Riesiges Brasilien – 3. Juli bis 4. August 2011

Ein neuer verregneter Tag begrüßt uns auf dem Gelände des Itaipu-Staudamms. Wir haben beschlossen, in Paraguay noch ein Stück weiter nördlich zu fahren und erst in Salto de Guaira über die Grenze nach Brasilien zu wechseln. Diese Stadt ist wie Ciudad del Este eine riesige steuerfreie Meile, doch als wir Sonntagnachmittag hier durchfahren, sind alle Geschäfte und Stände geschlossen und nur die Unmengen von Müll verkünden von einem geschäftigen Vormittag. Wenige Kilometer hinter der Stadt befinden wir uns dann auf brasilianischen Boden ohne, dass es eine Grenzkontrolle gegeben hätte. Endlich erscheint am Straßenrand ein Aduana-Häuschen, doch hier kann man unsere Pässe nicht abstempeln. Man schickt uns in die 10 km entfernte Stadt Guira, wo wir im Zentrum die Polizei aufsuchen sollen. Na das fängt ja prima an! Dort angekommen, vertröstet man uns auf den morgigen Tag – Sonntag ist geschlossen. Wir sind etwas genervt über diese ganz besondere Art der Einreise und verbringen nun unsere erste brasilianische Nacht direkt vor dem Polizeigebäude inmitten einer lauten Stadt. Am nächsten Tag bekommen wir jedoch am Immigrationsschalter den brasilianischen Einreisestempel problemlos. Außerdem erhalten wir einen Personen-Einreise-Zettel, auf dem unser Nummernschild vermerkt ist und auch auf mehrmaliges Nachfragen versichert man uns, dass man in Brasilien nichts weiter für das Auto benötigt. Wir vertrauen mal darauf… Bei Sonnenschein besorgen wir unsere ersten brasilianischen Reales und verlassen dann Guaira in Richtung Norden. Unser Ziel ist eines der interessantesten Gebiete Südamerikas, das Pantanal. Da wir nicht viel Zeit für das riesige Brasilien haben, müssen wir uns so zu sagen, einige Leckerbissen herauspicken, wozu das Pantanal eindeutig gehört. Dieses größte zusammenhängende Sumpfgebiet der Erde, erstreckt sich über Brasilien, Bolivien und Paraguay. Doch erst einmal geht es auf einer schnurrgeraden Strasse über 1000 km nach Norden. Die Landschaft ist nicht sehr abwechslungsreich und wird bestimmt von Rohrzucker, Mais und Baumwolle, Rindern unter Palmen und unglaublich viele LKWs. Links und rechts in den Ortschaften gibt es alles fürs Auto, vor allem Tankstellen.

Wir fahren drei ganze Tage, entfliehen so dem trüben Wetter im Süden und übernachten an den großen Tankstopps der LKW. Oft sehen wir Unfälle, doch das ist auch kein Wunder bei diesem Verkehrsaufkommen und dem Fahrstil einiger Brasilianer. Bald erspähen wir die ersten blauen Papageien und auch Tukane am Himmel. In der riesigen Stadt Cuiabá wurschteln wir uns durch den Feierabendverkehr und erreichen auf der anderen Seite erst den Park Chapada dos Guimarães und später den gleichnamigen Ort. Die kleine Stadt mit etwa 16.000 Einwohnern gefällt uns auf Anhieb, weil sie sauber und überschaubar ist. In einem Touristenbüro bekommen wir Auskünfte über den Park, der leider zum großen Teil für Individualtouristen nicht mehr zugängig ist, da anscheinend Aufsichtspersonal fehlt. Der Park offeriert Schluchten, Tafelberge, Höhlen, Flüsse und Wasserfälle, wie z. B. der wunderschöne 96 m hohe Véu-da-Noiva. Bevor wir die Stadt verlassen, besuchen wir die ‚Santa Anna dos Sacramentos’, eine 200 Jahre alte Kapelle und das letzte barocke Denkmal der Region und fahren dann zum Aussichtspunkt Mirante. Von hier hat man einen weiten Blick über die grüne Landschaft und gleichzeitig ist man am geographischen Mittelpunkt Südamerikas. Bei Tageslicht und wesentlich langsamer geht es anschließend durch den Park zurück nach Cuiabá.

