Farbige Bäume und erster Schnee – 5. bis 20. April 2011

Zurück von der Halbinsel Valdés werden wir in Esquel von gestiegenen Benzinpreisen überrascht, denn das Normalbenzin wurde um 0,18 Pesos erhöht. An der Tankstelle können wir ferner - dank des freien Internets - mit unseren Eltern telefonieren und E-Mails abrufen. Nachdem wir Wassertank und Kühlschrank wieder gefüllt haben, verlassen wir Esquel und fahren in der Abenddämmerung in den nahe gelegenen Nationalpark Los Alerces. Da die Hauptsaison bereits vorbei ist, wird nur noch am Wochenende Eintritt genommen, so dass wir bei der Einfahrt einfach durch gewunken werden. Viele der Campingplätze sind schon geschlossen, doch wir finden einen sehr schönen Stellplatz auf dem einfachen Camping ‚Roca’ direkt am See Futalaufquen und umgeben von bewaldeten Bergen. Jetzt im Herbst hat das Laub seine Farbe gewechselt, so dass die Bergkämme rot leuchten, während die hohen Pappeln in goldigem Gelb strahlen. Der Campingplatz ist groß und alle Stellplätze sind wunderschön und windgeschützt angelegt. Nachts wird es nun schon ziemlich kalt, doch am nächsten Morgen scheint die Sonne wieder warm auf uns herab, während wir die zwei Kilometer nach Villa Futalaufquen zu Fuß zurücklegen. Das Informationszentrum des Parks, welches sich hier befindet, ist fast größer als der Ort selbst. Wunderschöne Bäume sind angepflanzt, wie z. B. die eigenartig geformte Araucarias. Der NP ist nach der Patagonischen Zypresse benannt, die sehr alt und bis zu 60 m hoch werden kann, doch leider nur noch selten vorkommt. Wir erhalten eine Karte des Parks mit sämtlichen Wanderwegen und Campingplätzen, dann geht es zurück zu unserem einsamen Platz am See, wo Olli auf argentinische Weise ein Feuer entfacht und grillt. Am nächsten Tag fahren wir nach Puerto Limones, wo wir das Auto abstellen und eine sehr anstrengende Wanderung zu den ‚Cinco Saltos’ unternehmen. Es geht eine geschlagene Stunde steil bergauf, um oben an einem eher unbeeindruckenden Wasserfall zu gelangen. Der Blick vom Berg auf den See Futalaufquen entschädigt uns allerdings für diesen Marsch.

Wieder sind es am nächsten Morgen nur 4 Grad draußen. Nach dem Frühstück fahren wir durch den 263.000 ha großen Park nach Norden. Wir halten an einem Wasserfall, wo wir wieder steil in den Berg klettern müssen. Dieser Wasserfall ist den heiklen Anstieg jedoch wert. Bei der Weiterfahrt hören wir plötzlich ein zischendes Geräusch und stellen fest, dass uns schon wieder ein Reifen kaputt gegangen ist. Natürlich keiner von den Neuen, sondern ein Vorderrad und somit dauert der Reifenwechsel nicht lange. Noch einmal halten wir an einem Aussichtspunkt oberhalb der Laguna Verde, die ihrem Namen alle Ehre macht. Der Nationalpark ist von unendlich vielen Seen und Flüssen in den verschiedensten Farben durchzogen. Kurz bevor wir den Park verlassen, übernachten wir noch einmal am Ufer des Sees Rivadavia, der am nächsten Morgen von dichtem Nebel überzogen ist. Auf unserer Weiterfahrt nach El Bolson begegnen wir einem anderen deutschen Auto. Karen und Luis haben dasselbe Ziel und so treffen wir uns auf dem großen, gepflegten Campingplatz ‚La Chacra’ in El Bolson wieder. In El Bolson verlassen wir Patagonien und befinden uns jetzt wieder in der Provinz Rio Negro. Zwei Tage verbringen wir hier unter riesigen Wallnussbäumen mit Grillen, gemeinsamen Essen und einer Stadtbesichtigung. Die bunten Häuser des kleinen Ortes liegen in der Sonne und locken mit Schokolade, Eis und anderen Leckereien. Der Ort ist als Hippie-Kommune aus den 70ger Jahren bekannt und noch heute sieht man viele Freaks in den Strassen. Zur Zeit findet ein Biomarkt statt, auf dem sich auch viele Künstler und Schmuckverkäufer eingefunden haben.

