Ecuadors Hochland – 18. August bis 16. September 2010

Wir verlassen das wimmelnde Guayaquil in Richtung Daule. Die Strasse ist gut, die Landschaft flach und grün. Reisfelder, Teca-Bäume (ein relativ dünner, sehr gerader Stamm und kaum Äste), Papaya-, Bananen und Mangoplantagen kreuzen unseren Weg. Wir kommen flott voran, einzig ein Klingeln und pfeifen aus dem Motorraum stört. An einer kleinen Werkstatt hinter Velasco Ibarra, legen sich zwei Jungs unters Auto, doch können die Ursache nicht finden. Gegen 17 Uhr fahren wir erst weiter und schaffen es einmal mehr, mitten im Berufsverkehr eine 120.000 Einwohner Stadt wie Quevedo zu durchqueren. 20 km weiter, gleich hinter Valencia, übernachten wir auf einem großen Stellplatz hinter einer Tankstelle. Hier lassen wir am darauf folgenden Tag das Auto und den Camper vom Küstensalz reinigen, bevor es in die Berge geht. Nachdem wir das Superbenzin getankt haben, ist auch das klingelnde Geräusch vom Motorraum verschwunden. 60 Meilen geht es permanent bergauf. Die Strasse besteht nur aus Schotter, denn sie wird gerade neu gemacht und schon bewähren sich unsere neuen Reifen. Die Landschaft ist toll. Grüne Berge, voll Dschungel, dann weiter oben wird es karger und der Nebel bzw. die Wolken dichter. Als wir über den Pass fahren – es sind bestimmt über 4000 m, liegt die Sichtweite bei gerade mal fünf Metern. Hinter dem höchsten Punkt fahren wir in ein Wolkenloch. Die Gegend ist zwar karg, doch herrlich. Gelbe Felder werden von der Sonne angestrahlt, wir sehen überall dicke wollige Schafe sowie unsere ersten nicht angebundenen und genau so mollig weißen Alpaka. Und erst die tollen Trachten der Indogenen Frauen: goldene Glasperlenketten, weiße Kniestrümpfe unter einem knielangen Rock und einen Wollponcho, die schwarzen dicken Zöpfe schauen unter einem kleinen runden Hut hervor. Manche tragen sogar Absatzschuhe. Es sieht wirklich schick aus.

Nun wieder auf Asphalt fahren wir bis Zumbahua und biegen hinter dem Ort zur Lagune Quilotoa ab. Am Ortseingang muss jeder 2 $ abdrücken, wovon sich das Dorf finanziert. Wir stellen uns einfach auf den Parkplatz direkt der zurzeit total verhangenen Lagune, die ein noch aktiver Kratersee ist. Am Camper treffen wir die deutsche Reisende Sandra, die wir kurz darauf in ihrem Hostal besuchen, wo wir auch ihre Freundin Sigrid kennen lernen. Olli hat ziemliche Probleme mit der Höhe (wir schlauen sind ja auch gleich von 0 auf 4000 m rauf) und Sandra hat Aspirin zur Blutverdünnung für ihn. In dem großen Gemeinschaftsraum vor einem heissen Ofen versammeln sich nicht nur die Backpacker sondern auch die Einheimischen. Draußen sind es nämlich nur noch 14 Grad. Als wir rauskommen, hat sich der Himmel gelichtet und wir gehen alle noch mal an den Kraterrand. Wirklich, die Lagune ist wolkenfrei, doch auf der anderen Seite schieben sich die nächsten weißen Schleier schon wieder über die Kraterwände. Das Wasser der 400 m tiefer liegenden Lagune ist ruhig und dunkel. Olli und ich essen abends die Doradenfilets, die wir zum Abschied von Piedad in Guayaquil bekommen hatten. Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um halb 7 Uhr. Beim Blick aufs Thermometer wird mir fast schlecht. Draußen 3,9 und drinnen 9 Grad. Dazu kommt, dass man vom vielen Wassertrinken wegen der Höhe, dauernd auf die kalte Toilette muss. Doch der Himmel ist blau und die Sonne scheint. Wir kochen schnell einen Kaffee und treffen uns mit Sandra und Sigrid an der Lagune. Diese liegt zwar nicht in der Sonne, sieht aber trotzdem toll aus mit den steilen grünen bzw. braunen Wänden. Das Wasser ist dunkelblau und an manchen Stellen grün. Nach einem gemeinsamen Frühstück gehen wir alle noch einmal zu Lagune. Es weht ein bitterkalter Wind. Die Dorfbewohner schleppen riesige Säcke mit Wollsachen zu den Verkaufsständen oder treiben Schafe und Schweine an uns vorbei.

