Auf den Spuren der Inka – 1. Oktober bis 6. November 2010

Die Strecke von Nasca im Tiefland nach Cusco in den Bergen, ist eine der schönsten, die wir auf unserer Reise gefahren sind. 4000 m hohe Pässe wechseln sich ab mit tiefen Tälern, durch die Flüsse rauschen. Wir passieren die höchste Düne weltweit, durchqueren die Pampa Galeras, auf deren ockerfarbenen Weiten man noch wilde Vikunjas, die Vorfahren des Alpakas sehen kann. Wir übernachten neben Cocafeldern, bestaunen unglaubliche Landschaften, riesige Lama und Alpakaherden und treffen auf sehr arme Menschen, die hier in den kargen Bergen leben. Für die Kinder haben wir Lutscher und Äpfel dabei, über die sich die kleinen Dreckspatzen sichtlich freuen. Ca. 100 km vor Abancay durchfahren wir einen tiefen Canyon, durch den der Wind pfeift. Es geht die ganze Zeit leicht bergab, während uns die Sonne aufs Dach scheint. Hinter Abancay wird die leere Strasse, die vorher in einem Topzustand war, plötzlich schlechter, der Verkehr wird mehr und hinter der Stadt muss unser Auto sogar einen Drogenscanntest durchlaufen. Ein riesiger LKW mit Scannarm (aus deutscher Produktion) röntgt unser Auto. Leider dürfen wir das Ganze nicht filmen. Am nächsten Tag lernen wir die beiden spanischen Radfahrer Alicia und Alvarro kennen. Die beiden freuen sich, dass wir sie bis Cusco mitnehmen und wir erleben eine schöne Fahrt zusammen. In Cusco trennen sich dann unsere Wege vorerst, denn die Radler nehmen sich ein Hostal in der Innenstadt während wir mit dem großen Auto zum Campground Quinta Lala hoch über der Stadt fahren. Hier treffen wir auf mehrere andere Reisende, unter anderen Renate und Arndt, die auch aus Deutschland kommen und mit ihrem Limettebus unterwegs sind. Das heißt für die nächsten Tage natürlich erst einmal Sozialisierung. Da es nachts auf 3600 m ganz schön schattig wird, verziehen wir uns in den kleinen Aufenthaltsraum über der Gemeinschaftsküche oder machen ein Lagerfeuer.

Gleich am nächsten Morgen erleben wir eine Überraschung, als eine Herde Alpakas und Lamas die Wiese auf dem Campingplatz in Beschlag nimmt. Die ältere Hirtenfrau dirigiert die Herde lediglich mit Zischlauten, was sehr beeindruckend ist. Wir treffen uns mit Alicia und Alvarro in der Stadt, Renate und Arndt sind auch mit von der Partie, und genießen gemeinsam die Gaumenfreuden Perus. Cusco ist eine wunderschöne Stadt, mit kleinen Gässchen und vielen steilen Treppen. Cusco war einst der Nabel der Inkawelt und die heutige Stadt steht auf den Grundmauern der alten Inkastadt. Das sieht man fast in jeder Gasse. Auf Quinta Lala finden sich immer mehr Reisende ein, die beiden Schweizer Motorradfahrer Nicole und Dario und gleich mehrere Franzosen. Wir verleben hier eine sehr schöne Zeit und bleiben wieder einmal viel länger als geplant. Sebastians Geburtstag feiern wir gleich mehrere Male und zum Zusammensitzen findet sich immer ein Anlass. Leider lässt das Wetter nach und wir haben fast täglich etwas Regen. Wir haben das Glück Janet und Michael, die wir von den Galapagosinseln her kennen, in Cusco wieder zu treffen. Die beiden sind gerade von einer dreitägigen Machu Picchu Tour zurück und auch relativ geschafft. Trotzdem verleben wir einen wunderschönen Abend bei Pisco Sour, indischem Essen und Cocatee.