Nachdem wir unseren Reifen abermals haben flicken lassen, fahren wir ins nördlich gelegene Bariloche. Dabei durchqueren wir Argentiniens meistbesuchten Nationalpark Nahuel Huapi. Er umfasst das argentinische Seengebiet, welches mit seiner einzigartigen Natur jedes Jahr tausende Besucher anzieht. San Carlos de Bariloche ist uns namentlich schon seit Peru bekannt. Einerseits weil der Ort der Hauptanziehungspunkt des Seengebietes ist, andererseits, weil hier schon seit vielen Jahren Camper und Reisefahrzeuge Ziel organisierter Einbrüche sind. Als wir dann tatsächlich in den Ort einfahren, sind wir wie vor den Kopf gestoßen. Es ist dreckig, voll und laut. Das soll der berühmte renommierte Ferienort sein? Vielleicht sind wir einfach nicht im richtigen Teil der Stadt, doch da wir nicht vorhaben uns hier lange aufzuhalten, erledigt Olli die Einkäufe, während ich das Auto bewache und danach fahren wir auch schon wieder aus Bariloche heraus. Karen und Luis sind auch wieder bei uns und gemeinsam stellen wir uns für die Nacht auf einen kleinen Campingplatz des Nationalparks Nahuel Haupi. War es gestern nur bedeckt, so regnet es heute. Das ist natürlich nicht das Wetter, welches wir uns für das argentinische Seengebiet gewünscht haben. Bei diesem tristen Nass sehen wir wenig von der eindrucksvollen Landschaft. Wir kommen an diesem Tag nur 60 km weit, denn die Strasse ist ungeteert und daher nur langsam zu befahren und ganz abgesehen davon, möchte man bei diesem Wetter wirklich nicht Reisen. Wir entdecken einen Campingplatz an einem Fluss gelegen, wo wir den Rest des Tages mit Kaffeetrinken und Essen im Camper verbringen. Der Regen gönnt sich keine Pause und es kühlt dementsprechend ab. Am nächsten Morgen sind die Berge schneebedeckt und die Schotterstrasse in entsprechend schlechtem Zustand.

Unser nächstes Ziel ist Villa Angostura, ein winziger Ort mit einer ewig langen Einkaufsstrasse. Hier reit sich ein teures Geschäft an das Nächste und dazwischen findet man Restaurants. Wir erwerben lediglich Benzin und schon fahren wir über San Martin de los Andes weiter nach Junin de los Andes. Diese gepflegten Orte sind normalerweise die Touristenziele der Region, doch der Regen taucht alles in eintöniges Grau. Hinter den letzten Bergen lassen wir auch den Regen hinter uns und rollen auf der Ruta 40 durch steppenartige jedoch sonnige Landschaft. Schnell erreichen wir Zapala, wo wir uns von Karen und Luis trennen. Die beiden wollen nun schnell zurück nach San Juan zu Luis Familie, wo wir sie noch einmal wieder sehen werden. Sie nehmen die gut ausgebaute, doch längere Strecke über Neuquin, während Olli und ich die als schlecht geltende Ruta 40 weiterfahren. Die Strasse ist gut und trotz des Windes von vorne, kommen wir gut voran. Wir hören Hörbuch, die Sonne scheint und die Landschaft bietet wenig. In der Ferne beeindrucken allerdings Schnee bedeckte Berge und auch einige Bergformationen ohne Schnee verleiten zu Fotos. In Chos Malal bleiben wir für die Nacht, nachdem wir am Fluss einen akzeptablen Stellplatz gefunden haben. Olli grillt, doch die Glut macht nicht so richtig mit. Erst geht sie gar nicht an und dann viel zu heiß. Na wir haben ja noch ein bisschen Zeit zum Üben. Vor der Provinzgrenze nach Mendoza verstecken wir aus Angst vor einer Frucht- und Fleischkontrolle unsere Lebensmittel, doch es gibt keinen Kontrollpunkt an dieser Strecke. Dafür wechselt Asphalt in Schotter. Ca. 50 km ist die Strasse ungeteert bzw. fahren wir auf einer alten Teerstrasse, doch es ist bei weitem nicht so schlimm, wie man uns sagte. Wir durchfahren die schöne Vulkanlandschaft von Malargüe. Das Aufkommen der Vulkane ist hier weltweit am höchsten. Wenn man das allerdings richtig erleben will, muss man in einen Park östlich der RN40 fahren. Wir geben uns mit einigen Kegeln aus der Ferne zufrieden und der erkalteten schwarzen Lava, durch die die Strasse führt.