Wir verlassen Quilotoa, die beiden Mädels nehmen wir gleich mit und setzen sie in Zumbahua am Bus nach Quevedo ab. Olli und ich bleiben in Zumbahua, um hier morgen den typischen Hochlandmarkt zu erleben. Wir erkunden das Dorf zu Fuß und witzeln, dass es am Bequemsten wäre, das Auto gleich neben den Marktplatz zu stellen. So könnten wir morgen früh unseren Kaffee auf dem Dach einnehmen und hätten dazu eine herrliche Kulisse. Schließlich stellen wir uns neben das Krankenhaus, wo es wesentlich ruhiger ist. Sehr, sehr früh am Morgen werden wir wach. Es hört sich an, als ob eine Karawane an unserem Camper vorbei zieht. Durch die Fenster erkennen wir im Licht der Morgendämmerung hunderte von Menschen, Autos und Tiere, die sich keine 10 m von uns entfernt für den Markt einfinden. Wie witzig, nun stehen wir doch mitten im Geschehen. Wir kriechen allerdings noch mal ins warme Bett und betreten die Bühne erst, als die Sonne scheint. Der Markt vor unserem Camper löst sich bereits auf. Auf dem Hauptplatz Zumbahuas ist allerdings das Geschäft noch in vollem Gange. Wir durchwandern die Stände, schießen unzählige farbenfrohe Fotos und Videos und genießen die quirlige Atmosphäre. Dass Touristen hier allerdings fremd sind, können wir nicht bestätigen. Nicht nur, dass mehrere Besucher mit einer großen Kamera herumlaufen, auch ‚Gringopreise’ beweisen, dass die Indogenen auch hier schon unterschiede machen. Auch die gebratenen Meerschweinchen darf nur fotografieren, wer sie auch kauft. Von Zumbahuas geht es abermals über einen 4000 m hohen Pass nach Latacunga und von dort über die Panamericana oder die „Strasse der Vulkane“, wie sie hier genannt wird, weiter zum Cotopaxi Nationalpark. Hier stellen wir uns auf den Parkplatz und warten darauf, dass sich die Wolken vom höchsten aktiven Vulkan der Erde verziehen.

Am nächsten Morgen zeigt sich ein blauer Himmel, doch über dem Cotopaxi hängen immer noch dichte Wolken. Wir gehen es ganz gemütlich an, frühstücken und bereiten uns auf die Abfahrt vor. In den Nationalpark für 10 $ Eintritt pro Ausländer (Ecuadorianer zahlen 2 $) wollen wir nicht, da wir eh keine großen Wandersleute bzw. Bergsteiger sind. Bis zum Mittag verharren wir, immer in der Hoffnung, doch noch die schneebedeckte Spitze des Berges zu sehen. Leider wird daraus nichts. Wir verlassen den Parkplatz und fahren die Panamericana noch einmal 30 km gen Norden, doch auch von dieser Seite ist nichts zu sehen. Enttäuscht treten wir den Weg nach Süden und Baños an. Die Panamericana wurde vor ein paar Jahren neu gemacht und wirklich, links und rechts sind immer wieder Vulkane zu sehen. Alexander von Humboldt gab der Strasse 1802 diesen Namen. Irgendwo an der Strasse essen wir zu Mittag. Riesige Schweine hängen tot außen an den Restaurants, Teile von ihnen brutzeln auf dem Feuer und sind ausgesprochen lecker. Um Ambato wurde eine super Umgehungsstrasse gebaut, die uns immer bergab bis nach Pelileo bringt, wo Ecuadors Jeansproduktion stattfindet. Weiter bergab erreichen wir den touristischen Ort Baños. Es ist Sonntag und entsprechend voll sind die Strassen, doch die meisten kommen uns von ihrem Wochenendausflug entgegen. Wir halten nicht in Baños sondern fahren weiter bis Rio Verde. Die Orte liegen in einem wunderschönen Tal mit mehreren Wasserfällen, die alle in den Rio Pastaza laufen. Einmal halten wir an einer Seilbahn, die rüber zu zwei herrlichen Wasserfällen führt. Wegen des hohen Andrangs an der kleinen Gondelstation bleiben wir allerdings auf festem Boden. In Rio Verde angekommen, haben wir noch genug Zeit uns ‚El Pailon del Diabolo’, den eindrucksvollsten Wasserfall der Gegend, anzuschauen. Wir parken vor der Kirche – wo wir auch die Nacht verbringen werden - und laufen ca. 20 min hinab und bis zur Hängebrücke. Nicht mehr als 5 Personen dürfen die Brücke gleichzeitig betreten. Na ja, mit dem Zählen klappt es nicht ganz so gut… Von der Brücke und der anderen Seite hat man einen tollen Blick auf den höchsten Wasserfall des oberen Pastaza. Ohne die Brücke zu überqueren und nach einem kurzen Aufstieg zu verschiedenen Aussichtsplattformen, steht man direkt vor dem Wasserfall und wird dementsprechend nass. Man kann hier wieder wunderbar die Gewalt des Wassers beobachten.