Wie in Argentinien ist auch Brasilien berühmt für sein gutes Grillfleisch. Einzigartig sind die Churrascarias, in denen ein Kellner von verschiedenen Fleischspießen Happen auf den Teller schneidet. Doch auch die brasilianischen Buffets, wo man seinen vollen Teller wiegen lässt, sind überall zu finden. Bevor wir nach Poconé, dem Eingangstor zum Pantanal abbiegen, kehren wir bei solch einem Buffet ein. Nach dem Amazonasgebiet ist das Pantanal im Norden des Bundesstaates Mato Grosso ein weltweit einmaliges Ökosystem. 1973 wurde versucht eine Strasse durch das Überschwemmungsgebiet zu bauen. Doch glücklicherweise ist das Land nicht immer zu bezwingen und so besteht das großartige Naturparadies nun immer noch. Eine 145 km lange, hochgelegte Schotterstrasse, genannt Transpantaneira, beginnt in Poconé, führt über mehr als 120 kleine und große Holzbrücken und endet in Porto Jofre. Entlang der Transpantaneira befinden sich viele Unterkünfte (Pousadas), die teilweise früher Fazendas waren. Wir versuchen es bei einer der ersten an der Strecke, ‚Pousada Portal Paraiso’ und treffen dort nicht nur auf einen wunderschönen Stellplatz sondern auch auf alte Bekannte. Hannelore und Werner hatten wir schon einmal kurz in Calafate getroffen. Umgeben sind wir von Rindern, Pferden und Nandus, die wirklich ein eigenartiges Geräusch von sich geben. Viele andere Vögel und auch Wasserschweine zeigen sich am Abend und der ein oder andere Kaiman watschelt übers Land.

Mit Kameras bewaffnet, gehen wir am nächsten Morgen einige 100 m weit, um ein brütendes Storchenpaar hoch im Baum zu beobachten. Wunderschöne Tiere diese würdevollen Tuiuiu- oder Jaburuvögel, die so groß wie ein erwachsener Mensch werden können. Der weiße Körper und der pechschwarze Kopf sind durch einen leuchtend roten Hals getrennt. Auch die blauen Papageien nisten hier in der Nähe und abends besuchen sie uns an unserem Stellplatz. Nach dem Abendbrot vom Grill machen wir mit Hannelore und Werner eine Nachtsafari im Jeep. Leider sehen wir wenig nachtaktive Tiere, nur Wasserschweine tauchen oft im Schein des Strahlers auf und ganz toll leuchten Millionen orangefarbener Augen der Kaimane auf der Wasseroberfläche der Lagunen. Und dann brechen wir selbst mit unserem Auto auf, die Transpantaneira bis zum Ende zu fahren. Wir haben uns extra den Wecker gestellt, denn Tiere sind ja bekanntlich eher morgens aktiv. Nach nur 1 km erreichen wir eine größere Lagune. Von der Brücke aus erleben wir ein frühmorgendliches Spektakel. Kaimane, Vögel wie Störche, Reiher, Ibisse, elegante rosenfarbene Löffelreiher und natürlich auch die Tuiuiu frühstücken hier Fisch. Bei der Weiterfahrt sehen wir immer wieder Kaimane beim Sonnenbad, Hirsche, Otter und Nandus und viele andere Vögel. 700 Vogelarten gibt es hier. Wir befinden uns am Anfang der Trockenzeit. Das Wasser der Flüsse, die vorab um mehr als drei Meter angestiegen waren und das Land in riesige geschlossene Seen (Baias) verwandelte, geht nun zurück. Während der Regenzeit sammeln sich die Landtiere auf kleinen Inseln. Jetzt bekommen sie immer mehr Raum und es ist die Zeit der Wasservögel. In den kleiner werdenden Lagunen wimmelt es nur so von Fischen, die Basis der Nahrungskette. Wenn es ganz trocken ist, kann man vielleicht auch einen Jaguar entdecken, denn dieser kommt dann bis an den Fluss zum Jagen. Uns ist es nicht leider nicht vergönnt einen zu sehen. Am Ende der Strasse, die in einem relativ guten Zustand ist, begegnet uns eine Wasserschweinmama mit ihren fünf kleinen. Sie sitzt säugend mitten auf der Strasse und lässt sich auch von uns nicht stören. Dann erreichen wir Porto Jofre – eine Luxusherberge am breiten Rio Parana. Wir drehen um und fahren im Licht der untergehenden Sonne zurück zu unserem Stellplatz, wo wir uns erst einmal den Staub der Sandstrasse im Pool abspülen. Am nächsten Morgen geht es dann zurück in den Süden.