Machu Picchu ist auch unser nächstes Ziel und als wir schließlich ganz alleine auf dem Campground stehen, entschließen auch wir uns, weiter zu reisen. Von Cusco fahren wir 30 km nördlich nach Pisaq, hier scheint auch wieder die Sonne, wo wir uns ein Kombiticket (70Soles) für diese und drei weitere Ruinenstätten kaufen. Leider gilt das Ticket nur für zwei Tage, doch der nette Herr im Kassenhäuschen stempelt uns das morgige Datum auf, da es schon nachmittags ist und so haben wir noch einen Tag länger. Die Strasse windet sich weiter hinauf in die Berge und bis zum Parkplatz, wo indogene Frauen Gürtel knüpfen und Mais in den Kochtöpfen dampft. Um zu den Ruinen zu gelangen, muss man jetzt per Fuß den Gipfel erklimmen. Auf einer Seite des Berges weht ein ganz schön kräftiger Wind, doch die Anlage ist wirklich sehr beeindruckend und vor allem riesig. Die hellgrünen, in Stein gefassten Terrassen liegen uns zu Füssen und oberhalb erhebt sich eine Stadt, aus einzelnen dunklen Steinen zusammengesetzt. Wir sind beeindruckt und wandern mindestens zwei Stunden über die gesamte Anlage, was wirklich Kondition verlangt.

Von Pisaq geht es weiter durch das ‚Valle Sagrado de los Incas’ (heiliges Tal der Inka). Nach einer Übernachtung am Fluss in Calca besichtigen wir am nächsten Tag die Salineras Pichingoto. Das sind kaskadenförmig abfallende Salzbecken, die weiß schimmernd am Hang der Bergkette “Qaqawiñay kleben. Bereits von der Strasse hinunter zu den Salzterrassen hat man einen herrlichen Blick auf die gesamte Anlage, das tiefe Tal mit dem Fluss und die Schneeberge dahinter. Dabei stehen die weißen Salzfelder in starkem Kontrast zu der ansonsten grünbraunen baumlosen Landschaft. Wir zahlen hier noch einmal 5 Soles extra, da die Salineras nicht im Kombiticket enthalten sind. Dann steigen wir die Treppen zu den mehr als 3000 stufenförmig angelegten Feldern hinab, die blendend weiß vor uns liegen. Die Salzgewinnung funktioniert noch nach altem prä-kolumbianischen Prinzip. In den rechteckigen Feldern von wenigen Quadratmetern verdampft das Wasser, das aus einem unterirdischen Fluss stammt und zurück bleibt das grobkörnige Salz. Der gesamte Verarbeitungsprozess von der Füllung eines Feldes bis zum Ausschöpfen des Granulates dauert ca. einen Monat und wiederholt sich ständig. Knapp 400 indigene Familien bearbeiten die Felder und sind Miteigentümer einer Kooperative. Bereits 200 - 900 n. C. baute die Chanpata Kultur hier Salz an und ab. Mit Sorge beobachten wir die Arbeiter, die barfuss im Salz herumstapfen. Salz soll ja gut sein für die Haut, doch bitte alles in Maßen. Unser nächstes Ziel sind die Terrassen von Moray. Dafür müssen wir den kleinen Ort Maras mit seinen noch kleineren Strassen durchqueren und danach weitere 10 km zurücklegen. Die Anlage Moray selber ist relativ klein. Gleich hinter dem Parkplatz blickt man auf die ehemals landwirtschaftlichen Terrassen der Inka hinunter. Es wird vermutet, dass diese Terrassen zu Versuchszwecken angelegt wurden, wobei man aufgrund der unterschiedlichen Temperaturen, verschiedene Nutzpflanzen anbaute. Unten herrschte die wärmste Temperatur, die man für den Anpflanzung von temperaturempfindlichem Obst und Gemüse nutzte und oben, im kühleren Bereich, wurde Coca oder Getreide angepflanzt. Wir machen uns nicht die Mühe hinab zu steigen, sondern genießen die Aussicht auf die perfekt geformten Terrassen von oben.

