Atlantisches Patagonien - 27. Januar bis 4. Februar 2011

Von Puerto Madryn fahren wir noch etwas südlicher bis Trelew, wo wir sehr einfach und preiswert unsere Propangasflaschen auffüllen können. Und schon geht es weiter nach Gaiman, was etwas landeinwärts liegt. Wie auch Trelew wurde der kleine Ort Gaiman von walisischen Siedlern gegründet und ist heute bekannt für seine schnuckeligen Häuser, die Teestuben und die schöne Umgebung. In der wirklich gut ausgestatteten Touristeninformation erhalten wir einen Stadtplan mit allen Sehenswürdigkeiten und Öffnungszeiten. Wasser für unseren Camper bekommen wir hier auch gleich. Direkt neben der Touristeninformation durchlaufen wir den ehemaligen Eisenbahntunnel, der früher Gaiman mit dem nächsten – auch walisischen Ort – Dolavon verband. Heute liegt die Strecke still und es ist einfach witzig mit einer kleinen Funzel durch die ansonsten totale Finsternis zu stolpern. Auf der anderen Seite und nach 300 m Schwärze scheint dann wieder die Sonne und wir machen einen Spaziergang durch den kleinen Ort, bevor wir uns einen Stellplatz für die Nacht suchen. Am nächsten Vormittag besuchen wir das erste Haus im Ort, welches 1874 gebaut wurde und noch die Einrichtung dieser Zeit zeigt. Der Park aus Recyclingstoffen hat leider zu und wir können nur von außen die Kuriositäten erspähen. Im kleinen Wasserwerk bekommen wir Trinkwasser, welches jedoch für uns als Nicht-Amerikaner zu stark gechlort ist.

Punta Tombo ist unsere nächste Anlaufstation. Auf diesem Zipfel, der in den Atlantik reicht, leben fast eine Million Magellan-Pinguine in einer Kolonie. Das ist der größte Pinguin Nistplatz in ganz Südamerika. Wir wandern praktisch zwischen ihren Behausungen, die einfache Löcher in der Erde sind, hindurch. Vor den meistens ‚Häusern’ stehen die gar nicht mehr so kleinen Kleinen darauf wartend, dass ihre gestressten Eltern das Futter heranschaffen. Es sieht wirklich komisch aus, wie sie teilweise bewegungslos den Schnabel in die Sonne halten. Noch schöner ist es allerdings, sie in ihrem typischen Watschelgang zu erleben. Im Wasser sind die 45 cm großen Pinguine die reinsten Blitze, doch an Land sind sie eher unbeholfen. Wir fahren weiter die Küste entlang, bis wir bei Camarones wieder zur asphaltierten Ruta 3 abbiegen. Der Versuch Benzin zu bekommen, gestaltet sich als schwierig. Die erste Tankstelle hat gar keine Zapfsäulen mehr und wird von den Reisebussen nun als Raucherpausenplatz genutzt. Die zweite Tankstelle an der Ruta 3 ist auch voll, hat sogar Zapfsäulen, doch leider kein Benzin. Das bekommt man aber erst heraus, wenn man hinein gefahren ist, sich anstellt und dann so schlau ist, zu fragen. Von Schildern hält man hier nicht so viel! In Comodoro Rivadavia bekommen wir dann nicht nur Benzin sondern auch Wifi bei einer ACA-Tankstelle. Die Industriestadt bietet nicht viel Anziehendes. 1907 fand man hier Öl und seitdem boomt die Wirtschaft. Zufällig treffen wir am nächsten Tag zwei Reisende, mit denen wir uns schon seit geraumer Zeit per E-Mail verständigen. Friedel und Peter sind Deutsche, wohnen aber seit mehreren Jahren in Chile. Gemeinsam setzen wir die Reise fort.