Diesmal umfahren wir Cuiba auf einer mehr als schlechten Strasse. Das warme Wetter hat die Natur um uns verändert und nun leuchten um uns herum die Bäume in den prächtigsten Farben. Nach zweimaliger Übernachtung sind wir wieder auf Höhe Guaira, wo wir in einen Riesenstau wegen einer Baustelle geraten. Glücklicherweise geht es in unserer Richtung flott voran, doch auf der anderen Seite zieht sich der Stau bis weit in die Stadt hinein. Entlang der paraguayischen Grenze und dem Rio Parana durchfahren wir gelbe Felder und wunderschöne gepflegte Ortschaften. In einer halten wir für ein Mittagsbuffet und lernen Robie kennen. Der Handels und Wirtschaftsvorsitzende des Ortes spricht sehr gut deutsch und will uns gleich beim Bürgermeister vorstellen. Wir wollen jedoch noch bis zum Abend in Foz do Iguaçu sein und so trinken wir gemeinsam lediglich einen Kaffee. Wir erreichen dann wirklich noch die Stadt an den berühmten Wasserfällen vor Einbruch der Dunkelheit und stehen hier eine Nacht auf dem Camping International. Am nächsten Morgen brechen wir zum Parque Nacional do Iguaçu auf, um uns hier beeindruckenden Wasserfälle anzuschauen. Iguaçu bedeutet in Guarani "großes Wasser" Ein passender Name für die spektakulärsten Wasserfälle der westlichen Welt. Sie sind 20 m höher als die Niagara-Fälle und zweimal so breit. Insgesamt sind es 275 Kaskaden, die sich über ein Gebiet von fast 3 Km ziehen. Bei ihrem Besuch schrieb Eleonor Roosevelt ins Gästebuch "Poor Niagara!" Leider haben bereits die Ferien in Argentinien und Brasilien begonnen und so müssen wir uns die Wanderwege mit vielen anderen Besuchern teilen. Trotzdem ist es wahnsinnig beeindruckend, das Wasser herabstürzen zu sehen. Von der brasilianischen Seite aus, hat man einen sehr guten Blick auf die Fälle, die auf argentinischer Seite in die Tiefe fallen. Am Ende gibt es dann sogar einen mehrere hundert Meter langen Steg direkt vor einige der Fälle und darüber hinweg.

Nach diesem Spektakel fahren wir zum Hostal Paudimar, welches auch über einen Campingplatz verfügt. Hier treffen wir auf Melanie und Mathias aus Deutschland, die jedoch jetzt in Uruguay leben und auch gerade Urlaub machen. Wir haben den schönen Palmenbestandenen Platz für uns, allerdings reisen in den nächsten Tagen immer mehr und immer größere brasilianische Wohnmobile an. Vom Hostal aus machen wir eine Tour zur argentinischen Seite der Iguazú-Fälle. Für uns ist es ja eher selten, dass wir mit einer Gruppe etwas unternehmen. Der Grenzübergang mit dem Minibus, der Eintritt und auch eine Bootsfahrt sind organisiert. Wir Sieben, die die Bootstour machen, verbringen den gesamten Tag zusammen und haben unheimlich viel Spaß. Zuerst besichten wir die Fälle vom Upper Circuit, wo wir uns über den Wasserfällen befinden. Was wir vorher von der brasilianischen Seite im Ganzen sehen konnten, laufen wir jetzt im Einzelnen ab. Von einem Treffpunkt geht es dann im offenen Truck durch das letzte große Überbleibsel des Atlantischen Waldes. Wir sehen und erfahren alles über die Pflanzen und Tiere dieses dicht bewachsenen Regenwaldes. Vom Auto geht es ins Boot und da wir wissen, dass es sehr nass wird, ziehen wir uns bis auf die Unterhose aus und packen die Klamotten in die Regenfesten Taschen, die wir bekommen. Leider ist es heute nicht wie versprochen sonnig und heiß sondern bewölkt und höchstens 22 Grad. Bitterkalt wird dann die Fahrt mit dem Schnellboot durchs Wildwasser. Hingegen ist die Dusche am Rand der Wasserfälle ein Erlebnis. Nun steht erst einmal eine Kaffeepause an und dazu lässt sich dann auch endlich die Sonne sehen. Mit dem letzen Zug fahren wir zur ‚Garganta del Diablo’ – dem 700 m langen Teufelsschlund, wo man noch einmal so richtig mittendrin steht. Tosend schießt das Wasser über den U-förmigen Schlund und 80 m in die Tiefe. Das Wasser fällt zu tausenden Litern von allen Seiten und aus dem Wassernebel sieht man Schwalben stoben … es ist wirklich toll und wir sind alle total happy. Zum Abschluss des gelungenen Tages gehen wir abends in Foz do Iguaçu aus.