Der Himmel verdunkelt sich langsam, doch unser Tagesprogramm ist noch nicht geschafft. Die nächste Attraktion auf unserer Liste bzw. auf unserem Kombiticket, ist die Stadt Chinchero. Leider hat es bereits angefangen zu regnen, als wir am Sommersitz der Inka ankommen. Das Gute daran ist, wir sind fast die einzigen Touristen und sämtliche aufdringlichen Souvenirverkäufer haben sich schweigsam in die Hauseingänge zurückgezogen. Wir besichtigen hier die sehenswerte, doch leider nicht fotografierbare Kolonialkirche. Sie ist von innen von dem indianischen Maler Chiwantito gestaltet und ziemlich überladen mit düsteren Altären und riesigen Gemälden. Nachdem wir ordnungsgemäß unsere Parkgebühr abgedrückt haben, verschwinden wir aus Chinchero und fahren zurück zur Hauptstrasse nach Urubamba. Ollantaytambo, die letzte Stadt im Tal, die mit dem Auto angefahren werden kann, erreichen wir am selben Abend gegen 18 Uhr. In der am längsten durchgängig bewohnten Stadt Südamerikas – die dementsprechend geschnitten ist - staut sich der Touristenverkehr auf den Einbahnstrassen. Die hereinkommenden Fahrzeuge versperren den Weg für die herauswollenden und somit kommt der gesamte Verkehr zum Erliegen. Wir lassen das Auto kurzerhand am zentralen Platz stehen und gehen die restlichen 15 min zum Bahnhof, um dort unsere Fahrkarten nach Aguas Calientes zu kaufen. Wir bekommen die preiswerten Tickets für den Backpackerwagen für den nächsten Tag mittags, doch für die Rückfahrt am Samstag gibt es diese nicht mehr. Dafür kundschaften wir den Stellplatz aus, wo wir unseren Harry, während unserer Abwesenheit abstellen wollen. Wir übernachten auf dem öffentlichen großen Parkplatz unterhalb der Ruinen, wo wir zwei weitere deutsche Reisende treffen, mit denen wir wieder einmal wertvolle Informationen austauschen.

Nach dem Frühstück besteigen wir die Ruinen von Ollantaytambo. Auch diese Anlage ist groß und von oben hat man einen tollen Blick auf die verwinkelte alte Inkastadt, doch Pisaq hat uns mehr beeindruckt. Nach einer Stunde sind wir wieder am Auto, stellen unser Auto zum Vorab ausgekundschafteten Hotel und gehen mit unseren kleinen Rucksäcken zum Zug. Der fährt pünktlich um 12:50 Uhr bei herrlichem Sonnenschein durch das sich verengende Urubambatal. Wir sitzen im halbvollen Backpacker-Abteil und können uns die besten Plätze aussuchen. Olli verschläft die halbe Fahrt, auf der sich der Himmel zuzieht und so bleibt es bis Aquas Calientes. Dieser kleine Ort ist der Ausgangspunkt für Besuche auf Südamerikas berühmteste Ruinenstätte Machu Picchu. Hier ist es sehr touristisch, was sofort die vielen Souvenirstände rund um den Bahnhof beweisen. Bei unserer Ankunft kaufen wir das Rückfahrtticket, welches uns am Sonntag zurück nach Ollantaytambo bringt. Die Bustickets für die Auf- und Abfahrt zur Ruinenstätte Machu Picchu als auch die Eintrittskarten für Machu Picchu selbst am nächsten Tag kaufen wir, bevor wir uns ein günstiges Hostal suchen. Davon gibt es hier mehr als Einheimische. Auch Restaurants gibt es zu Hauff, die mit relativ teuren Preisen aufwarten. Doch am Abend entdecken wir eine Ecke Aquas Calientes, die nicht so touristisch ist, wo wir uns mit Verpflegung für den nächsten Tag eindecken und bei einem Chinesen sehr lecker essen. Während der Essensaufnahme öffnet der Himmel seine Schleusen. Im nu ist die Strasse überspült und die Restaurantbesitzer müssen große Gullydeckel ausheben, damit die Wassermassen abfließen können. Als der Regen für wenige Minuten nachlässt, kommen wir halbwegs trocken zurück ins Hotel, doch dann gießt es wieder wie aus Kannen und das die gesamte Nacht hindurch. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich fast die ganze Nacht kein Auge zumache.