Von Rio Verde machen wir einen Abstecher weiter nach Osten bis kurz vor Puyo. Die Fahrt durch das tiefe grüne Tal ist wunderschön und immer wieder halten wir für Fotos. Kurz vor dem Ort Shell, welcher wirklich von der Firma gegründet wurde, kann man sehen, wie sich das ehemals tiefe, nun flache Tal öffnet und in der Ferne ins ebene, Baumbestandene Amazonasgebiet übergeht. Zurück in Baños besichtigen wir den für Touristen so attraktiven Ort, der bekannt für seine heilenden Quellen ist. Davon gibt es dann auch gleich mehrere. Die berühmtesten sind die ‚Piscinas de la Virgin’, die immer sehr voll sind und sich direkt unter einem Wasserfall befinden. Doch auch das angenehme Klima auf 1800 m Höhe, viele Hotels, Restaurants und Bars machen den Ort so attraktiv. Wir erstehen hier einen neuen Rucksack und wunderbares Brot, essen sehr günstig und lecker in der Markthalle und verlassen Baños dann auch schon wieder. Auf einem anderen Weg, als den wir kamen, wurschteln wir uns zur Panamericana durch. Unser nächstes Ziel ist der 6320 m hohe Chimborazo, der natürlich auch an der Strasse der Vulkane liegt. Gleich gegenüber befindet sich die luxuriöse Hosteria ‚La Andalusa’. Don Luis, ihr Besitzer ist ein Bekannter von unserem Freund Cesar. Während wir auf ihn warten, er ist gerade in der hauseigenen Fleischfabrik, entdecken wir hinter uns eine schöne alte Anker-Kasse. Sie stammt aus der Stadt, in der wir vor dieser Reise gewohnt haben: aus Bielefeld. Na watn Zufall! Gerade kommt auch Don Luis herein und begrüßt uns ganz herzlich. Er bietet uns am Ende nicht nur einen tollen Stellplatz auf seinem Grundstück an, sondern sogar ein Zimmer mit heißem Bad. Der heißen Wanne können wir nicht widerstehen, doch die Nacht verbringen wir in unserem geliebten Jonny. Früh werden wir wach und bewaffnet mit dicken Sachen und der Kamera machen wir auch gleich einen Spaziergang rüber zum Chimborazo, der sich heute morgen mit einem weißen Hut vor einem blauen Himmel zeigt. Bevor wir La Andalusa verlassen, können wir seit langem mal wieder das Internet nutzen, um zu telefonieren. Wir bedanken uns bei Don Luis mit vielen Worten und selbst gemachtem Rotkohl.

Weiter geht es auf der guten Panamericana südlich durch eine herrliche Gegend. Das liegt vor allem am Sonnenschein. Links und rechts sieht man indogene Menschen in ihren bunten Trachten und den dunklen Hüten das Korn schlagen oder binden. Die grünen Hügel sind durchbrochen von Nadelgewächsen, doch die Erde wird immer trockener. Es geht bergauf und bei Alausi erreichen wir die Nase des Teufels. Wir umfahren ein riesiges Tal, die Aussicht ist göttlich und es werden viel zu viele Fotos gemacht. Es geht hoch und runter, doch nie bis ganz ins Tal, aber unsere Bremsen leiden auch so genug. Am Ende sind wir so hoch, dass sich die Wolken unter uns wie weißes Wasser zwischen die Berge schieben, es sieht einfach prächtig aus. In El Tampo verlassen wir die Panamericana und fahren zu Ecuadors besterhaltenen Inkaruinen – Ingapirca. Die Strasse dorthin ist schrecklich, aber die Häuser der Gegend sind auffallend groß und bunt. Die Indogenen tragen hier weiße Hüte und auch die prächtigen Röcke in grellen Farben. Gerade als wir ankommen, werden die Ruinen von einer glutroten Sonne angestrahlt. Wir wollen die Anlage aber erst Morgen besichtigen und so parken wir das Auto nur für die Nacht. Am nächsten Morgen ist es leider nicht so schön sonnig, wie wir uns das vorgestellt hatten, doch wir besichtigen trotzdem das Museum und die Ruinenanlage Ingapirca, was Inkamauer heißt (http://de.wikipedia.org/wiki/Ingapirca). Neben der Anlage gibt es einen Rundweg, der bergauf und bergab durch eine wunderschöne Landschaft führt und verschiedene Relikte der Inka zeigt, wie z. b. das Profil eines Indianers oder die in einen Fels gehauenen Kanäle.