Das 1954 gegründete Naturdenkmal ‚Bosque Perificado’ ist unser nächstes Ziel. Die Schotterstrasse ist gut und wir haben Glück mit dem Wetter, denn genau als wir kurz vor dem kleinen Park sind, kommt auch die Sonne heraus. Die Landschaft ist sehr schön und erinnert uns an die kargen Canyonlandschaften der USA. Wir beschreiten den einstündigen Rundgang, auf dem man am Boden liegende Bruchstücke ehemals riesiger Bäume sehen kann. Sie standen hier vor 150 Millionen Jahren, als es noch keine Anden gab und das Klima große Pflanzen gedeihen ließ. Während des Juras wurden diese Wälder bestehend aus Schuppentanne und Schuppenfichte völlig mit Vulkanasche bedeckt und die Zeit, gepaart mit Wind und Wasser ließ sie dann versteinern. Zurück auf der Ruta 3 geht es weitere 220 km gen Süden. Die Landschaft ist eintönig braungrau, doch gerade hier an der Hauptstrasse sehen wir unwahrscheinlich viele Tiere - leider auch sehr viel Tote. Die patagonischen Nandus mit ihrem braunen Kleid kann man kaum ausmachen zwischen den trockenen Büschen. Sie haben gerade Nachwuchs (Charitos). Ab und zu rennt ein Fuchs über die Fahrbahn und Guanakos sehen wir haufenweise. Einmal sehen wir sogar ein Stinktier am Straßenrand und hin und wieder flitzt ein Mara, ähnlich einem Hasen, aber ohne Schwanz, ins Gebüsch.

In dem beschaulichen Fischerstädtchen Puerto San Julian (7.000 Einwohner) mieten wir uns alle vier für mehrere Tage auf dem Gemeindecamping ein. Alle großen Entdecker, wie Magellan, Drake und Darwin haben in Puerto San Julian schon angelegt, was den Ort historisch besonders wertvoll macht. Die Häuser sind teilweise wunderschön und wieder einmal in allen Farben gestrichen. Anziehend macht den Ort aber vor allem seine Besucher und zwar die, die vom Meer kommen. Auch wir haben die Chance diese vom Strand aus zu beobachten. Es sind die kleinsten Delphine der Welt, die Commerson-Delphine. Auf dem Weg hierher ist uns eine Feder gebrochen, doch wir bekommen sie in diesem Ort nicht repariert. Dafür können wir für viel Geld unsere Wäsche waschen lassen.

Von Puerto San Julian machen wir uns auf, in den NP Monte León. Die größte Attraktion des 60.000 ha großen Parks war eine riesige Brandungshöhle, doch diese ist leider vor einigen Jahren eingestürzt. An der ‚Isla Monte León’ beobachten wir die vielen Wasservögel, welche auf dem kleinen Inselchen 70 m vorm Festland nisten. Die Küste hier ist wunderschön und das Wasser hat eine tolle türkise Farbe. Am Strand machen wir einen Spaziergang und besichtigen danach die Seelöwenkolonie. Allerdings sind gerade nur wenige Seelöwen an Land. Im nächsten Ort, Rio Gallegos (100.000 Einwohner), kann man unsere Blattfeder reparieren und wir können in der Zwischenzeit den Kühlschrank auffüllen sowie das Internet einer großen Tankstelle nutzen. Von hier aus fahren wir zur Chilenischen Grenze. Feuerland – der südlichste Teil unserer Reise – gehört zu einem Teil Chile und zum anderen Argentinien. Die Grenze ist voll und wir benötigen über zwei Stunden, bevor wir in Chile sind und dort zur Magellanstrasse weiterfahren können. Eine Fähre bringt uns auf die andere Seite und hier führt eine wirklich schlechte Schotterstrasse weiter nach San Sebastian, wo sich der nächste Grenzübergang befindet. Wir erledigen beide Grenzen an einem Tag und verbringen die Nacht kurz hinter Rio Grande, welches sich auf argentinischem Feuerlandboden befindet.