt sind auch um die Ecke. In den nächsten Tagen erkunden wir von hier aus Quitos Neustadt bzw. Mariscal. Aufgrund der vielen Backpacker gibt es unzählige Restaurants, Bars, Discos und Bücherläden. Doch nicht in denen sondern in den vielen Hostels ergattern wir deutschsprachige Reiseführer für die Länder die noch kommen.

Einige Tage später trifft Kim aus Costa Rica in Quito ein. Wir haben sie bei Gerd im Hotel ‚Zentrum’ einquartiert, wo wir in den letzten Tagen des Öfteren Essen waren, Fußball schauten und auch Karin und Reinholds Auto entdeckt hatten. Die beiden sind allerdings gerade auf den Galápagos Inseln. Gemeinsam mit Kim buchen wir unsere Galapagos Flüge. Doch bevor wir dorthin aufbrechen, erklimmen wir einen der Berge Quitos. Allerdings tun wir das mit Hilfe der neuen telefériQo, die uns bis ganz oben auf den windigen Gipfel bringt. Oben wandern wir durch die dünne kalte Luft, betrachten die Millionenstadt von oben und machen Bilder. Nach einem Rundgang durch den Vergnügungspark fahren wir per Taxi in die historische Altstadt von Quito. Hier nehmen wir erst mal Kuchen und Kaffee zu uns, um dann über den zentralen Platz mit seinen wunderschönen neoklassischen Gebäuden zu schlendern. Am nächsten Morgen brechen wir dann relativ früh zum Flughafen auf, um nach Santa Cruz und auf die berühmten Galápagos Inseln zu fliegen.