Bei Bardas Blancas biegen wir in den Naturpark Gruta de las Brujas (Höhle der Hexen) ab. 8 km führt uns eine Schotterstrasse tiefer und höher in die Berge. Hier sagen sich vielleicht nicht Hase, doch auf jeden Fall die Füchse Gute Nacht, denn von den kleinen Grauen, schleichen hier gleich sechs herum. Nach einer Nacht vor der Rangerstation, schließen wir uns am nächsten Tag einer geführten Tour durch den für Touristen erschlossenen Teil der Höhle an. Ausgestattet mit Helm und Stirnlampe erklimmen wir auf einem schmalen Pfad den Eingang zur Gruta de las Brujas. Estella, unser Guide, berichtet uns in totaler Finsternis, über Namen und Entstehung der Höhle. Mit uns ist nur noch ein Argentinier mit seiner kleinen Tochter, der uns freundlicherweise einige Dinge ins Englische übersetzt. Wir sehen verschiedene Stalaktiten und Stalagmiten, Säulen, Gesichter und Figuren im Stein. Das Aufregendsten an dieser Höhle ist aber, dass man einige Passagen krabbelnd oder kletternd zurücklegen muss. Olli wird es zu eng und auch Vater und Tochter brechen die Tour nach der Hälfte ab. Während Estella die drei nach draußen bringt, bin ich alleine in der Höhle der Hexen, was ein eigenartiges Gefühl ist und ich bin froh, zuvor keinen Horrorfilm gesehen zu haben. Mit Estella geht es weiter durch die Höhle. Nach einer guten Stunde sind wir wieder am Auto, wo Olli schon sehnsüchtig auf uns wartet. Er hatte nämlich weder Mütze noch Schlüssel bei sich und im kalten Wind ausgeharrt.