Olli erwacht im Dämmerlicht und nach einem Blick auf den Fotoapparat – unsere einzige Zeitangabe - stellt er bestürzt fest, dass es bereits halb sechs ist. Na das hat ja gut geklappt, mit dem Weckdienst. Etwas genervt ziehen wir uns schnell an und gehen runter zum Bus. Der steht auch schon bereit und fährt 10 min später los. Zum Glück hat es aufgehört zu regnen, doch es ist immer noch bewölkt. Der Bus schlängelt sich gute 20 min die Serpentinen hinauf, wo die Eintrittskarten, jedoch nicht die Taschen kontrolliert werden (überall steht geschrieben, dass man Essen und Trinken nicht mitbringen darf). Es sind vor uns natürlich nun schon einige Leute angekommen, wir saßen im Bus Nummer 12, doch auf dem riesigen Gelände fällt das kaum auf. Zu allererst besteigen wir den Mirador. Selbst dabei werden mir nach den nur 2 Stunden Schlaf die Beine wabbelig. Gegessen haben wir auch noch nichts. Doch der Ausblick, der uns oben erwartet, lohnt die Anstrengung. Von verschiedenen Terrassenstufen kann man auf die Ruinenstätte Machu Picchu hinabblicken. Das Ganze thront auf steil abfallenden Felsen, im Hintergrund der heilige Berg und der Waynupicchu. Unten schlängelt sich der Urubamba um die Berge und das Panorama besteht aus steilen grünen Felsen mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund. Es verschlägt einem wirklich die Sprache. Nach unzähligen Fotos mit und ohne uns und aus jeglichem Winkel gehen wir hinunter in die ehemalige Stadt, von der Niemand weiß, wozu sie wirklich diente. Wir durchschreiten das ‚Heilige Tor’ das damals ein Zugtor war und wandern durch die labyrinthähnlichen Ruinen. Zum Essen setzen wir uns auf einen großen Stein, lassen die Beine über dem Abgrund baumeln und schauen in ein grünes Tal. Mittlerweile ist es 10 Uhr und wir sehen weitere Busse bunte Punkte ausspucken. Jetzt kommen die großen Reisegruppen aus Cusco! Wir besichtigen das Observatorium und die Tempelzone und schlagen dann den Weg zur Inkabrücke ein. Hier verweilen wir, um den weiten Blick ins nächste Tal zu genießen, die Inkabrücke ist eher weniger imposant. Anschließend machen wir es uns auf den Terrassen gemütlich und mit Blick auf den schönen Machu Picchu, was ‚Alter Berg’ heißt, verzehren wir ein zweites Frühstück. Nach einem kurzen Schläfchen, fallen die ersten Tropfen auf uns und so begeben wir uns zurück zum Bus, der uns zurück zum Hotel bringt. Noch einmal genießen wir das kulinarische Angebot Aquas Calientes sowie die Happy Hour, wonach wir beide ganz herrlich schlafen können. Am nächsten Morgen geht unser Zug zurück in Ollantaytambo, wo wir sogleich ins Auto steigen und zurück nach Cusco und dem Quinta Lala Campground fahren.

In Cusco arbeiten wir erst einmal das Erlebte auf, schließen eine Autoversicherung für Südamerika ab, erledigen die Post, besichtigen unter anderem das Kloster Santo Domingo und treffen natürlich wieder einige nette Leute aus aller Welt. Auch Renate und Arndt finden sich nach ein paar Tagen wieder ein und so wird die Zeit hier nicht langweilig. Leider verderbe ich mir bei einem unserer Stadtbesuche den Magen und liege für drei Tage flach. Anscheinend geht auch ein Virus um, denn ich bleibe nicht die Einzige mit Magenproblemen. Olli versucht sich derweil an der tropfenden Servolenkung, doch bekommt es leider nicht richtig hin. Als wir schließlich loswollen, geht die Lenkung so schwer, dass wir einen Mechaniker aufsuchen müssen. Und so verbringen wir die letzen zwei Tage in Cusco in der Werkstatt, wo auch die riesigen Trucks der Tucan-Reisegesellschaft repariert werden, so dass wir uns gut aufgehoben fühlen. Als alles repariert ist, geht es endlich weiter in den Süden. Unser nächstes Ziel ist einer der tiefsten Canyons - der Colca-Canyon sowie die „Weiße Stadt“, Arequipa. Wir verlassen Cusco durch das schöne Urubamba-Tal, welches sich noch bis 100 km hinter der Stadt erstreckt. Dann überqueren wir einen Pass und haben dahinter wieder die gelbe und einsame Hochebene, oder wie der Belesene sagt – das Altiplano. Abermals sehen wir die kreisrunden Steinmauern der Bewohner, Lama- und Alpakaherden als auch rosa Flamingos in blaue Lagunen. In Chivay, dem Eingangsort zum Colca Canyon, müssen wir 35 Soles pro Person abdrücken. Die Eintrittskarte gilt für sämtliche Sehenswürdigkeiten im Tal, doch wir machen uns direkt auf zum Cruz del Condor. Diese ehemals heilige Stätte war schon immer Tummelplatz der Andenkondore, dem Vogel mit der größten Flügelspannweite. In weniger als einer Stunde bewältigen wir die 40 km lange, steinige Piste am Rande des Tals hinauf. Den Cruz del Condor erreichen wir erst, als es bereits dunkel ist, doch unser neues GPS weist uns zu unserem Stellplatz – dem Parkplatz vor den Aussichtsplattformen. Gespannt warten wir auf den nächsten Tag.

