Von Quito über Mindo an Ecuadors Küste – 15. Juli bis 17. August 2010

Nach unserer Galapagosreise verleben wir noch einige schöne Wochen in Quito. Dort arbeiten wir nicht nur Fotos, Videos und Berichte für die Website auf, wir überlegen auch, ob wir eine Tour ins Amazonasgebiet unternehmen. Inzwischen sind wir nicht mehr die Einzigen auf unserem Stellplatz. Immer wieder reisen Leute an und ab. Wir lernen Nina und Robert aus Australien, Rinus und Erna aus Holland und Marion und Mario aus der Schweiz kennen. Noel und Aoife aus Irland empfehlen uns eine Dschungellodge und als wir die Reiseagentur deswegen aufsuchen, lernen wir dort die Deutsche Alexandra kennen. Alex lebt aber schon lange mit ihrem Freund Juan-Carlos in Quito. Mit den Zweien verbringen wir eine schöne Zeit, gehen sogar zum Japaner, obwohl Olli dafür eigentlich nicht zu haben ist. Im riesigen Park Carolina erleben wir, wie der Ecuadorianer seinen Sonntag verlebt. Es wimmelt von Leuten, doch ein Liegeplatz findet sich allemal. Man fährt Tretboot oder lauscht freien Konzerten – diesen Sonntag ist es Death Metal. In der Nähe des Parks befindet sich das Museum des berühmtesten Malers des Landes – Guayasamin. Olli und ich sehen hier im kleinen Park unsere ersten Alpakas. Die Altstadt besuchen wir noch einmal und natürlich stehen noch diverse Besorgungen an. Wir haben extreme Schwierigkeiten einen neuen Heizstab für unseren Warmwasserbehälter zu finden, denn das Originalteil wurde leider zusammen mit unserem Rucksack aus einer Bar entführt. Daran sind wir allerdings selber Schuld, da wir nicht aufgepasst hatten. Schließlich ist das Mariscal ja bekannt für Langfinger. Einen Transformator ergattern wir nach einigem Suchen. Die Gasflaschen bekommen wir auch gefüllt, weil Olli sich etwas Schlaues einfallen lässt. Unseren Harry fahren wir zu Ford, denn er tropf vorne. Schon als wir die Werkstatt verlassen – der Wagen soll einen Tag hier bleiben, ärgern wir uns. Ford ist teuer (40 $ für die Arbeitsstunde) und wir brauchen nun einen Schlafplatz, den uns Alex allerdings gleich anbietet. Doch wir haben wieder einmal alles richtig gemacht. Als wir uns am Nachmittag nach dem Stand der Dinge erkundigen, ist alles ok mit dem Auto. Der Mechaniker hat nur was nachgezogen und nun ist alles dicht. Wir müssen nichts bezahlen und können die Nacht noch einmal im eigenen Bett auf dem Parkplatz verbringen.

Von Quito geht es abermals nach Norden und Mitad del Mundo, doch hier bleiben wir nicht, sondern fahren weiter nach Mindo. Die Gegend, die wir durchfahren ist grün und voller Dschungelwald bewachsener Berge, doch der Himmel ist durchgängig bedeckt. Von der Hauptstrasse geht es noch einmal 7 km bergab in das kleine Städtchen, welches bei Ecuadorianern bekannt ist für Wasserfälle, Schmetterlinge und Canopy fahren. Am Fluss finden wir einen Stellplatz, wo wir gleich den Grill auspacken und später eine relativ ruhige Nacht verbringen. Früh am nächsten Morgen brechen wir auf, um die Wasserfälle zu besichtigen. Eigentlich wollten wir die 3 km bergauf per Fuß erklimmen, doch nach nicht einmal 5 min hält ein Auto und wir klettern auf die Ladefläche. Gut so, denn das sind niemals nur 3 km! Oben angekommen, haben wir das Pech, das gerade 2 Busse eingetroffen sind. Die kleine Seilbahn, die einen auf die andere Seite und zu den Fällen bringt, ist also für Stunden ausgebucht. Doch hier gibt es noch andere Wasserfälle und so laufen wir den Berg weiter hinauf, bis wir nach 20 min die nächste Station erreichen. Hinter der Frau, die das Geld kassiert, geht es steil bergab durch den Dschungel. Nach ca. 800 m erreichen wir eine kleine Canopy Station. 10 junge Leute machen sich gerade daran, auf die andere Seite zu „fliegen“. Es sieht ganz schön gefährlich aus, wie sie Anlauf nehmen und sich dann 2 m in die Tiefe fallen lassen, bevor das Seil greift. Nichts für uns alte Leute. Nach einem weiteren Kilometer erreichen wir den ersten kleinen Wasserfall und von hier sind es noch einmal 5 min bis wir zu den Badebecken und der Rutsche kommen, die die Leute von hoch oben in den Fluss entlässt. Wir haben nicht einmal Badesachen bei und so halten wir lediglich unsere heißen Füße ins kalte Nass. Tausende von bunten Schmetterlingen fliegen herum. An einem größeren Wasserfall springen die mutigen von ca. 10 m Höhe in die kalten Fluten. Wir schauen eine Weile zu und machen uns dann erst an den steilen Aufstieg und später an den kilometerlangen Abstieg zum Camper. Die Gegend ist ein Vogelparadies und vor allem die brummenden Kolibris sind hier in allen Farben vertreten.

