Naturwunder Bolivien – 28. Nov bis 13. Dezember 2010

Wir haben das quirlige La Paz hinter uns gelassen und fahren nun mit Robin und seinem VW Syncro südlich bis Patacamaya. Hier biegen wir nach Westen ab, also zur chilenischen Grenze, und unserem Ziel dem Sajama Nationalpark. Wir befinden uns im nördlichen Altiplano (Hochplateau zwischen dem westlichen und östlichen Andenzug auf bis zu 4500 m Höhe, welches sich vom Süden Perus über Bolivien bis zum Norden Argentiniens erstreckt). Man sagt, dieser Teil des Altiplano wäre der schönste. Wie wahr, im Nachmittagslicht passieren wir zerklüftete Schluchten, seltsam modellierte Steinformationen, Berge, die wie Wellen übers Land schwappen und haushohe Monolithen. Wir frühstücken vor der herrlichen Kulisse des 6542 m hohen Nevado Sajama (dem höchsten Berg Boliviens) und erreichen mittags den Eingang zum Nationalpark. Ab hier gibt es nur noch Schotter- bzw. Sandpisten. Im Ort Sajama zahlen wir unseren Eintritt (30 Bol/Pers) und fahren weiter durch eine endlose scheinende Landschaft, die lediglich von gewaltigen Lama- und Alpakaherden besiedelt zu sein scheint. Graziös schreiten sie auf ihren weichen Sohlen über das Grasbestandene Altiplano und schauen neugierig unseren Autos hinterher. Wir sind auf dem Weg zu den Naturthermalquellen. Um dorthin zu gelangen geht es über Stock und Stein, durch Wasserläufe und Tiergatter. Bevor wir jedoch ins warme Wasser steigen können, fahren wir uns erst mal fest. Gemeinsam schaffen wir es mit Schaufel und Allrad das schwere Gefährt, welches sich gute 30 cm in die feuchte Erde gegraben hat, aus dem Bodengefängnis zu befreien. Kurz darauf können wir uns den Dreck und Staub im warmen Naturpool mit Blick auf drei Vulkane wieder abwaschen. Herrlich! Von den heißen Quellen geht es blitzsauber zu einem Geysirfeld, wo Grill und Lagerfeuer entzündet werden. Nachts wird es recht frisch, doch am Morgen wärmt die Sonne alles wieder auf, eine Lamaherde besucht uns und später sind es wilde Esel, die interessiert um die Autos herumschleichen. Zwei Tage sitzen wir bei den dampfenden Geysiren und bewundern in der Nacht die 1000 leuchtenden Sterne am Firmament.

Wieder zurück auf der asphaltierten Hauptstrasse nach Oruro biegen wir in dem kleinen staubigen Ort Huari querfeldein. Nach einer Übernachtung neben der ärmlichen Häuseransammlung einer Amayra-Familie, die von der Lamazucht lebt, geht es zu unserem nächsten Ziel, der Salar de Uyuni. Auf unebenen Sandpisten schaukeln wir hinter Robin her. Die offizielle Wellblechpiste meiden wir, denn das Geruckel halten weder unsere Nerven noch der Camper aus. Es gibt unzählige gute und weniger gute Nebenpisten, auf denen wir unseren nächsten GPS-Punkt anpeilen. Einst war die gesamte Ebene des Altiplanos ein riesiges Binnenmeer, von dem heute lediglich kleine Lagunen oder Salzseen übrig geblieben sind, der Rest ist eine trockene Fläche, auf der nur Grasbüschel und Dornensträucher im teilweise heftigen Wind überleben. Den einzigen Lebewesen, denen wir begegnen sind Lamas, Vikunjas und Strauße. Letztere sind kleiner als die, die wir aus Afrika bzw. aus dem Zoo kennen. Ab und zu sehen wir kleine Häuseransammlungen aus Adobe in der Ferne schimmern. Die Landschaft ist so flach, trocken und heiß, dass die schillernde Luft uns Wasseroberflächen in der Entfernung vorgaukelt. In Salinas de Garci Mendoza tanken wir noch einmal auf und fahren eine schreckliche Strasse aus spitzen Steinen und großen Vertiefungen bergauf nach Jirira - unserem Ausgangspunkt für die Salar-Überquerung. Vom Berg, wo wir übernachten, haben wir einen atemberaubenden Blick auf die strahlend weiße Salzpracht, die sich wie ein Meer vor uns ausbreitet. Die Salar de Uyuni – mit 10.500 m2 der größte Salzsee der Erde - liegt auf 3653 m Höhe. In der Trockenzeit kann es nachts empfindlich kalt werden (-20 Grad C). Im Augenblick befinden wir uns allerdings kurz vor der Regenzeit und müssen nachts bei moderaten Temperaturen nicht frieren. Jedoch sitzt uns der von den Bolivianern lang erwartete Regen im Nacken.

