Chilenisches Feuerland und Patagonien – 17. bis 22. Februar 2011

Wir überqueren wieder in San Sebastian die Grenze, wobei wir uns diesmal an der langen Schlange der Bustouristen vorbeidrücken und ganz vorne an einen leeren Schalter stellen. Die Abwicklung für Mensch und Auto dauert keine fünf Minuten und kurze Zeit später an der Chilenischen Grenze geht es mehr oder weniger genauso schnell. Der Kühlschrank wird auch nur mit halbem Auge inspiziert und schon befinden wir uns auf der Piste nach Porvenir. Diese ist viel besser, als auf dem Hinweg von der kleinen Magellan-Fähre. Wir genießen die Fahrt, hören Hörbuch und sehen sogar einmal Delphine ganz nah am Strand. Dann erreichen wir Porvenir. Der Ort ist wie ausgestorben genauso wie der Fährhafen auf der anderen Seite der Bucht. Gemeinsam mit einem brasilianischen Paar warten wir in einer ziemlich üblen Kneipe auf die nächste Fähre, die in zwei Stunden anlegen soll. Das Bier hilft über die Sauberkeit der Lokalität hinweg. Reserviert haben wir nicht und hoffen nun, dass wir auch ohne Anmeldung einen Platz auf dem Schiff finden. Es kommen immer mehr Autos und mit unserer deutschen Mentalität sehen wir uns diese Nacht schon hier im Hafen verbringen. Als die Fähre dann endlich eintrifft, passen natürlich doch alle Autos hinein und es ist sogar noch viel ungenutzter Platz. Die zwei Stunden Überfahrt verbringen wir in der beheizten Lounge der Fähre, die wie ein Zugwagon aussieht. Kurz vor 22 Uhr legen wir in Punta Arenas an. Im Hafen erwartet uns eine Überraschung. Friedel und Peter begrüßen uns hier. Sie sind schon zwei Tage in Punta Arenas und wollen am nächsten Tag weiter. Nach einem kurzen Schnack, fahren Olli und ich noch in den nahe gelegenen großen Supermarkt und füllen unseren Kühlschrank auf, dann geht es zurück zum Fährhafen, wo wir die Nacht verbringen.

Am nächsten Tag sind wir ganz die vorbildlichen Touristen und besichtigen einige Sehenswürdigkeiten in Punta Arenas. 1843 zog die erste chilenische Ansiedlung - Fuerte Bulnes - von einem Ort 60 km südlich an das heutige Punta Arenas, was so viel wie Sandiger Punkt heißt. Die ehemalige Strafkolonie erfuhr, wie so viele andere Städte, ihren wirtschaftlichen Aufschwung durch den Wollboom im 19JH,. Aus dieser Zeit stammen wunderschöne Bauwerke, die heute rund um den zentralen Platz zu sehen sind. Was früher die Schafwolle einbrachte, kommt heute vom Öl, einer großen Freihandelszone und dem Tourismus. Wir besuchen das „Museo del Recuerdo“, wo alte Landmaschinen, Kutschen und Autos sowie nachgebildete Häuser und Läden von Fuerte Bulnes zu sehen sind. Wir sehen u. a. einen Uhrmacher, eine Apotheke und einen Schneider. Von Museum fahren wir auf den städtischen Friedhof mit seinen imposanten Grabstätten. Eine Stunde laufen wir zwischen den Gräbern hindurch, fotografieren die palastartigen Mausolen und schönen Statuen, doch dann beginnt ein Nieselregen und wir machen, dass wir wieder ins Auto kommen. Zeit für ein Indoor-Museum. Es ist der ehemalige Palacio der Braun Menendez-Familie, der vor ein paar Jahren dem Staat überschrieben wurde. Schon die riesigen alten Bäume im Garten sehen erhaben aus, doch das Innere der Villa übertrifft unsere Erwartungen. Der Regen hat aufgehört und wir laufen über den zentralen Platz, um anschließend zum Aussichtspunkt über der Stadt zu fahren.

Wir lassen Punta Arenas hinter uns und fahren gen Norden. Die Landschaft besteht aus gigantisch großen, grünen Estancias, auf denen Schafe, Rinder oder Pferde weiden. Auch hier finden wir wieder die typischen Windgepeitschten Lenga-Bäumen sowie blaue Lagunen. Auf den grünen Wiesen leuchten gelbe Blümchen und ab und zu rennt ein Hase oder Nando durchs Bild. In der Ferne erheben sich einmal mehr schneebedeckte Berge. Wir verbringen einen sonnigen Tag am Rio Rubens bevor es weiter zum Chiles berühmtesten Nationalpark ‚Torres del Paine’ geht.