Olli ist natürlich wieder als erster draußen, und zwar noch vor den Reisebussen, die gegen 8 Uhr eintreffen. Doch die Kondore lassen sich erst blicken, nachdem wir ausgiebig gefrühstückt und es uns auf einen Aussichtsfelsen mit Tee und Kamera bewaffnet, gemütlich gemacht haben. Viele Touristen stehen ganz oben, direkt am Cruz, genau so viele verteilen sich auf den unteren Plattformen und alle gucken ganz erwartungsvoll in den blauen Himmel. Da kommen die schwarzen Vögel auch schon. Wir fragen uns wirklich, wie oft wir vielleicht schon Kondore gesehen haben, denn diese Vögel hier sehen den alltäglichen Aasgeiern zum verwechseln ähnlich. Nur beim Heranzoomen der Bilder erkennt man einen eigenartig geformten Kopf und die weiße Halskrause. Immer wieder fliegen ein oder zwei Kondore über uns Zuschauermenge. Gegen 10 Uhr verlassen uns dann die Touristenmassen und irgendwann sind wir wieder ganz alleine mit den Aufsehern und den Kondoren. Auch wir erklimmen nun den höchsten Aussichtspunkt mit dem Kreuz, bevor wir uns gemütlich auf den Rückweg nach Chivay machen. Es ist eine schöne Fahrt entlang des Canyons mit seinen Feldterrassen. Immer wieder begegnen wir Hirten, die ihre Tiere nach Hause treiben oder einsamen Reitern auf ihren Eseln. Hinter Chivay besuchen wir am nächsten Morgen die wunderbar heißen Quellen ‚La Calera’ und fahren frisch gebadet weiter nach Arequipa.

Der Empfang in dieser schönen Stadt ist leider nicht so erquickend, denn wir werden kurz vor unserem Ziel – einem Hotel – von zwei eifrigen Polizisten gestoppt. Nun sind wir schon so lange unterwegs, haben schon so viele Geschichten über Korruption gehört und trotzdem gehen wir den beiden fast auf den Leim. Geschlagene 10 min fühlen wir uns schuldig, weil wir angeblich eine Verkehrsregel gebrochen haben, und sind kurz davor den beiden zu folgen, um unsere Strafe abzudrücken. Erst als die enorme Strafsumme genannt wird, durchschauen wir die Sache. Olli kann glücklicherweise unsere Papiere greifen und wir rollen erst langsam, dann immer schneller einfach davon. Die beiden Polizisten haben mittlerweile wahrscheinlich auch schon gemerkt, dass wir uns das Geld nicht so einfach abnehmen lassen. Trotzdem, so eine Erfahrung hinterlässt Ärger und Unsicherheit und das ist wirklich schade. Neben unserem Hotel, wo auch wieder die Tucan-Busse stehen, befindet sich ein großer Supermarkt, in dem wir unseren Kühlschrank aufstocken. Erst am nächsten Tag besichtigen wir das historische Zentrum von Arequipa. Obwohl die Kolonialgebäude aus weißem Tuffstein erreichtet sind, wird die Stadt nicht ihretwegen als „Weiße Stadt“ bezeichnet sondern weil jahrelang nur der weißen Bevölkerung das Wohnen im Zentrum gestattet war. Im Schachbrettmuster der Innenstadt entdecken wir schöne Cafés, Restaurants, viele Kirchen, Klöster und natürlich den riesigen zentralen Platz mit der beeindruckenden Kathedrale. Sie nimmt eine ganze Seite der grünen Plaza de Armas ein, alle anderen Seiten sind umgeben von zweistöckigen Arkadengängen. Heute ist Halloween und nicht nur die Kinder sind in lustigen Kostümen verpackt!