Bislang ist es noch trocken, doch als wir am nächsten Tag unseren Ausguck verlassen und über eine Rampe die gleißende Oberfläche befahren, türmen sich hinter uns schon die ersten dicken Wolken auf. Über 40 Meilen legen wir auf den knirschenden Salzschollen zurück, die bis zu 7 m dick sind. Man erkennt sehr gut die „Strassen“, die die Jeeptouren hinterlassen haben und nur auf diesen bewegen wir uns fort. Sollte man sich abseits der Routen bewegen, läuft man Gefahr in einem ‚Ojo’ zu landen, ein unterirdischer Wasserlauf, der blubbernd durch die Salzdecke stößt. Auf der ‚Isla Pescado’, die wegen ihrer Fischform benannten Insel schlagen wir unser Lager für die nächsten zwei Tage auf. Die Insel wird von gigantischen, bis zu 1200 Jahre alten Kakteen sowie flauschigen Chinchillas bewohnt, von denen allerdings nur Exkremente zeugen. Am Nachmittag überfällt uns ein Sandsturm, so dass wir alle Fenster und Türen schließen müssen. Gut dass Olli gerade die Idee kam, Brownies zu backen. Mit anderen Worten, wir sitzen bei strahlendem Sonnenschein im geschlossenen Camper und der Backofen heizt uns zusätzlich ein. Ja, das Reiseleben ist nicht einfach. Abends legt sich der Wind und wir erleben einen märchenhaften Sonnenuntergang. Auch am nächsten Tag sehen wir Gewitterwolken in der Ferne vorbeiziehen. Donnergrollen rollt über die weiße Fläche und am Horizont entladen sich die schweren Wolken. Wenn es auf der Salar regnet, verwandelt sich die trockene Salzschicht in eine schlammige Masse auf der man nicht mehr fahren kann. Doch das Glück ist uns hold. Nachdem wir weitere 80 km trocken zurückgelegt, die ‚Isla Incahuasi’ und das Salzhotel besucht haben, müssen wir lediglich die letzten 100 m durch Wasser. Kurz vor der Rampe bei Colchani hat es anscheinend schon geregnet und hier verlassen wir den Salzsee.

In Uyuni lassen wir gleich die Autos gründlich reinigen bevor wir uns das kleine Örtchen, welches der letzte Grosse hier im Süden ist, genauer anschauen. Von Uyuni starten die Touren auf die Salar und auf die berühmte Lagunenstrasse, die die schönsten Naturwunder Boliviens bereithalten soll. Uyuni ist ein charmanter Fleck, wo man sich noch einmal mit dem Wichtigsten versorgen kann. Aufgrund der bevorstehenden hunderte von Kilometern übelster Piste (sagt man), entscheiden wir uns in Uyuni unseren Camper noch ein klein wenig zu präparieren. Die lokalen Schweißer Edwin und Carlos verpassen unserem Jonny innerhalb von zwei Tagen eine Metallkorsage. Aus stabilem Winkelprofil wir ihm ein Metallrahmen von den vorderen Jacks über die Seitenflanken bis zum hinteren Stossfänger maßgeschneidert angepasst. Und so fahren wir gestärkt, mit vollem Wasser- und Benzintank, einem Essensvorrat für die nächsten Tage und guter Dinge von hier los. Gleich hinter der Stadt besuchen wir im Abendlicht der Sonne den Eisenbahnfriedhof. Die alten rostenden Loks und Waggons stehen im wahrsten Sinne des Wortes in der Salar der Basura (Müll). Die Gegend ist übersäht von Plastikmüll, der erst von den Hunden aufgerissen und später vom Wind in die Wüste geweht wird. Von hier fahren wir wieder einmal neben der offiziellen Wellblechpiste auf Nebenspuren bis ins hübsche San Cristobal. Auch hier bekommen wir problemlos Benzin (wir haben bis jetzt noch nicht einmal keins bekommen oder mussten Ausländerpreise zahlen) Über Villa Alota erreichen wir das ‚Valle de las Rocas’, wo wir zwischen bizarr geformten Steinriesen die Nacht verbringen. Erst am nächsten Tag verlassen wir eine, seit San Cristobal erstaunlich gute Strasse. Zwischendurch haben wir uns auch einmal verfahren und landen in … direkt an der chilenischen Grenze, die hier auf ganzer Länge entlangführt. Dafür sehen wir die Salar de Chiguana, die sonst nicht auf unserer Strecke gelegen hätte und fahren direkt am rauchenden Vulkan Ollagüe (5869 m) vorbei. Doch dann ist erst einmal Schluss mit Lustig, denn die Piste – als Strasse kann man das wirklich nicht bezeichnen – wird nicht nur schlecht, sie wird fast unerträglich und stellt uns und die Autos auf eine harte Probe. Der Boden ist bedeckt mit spitzen Steinen, die von übelstem Wellblech abgelöst werden. Auch die Nebenpisten sind nicht viel besser. Vor uns erstreckt sich immer wieder eine unendlich weite und breite Wellblechpiste. Kein Problem für die vielen Tour-Jeeps, die hier wahrscheinlich mit 80 km/h über die vielen Huckel „fliegen“ können. Aber nicht für uns! Unglaublich, dass Sandboden so hart werden kann. Wir ruckeln und wackeln, poltern und springen über staubigen Routen, so dass die Autos später von außen wie von innen völlig eingedreckt sind. Auf den 100 km am ersten Tag passieren wir fünf wunderschöne Lagunen voll rosafarbener Flamingos und erreichen kurz vorm Sonnenuntergang den ‚Arbol de Piedra’ – einen Steinmonolithen in Form eines Baumes.