Puerto Natales liegt mit seinen bunten Häuschen in der blauen Bucht des Stroms der letzten Hoffnung ‚Seno Ultima Esperanza’. Hier füllen wir Wasser- und Benzintank auf, bevor es wieder in unbesiedeltes Gebiet geht. Zwischen der Grenze zu Argentinien und dem eigentlichen Nationalpark fahren wir in nördliche Richtung bis zum Aussichtspunkt des Lago Sarmiento. Hinter diesem großen blauen Wasser erstrecken sich die Torres in die Höhe. Diese gewaltigen Granitfelsen beeindrucken umso mehr, da sie aus der flachen patagonischen Landschaft fast 3000 m in den Himmel ragen. Hier am Aussichtspunkt begegnen wir wieder Friedel und Peter, die zwei Tage lang im Park fischen waren. Wir wollen allerdings aufgrund des hohen Eintrittspreises von 30 USD nicht in den Park selbst und begnügen uns mit den Aussichten vom Parkrand. Nachdem wir uns von den beiden verabschiedet haben, fahren wir zur Laguna Armarga. Dieser blassgrüne See liegt unterhalb des Torres Massivs und bietet jetzt am Abend als auch am nächsten Morgen herrliche Motive für die Kamera. Außer uns und ab und zu mal einer Busladung Touristen wird die Lagune auch von unzähligen Flamingos bevölkert, die in dem mit Sulfat angereicherten Wasser auf und ab stolzieren.

Von dieser Lagune fahren wir noch weiter gen Norden und zum nördlichsten Eingang des Parks. Hier gibt es einen Campground, auf dem wir hoffen, Robin wieder zu treffen. Doch der Platz ist geschlossen und so parken wir das Auto an der Laguna Azul, wo wir uns mit unseren Campingstühlen und Tee neben eine Herde Pferde stellen und die Sonne genießen. Außer den Pferden, die sich jetzt zur Mittagszeit ausnahmslos hingelegt haben, gibt es Gänse, Flamingos und eine große Herde Guanakos zu beobachten. Letztere gibt es im Nationalpark besonders zahlreich, da sie hier geschützt leben. Ein totes Guanako haben wir heute allerdings auch schon gesehen. Zwei Füchse und eine ganze Schar Geier machten sich gerade darüber her. Von unserem sonnigen Platz auf der Wiese fahren wir – immer noch außerhalb des eigentlichen Parks – zu den Cascadas Paine. Der ca. 20 m breite Rio Paine stürzt hier nur einige Meter in die Tiefe, doch mit den wunderschön geschliffenen Felsformationen und dem Bergmassiv im Hintergrund sieht es trotzdem gewaltig aus. Hier bleiben wir für den Rest des Tages, nehmen uns den besten Platz mit Blick auf Wasser und die dahinter liegenden Berge. Am nächsten Morgen hat das gute Wetter allerdings in Nieselregen umgeschlagen. Schade für die, die solch einen Tag für den Besuch des Parks erwischen, denn auch das Massiv ist nun hinter Wolken verschwunden. Unsere fast leere Batterie im Camper überzeugt uns schließlich, den Platz zu verlassen. Bei diesem Wetter kann die Solaranlage auch nichts ausrichten. Auch unser Benzin neigt sich dem Ende und so fahren wir direkt über den kleinen Grenzposten Cerro Castillo zurück nach Argentinien. Olli brät noch schnell unser letztes Hack an, füllt zwei unserer Reservekanister auf und dann sind wir auch schon am chilenischen Grenzposten. Es dauert nur wenige Minuten, bis wir durch den Schlagbaum sind. Auf argentinischer Seite dauert es 10 min und der SAG Mann will uns doch tatsächlich fast den ganzen Kühlschrank ausräumen. Sogar das zuvor angebratene Fleisch wäre illegal und kostet Bußgeld. Alles, was bereits offen ist, dürfte nicht ins Land, erzählt er mir im Camper. Ich glaube, er wollte nur ein bisschen den Macho raushängen lassen, denn am Ende dürfen wir doch alles behalten, wir unwissenden Deutschen. Weiter geht es im leichten Regen und endlich wieder auf geteerten Strassen durch ein sehr karges Argentinien.