Am nächsten Tag trifft Heinz, ein alter Reisebekannter von Olli, in Arequipa ein. Gemeinsam verbringen wir hier entspannte und interessante Tage. Wir besichtigen das berühmte Kloster Santa Catalina, welches erst 1970 (nach knapp 400 Jahren) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und heute immer noch wie eine eigene kleine Stadt in rot und blau wirkt. Wir besuchen die Eisprinzessin Juanita im Museum Santuarios Andinos – was wir drei als enttäuschend einstufen (im Museum ist es so düster, dass man kaum was erkennt und auch Juanita ‚on the rocks’ ist nur schwer hinter der Scheibe auszumachen), probieren Alpakafleisch, besichtigen Kirchen und Plätze, essen Döner und finden uns immer wieder in einem der gemütliche Cafés. Aus den ursprünglich zwei Tagen Arequipa werden fünf, doch dann nehmen wir Abschied von Heinz und machen uns auf den Rückweg nach Juliaca und weiter nach Puno. Beide Städte liegen am höchsten schiffbaren See der Welt – dem Titicaca-See. Hinter Juliaca werden wir das erste Mal von der Polizei nach der SOAT-Versicherung gefragt. Wir zeigen unser Kolumbianisches Papier und siehe da, es klappt! 10 km weiter biegen wir zu den Grabtürmen von Sillustani ab, welche auf einer Halbinsel im Umayo-See liegen. Die Strasse dorthin ist mit Schlaglöchern übersäht, so dass wir das Ziel erst im Dunkeln erreichen. Der Museumswärter fängt uns gleich ab, zeigt uns einen Stellplatz und möchte am liebsten noch den ganzen Abend mit uns reden. Dazu sind wir aber zu müde, nach der ganzen Fahrerei.

Am nächsten Morgen besuchen wir dann zuallererst das kleine und ziemlich uninteressante Museum, drücken unsere Propina beim Wärter ab, der darauf ja schon seit gestern Abend gewartet hatte und fahren dann hoch zu den Chullpas. Dieses Wort stammt aus dem Aymara und bedeutet Begräbnisturm. Bei strahlend blauem Himmel besichtigen wir die Anlage. Für die Kultur der Aymaras war dieser Ort heilig. Hier begruben sie ihre wichtigsten Persönlichkeiten, meist mit mehreren Menschen als Beigabe. 1445 wurden die Aymara von den Inka unterworfen, die deren Begräbniskult übernahmen und verfeinerten. Auf dem Rückweg zur Hauptstrasse sehen wir diesmal bei Tageslicht die putzigsten Häuser bzw. kleine Festungen links und rechts – mehrerer kleine Adobe Häuschen verbunden durch Mauern, auf dem Dach die kleinen Stiere und vor der Haustür Lamas und Alpakas. Weiter geht es nach Puno, wo wir uns die ‚schwimmenden Inseln der Uros’ anschauen wollen. Nach einiger Sucherei können wir das Auto bei einem guten Hotel sicher abstellen und machen uns gleich mit dem Collectivo auf in die Stadt. In Puno ist Festwoche, alle haben frei und so sind die Strassen voller Menschen, Stände und Umzüge. Auch am Pier zu den Inseln der Uros – bzw. ihrer Nachfahren, denn der letzte Uro starb vor ca. 50 Jahren – ist es ein einziges Menschengewühl. In weniger als 2 Minuten haben wir unsere Tickets und sitzen kurz darauf in einem Boot mit bestimmt 20 Peruanern. Immer noch haben wir bestes Wetter und der blaue Titicaca-See wetteifert mit dem blauen Himmel. Als das Boot in den Schilfgürtel fährt, dürfen wir uns oben aufs Dach setzen und sehen von hier noch besser. Die Inseln sehen wirklich sehr schön aus in diesem Licht, sie strahlen geradezu golden. Toll sind auch die Schilfboote, die kunstvoll mit Drachenköpfen verziert sind. Wir machen an einer ganz kleinen Insel fest. Hier lebt eine Familie mit mindestens vier Dreck verschmierten Kindern, die gleich ihre selbst gemachten Waren anbieten. Olli und ich erstehen ein Mobilé aus Schilf – woraus auch sonst...

Es ist als ob man über ein Wasserbett geht: man sackt dabei etwas in die Schilfstängeln ein. Weiter geht es zu einer größeren Insel, wo es sogar ein Restaurant und einen Aussichtsturm gibt. Wir beobachten die Leute erst eine Weile vom Boot aus, bevor wir selber die wabbelige Schilfplattform besteigen. Die anderen Touristen schlagen sich fast, um auf den Aussichtsturm zu gelangen, nein danke, das sieht doch alles ganz schön wackelig aus. Hier probieren wir Schilfstängel als Snack und finden es gar nicht so schlecht. Zurück in Puno erleben wir einen farbenfrohen Umzug rund um den Hauptplatz. Verschiedene Gruppen tanzen in bunten Kostümen und tausende Schaulustige sitzen oder stehen am Rand bzw. auf den Treppen der Kirche. Das war unser letzter Abend in Peru, denn schon am nächsten Tag machen wir uns zur ca. 200 km entfernten Grenze nach Bolivien auf.