Auch am nächsten Morgen geht es weiter über eine 2 km breite Wellblechfläche. Wir erreichen die riesige Laguna Colorada auf 4300 m nach gut 20 km und einer knappen Stunde. Hier müssen wir uns vor einer Schranke registrieren und den Eintritt in das Naturreservat von 150 BOL entrichten. In der wirklich roten Lagune befinden sich hunderte von Anden- und James-Flamingos. Sie fressen, putzen sich und führen gruppenweise einen eigenartigen Tanz auf. Außer ihnen befinden sich auch Salzüberzogene Inseln im See, was von der Ferne, wie Wolkenberge aussieht. Weiter geht es zu den Geysiren ‚Sol de Manana’, die ihren Namen wirklich verdient haben. Denn als wir gegen 10 Uhr dort eintreffen, ist das Spektakel der aufragenden Dampfsäulen bereits vorbei und nur ein kleiner Nebel wabbert noch über den grünlichen Löchern. Nun ja, man kann nicht alles haben. Gleich vor den Geysiren erreichen wir den bolivianischen Zoll, wo wir die Fahrzeuge ausstempeln lassen. Die Pässe sind später dran. Das nächste Ziel erfreut uns ganz besonders, denn in der heißen Quelle der Laguna Chalviri können wir in herrlicher Umgebung endlich unsere staubigen Körper einweichen. Auf dem Weg zum letzten Altiplano-See, der Laguna Verde, passieren wir die ‚Dali Wüste’. Helle Steinriesen liegen auf gelbem Sand vor rot schimmernden Bergen. Inzwischen sind wir auf über 4500 m Höhe. Hier oben entdecken wir auch endlich die seltenen Guanakos, Vorfahren von Vikunja, Alpaka und Lama.

Und endlich gelangen wir zu den letzten Lagunen bevor es über die Grenze nach Chile geht. Die Laguna Blanca und Verde liegen am Fuße der Vulkane Lincanabur und Juriquez. Hier wollen wir den Nachmittag verbringen und am nächsten Tag das besondere Naturschauspiel der Laguna Verde miterleben. Beim Höchststand der Sonne soll die Lagune ihre Farbe ändern. Doch daraus wird leider nichts, denn der Wind ist nicht nur am Abend sondern auch den ganzen nächsten Morgen so unangenehm, dass wir bis zur Abfahrt im Camper sitzen. Von der Farbveränderung der Lagune kann anscheinend auch nur bei Windstille die Rede sein. Deshalb geht es mittags auf direktem Wellblechweg zum bolivianischen Grenzposten, wo die Pässe ausgestempelt werden und man, entgegen der Forderung des Beamten, nichts zahlen muss. Ca. 1 Kilometer nach dem Schlagbaum beginnt die wunderbar geteerte Strasse Chiles – unserem nächsten Land. Auch wenn wir in den letzten 7 Tagen über gefühlte Millionen Steine und Wellblechhügelchen fahren mussten – jeder einzelne Millimeter war es wert! Die Natur im Südwesten von Bolivien ist mit Sicherheit einmalig und die Gegend eine der beeindruckendsten auf unserem Planeten.