Wir verlassen Mindo in Richtung Küste. Im Knotenpunkt Santo Domingo lassen wir noch mal die Reifen rotieren. Flor und ihre Familie, denen der Laden gehört, sind von unserem Camper ganz hingerissen. Wir zeigen ihnen alles, machen gemeinsam Fotos und am Ende wollen sie nicht einmal Geld für Reifenreparatur und Wechsel. Das geht natürlich nicht. Weiter nach Pedernales ist die Strecke sehr schön grün, sanft hügelig, mit Stelzenhäusern, vielen Rindern, Ziegen und Pferden. Sieht aus wie eine Mischung aus Guatemala und Belize. Doch es ist eine arme Gegend, was man leicht daran erkennen kann, dass die Menschen glückliche Gesichter machen. An einem Haus halten wir und beschenken ein kleines Mädchen mit Malbuch und Stiften. In der ziemlich dreckigen Küstenstadt Pedernales biegen wir nach Norden auf eine schmale Landzunge und eine nigelnagelneue Strasse. Bis weit in die Dunkelheit suchen wir nach einem geeigneten Stellplatz, was sich besonders gut macht, wenn man links und rechts der Strasse nichts mehr erkennen kann. Letztendlich gewährt man uns an einem kleinen Haus nach einigem Hin und Her Asyl. Am nächsten Morgen fahren wir noch bis zum Ende der Landzunge. Ein ziemlich vermüllter Ort bietet hier einen breiten Strand und Blick auf die gegenüberliegende Insel. Wir halten uns hier nicht lange auf, drehen um und fahren nach Süden. In Pedernales treffen wir doch wirklich Flor und Familie wieder, die uns ganz glücklich ihre Hände entgegenstrecken. Doch wir wollen nicht anhalten, denn dieser Ort mag für Ecuadorianer ein tolles Wochenendziel sein, für uns ist es zu laut, zu voll und zu dreckig. Wir fahren stattdessen bis Canoa, ein kleines Touristenörtchen. Den ganzen Tag war es bedeckt und hier ist es auch nicht besser, doch das ist normal für die Jahreszeit. Dafür sind die Temperaturen sehr angenehm - vor allem nachts.

Beim Hostal Bamboo verbringen wir die Nacht und lernen hier am nächsten Morgen Tanja und Dennis kennen, die sich gerade mit ihren großen Rucksäcken auf dem Weg zum Bus machen wollten. Daraus wird nichts, denn nun fahren sie bei uns mit. Wir haben denselben Weg und verstehen uns auf Anhieb super. Dennis arbeitet in Quito und Tanja besucht ihn für 7 Wochen. In San Vicente wollen wir die Fähre nach Bahia Caraquez nehmen, doch stellen fest, dass unser Auto die Rampe gar nicht hochkommen würde. So nehmen wir die 60 km Rundfahrt um die Bucht. Leider entpuppt sich die Strasse als eine große Katastrophe. und so geht uns schließlich ein Reifen kaputt. Immer wieder gibt es große Schlaglöcher, spitze Steine und wir sind extrem langsam. An einer Stelle ist es dann so weit und wir hören es unter uns zischen. Super! Leider ist auch unser Ersatzreifen platt, obwohl auch der letzte Reifenspezi kein Loch feststellen konnte. Also, Reifen von vorne nach hinten, Ersatzreifen nach vorne und kaputter vors Auto. Doch das ganze gestaltet sich als schwierig, da unser Wagenheber leider etwas zu hoch für platte Reifen ist, heißt, wir kriegen das Ding nicht unters Auto, jetzt wo es auf einem Plattfuss steht. Was sind wir doch für Spezialisten. Glücklicherweise hält ein Fahrer an, der uns seinen kleineren Wagenheber gibt. Dann ist alles gewechselt, der Platte Ersatzreifen mit dem kleinen Kompressor notdürftig aufgepumpt und es geht weiter. Der Reifenshop, den man uns nannte, entpuppt sich als kleine dreckige Holzbude, mit Warteschlange. Tosaqua (Hustensaft) ist ein totales Drecksloch und wir sind froh als wir endlich die matschigen Strassen hinter uns haben, müssen aber noch mal zurück, wegen der zu geringen Luft des Ersatzreifens. Wir haben uns bereits entschieden, dass es Zeit wird, neue Reifen zu erwerben. In Manta, einer großen Stadt hoffen wir das Gesuchte zu finden. Tanja und Dennis sind immer noch bei uns. Wir suchen für die beiden ein Hostal und stellen uns für die Nacht davor. Olli macht seine berühmte Bolognese und wir sitzen bis nach Mitternacht zusammen im Camper.