In der nächst größeren Stadt Malargüe, verbringen wir zwei Tage. Zuerst nutzen wir das WiFi einer Tankstelle, wo wir gleichzeitig übernachten, doch fahren dann auf den Gemeindecampingplatz, wo wir die Camperbatterie ausreichend mit Strom versorgen. Von Malargüe geht es weiter nach El Nihuil. Hier beginnt der Cañon del Atuel. Die große Schlucht mit den verschiedenen Steinformationen und vor allen den vielen unterschiedlichen Farben in den Bergen ist traumhaft. Außerdem gibt es fast alle 3 KM einen perfekten Stellplatz für Leute mit eigenem Auto. Nachts ist es überraschend warm obwohl wir uns auf 1000 m Höhe befinden. Wir genießen diese Fahrt durch den Canyon bis wir beim Rückwärtsfahren ein rhythmisches Quietschen unterm Auto hören. Wie immer, wenn etwas mit dem Auto nicht stimmt, werden wir äußert unruhig, doch im Moment können wir nichts tun. In San Rafael steuern wir zuerst den örtlichen Gasversorger an, doch dieser ist nicht mehr in Betrieb. Ein freundlicher Pförtner schickt uns 10 km nach Norden zum neuen Standort, doch leider gibt es hier lediglich einen Tankstellenversorger, der keine Gasflaschen abfüllt. Der Pförtner hier will uns wieder zum anderen Ende der Stadt schicken, doch wir wissen schon, wo das enden wird. Ganz großes Kino und typisch Lateinamerika. Jeder weiß was, doch in Wirklichkeit wollen sie sich nicht die Blöße des Nichtwissens geben. Genervt verlassen wir San Rafael und fahren weiter durch die Weinprovinz Mendoza. Die Weinreben sind jetzt allgegenwärtig und obendrein begegnen uns ständig mit Weintrauben beladene LKW. Bezüglich des Autos haben wir uns entschieden, erst in Santiago den englisch sprechenden Mechaniker von Peter aufzusuchen. Wir haben genug schlechte Erfahrungen in lateinamerikanischen Werkstätten gemacht und kein Vertrauen mehr zu unbekannten Schraubern! Das ist wirklich eins der größten Probleme von Autoreisenden, eine Werkstatt zu finden, wo die Leute wirklich Ahnung von Autos haben und einen zusätzlich nicht über den Tisch ziehen.

An der großen Stadt Mendoza vorbei, rollen wir auf den Paso Los Libertadores zu. Das ist der größte Grenzübergang zwischen Argentinien und Chile. Er befindet sich auf der Achse Buenos Aires und Santiago de Chile und geht weiter nach Valparaiso und den Pazifikhäfen. Eine gut ausgebaute Strasse führt durch die bis zu 6000 m hohen Gipfel. Eine unbeschreiblich schöne Gegend, gekrönt vom blauen Wasser eines Stausees. Hier wurde der Film „Sieben Jahre in Tibet“ gedreht. In Uspallata (ca. 3.000 Einwohner) tanken wir ein letztes Mal argentinisches Benzin und schon geht es weiter. Kurz vor der Grenze passieren wir den Provinzialpark Aconcagua, der seinen Namen dem höchsten Berg Amerikas verdankt, dem 6962 m hohem Aconcagua. Für die Besichtigung ist es leider schon zu spät und so werden wir uns dies für die Rückfahrt aufheben. Nun nähern wir uns der Grenze, die anscheinend nur eine Abwicklung umfasst und hinter dem Internationalen Tunnel stattfinden soll. Doch vorab gibt es auch schon ein Grenzgebäude, in welches wir erst einmal reinfahren, jedoch weiter gewunken werden. Komisch, sonst gab es für die beiden Länder immer jeweils ein Gebäude, also getrennte Abwicklungen. Hinter dem langen Tunnel kommen wir dann zum Grenzpunkt, der sich z. Z. im Bau befindet. LKW und PKW werden getrennt weitergeleitet. Da man uns bei den PKWs eingeordnet hat, wir allerdings für die Überdachung der Zollgebäude viel zu hoch sind, bekommen wir nun eine Sonderabwicklung. Unsere ausgefüllten Papiere werden von einem Grenzangestellten ganz vorne an den Schalter gebracht, vor dem mehrere andere Autos warten. Nachdem die Papiere hier abgestempelt wurden, fahren wir außen herum, um die Fruchtkontrolle über uns ergehen zu lassen. Zwei Jungspunde mit Hund stürzen sich auf unseren Camper, sind jedoch nicht sehr nachhaltig bei der Suche. Nicht, dass wir etwas zu verbergen hätten, wir haben den Kühlschrank mal wieder auf 0 geschrumpft, doch es wird nicht nur nach Lebensmitteln gesucht sondern auch nach unbehandeltem Holz und Pflanzen und dieser Grenzübergang gilt als der Schärfste. Wir haben es geschafft. Es ist bereits 20 Uhr und stockduster, als wir auf chilenisches Boden die andere Seite des Passes herabrollen. Unser Ziel ist Los Andes, wo unsere Reisebekannten Friedel und Peter wohnen.