Die Strasse von Ingapirca nach Cañas ist genauso von Schlaglöchern durchfressen. In der Stadt wird es noch schlimmer. Auch die Strassen von Cañas haben den Namen nicht verdient und uns kommt langsam der Verdacht, dass hier das Geld für den Straßenbau, in den Hausbau gesteckt wird. Diese sehen in der ganzen Gegend sehr auffallend toll aus. Sie sind groß, haben neue Dächer und Verzierungen, die sich nur Leute mit Geld leisten können. Wir werden es wohl nie erfahren. Über Azogues fahren wir nach Cuenca. Das ist Ecuadors drittgrößte Stadt und soll mit einer herrlichen Altstadt aufwarten. Zuerst gilt es jedoch den leeren Kühlschrank zu füllen und den Stellplatz anzufahren. Dann haben wir wieder einen ordentlichen Berg Wäsche, den wir in zwei Etappen zur Wäscherei bringen müssen. Die vorgesehenen drei Tage, die wir hier verbringen wollten, verlängern sich auf zwei Wochen. Olli verpasst dem Jonny ein notwendiges Facelifting: das Holz des Alkoven, also die gesamte Vorderfront des Campers, war nass und verfault. Er schraubt und sägt von morgens bis abends und ist danach nicht nur völlig fertig sondern nimmt dabei 10 kg ab. Gut, dass wir auch Internetanschluss haben. Ich beschäftige mich am Rechner und entdecke die Vielfalt des Kochens. Die wunderschöne Altstadt Cuencas besuchen wir mehrmals. Wir gehen ins Sombrero Museum, wo wir Hüte ausprobieren und eine Führung durch die Hutfertigung bekommen. Wir laufen kreuz und quer durch die Stadt, besichtigen die neue Kathedrale aus Marmor und Alabaster, besuchen eine deutsche Ausstellung im Bankgebäude, entdecken deutsches Brot, kaufen ein und und und. Außerdem komme ich endlich dazu, mein Meerschweinchen zu essen. Die gibt es nur am Wochenende und einen Sonntag machen wir uns auf und da hängen sie alle über dem Feuer an der Strasse. Der Geschmack ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Nach zwei Wochen Camperumbau verabschieden wir uns dann von Cuenca mit einem großen Lagerfeuer, wo all das Holz verbrannt wird, was Olli aus dem Camper geholt hat.

Von Cuenca geht es auf der neuen Panamericana nach Vilcabamba. Es sind kaum Autos auf der Strasse und die Gegend ist wie immer sehr schön. Farbtöne von weiß, alles was man sich an rot vorstellen kann, bis lila und grün schimmern durch die Erde. Später fahren wir durch Gras bewachsene Gebirge. Wir sehen kaum Menschen und wenn, sind es Indogene in ihren Trachten, dafür gibt es kaum 100 m ohne ein Tier. Hier steht ein dickes Schwein vor dem Haus, dort rennt ein wuscheliger Hund die Strasse entlang und als nächstes versteckt sich ein Pferd im hohen Schilfgras. Diese Natur werden wir in Deutschland sehr vermissen. Unsere letzte Verweilstation hier in Ecuador ist Vilcabamba. Das kleine Dorf liegt in einem Tal auf ca. 1500 m Höhe und bietet ein ausgesprochen angenehmes Klima. Hier haben zwei deutsche Brüder auf einem Berg ein Paradies für Reisende geschaffen. Hotel, Restaurant und Pool, Spa-Bereich und Billard und den Blick auf die umliegenden Berge und den Ort laden zum Verweilen ein. Uns bleiben leider nur noch wenige Tage, denn wir müssen schon bald das Land verlassen. Doch die genießen wir, obwohl Olli noch einige Restarbeiten am Camper erledigt. Wir stocken auch noch einmal unser Gas auf, leisten uns Currywurst und eine wunderbare Massage. Dann heißt es Abschied nehmen und den Weg zur Grenze nach Peru einschlagen. Wir haben uns für den kleinen Grenzübergang in Macará entschieden, den wir schon zwei Tage später erreichen. Die Strasse dorthin ist wenig befahren und führt durch trockene Gebirgslandschaft. Vielen Dank, Ecuador, Du hast uns sehr gut gefallen.