Unser Ersatzrad ist schon gestern Abend völlig platt gewesen, doch morgens steht ein Mann mit Kompressor zur Stelle. Wir frühstücken zusammen und lassen dann die kaputten Reifen reparieren. Die Bremsen werden auch gleich mitgemacht, doch neue Reifen finden wir in Manta nicht. Damit das Kulturelle nicht zu kurz kommt, besichtigen wir die berühmte Statue des großen Fischers, dem Wahrzeichen von Manta. Der entpuppt sich als ziemlich klein und umbaut von neuen Strassen, so dass man ihn nicht mehr von weitem sehen kann. Wir wollen nun nach Santa Marianita ans Wasser, doch aufgrund unzureichender Schilder, verfahren wir uns erst, müssen umdrehen und erreichen das kleine Dorf erst am späten Nachmittag. Auf der Suche nach einem Zimmer landen wir beim ‚Kite Casa’, welches den beiden Österreichern und Langzeitreisenden Monika und Fritz gehört. Hier bekommen Tanja und Dennis nicht nur das gesuchte Zimmer, wir dürfen direkt davor parken und können abends sogar den Grill benutzen. Monika und Fritz sind begeisterte Kitesurfer. Der Strand vor ihrem Haus ist dafür wie geschaffen, denn ab mittags weht fast immer Wind. Die Sonne scheint hier auch, worüber sich Tanja besonders freut. Zwei Tage verbringen wir hier. Am zweiten Abend gehen wir zu sechst in ein einfaches aber gutes Restaurant, wo es super Tunfischsteak und Muscheln gibt. Am Abreisemorgen erleben Olli und ich unser zweites kleines Erdbeben. Natürlich bezichtige ich erst einmal Olli des Herumhampelns im Bett, doch als der auch ganz verdattert unter der Decke hervorlugt, renne ich raus, um zu sehen, welcher Hirni da an unserem Camper wackelt. Als niemand zu sehen ist, geht uns ein Licht auf!

Von Santa Marianita fahren wir zu viert nach Montecristi. Hier kommt der vermeintliche Panamahut her, der in Wirklichkeit ‚Montecristi’ heißt. Doch die hübsche Stadt ist huttechnisch eine Enttäuschung. Hier sollte sich einen Hut kaufen, der wirklich gute Qualität möchte und bereit ist dementsprechend viel Geld hinzulegen. Wir sind es nicht und so machen wir einige Fotos (Unergründlicherweise haben wir keinen einzigen Hut fotografiert!), trinken leckere Batidos und fahren weiter nach Süden. Da wir Montecristi doch nicht ganz hutlos verlassen haben – ich habe 70 kleine Hütchen erstanden – gibt es für jeden mindestens einen für Spaßfotos. Unser Ziel ist Puerto Lopez bzw. der Nationalpark Machalilla, der mit 12 Dollar allerdings gepfefferte Eintrittspreise hat. Um diese Jahreszeit tummeln sich vor Ecuadors Küste die Buckelwale. Schon von Monikas und Fritzens Terrasse aus konnten wir sie in der Ferne sehen. Wir halten also nach Whale Watching Schildern Ausschau und entdecken eines im Ort Machalilla. Hier bietet ein Fischer und Naturführer Touren im Fischerboot zu einem vernünftigen Preis an. Doch bevor wir uns entscheiden, wollen wir die Lage im Backpacker-Ort Puerto Lopez noch überprüfen. Die Promenade ist voller Bars, Restaurants, Touristen und Agenturen die entweder reines Walbeobachten oder eine Tour zur Isla La Plata anbieten. Diese Insel wird auch Galapagos für Arme genannt, denn sowohl Albatrosse, Blaufußtölpel, Rotfußtölpel und Prachtfregattvögel als auch Meeresschildkröten kann man dort angeblich sehen. Doch auch dieser Preis ($ 20 Eintritt nur für den Nationalpark plus $ 40 für die Bootsfahrt) ist uns zu hoch und so nehmen wir das Angebot von Narziso aus Machalilla an. Hier sind nämlich nur wir vier für je 17,50 Dollar auf dem Boot. In Machalilla finden wir mit Hilfe von Narziso auch eine Unterkunft für Tanja und Dennis. Olli und ich stellen uns in die nachts verlassene Uferpromenade vor die Marine.