Am nächsten Tag ist bei mir die Stimme weg und ich weiß nicht, ob es von der Bootstour, den Caipirinas oder dem vielen Reden ist. Doch der Tag ist eh total verregnet und so kann ich mich ordentlich auskurieren. Wir bleiben noch einige Tage auf dem schönen Campingplatz, fahren mit Melanie und Matthias nach Ciudad del Este – dem steuerfreien Shoppingparadies, gehen mit den beiden sowie Fernando und Andre aus Sao Paulo Pizza essen und besuchen nun endlich auch mal eine echte Churrascaria. Nach dem herzlichen Abschied von allen fahren Olli und ich über die Grenze nach Argentinien. Wir haben dort ein wenig Ärger mit einem Grenzbeamten, der uns auffordert alles aus dem Auto auszuladen. Zum Glück können wir dieses Unglück noch einmal abwenden und werden am Schluss von einem freundlicheren Beamten abgefertigt. Nun geht es durch den Park Iguazú und nach nur wenigen hundert Kilometern erreichen wir bei Berdardo de Irigoyen erneut Brasilien. Diesmal bekommen wir nicht nur den Stempel im Pass sondern auch ein temporäres Autoimportpapier. Unsere Route geht nach Osten durch grüne Berge und an die brasilianische Küste. Im riesigen Florianopolis füllen wir unsere Trinkwasservorräte und den Kühlschrank auf, um dann gleich hinter der Stadt auf der schönen Isla Santa Catarina anzukommen. In A… finden wir einen kleinen Campingplatz direkt am Meer, wo wir mehrere Tage bleiben und das schöne Wetter genießen.

Doch die Zeit sitzt uns im Nacken und wir müssen uns von der Insel als auch von der Sonne wieder verabschieden. Denn als wir weiter nach Süden fahren, treffen wir wieder auf Regen und Kälte. In Barra do Ribeiro, was gleich hinter dem großen Porto Alegre liegt, besuchen wir Edith und Gerhard, die wir in Paraguay kennen gelernt hatten. Ihr Häuschen ist wunderschön an einem See gelegen und gemeinsam schauen wir uns Porto Alegre und das Bergdorf Gramado an. Dieses touristische Städtchen erinnert uns an Villa General Belgrano. Auch hier sind an den vielen Hotels und Restaurants deutlich die deutschen Wurzeln zu erkennen. Wir besuchen hier ein Cafe Colonial. Das ist so ähnlich wie ein Büfett, nur das man alles auf den Tisch gestellt bekommt. Der Tisch ist dann auch dementsprechend voll, so wie auch wir nach kurzer Zeit. Leider haben wir viel zu wenig Zeit und müssen uns schon zwei Tage später wieder von den beiden verabschieden. An der Küste entlang, fahren wir auf die uruguayische Grenze zu. Dabei durchfahren wir noch einmal ein Sumpfgebiet und sehen wieder die drolligen Wasserschweine. Leider liegen auch viele überfahren am Straßenrand. Als wir dann endlich die Grenze erreichen, scheinen die Regentage überstanden. Die Formalitäten auf brasilianischer sowie auf uruguayischer Seite sind problemlos und sogar das Auto wird nicht kontrolliert. Auf einer fast leeren jedoch sehr guten Strassen fahren wir ins sonnige Uruguay.