Ganz früh geht es mit Schwimmweste und kleinem Boot aufs Wasser. Narziso hat seinen Sohn dabei und der Besitzer des Bootes steht am Steuer. Der Himmel ist verhangen und es nieselt fast die ganze Zeit. Wale sehen wir erst nach einer Weile und dann auch nur in der Ferne. Immer wenn wir auf sie zusteuern, sind sie längst abgetaucht. Charakteristisch ist, dass der Buckelwal beim Abtauchen einen Buckel macht - daher sein Name. Wahrscheinlich sind die Buckelwale viel geräuschempfindlicher als ihre Artverwandten in Mexiko. Das Schnorcheln lassen wir ausfallen, denn uns ist allen viel zu kalt dafür. Dafür wollen wir lieber noch eine Stunde länger nach den Walen Ausschau halten. Wir fahren wieder aufs offene Meer und stellen den Motor ab. Gerade als ich den Satz: „Die springen hier eh nicht!“ ausspreche, schießt hinter unserem Boot ein riesiger Wal aus dem Wasser. Er springt und hebt dabei drehend seinen ganzen Körper über die Wasseroberfläche. Noch einmal und noch einmal springt er, dann wird es dem Bootsbesitzer zu heikel und er wirft den Motor wieder an. Wir denken schon, alles ist vorbei, doch der Wal springt noch einmal, schwimmt dann aber von dannen. Das gibt es doch nicht, uns rauscht der Kopf vor Glückseligkeit. Das war jetzt ein richtiger Adrenalinstoss und hat die gesamte Bootsfahrt um 180 Grad gewendet. Auf dem Rückweg fahren wir noch einmal um eine Insel voller Pelikane, Blaufußtölpel und Fregattvögel bevor wir wieder in Machalilla an Land gehen. Von hier geht’s mit dem Wagen nach Puerto Lopez, wo wir Mittag und leckere Batidos zu uns nehmen. Nachmittags fahren wir weiter nach Süden und Stoppen in Libertad Bolívar. Hier kann man wunderbar am Strand stehen, hinter den Häusern, so dass man von der Strasse gar nichts mehr mitbekommt. Zwei Tage verbringen wir in dem kleinen Küstenort mit Entspannen, Strandspaziergängen und Grillen. Wir lernen Cesar aus Guayaquil kennen, der 25 Jahre in Deutschland gelebt hat und demzufolge gut deutsch spricht. Er nennt uns einige Adressen in Guayaquil für die Suche nach neuen Reifen.

Von dem kleinen Küstenort geht es in Ecuadors größte und gefährlichste Stadt – Guayaquil. Hier hoffen wir endlich neue Reifen für unseren Truck zu finden. Entlang der Küste brauchen wir ungefähr 3 Stunden bis zur Stadt am Fluss Guayas. Nachdem wir einen ruhigen Stellplatz auf einem bewachten Parkplatz gefunden haben, schauen wir uns zuerst den hübschesten und auch sichersten Teil der Stadt an – den neu gebauten Malecón und das Viertel Las Peñas. Mehrere Stunden schlendern wir mit Tanja und Dennis über den neu gestalteten, wirklich schönen und am Sonntag auch sehr vollen Malecón. Hier gibt es Restaurants, Bars, Einkaufszentren, Spielplätze, Skulpturen usw. Nach Einbruch der Dunkelheit besteigen wir über knapp 500 Stufen den berühmten Berg Las Peñas. Die Regierung hat hier Millionen hineingesteckt, um die Häuser zu restaurieren und die ganze Gegend in einen Ausflugsdistrikt zu verwandeln. Von oben hat man einen tollen Ausblick auf das beleuchtete Guayaquil und vom Leuchtturm einen wunderbaren Rundumblick. Nach einem Abschiedsessen verabschieden wir uns von Tanja und Dennis, die nun nach Cuenca weiterreisen, während wir uns um die Reifen kümmern. Das ist mal wieder leichter gesagt, als getan. Mehrere Händler klappern wir ab, finden aber nicht das Gewünschte. Letztendlich suchen wir Cesar auf, der uns gleich bereitwillig bei der Suche unterstützt. Wir dürfen die Nacht sogar sicher vor seinem Haus verbringen und am nächsten Tag erstehen wir dann endlich neue Reifen. Noch einmal verbringen wir einen Abend mit Cesar und diesmal ist auch seine herzliche Schwester mit von der Partie. Doch am darauf folgenden Tag verlassen wir Guayaquil und fahren erst durch plattes heißes Land und anschliessend durch steile, kurvige Bergstrassen zurück nach Norden, denn dort gibt es noch viel zu sehen.